Geheimnisse und Offenbarungen

 

Sie packte ihre Tasche. Ein paar Pflöcke, die Armbrust, ein großes Messer – eben die Standardwaffen für die Patrouille.

Willow lag auf ihrem Bett und las. Sie schaute von ihrem Buch auf, als Buffy sich die Tasche über die Schulter warf.

„Routine-Patrouille? Oder gibt´s mal wieder einen Weltuntergang ?“, fragte sie lächelnd.

„Naja, ich denke, nichts außergewöhnliches. Ich soll vorher nochmal bei Giles vorbeikommen. Wer weiß, was er wieder hat...“

„Wenn was sein sollte, wobei ich dir helfen kann – ich gehe nachher noch zu Tara. Wir wollen noch was ausprobieren.“

„Danke, aber ich denke, ich komme auch so zurecht. Mach´s gut, Willow!“

Und damit war sie schon aus der Tür.

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„Hallo, Giles.“, sagte sie, als er ihr die Tür öffnete.

„Guten Abend, Buffy. Schön, daß du daran gedacht hast, vorbeizuschauen.“

Er lächelte und schloß hinter ihr die Tür.

„Ich wollte dich bitten, daß du die normalen Patrouillen ab jetzt mit Spike zusammen unternimmst. Es erscheint mir sicherer.“

Buffy verdrehte die Augen. „Aber Sie wissen doch, wie sehr der Kerl mich nervt. Und außerdem kann man ihm nicht trauen.“

„Buffy... ähm, ich denke, es ist sicherer für dich, wenn du noch einen... ähm Partner an deiner Seite hast und nicht allein gegen deine Gegner antreten mußt...“

„Partner? Der ist ein Partner wie ein Pickel im Gesicht!“, rief sie wütend aus.

„Buffy, hör mir zu.“ Er hob beschwichtigend die Hand, als sie erneut zum Sprechen anhob, und schüttelte den Kopf.

„Nein, Buffy, wirklich, ich denke – obwohl ich es nicht gerne zugebe – daß er jetzt, wo der Chip ihn vom Beißen abhält, keine andere Möglichkeit zum Überleben hat, als sich uns anzuschließen. Er weiß das. Und solange das so ist, sehe ich nicht ein, warum du weiterhin allein dein Leben riskieren sollst, wenn Spike auch gegen Dämonen kämpfen kann...“

Er nahm seine Brille ab und sah ihr ernst in die Augen.

„Sieh mal, ich mache mir jedes Mal Sorgen, wenn ich dich da hinausschicken muß, und ich finde es... ähm... beruhigend, zumindest aber etwas erträglicher, wenn ich weiß, daß du da draußen nicht ganz allein bist.“

Sie drehte ihre Augen himmelwärts. „Aber Giles, der Kerl ist echt ätzend. Er lenkt mich mit seinem Gerede nur von meiner... Arbeit ab.“

Giles seufzte und holte dann tief Luft.

„Buffy, ich muß dir doch nicht immer wieder sagen, wie sehr mir an dir liegt. Es ist fast, als wärst du eine... ähm... Tochter für mich. Und, nun ja, ein... ähm... Vater setzt nun mal seine Tochter sehr ungern Gefahren aus, zumal, wenn sie einen... ähm... Beschützer haben könnte.“

„Beschützer? Giles!“ Sie stampfte mit dem Fuß auf und wußte nicht, für welches Gefühl sie sich entscheiden sollte: Rührung darüber, daß er sie eine Tochter genannt hatte – oder Empörung darüber, daß er Spike als „Beschützer“ tituliert hatte.

Die Empörung siegte.

„Sie wissen doch selbst, wie blasiert dieses englische Ekel ist!“

Huuuch! Sie hielt erschrocken ihre Hand vor den Mund und wurde rot.

„Naja, nichts gegen Engländer... und ... äh...“, sie besann sich.

