Eine Nacht in Amnesien

 

1. Billy

 

Zuerst habe ich das gar nicht so richtig mitbekommen.

Schließlich hatte ich ja damit zu tun, diese beiden Dämonen zu erledigen – eigentlich eine Kleinigkeit, wenn ich das mit der Jägerin zusammen tue - , und ich war viel zu beschäftigt, diesen stinkenden Monstern den Garaus zu machen, um zu bemerken, daß sie da liegt.

Ohnmächtig.

Sie muß wohl mit dem Kopf an den Stein gestoßen sein, als der eine ihr einen Haken verpaßte und sie eine Rolle rückwärts machte – bis das Grabmal im Wege war.

Leider habe ich den Anblick nicht lange genießen können, denn die beiden Kerle haben sich dann sofort meine Wenigkeit vorgeknöpft.

Aber da sind sie an den Falschen geraten! Ha! Lange hat´s nicht mehr gedauert, dann habe ich beide in die ewigen Jagdgründe geschickt.

Was man nicht alles tut...

Die Arbeit von anderen erledigen, die Jägerin befriedigen, deren Familie und Freunde beschützen, überleben...

Naja, was soll´s – habe ja schließlich auch so meinen Spaß dabei.

Wenigstens ab und zu.

Man muß es nehmen, wie´s kommt.

Jetzt stehe ich da und grinse auf die beiden Dämonenleichen herunter.

Saubere Arbeit, wie immer, Spikey.

Ich drehe mich zu Buffy um, aber sie liegt nur da und rührt sich nicht.

„Süße? Was ist? Bist du müde?“, frage ich grinsend, aber sie reagiert nicht. Dann gehe ich hinüber zu ihr, hocke mich neben sie und rüttle an ihrer Schulter. Die Augen mit den langen Wimpern sind geschlossen, und sie sieht ganz friedlich aus, als ob sie kein Wässerchen trüben könnte.

Wenn´s mal so wäre.

Hat Schluß mit mir gemacht, dieses Miststück, und wieder mal ist dieser Pappkamerad schuld dran, hat alles versaut. Kommt einfach hierher, als ob er nie weggewesen wäre und vermasselt mir die Tour.

Plötzlich bin ich ihr nicht mehr gut genug.

Vor ein paar Tagen sah das noch anders aus.

Ganz anders.

Aber ehe ich zu träumen beginne, muß ich sie hier irgendwie wegbringen, solange sie ohnmächtig ist. Langsam mache ich mir Sorgen, denn noch immer rührt sie sich nicht.

Ein gefundenes Fressen für Dämonen – die Jägerin, k. o. gegangen, eine unwiderstehliche Verlockung für die dämonische Fraktion hier auf dem Friedhof.

Noch einmal rüttle ich an ihrer Schulter, aber sie reagiert nicht.

Ich seufze.

Wieder einmal muß ich sie retten – und sie wird mich dafür nur noch mehr verachten.

Naja, was soll´s – ich bin eben ein Sklave meiner Gefühle.

Nun nehme ich sie vorsichtig auf die Arme, ihr Kopf ruht an meiner Schulter, die Beine baumeln an meiner Seite, und ich trage sie zum Friedhofsausgang und lege sie behutsam auf den Rücksitz meines Wagens.

Sie ist so klein, fast winzig, leicht wie eine Feder.

Und so stark.

Was jetzt? Soll ich sie zum Krankenhaus bringen oder nach Hause?

Ich sitze am Steuer, starte aber nicht. Im Rückspiegel kann ich sehen, wie sie langsam zu sich kommt, und ich drehe mich zu ihr um.

„Na, Liebes, ausgeschlafen?“, frage ich.

Sie schlägt die Augen auf, diese beiden wunderbaren grünbraunen, tiefen Meere, und sie blickt mich erstaunt an und runzelt die Stirn, während sie sich mit dem Handrücken eine Stelle am Hinterkopf reibt.

Oh, wieder mal schlechte Laune, Jägerin?

Ich nehme mir vor, das geflissentlich zu übersehen, drehe mich um und will gerade den Zündschlüssel ins Schloß schieben, als sie etwas Eigenartiges von sich gibt.

„Wer... wer sind Sie?“, fragt sie fast ängstlich.

Sofort erfasse ich die Situation – schwer von Begriff bin ich nie gewesen – und drehe mich langsam zu ihr um.

Amnesie.

Und sofort kommt mir diese Idee.

Oh, Amnesien, du Land des Vergessens!

Hallelujah!

William der Ideenreiche ist hier!

Also – was tut man in Amnesien?

Ich lächle sie an, dann setze ich einen erstaunten Gesichtsausdruck auf und frage zurück:

„Weißt du nicht, wer ich bin, meine Süße? Ich bin´s, dein geliebter Ehemann... Billy!“

Bloß keine bekannten Namen nennen – vielleicht erinnert sie sich dann doch noch...

Fieberhaft überlege ich, was ich jetzt machen könnte.