„Schon gut, Buffy. Du kannst es ja erstmal nur an diesem Wochende probieren. Heute ist Freitag – also nur bis Sonntag, und dann reden wir nochmal darüber. Bitte.“

Es hatte sowieso keinen Zweck, er würde sie weiter mit Argumenten zuschütten, da könnte sie auch gleich klein beigeben.

„Ach, Giles, wenn Ihnen so viel daran liegt, kann ich es ja mal versuchen. Wenn er mir zu sehr auf den Keks geht, kann ich ihn einfach irgendwo stehenlassen – oder ihn auch gleich pfählen. Dann brauche ich nie mehr mit ihm auf Dämonenjagd zu gehen.“

Sie schüttelte resigniert den Kopf. „Also gut, ich hole Spike nachher ab. Oh, Mann, Sie verstehen´s aber auch immer wieder, mich zu überreden.“

Jetzt mußte sie lächeln, als sie in Giles´ perplexes Gesicht sah. Wahrscheinlich hatte er mit viel mehr Widerstand gerechnet und sich noch ein paar weitere Argumente zurechtgelegt gehabt – die nun nicht mehr nötig waren...

Aber er fing sich wieder.

„Fein, Buffy. Ich glaube, du wirst doch langsam erwachsen. Früher hätten wir wohl einen wesentlich längeren... Disput gehabt. Es ist gut, daß du es einsiehst – und wenn man Hilfe bekommt, egal, woher, dann sollte man sie auch...“ Er unterbrach sich, als er an ihrem Ausdruck feststellen konnte, daß *er* nun die Nervensäge war, und er wollte nicht länger mehr auf diesem Thema herumreiten... Er hatte sein Ziel erreicht.

Buffy sah ihn grinsend an: „War´s das? Dann werde ich mal losziehen. Machen Sie´s gut, Giles.“, sagte sie nur kurz, rückte die Tasche auf ihrer Schulter zurecht und wandte sich zur Tür.

„Ähm, Buffy...“, er setzte seine Brille auf  und sah sie enschuldigend an. „Bitte verzeih´, wenn ich manchmal wie eine, nun ja, Glucke bin. Aber auch ich kann nicht aus meiner Haut...“, sagte er verlegen.

„Schon gut, Giles, weiß ich doch. Bis dann.“

Und sie schlüpfte hinaus in die anbrechende Nacht.

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‚Mein Gott!’, dachte sie auf dem Weg zu Spikes Krypta. ‚Wieso denken alle auf einmal so gut von Spike?’ Der Typ hatte mehr als ein Jahrhundert lang gemordet, massakriert, gefoltert und was sonst nicht noch alles. Und ganz plötzlich, so von heute auf morgen, war er zum „Beschützer“ geworden, wie Giles ihn gerade bezeichnet hatte. Sie, Buffy, würde sich jedenfalls nicht von diesem blonden Billy-Idol-Verschnitt um den Finger wickeln lassen... Vorsicht war bei dem Kerl angebracht, und nicht zu knapp!

Ihr fiel Willows Zauber wieder ein, und unwillkürlich mußte sie sich schütteln, als sie daran dachte, wie er sie geküßt  – und sie ihn zurückgeküßt -  hatte, igitt!

Naja, wenn sie ehrlich war, sooo schlimm war es nun auch nicht gewesen. Eigentlich war sie immer noch ganz beeindruckt, wie gut der Typ küssen konnte. Nicht daß Riley das nicht konnte – oder Angel – aber es war irgendwie anders gewesen, leidenschaftlicher, sexyer... Oh Gott, jetzt dachte sie in einem Atemzug an Spike und sexy – wo sollte das nur enden. Sie konnte den Kerl nicht ausstehen, basta!

Sie blieb vor der Tür zu seiner Krypta stehen und versuchte, ihren Gesichtsausdruck auf ihn einzustimmen. Mürrisch!  Böse!  Angeekelt!

Sollte sie ihn wirklich mitnehmen? Giles würde doch gar nicht merken, wenn sie die Patrouille allein absolvierte...