Als ihr grübelnder, völlig perplexer Blick mich streift, muß ich mich zusammenreißen, um nicht in Lachen auszubrechen, aber ich kriege das locker hin.

Man lebt nicht einfach so über hundertzwanzig Jahre, ohne die Kunst der Beherrschung von Grund auf zu erlernen.

„Sie... sind *was*? Ich... ich habe Sie noch nie zuvor in meinem Leben gesehen!“, empört sie sich, und ihre Stirn legt sich in Dauerfalten, während ihr mißtrauischer Blick mich taxiert. Einen Moment lang scheint es, als wolle sie aussteigen – ihre Hand greift hinüber zur Tür – aber dann hat sie es sich anscheinend anders überlegt und mustert mich weiter mit diesem mißtrauischen Blick und zieht dabei die Nase kraus.

Hat dir deine Mutti nicht gesagt, daß man davon Falten kriegt, Jägerin?

Ach ja – jetzt bin ich erst einmal an der Reihe, empört zu reagieren.

Und ich bin ja sowas von sauer!

„Aber, Liebling! Eben haben wir´s noch so herrlich auf dem Rücksitz getrieben – und jetzt kennst du mich nicht mehr?“, stoße ich mit der Inbrunst des zu Unrecht Beschuldigten hervor, während ich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht streiche, und ich kann förmlich sehen, wie es hinter ihrer Stirn arbeitet, wie die Windungen ihrer grauen Zellen sich krümmen vor Anstrengung, aber sie sieht immer verzweifelter und ratloser aus.

In meinem Bauch krümmt sich auch etwas. Ein Lachvulkan droht auszubrechen, und verräterische Gluckser versuchen hartnäckig, sich ihren Weg in meine Kehle zu bahnen.

Aber beherrscht wende ich mich langsam wieder dem Steuer zu und sage so beiläufig, als würde ich über das Wetter sprechen:

„Süße, was ist, kommst du nun nach vorne? Oder willst du hinten bleiben?“

Ich schlucke die Lacher einfach wieder herunter, und während ich den Schlüssel ins Zündschloß stecke und den Motor starte, klettert sie artig von der Rückbank auf den Beifahrersitz neben mir, lächelt mich unsicher an und legt die Hände in den Schoß.

Braves Mädchen.

Ein Seitenblick genügt, um zu erfassen, wie sie sich fühlt.

Fast tut sie mir leid, aber nur fast.

Sie blickt mir fragend ins Gesicht.

„Wo... wo sind wir?“, seufzt sie, und ihre Augen werden immer größer, während ich ihr *nicht* erkläre, wo wir sind.

„Keine Ahnung, wie dieses Nest hier heißt, wir sind ja nur auf der Durchreise, wie immer, Kleines. Aber wenn du möchtest, werde ich den Kerl an der Rezeption fragen, wenn wir uns ein Motelzimmer nehmen. Schätze, in *dem* Zustand kommen wir heute nacht sowieso nicht mehr weit.“, rede ich beruhigend auf sie ein.

Bin richtig stolz drauf, so ernst dabei bleiben zu können.

Naja, die Erfahrung macht´s eben!

Sie schweigt einen Moment lang, während ich – ich kann´s mir nicht verkneifen – die Sex Pistols einschiebe und voll aufdrehe.

Entsetzt schaut sie mich an, als die ersten Akkorde in die stille Nacht dröhnen.

Erschrocken, mit weit aufgerissenen Augen, brüllt sie gegen den Lärm an:

„Was ist DAS?“

Erstaunt mustere ich sie einen Moment lang, bevor ich ihr kopfschüttelnd antworte:

„Die Sex Pistols. Das verstehe ich nicht, Süße! *Deine* Musik!“

„Sex Pistols? Für mich ist das... Krach! Oh, Gott, mach das sofort aus!“, brüllt sie noch empörter und hält sich die Ohren zu.

Grinsend drücke ich auf den Knopf, und dann ist Ruhe.

Noch immer sitzt sie da, nach vorne gebeugt, sich die Ohren zuhaltend. Langsam nimmt sie die Hände herunter, dreht den Kopf und blickt mir ins Gesicht.

„ ‚Meine Musik’, sagst du... ähm... Billy? Wie... wie kommt es, daß ich sie so furchtbar finde?“, fragt sie leise und blickt mich verzweifelt an.

Ich koste es richtig aus.

„Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr, Kleines. Du LIEBST die Sex Pistols! Nur deinetwegen habe ich diesen Punklook, nur deinetwegen habe ich diese ganzen Kassetten hier besorgt – damit du immer deine geliebte Musik hören kannst, wenn wir unterwegs sind.“, erwidere ich kopfschüttelnd, während ich die Handbremse löse und losfahre.

„Meinetwegen? Oh, Gott, meinetwegen... Wer... wer bin ich? Ich habe... oh, Gott, ich habe vergessen, wer ich bin...“, flüstert sie entsetzt und verbirgt ihr Gesicht in den Händen.

Während ich im Kopf den kürzesten Weg zu diesem Motel außerhalb der Stadt auf bekannte Orte durchgehe – und wie ich diese meiden könnte -, versuche ich, empört auszusehen.

„He – was soll das? Ist das wieder eines von deinen Spielchen? Dieses Mal das kleine Amnesie-Einmaleins, was? Nicht übel – wir können´s ja nachher im Motel weiterspielen: ‚Dunkler Fremder und hilfloses Mädchen im Motelzimmer’, aber im Moment bin ich nicht gerade drauf erpicht, Liebling.“

In meinem Innern steht ein Vulkanausbruch kurz bevor.

Oh, Mann, ich habe mich lange nicht mehr so prächtig amüsiert!

Einen Moment lang schaue ich auf das verzweifelte Häufchen Unglück, das da neben mir sitzt, und wieder steigt Mitleid in mir auf.

Aber nur für einen kurzen Augenblick.

Dann sehe ich erstaunt, wie sie die Sex Pistols-Kassette wieder in den Recorder schiebt und dann die Lautstärke herunterdreht. Anscheinend steht sie auf Schocktherapie.

Soll sie haben.

Ich grinse, als die Musik abfährt, als ich sehe, wie sie lauscht, um irgendetwas von der Musik zu erfahren, um herauszufinden, was mit ihr los ist, um vielleicht eine winzigkleine Erinnerung auszulösen.

Aber sie sieht immer verzweifelter aus.

Und echt genervt.

Ich lege meine Hand hinüber auf ihren Schenkel, und verkrampft sitzt sie da neben mir, ihre Hände im Schoß verschränkt, bis sie zögernd íhre linke Hand auf meine Hand legt.

Oh.

Erstaunlich, wie sie das nimmt – alle Achtung!

Ihre Hand in meine nehmend, streiche ich zärtlich mit dem Daumen über ihren Handrücken, und ich spüre , wie sich ihre warmen Finger um meine legen.

Als würde sie sich daran festhalten, als wären meine kühlen Finger der einzige Halt.

Johnny Rotten brüllt seine „Holidays in the Sun“ unbeirrt weiter, was genau zu meiner Hochstimmung paßt – und sie ist weit *hinter* der Berliner Mauer -, während ich in die Auffahrt des Motels einbiege und wir vor der Rezeption halten.

Naja, Rezeption ist wohl zuviel gesagt – das Ding ist eher eine Hundehütte, die nur mit viel Fantasie als Rezeption durchgehen könnte. Die Holzstufen vor der Tür sind rissig und könnten mal – genau wie das Geländer – einen neuen Anstrich vertragen. Das Schild mit der Aufschrift „Zimmer frei“ hängt ein wenig schief unter der Funzel, die vom Dach baumelt und den Eingang spärlich beleuchtet.

Aber das ist jetzt nebensächlich.

Neben mir sitzt eine ahnungslose Buffy, die nur mich auf der Welt hat – wenigstens denkt sie das – und ich will schnell die Formalitäten abwickeln, bevor die Sonne aufgeht.

„Süße, bleib hier einfach sitzen. Ich bin gleich zurück.“, sage ich mit Beschützerstimme, während ich innerlich wieder kichere, als ich ihrem hilflosen Blick begegne.

Fast wie der Blick eines Kindes, dessen Eltern es verlassen wollen...

Widerwillig läßt sie meine Hand los und nickt tapfer.

„Okay. Beeile dich... bitte.“, flüstert sie, und ich kann sehen, wie schwer es ihr fällt, so ruhig dazusitzen. Fast tut es mir leid, sie allein lassen zu müssen – aber ich werde ja nicht lange fortsein.

Die beiden Stufen nehme ich mit einem Schritt, die Tür öffnet sich von innen, als ich davorstehe und einen Moment lang zurückblicke, wie sie dort in meinem De Soto sitzt, so allein und unsicher, und sehnsüchtig zu mir hinüberblickt.

Ich hebe kurz die Hand und winke ihr lächelnd zu.

Als ich mich umdrehe, steht vor mir ein abgebrochener, fetter Kerl in den Vierzigern, der ein schmieriges Lächeln aufgesetzt hat.

„Guten Abend, Sir. Oder besser: Guten Morgen! Wollte gerade abhauen, weil meine Ablösung schon wieder zu spät dran ist. Da haben Sie aber Glück, Sir. Ganze Nacht unterwegs gewesen, was?“, sagt er mit öliger Stimme und tut, als wäre er freundlich.

Dabei ist er nur neugierig, denn sein Blick gleitet an mir vorbei hinüber zum Auto.

„Wer hier von *Glück* reden kann, lassen wir mal offen. Geben Sie mir eine von den hinteren Hütten, ja? Und dann noch ein paar Schokoriegel, wenn Sie sowas in Ihrem Etablissement haben!“, erwidere ich barsch und blocke damit jede weitere lästige Frage ab.

Sofort umwölkt sich seine Miene.

Er dreht sich zur Tür, betritt vor mir sein Kabuff, und beleidigt erledigt er seine Arbeit, schiebt mir das Formular hin und reicht mir wortlos einen Schlüssel und zwei Marsriegel, als ich das ausgefüllte Formular mitsamt einem Geldschein über den Tresen schiebe.