Sie schüttelte den Kopf. Nein, er würde es merken – in ihren Augen würde er es lesen können.

Sie seufzte. Warum hatte sie sich auch breitschlagen lassen!

Mit einem wohldosierten Fußtritt stieß sie die Tür auf.

Spike saß in seinem Sessel vor dem Fernseher, die Beine hochgelegt und hatte seine üblichen schwarzen Jeans und sein schwarzes T-Shirt an.

Ohne den Blick vom Fernseher abzuwenden, sagte er:

„Hallo, Jägerin. Was verschafft mir die Ehre, daß du deinen süßen Arsch hier reinschiebst?“

Sie rollte mit den Augen und hätte am liebsten auf dem Absatz kehrtgemacht.

Ohne auf seine Frage einzugehen, ging sie zum Fernseher und schaltete ihn ab.

„Hey, was soll das? Das hier nennt sich Privatsphäre! Dich haben sie wohl mit dem Klammerbeutel gepudert?“, rief er empört und sprang auf.

Sie grinste ihn an. „Wer Privatsphäre haben will, muß sie sich erstmal verdienen. Du kommst jetzt mit auf Patrouille, Spike. Danach kannst du machen, was du willst.“

Er sah sie erstaunt an. Sie war wirklich ein Miststück! Aber ein sexy Miststück mit tollen Haaren und einem wirklich süßen Arsch... Sie hatte heute ihre schwarze, enge Lederhose an und eine kurze Jeansjacke darüber und sah einfach zum Anbeißen aus. Aber er mußte natürlich empört bleiben... oder zumindest nicht gerade begeistert. Naja, die Jägerin war allemal besser als das beschissene Fernsehprogrammm...

Dann machte er eine wegwerfende Handbewegung.

„Ach, was soll´s. Schlimmer kann´s ja nicht werden. Das Fernsehprogramm war sowieso Scheiße – und ein bißchen Gewalt muntert einen besser auf als jeder verdammte Film.“

Jetzt war es Buffy, die sauer war. Sie hatte gehofft, ihn mit ihrem Vorgehen viel mehr zu reizen – und ihn so vielleicht schon loszuwerden, *bevor* sie mit ihm auf Patrouille gehen mußte. Es hatte nicht geklappt.

„Na dann mal los, Spike, gehen wir!“

Sie sah zu ihm hoch und zeigte mit einer eleganten Geste einladend zur Tür...

... die in diesem Moment krachend aufflog.

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Das Telefon klingelte früh am Morgen. Unwillig hob Giles ab.

„Ja?“

„Hallo, Giles. Hier ist Willow. Bitte verzeihen Sie, wenn ich Sie so früh störe, aber ich bin gerade... ähm... nach Hause gekommen, und es sieht so aus, als ob Buffy nicht von ihrer Patrouille gestern abend zurückgekommen wäre. Und da sie vorher zu Ihnen wollte, dachte ich, Sie wüßten vielleicht...“

„Willow, nein, keineswegs. Sie ging hier bei Einbruch der Nacht weg, und ich habe seitdem nichts mehr von ihr gehört. Vielleicht hat sie ja bei Riley... ähm... übernachtet.“

„Hm. Nein. Der ist bei seiner Familie in Iowa.“

„Oh.“ Beide schwiegen einen Moment. Dann sagte Giles mit besorgter Stimme:

„Ich hatte sie gestern gebeten, die Patrouille mit Spike zu machen. Hoffentlich... ähm... hat sie nicht recht behalten mit ihrem Mißtrauen ihm gegenüber.“

„Oh Gott, Giles, Sie denken doch nicht, daß Spike... Vielleicht... vielleicht gibt es ja eine ganz simple Erklärung...“

Giles räusperte sich. Sein Hals war mit einem Mal trocken.

„Vielleicht hast du recht.  Hoffentlich.  Aber wir sollten auf jeden Fall zu Spike, um sicherzugehen. Es wäre ja möglich, daß sie doch nicht zu ihm gegangen ist...“.