Mr. und Mrs. Idol.

Wenn ich nicht bereits tot wäre, dann wäre das jetzt die beste Gelegenheit, mich totzulachen!

Aber nach außen hin bewahre ich Haltung und verziehe keine Miene.

Grußlos gehe ich zur Fahrertür des De Soto, aus dem noch immer Johnny Rottens wütende Stimme brüllt, setze mich neben Buffy, die mich fast dankbar anschaut und mir zur Begüßung ein scheues Lächeln schenkt – oh herrliches Amnesien! – und fahre in den hinteren Bereich der heruntergekommenen Bungalow-Anlage.

Vor der Nummer 21 halte ich.

Naja, wenigstens hat der Kerl mir den hintersten Bungalow gegeben. Mein Wagen wird von der Straße aus nicht zu sehen sein.

Buffy schaut mich fragend an.

Ich nicke ihr zu und bedeute ihr, auszusteigen, während ich die Musik ausmache.

Wieder ist die Nacht still, und ich kann sehen, wie meine Beifahrerin erleichtert aufatmet.

Als sie zögert, sage ich: „Na los, ich will ja nicht ewig hier sitzen, Kleines!“, obwohl ich genau das tun könnte, wenn ich sie so da neben mir sitzen sehe.

Ihr unsicheres Lächeln trifft mich.

Aber ich zwinge meinen Blick weg von ihr, öffne die Autotür, steige aus und gehe um das Auto herum, bis ich vor ihrer Tür stehe, die sie nun langsam öffnet.

Dann steht sie neben mir, klein und zart, und sie ergreift meine Hand.

„Billy... bitte... irgendwas ist mit mir geschehen. Ich weiß noch nicht einmal meinen Namen...“, flüstert sie verzweifelt, und ich sehe, wie ihr die Tränen in die Augen steigen.

Ihre Hand liegt warm und vertrauensvoll in meiner, und einen Augenblick lang überlege ich, ob ich mit dem Theaterspielen Schluß mache.

Ach, was soll´s – hinterher wird sie mich sowieso pfählen, egal, wie lange ich dieses Spielchen mit ihr spielen werde. Egal – was zählt, ist das Hier und Jetzt, und ich möchte es auskosten, solange es geht. Es ist schon sehr lange her, daß ich mal so einen guten Tag hatte, viel zu lange.

Mein aufmunterndes Lächeln soll sie beruhigen, und ich ziehe sie mit mir die beiden Stufen hinauf zur Tür. Da kommt eine unerwartete Frage.

„Haben wir denn kein Gepäck?“

Uuuuuuuups!

Oh, Mann, auf den Schreck müßte ich erstmal eine rauchen. Aber ich habe es mir schon die ganze Zeit verkniffen, nur aus lauter Vorsicht – sie könnte ja auf einmal daran erinnert werden, daß ich Spike bin... und nicht Billy.

Billy raucht nicht.

Während ich den Schlüssel herumdrehe und die Tür aufstoße, antworte ich ihr – und bin selbst erstaunt, wie schnell mir etwas einfällt.

„Oh, Mann – hast du denn vergessen, wie diese Jungs vorhin an der Kreuzung unseren Kofferraum geplündert haben, Süße? An der roten Ampel – und ich Idiot habe die kleinen Dreckgören nicht gesehen! Das war mir ja echt ´ne Lehre – ab jetzt schließe ich immer den Kofferraum ab... oder halte an keiner Ampel mehr.“, lache ich unbekümmert, froh darüber, ihr unsere „Gepäckarmut“ plausibel erklären zu können.

Sie klammert sich fest an meinen Arm, meine kleine, süße Klette.

„Alles weg? Alles... weg... genau wie meine Erinnerung...“, murmelt sie und legt ihren Kopf an meine Schulter.

Mit meiner freien Hand streiche ich über ihr seidiges Haar. Sie schluckt, dann hebt sie den Kopf und sieht mir in die Augen. Wir stehen in der Tür, ganz nahe beieinander, und sie hält sich an meinem Oberarm fest, als könne sie nicht allein stehen.

Aus ihren Augen spricht pure Verzweiflung, aber auch ein kleiner Funken Vertrauen – in mich, den Vampir, der gerade die Amnesie der Jägerin schamlos ausnutzt.

Warum ist mir das nicht schon früher passiert?

Nein, jetzt, ausgerechnet jetzt, wo ich dieses Miststück weder beißen kann, noch ihr sonstwie Schmerzen zuzufügen imstande bin, jetzt, wo ich sie... liebe!

Sie unterbricht meine abschweifenden Gedanken.

„Wieso bist du so kalt? Dein Körper ist so... kühl. Frierst du?“, fragt sie leise und sieht mich mit ihren unwiderstehlichen Augen an.

Oh, Mann!

Die kann ja Fragen stellen!

Aber ich kann mich auf meinen Mutterwitz verlassen.