Er machte eine Pause. „Obwohl sie es mir versprochen hatte... Willow, rufe bitte Xander an und gehe mit ihm zu Spike. Ich versuche, ein wenig rumzutelefonieren... bei der Polizei... und den Krankenhäusern.“

„Mache ich, Giles. Wir treffen uns dann nachher bei Ihnen.“

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Die beiden näherten sich langsam der Krypta. Am Tage sah alles hier so friedlich aus. Ein Rotkehlchen saß auf einem herabhängenden Ast und sang seine melancholische Weise. Willow blieb unwillkürlich stehen, als sie die weit offenstehende Tür zur Krypta sah.

„Xander! Die Tür steht auf.“

„Vielleicht hat Buffy nun endgültig Spikes Ende besiegelt, und die Krypta ist wieder zu haben.“, sagte er grinsend. „Oder er sonnt sich.“

Sie gingen langsam und vorsichtig näher heran, aber es war alles ruhig. Xander betrat zögernd den Raum, hinter ihm Willow. Kampfspuren waren da. Der Sessel, auf den Spike sich immer hingefläzt hatte, war zerbrochen und lag auf der Seite. Der Fernseher war umgekippt, und auf dem Boden lagen Glassplitter.

„Oh Mann, der Reißzahn hat sich gewehrt. Ich dachte, der kann gar nicht mehr gegen Menschen kämpfen. Ich sehe bloß keinen Aschehaufen, mal abgesehen von dem ganzen Dreck hier drin.“ Xander sah sich forschend um.

Willow hatte sich umgedreht und entdeckte Buffys Waffentasche auf dem Boden hinter der Gruft. „Oh Gott, Xander.“, stöhnte sie auf und hielt die Tasche hoch, damit er sie sehen konnte.

Xanders Kinnlade klappte herunter, und er sah sich nervös um.

„Er wollte wohl seine dritte Jägerin abhaken...“, sagte er leise, und sein Gesicht war fahl geworden. Willow schluchzte auf.

„Nein. Das kann nicht sein. Der Chip funktioniert noch.“, sagte sie trotzig und richtete sich auf. Dann sah sie Spikes Ledermantel. Und hoffnungsvoll fügte sie hinzu:

„Hast du Spike jemals ohne seinen Ledermantel gesehen, außerhalb seiner Krypta, meine ich?“ Sie zeigte mit der Tasche, die sie immer noch in ihrer Hand hielt, auf den Mantel, der abseits in einer Ecke lag.

„Willow, du hast recht. Wenn er Buffy... äh... getötet hätte, wäre er abgehauen – aber niemals ohne seinen geliebten Mantel. Irgendwas ist hier passiert. Vielleicht mit allen beiden. Jedenfalls sind sie verschwunden – was kein Beweis dafür ist, daß sie tot sind.“

Willow sah ihn verblüfft an. „Mann, du kannst ja richtig kombinieren, Sherlock.“

Er hörte nicht zu, sondern ging zu der Ecke, in der der Mantel lag, hob ihn auf und fing an, in dessen Taschen herumzukramen. Vielleicht könnte ja der Tascheninhalt Aufschluß bringen...

Zigaretten, Feuerzeug, ein Pflock – wieso ein Pflock? – ein winziger, schwarzer Slip.

„Oh, Mann, was man so alles über die Leute erfahren kann, wenn man in ihren Taschen kramt...“ Er grinste und hielt die Unterwäsche hoch. „Was meinst du, was ein Kerl wie Spike mit einem Damenslip will?“

„Keine Ahnung. Auch Spike hat seine Bedürfnisse... aber das hilft uns jetzt auch nicht weiter.“ Sie schlenderte zum umgekippten Sessel hinüber. Daneben hatte sie etwas entdeckt, was irgendwie fremd wirkte in dieser Umgebung. Ein kleines Ding, das aussah wie ein Dartpfeil mit einer Ampulle lag auf dem Boden neben dem Sessel. Sie bückte sich und hob es auf.

„Gibt es auf Friedhöfen Wildhüter oder Zoowärter?“, fragte sie Xander.

„Was? Was meinst du?“

„Naja, da gibt es doch so Gewehre mit Betäubungspfeilen... Und ich glaube, das hier ist so ein Ding.“ Sie gab Xander, der inzwischen zu ihr herübergekommen war, den kleinen Pfeil mit der Ampulle.

Er betrachtete ihn eingehend. „Ja, das ist sowas. Das sieht nach einer... Entführung aus. Was wollen Entführer mit einer Jägerin und einem Vampir?“

„Weiß nicht. Aber Fakt ist, daß den beiden etwas zugestoßen ist. Buffy bleibt nicht einfach weg, ohne uns zu benachrichtigen.  Nimm den Mantel auch mit – wir gehen zu Giles. Vielleicht hat er inzwischen was rausgefunden. Hier können wir nichts mehr ausrichten.“

Sie schaute sich traurig um, Tränen in den Augen.

„Buffy.“, flüsterte sie besorgt.

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Dunkle Nebelschwaden umwaberten seinen Blick. In seinem Mund war ein schaler Geschmack nach irgendwas Medizinischem, und er konnte immer noch keinen klaren Gedanken fassen. Was war das bloß? Das letzte, an das er sich erinnern konnte, war, wie die Tür zu seiner Krypta donnernd aufflog. Er hatte noch zugesehen, wie sich daneben ein großes Stück Putz von der Wand gelöst hatte und zu Boden gefallen war. Draußen vor der Tür war eine Bewegung gewesen, und dann sah er etwas auf sich zufliegen, etwas winziges, aber er konnte nicht mehr ausweichen. Und das allerletzte, an das er sich erinnern konnte, war, wie die Jägerin neben ihm zusammenklappte – und dann waren auch ihm die Sinne geschwunden. Nur noch Dunkelheit.

Er konnte seine Beine spüren, wußte aber nicht, ob er lag oder stand. Er versuchte, die Augen zu öffnen, blinzelte benommen und sah über sich eine Balkendecke, grau und verschimmelt von Feuchtigkeit.

Er mußte wohl liegen, denn als er mit seiner Hand neben sich herumtastete, fühlte er festen Boden, der von Staub bedeckt war. Es roch moderig.

„Zur Hölle, wo bin ich?“, fluchte er, als er halbwegs zur Besinnung kam. Als er ächzend den Kopf hab, wurden die Nebelschwaden wieder dicker, aber er riß sich zusammen, schüttelte den Kopf, wie um sie so zu vertreiben, und setzte sich auf.

Der Raum war fast dunkel, nur von indirektem Licht beleuchtet, das aus keiner bestimmten Richtung zu kommen schien, aber seine Vampirinstinkte ließen ihn alles klar erkennen. Er lag auf dem Boden eines riesigen Kellergewölbes, alle paar Meter war ein runder Pfeiler, um die Decke abzustützen. Vor sich sah er ein paar alte Holzfässer, wahrscheinlich leer – bei seinem Glück. Obwohl ihm so schon mulmig genug war, hätte er niemals was gegen einen guten Tropfen einzuwenden...

Eine Tür oder Fenster konnte er nicht erkennen, jedenfalls nicht vor sich. Er drehte den Kopf, weil er neben sich einen Herzschlag hörte.

„Die Jägerin.“, dachte, nein, wußte er. Und seine Sinne hatten ihn nicht getäuscht. Etwa zwei Meter von ihm entfernt lag Buffy, bewußtlos.

Sie lag auf dem Rücken mit ausgestreckten Beinen, die Augen geschlossen.

Wie kamen sie hierher?