„Ich habe Durchblutungsstörungen, Süße, das weißt du doch, Nebenwirkungen dieser blöden Herzkrankheit. Aber das *weißt* du doch alles!“, erwidere ich mit genervtem Augenrollen und setze in Gedanken meine Erklärung fort: ‚Mein Herz schlägt noch nicht einmal – aber immer, wenn ich dich so ansehe, macht es einen Hüpfer, Jägerin!’

Jetzt grinse ich doch.

Noch mehr von diesen Fragen, und sie bringt mich in Bedrängnis.

Aber ich bin ja William der Einfallsreiche, wenn´s drauf ankommt.

Frage nur, Jägerin, frage nur!

Dieses Hochgefühl tut mir verdammt gut – nach all den müden, dunklen Zeiten, die ich hinter mir habe...

Jetzt schiebe ich sie sanft in den dunklen Raum, knipse das Licht an, gehe sofort hinüber zu den großen Fenstern und beginne, die Vorhänge zuzuziehen, sorgfältig, damit kein Lichtstrahl eindringen kann, während ich schlafe, denn das Bett – ein großes Doppelbett – steht genau davor. Buffy sieht mir zu, grübelnd und stirnrunzelnd, und ich kann ihre nächste Frage schon erahnen, noch bevor sie sie ausspricht.

„Wieso tust du das? Ich... ich glaube, ich mag es, wenn die Sonne ins Zimmer scheint... , denke ich jedenfalls. Oder?“

Ich seufze. Meine eigene Idee beginnt, sich selbständig zu machen, und ich weiß nicht, wohin das noch führen soll. Aber noch genieße ich es trotzdem.

In vollen Zügen.

„Ja, Liebling, *du* magst die Sonne... Aber ich habe eine extreme Sonnenallergie. Darum reisen wir doch immer nur nachts, deshalb haben wir doch die Nacht längst zum Tag gemacht...“, erwidere ich, wieder die Ungeduld vortäuschend, die man an den Tag legt, wenn man einem begriffsstutzigen Kind etwas zum hundertsten Mal erklären muß, während ich noch ein letztes Mal die Vorhänge überprüfe und mit dem Ergebnis zufrieden bin.

Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich sie immer noch an der Tür stehen.

Sie beobachtet mich.

Wie man etwas beobachtet, was man zu kennen glaubt, aber im Moment nicht weiß, woher.

Die Jägerin sieht mir grübelnd zu, wie ich zum Bett gehe und die Tagesdecke herunterziehe und zusammengeknüllt auf den Boden fallenlasse. Wie ich meinen Mantel ausziehe – aus dessen Tasche ich vorher die beiden Schokoriegel nehme und auf den Tisch lege – und über einen der beiden schäbigen Sessel werfe, wie ich mein T-Shirt über den Kopf ziehe und es achtlos auf den anderen Sessel werfe.

Ich habe zu tun.

Endlich schließt sie die Tür.

Wurde ja auch Zeit. Draußen dämmert es bereits.

Ich drehe mich zu ihr um und lächle sie an.

„Komm, Liebling, wir duschen wieder zusammen. Das hat dir doch immer solchen Spaß gemacht.“, sage ich versöhnlich und deute mit dem Kopf auf die Tür zum Bad.

„Wieso nennst du mich nie beim Namen, Billy? Wie... wie heiße ich überhaupt?“, kommt wieder ein Geschoß von einer Frage geflogen, das es in sich hat.

Zur Hölle, Jägerin, selbst ohne Gedächtnis bist du gefährlich...

Ihre Augen konzentrieren sich auf mein Gesicht, als suche sie darin etwas.

Sie versucht sich zu erinnern, und ich spüre, wie sehr sie sich anstrengt – ich kann es förmlich rattern hören – und wieviel Kraft es sie kostet, nicht vollkommen zu verzweifeln.

Nein, die Jägerin gibt nicht auf.

Das ist meine tapfere Jägerin!

In diesem Moment bin ich stolz auf sie, auch wenn ich nebenbei krampfhaft überlege, welchen Namen ich ihr geben könnte – der sie an nichts erinnert, so nichtssagend ist wie möglich.

Und blödsinnig genug.

Mein Vulkan meldet sich wieder, ist wieder kurz vor seinem Lachausbruch, und ich kann schon deutlich die Gluckser spüren, die langsam aufsteigen und mich fast meine ganze Konzentration kosten.

Buffy Anne Summers – wie soll ich dich nennen?

„Roberta.“, sage ich – und könnte auf der Stelle umfallen vor Lachen.

Ja – Roberta, unsere Kuh hieß früher so.

Ich grinse sie an, wie sie da steht, stirnrunzelnd, grübelnd und mit ihrem vermeintlich eigenen Namen nichts anfangen kann.

Sie schluckt.