Er stand mit wackligen Beinen auf und faßte sich an den Kopf. Grundgütiger, was immer diese Typen ihm verabreicht hatten, das war nicht von schlechten Eltern! Mit der linken Hand fuhr er sich durch sein blondes Haar, und mit der rechten faßte er in seine Manteltasche – und stellte fest, daß da gar keine Manteltasche war.

Verdammt, noch nicht mal rauchen konnte er.

Er sah zu Buffy hinüber, die noch immer unbeweglich dalag. Wohl oder übel waren sie nun Verbündete... bloß gegen wen? Wie, zur Hölle, waren sie hierhergekommen – und wo war *hier* überhaupt? Unsicheren Schrittes ging er zur Jägerin und hockte sich neben sie.

„Hey, Jägerin, wach auf! Genug geschlafen.“ Er berührte sie leicht an der Schulter.

Sie murrte und rührte sich etwas. Er konnte beobachten, wie sie langsam zu sich kam. Ihre Augen flogen unruhig unter ihren Lidern hin und her, dann blinzelte sie und sah zu ihm auf.

‚Diese Augen’, dachte er. ‚Was für eine Farbe, braun und grün in einem und einmalig schön...’ Er zog die Augenbrauen hoch und schalt sich selbst einen verdammten Wichser für seine immer wiederkehrenden Fantasien mit ihr. Das war tabu!

Durch die wattigen Nebelschwaden hindurch konnte sie nur schwach einen Blondkopf erkennen. Ihre Jägerinneninstinkte schlugen Alarm: Vampir! Sie spürte die kalte Berührung an ihrer Schulter und wurde plötzlich munter.

Ihre Faust schoß nach oben in das unscharfe Gesicht über sich und landete einen Treffer.

Der Vampir flog gegen den Pfeiler, der mehrere Meter entfernt hinter ihm stand und blieb dort zusammengekrümmt liegen.

Buffy richtete sich mühsam auf und sah sich um. Na, dieser Kerl würde sie jedenfalls nicht mehr so schnell anfassen, dachte sie verschwommen. Aber wo war sie überhaupt? Und wie kam sie hierher?

Sie hörte ein Stöhnen aus der Richtung, wo der zusammengekrümmte Körper des Vampirs gelandet war und erkannte - Spike.

Uuuuups.

Er rappelte sich mühselig auf und zog sich am Pfeiler auf die Beine. Diese verdammte Jägerin! Er faßte sich vorsichtig an die Nase und stöhnte bei der Berührung auf. Scheiße, nicht nur, daß er hierher verschleppt worden war – warum auch immer – nein, verdammt, die blöde Kuh mußte ihn auch noch schlagen... Und einen verdammt harten Schlag hatte sie, das mußte er zugeben, wenn auch nur ungern...

„Oh, Mann, Jägerin. Was sollte denn das? Falls du es vergessen haben solltest, ich bin Spike, der verdammte Vampir, der, verflucht nochmal, nicht beißen kann – und dein Mitgefangener, wenn man das so bezeichnen kann, an diesem gastlichen Ort hier.“, knurrte er mürrisch.

Buffy sah zu ihm hin und runzelte die Stirn.

„Von allen... äh... Personen dieser Welt mußt ausgerechnet *du* mein ‚Mitgefangener’ sein, Spike. Was habe ich nur verbrochen, daß ich so bestraft werde?“, seufzte sie.

„Dito.“, antwortete er schlicht.

Und dann: „Was meinst du, wo wir hier sind? Und wer uns entführt hat? Und wozu?“

Zu viele Fragen auf einmal, dachte er. Aber die wichtigste hatte er noch nicht gestellt:

„Und wie kommen wir hier wieder raus, Süße?“

„Spike! Woher soll ich denn das alles wissen? Ich bin doch auch gerade erst aufgewacht. Hätte ich mich bloß nicht so schnell von Giles überreden lassen. Dann wärst nur du entführt worden – warum auch immer – und ich würde jetzt in meinem warmen und weichen Bett liegen.“

„Wieso – von Giles überreden lassen?“, fragte er neugierig.