„Roberta? Wirklich? Das... das kommt mir alles so fremd vor. Ich... kann mich an nichts erinnern, nicht an dich, nicht an *uns*, an nichts – ich weiß nicht einmal, ob ich diesen Namen wirklich trage oder nicht! Ich weiß gar nichts mehr... Nur, daß ich in dem Auto da draußen aufgewacht bin, sonst nichts... Wer bist du?  Wer bin ich?“, sprudelt es aus ihr heraus, und langsam übermannt sie der Zorn.

Aber zornigsein kann ich auch. Und wie!

„Was soll das Theater, Roberta! Du bist schon den ganzen Abend so komisch, Jä... ähm... jähzornig wie von der Tarantel gestochen! Erst müssen wir so dringend vögeln, daß ich am Straßenrand halten muß – und wenn du aufwachst aus deinem Orgasmus, dann kennst du mich nicht mehr! Fehlte bloß noch, daß du *mich* dafür verantwortlich machst, zur Hölle!“, schnauze ich sie an.

Autsch! Beinahe hätte ich sie Jägerin genannt.

Diese Klippe konnte ich gerade nochmal umschiffen...

Sie steht da und sieht mich erschrocken an.

Wieder läuft ihr Gehirn auf Hochtouren, und sie blickt mich schweigend an. Mit diesem grüblerischen Ausdruck im Gesicht erinnert sie mich an einen ganz bestimmten Vampir mit Seele, an den ich jetzt lieber nicht denken möchte.

Und irgendwie dauert mir ihr Schweigen verdächtig zu lange.

Endlich schüttelt sie den Kopf.

„Dieses ‚zur Hölle’... sagst du das oft? Das kommt mir bekannt vor.“, beantwortet sie mit hochgezogenen Brauen meinen zornigen Vortrag von eben.

Mist – ich muß unbedingt auf mein Vokabular achten!

Andererseits – vielleicht „erinnert“ sie sich ja auch durch das eine oder andere Wort an ihren „Ehemann“ – oder zumindest *will* sie das, könnte ich mir vorstellen...

Muß ja ziemlich blöd sein, wenn man nicht weiß, wer man ist – und da greift man dann zum ersten Strohhalm, der einem hingehalten wird.

Mein Inneres bebt vor Vergnügen.

„Naja – jeder hat so sein eigenes Vokabular, Süße – ich fluche nunmal gerne. Du hast mich doch damals auch geheiratet, weil ich immer so ‚unverblümt’ bin, wie du es ausdrückst. Und weil ich beim Vögeln so versaute Sachen sage...“, grinse ich und mache einen auf Verlegen.

Baron von Münchhausen wäre stolz auf mich.

„Du bist widerlich...“, sagt sie, bricht aber ab, weil irgendetwas sie irritiert.

Natürlich – da fehlt dieses Spike-Anhängsel an ihrem Standardspruch.

Verflucht – warum muß ich dieses unbändige Lachen immerzu hinunterschlucken? Mir tut schon alles weh.

„Billy... ähm... habe ich das nicht schon einmal gesagt?“, fragt sie nachdenklich.

Ich stelle mich dumm. „Was denn, Süße?“, frage ich zurück.

„Na, daß du widerlich bist...“, antwortet sie und verdreht genervt die Augen.

Ich schüttle unschuldig den Kopf.

„Noch nie, Roberta, noch nie. Du sagst nur nette Sachen zu mir – du liebst meine leichte Vulgarität, sagst du doch selbst immer.“, erwidere ich lächelnd und strecke die Arme nach ihr aus, als sie sich in Bewegung setzt. Ein erkennendes Lächeln huscht über ihr Gesicht – ja, sie hat wieder etwas in ihrem Gedächtnis gefunden -, und fast sieht sie froh aus, als sie auf mich zukommt und ihre Jacke abstreift.

Da ist auch schon das nächste Problem.

Verdammt!

Ein Holzpflock fällt ihr aus der Tasche und kullert ein Stück über den Boden.

Erstaunt blickt sie ihm hinterher und dann zu mir – alles an ihr ist eine Frage.

Sie ist ein verdammtes Fragezeichen in Person.

Aber bevor sie die Frage stellen kann, bücke ich mich und hebe den Pflock auf.

„Oh, da ist er ja! Na, wenigstens *den* haben sie uns nicht geklaut – danke, meine Süße, daß du ihn bei dir getragen hast – hatte es schon wieder vollkommen vergessen!“, brabble ich los und sehe, wie ihr Gesicht erneut diesen grüblerischen Ausdruck annimmt.

Scheiße.

Und da kommt es auch schon:

„Was ist das?“

Ich tue so, als könne ich meinen Ohren nicht trauen, daß sie eine solche Frage stellt – aber ich werde mal nicht so sein und mich dazu herablassen und sie beantworten, wenn ich auch dabei genervt die Augen verdrehe.

Ich hole tief Luft.

„Also gut. Das hier“, und ich halte demonstrativ den Holzpflock in die Höhe wie ein Lehrer den Zeigestock, „ist ein Erbstück von meinem Großvater, falls du´s vergessen hast. Mein Großvater hat damit den Grundstein zu seinem Erfolg gelegt: Er hat Bohnen angebaut – und das Ding hier ist ein Pflanzstecken – übrigens eine historische Rarität, Süße – mit dem man Löcher in die Erde bohrt, um Bohnensamen hineinzulegen.“

Auweia.

Fast verliere ich den letzten Rest an Selbstbeherrschung, als ich diesen vollkommen sinnleeren Ausdruck in ihrem Gesicht sehe, während ich ihr diese irrsinnigste aller Erklärungen für eine Waffe vorsetze, die man zur Vampirjagd benutzt. Ihr leerer Blick spricht Bände – ach, was sage ich: ganze Bibliotheken!

Wenn sie jetzt noch irgendetwas sagt oder macht, was dem noch eins draufsetzt, dann platze ich. Meine Lachgluckser zu beherrschen, scheint das einzige zu sein, dessen ich noch fähig bin, als ich da so mitten in diesem Motelzimmer stehe und der Jägerin einen Holzpflock als Gartengerät beschreibe.

Schnell wende ich mich ab und gehe zielstrebig – und übers ganze Gesicht grinsend, denn jetzt kann sie es ja nicht sehen – auf die Tür zum Bad zu. Gerade will ich am Türknauf drehen, als von hinten ihre zögerliche Stimme kommt.

„Ja – jetzt, wo du das sagst, kommt es mir doch sehr bekannt vor... Ich glaube, ich erinnere mich daran – und ich weiß, daß ich das Ding heute hier in meine Jackentasche gesteckt habe. Oh, Billy! Ich kann mich wieder ein wenig erinnern!“, sagt sie froh.

Und ich kann mich nicht erinnern, wann ich je solche Lachkrämpfe zu beherrschen hatte.

Verzweifelt versuche ich, ihrer Herr zu werden, damit ich „Roberta“ antworten kann, aber es dauert eine ganze Weile, bis ich ein Wort herausbringe.

„Das ist *meine* kleine Frau! Komm, Roberta, ich bin müde, laß´ uns duschen und dann ins Bett gehen.“, sage ich fröhlich, bevor ich im Bad verschwinde, wo ich mich erst einmal aufs Klo fallenlasse und mich von meinem Lachvulkan zu befreien versuche – natürlich immer darauf bedacht, es leise zu tun.

Der Vulkanausbruch kommt, zusammen mit einem kräftigen Erdbeben, das mein Zwerchfell erschüttert, das Lachen nimmt die Anspannung von mir, unter der ich gerade eben noch stand, und ich fühle mich so wunderbar wie selten in den letzten Jahren.

Es ist so befreiend, so überaus erleichternd, endlich diesem Bedürfnis nachgeben zu können, und ich sitze nur da und lasse es heraus aus mir.

Glucksend, sprudelnd, gackernd, kichernd. Leise.

Und meine Idee erscheint mir so wunderbar, so genial, so wohltuend für mein Ego, das in letzter Zeit so furchtar gelitten hat.

Obwohl es ziemlich anstrengend ist, das hier durchzuhalten.

Aber wenigstens habe ich hier einen Rückzugsort, wo ich – im wahrsten Sinne des Wortes – auch mal ablachen kann. War auch höchste Zeit.

Als ich mit Duschen – und Lachen – fertig bin und wieder ins Zimmer komme, liegt sie bereits im Bett und schaut nur kurz hoch, als ich reinkomme und meine Klamotten auf  dem Sessel plaziere.

Mein puddingweiches Herz schmilzt dahin, als ich sie so im Bett liegen sehe, den Kopf seitlich auf ihrem Arm, ernst und angespannt, traurig und grübelnd, in meinem T-Shirt.

Meine Buffy... ähm Roberta.

Schon wieder muß ich grinsen, aber ich kann es gerade noch in ein Lächeln umwandeln, als sie aufblickt und mich ansieht. Daß ich nackt bin, versucht sie zu ignorieren, aber es gelingt ihr nicht, denn ihr unsteter Blick gleitet über meinen Körper, bleibt mal hier und mal dort hängen, aber schließlich schafft sie es, den Blick wieder abzuwenden und legt ihren Kopf zurück auf ihren Arm.

Bestimmt kommt gleich wieder eine dieser Fragen, auf die ich nicht vorbereitet bin.

Naja, aber bis jetzt kann ich wirklich zufrieden sein mit mir – habe ich das nicht prima gemeistert?

Ha! William der Einfallsreiche hat einen guten  Tag!

Und da kommt sie auch schon, die Frage.

„Wieso haben wir keine Trauringe, wenn wir doch verheiratet sind, Billy?“, fragt sie so unschuldig, als würde sie nach der Zeit fragen.

Zur Hölle!

Wozu braucht man denn Trauringe?

Ja – wozu eigentlich?

„Roberta,“, erwidere ich – und mache eine Pause, um diesen herrlichen Kuhnamen so richtig nachklingen zu lassen. „wir sind ein ungewöhnliches Paar, wir brauchen keinen Konventionen zu entsprechen – wir haben Trauringe nicht nötig, Süße!“, und nach einer weiteren Pause füge ich bedeutungsvoll hinzu: „Wir haben doch *uns*, Liebes!“, und mein vorwurfsvoller Blick sinkt tief in ihre herrlichen Augen, die zu mir aufschauen.

Dann gehe ich zur anderen Seite des Bettes, setze mich drauf und schlüpfe, nackt und noch warm vom Duschen, neben ihr unter die Decke.

Meine Hand gleitet zu ihr hinüber, aber sie reagiert nicht. Sie sieht sehr müde aus, wie sie da mit halbgeschlossenen Augen liegt.

„Was ist, Liebes – schieben wir noch ´ne Nummer?“, kann ich mir nicht verkneifen zu fragen.

Sie seufzt.

„Billy – ich habe solche Kopfschmerzen... bin so müde...“, murmelt sie leise.

„Okay, Kleines!“, erwidere ich und streiche ihr mit der Hand übers Gesicht.

Kopfschmerzen also.

Komisch, sogar bei einer imaginären Ehe kommt dieses Argument – muß wohl ein angeborenes Übel des weiblichen Geschlechtes sein. Ein Wissenschaftler würde da eine Langzeitstudie draus machen – aber ich bin keiner, und deshalb lasse ich diesen Gedanken schnell fallen. Aber eigenartig ist das schon, stelle ich grinsend fest.

Buffy schließt die Augen, und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Aber dieses Lächeln verschwindet, als sie noch einmal den Kopf hebt und mich fragend anblickt.

Huuuuuuuh! Was denn noch, Jägerin?

„Billy... ähm... eine Frage noch... Haben wir kein Zuhause?“

Oh, Mann – bin ich hier bei Inspektor Columbo oder was?

Aber ich bleibe ganz ruhig, stütze meinen Kopf auf die Hand, während ich ihre Nähe und ihren Duft genieße. Ihre Augen blicken mich fragend an, und ich habe das Gefühl, daß sie bis auf den Grund meines Herzens schauen, das mir bei diesem Blick fast zu zerspringen droht.

„Süße. Nein, wir haben kein Zuhause. Aber das ist nicht wichtig. Wir haben uns – und nur das zählt, das ist mehr als die meisten Menschen auf der Welt besitzen – und alles, was man braucht, Liebling. Ich liebe dich – vergiß das nie.“, flüstere ich, und dieses Mal meine ich, was ich sage, dieses Mal ist es kein Theater, kein Schmierenschauspiel, keine Hollywoodvorstellung, sondern alles, einfach alles von mir – der pure Spike.

Buffy lächelt, und ich beuge mich vor, suche und finde ihre Lippen.

Der Kuß ist sanft und trotzdem leidenschaftlich, und alles, was ich für sie empfinde, lege ich in ihn hinein – und sie erwidert ihn ebenso leidenschaftlich.

Mich durchrieselt ein wonniges Kribbeln, ein Verlangen, das mich immer in seinen Bann zieht, wenn sie mir nahe ist, aber gerade, als ich sie näher zu mir heranziehen will, zieht sie ihren Mund fort und lächelt mich einfach an.

Voller Vertrauen – aber sehr, sehr müde.

Ja, Buffy, du hast recht – für heute hattest du genug Aufregung...

Sie schließt die Augen – sie weiß, daß ich verstanden habe – und schiebt ihren Kopf zu mir hinüber, während ich mich auf den Rücken lege, und dann kuschelt sie sich an mich – Kuscheln mit Buffy! -, legt ihren Kopf auf meine Schulter, drückt ihren schlanken Leib an meinen – jetzt noch immer warmen – Körper, und dann höre ich ihre gleichmäßigen Atemzüge und ihr Herz, das ruhig und leise schlägt und weiß, daß sie eingeschlafen ist.

Es war ein schlimmer Tag für sie – aber ich habe es geschafft, daß sie zufrieden einschläft.

Und das sollte meine Rache sein?

Ich bin ein Weichei, ein Puddingherz, ein Idiot.

Ein verliebter Idiot.

Ein zufriedener, idiotischer, verzweifelt Liebender...

Mit meiner freien Hand – die andere liegt um Buffy – reiche ich hinüber zum Lichtschalter und lösche das Licht. Ich hauche ihr einen zarten Kuß aufs Haar.

Gute Nacht, Jägerin.

Selbst im Dunkeln jetzt muß ich lächeln.

Welche Fragen wird sie mir morgen stellen?

Warum ich keinen Herzschlag habe? Naja, ich habe manchmal Herzrhythmusstörungen, Süße! Weißte doch! Mein Lächeln wird zum Dauerlächeln.

Nein. Ich beschließe für mich, sie heute abend, sobald es dunkel ist, nach Hause zu bringen.

Oder doch nicht?

Jetzt bin ich William der Unentschlossene.

Mal sehen, wie ich darüber denke, wenn ich aufwache.

’Es war ein guter Tag’ , denke ich, ehe ich in den Schlaf hinübergleite, noch immer lächelnd, während im Baum vor dem Bungalow der erste Vogel sein Morgenlied anstimmt.

 

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