Sie hob den Kopf zur Decke und rollte mit den Augen.

„Naja, er hat mich überredet, mit dir auf Patrouille zu gehen – und jetzt haben wir den Schlamassel, Blondie. Ein schönes Wochenende! Gefangen mit einem irren, ‚impotenten’ Vampir. Ein guter Titel für einen Vincent-Price-Film, oder?“, grinste sie ihn an.

Er sah böse zu ihr hinüber.

„Klar, wie wär´s denn mit ‚Die Schöne und das Biest’? Oder, nein, besser: ‚*Der* Schöne und das Biest’? Oder: ‚Ich Tarzan, du Jane....’“

Sie hob die Hände und unterbrach ihn:

„Natürlich, so können wir weitermachen, bis unsere Wärter -  oder wer oder was auch immer -  kommen und uns abmurksen. Wie wär´s, wenn wir mal was Konstruktives ersinnen – zum Beispiel einen Fluchtplan?“, fragte sie sarkastisch.

„Du hast mit den Gemeinheiten angefangen, Jägerin. Und im Übrigen – ich bin nicht derjenige, der hier rummeckert von wegen ‚...bloß nicht auf Giles gehört’ und so. Wer sagt denn, daß die Typen nicht gewartet haben, bis du in der Krypta warst, damit sie dich kriegen? Und vielleicht wollten sie ja *nur* dich und ich bin aus Versehen hier? Aber das tut nun auch nichts mehr zur Sache – wir müssen hier raus, und zwar bald, verdammt nochmal.“

Nicht schlecht, dachte sie. Vielleicht kann man mit ihm zusammen ja doch was anfangen. Und schließlich waren sie aufeinander angewiesen – und niemand sonst war da, der ihr helfen konnte. Sie mußten zusammenhalten. Und lieber *mit* ihm, als allein – oder schlimmer: gegen ihn...

Dann räusperte sie sich.

„Was meinst du, was das hier ist? Sieht nach einem Keller aus, ziemlich alt und lange nicht benutzt.“ Sie sah ihn an.

„Naja, könnte ein altes Herrenhaus sein, vielleicht eine Stadtvilla. Aber jedenfalls ewig nicht bewohnt, sonst würde es hier nicht so mufflig riechen. Vielleicht existiert ja nur noch dieser Keller hier, und das Haus ist eingefallen oder wurde abgetragen.“

Er zögerte, dann fügte er hinzu: „Aber einen Ausgang gibt es hier nicht, jedenfalls keinen sichtbaren. Vielleicht so eine Art Geheimgang – wir sollten mal die Wände näher untersuchen, Kleines.“

„Gut.“, sagte sie nur und zeigte auf die gegenüberliegende Wand. „Ich fange dort an, du auf der anderen Seite, dann können wir nichts auslassen.“

Ohne zu antworten, drehte er sich um und ging auf die Wand hinter sich zu. Sie sah ihm hinterher. ‚Warum trägt er eigentlich immer diesen verdammten Mantel – da kann man nie seinen göttlichen Hintern sehen.’, dachte sie mit Abstand, „... und auch nicht seine tollen Oberarme.“. Als ihr klarwurde, was ihr da eben durch den Kopf gegangen war, zuckte sie zusammen. ‚Hey, das ist Spike! Böse Buffy!’ Aber dann mußte sie kichern. Naja, anschauen kann ja nichts schaden...

Sie ging auf die Wand zu und machte sich daran, sie zu untersuchen.

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Giles öffnete ihnen die Tür und machte ein besorgtes Gesicht.

„Hallo, ihr Beiden. Nun ja, weder bei der Polizei, noch bei den Krankenhäusern weiß man etwas. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Was habt ihr denn von Spike erfahren?“, fragte er.

„Der ist nicht zu Hause.“, antwortete Xander.

„Aber es sieht so aus, als ob er nicht freiwillig ausgegangen ist.“, fügte Willow hinzu. Sie hob Buffys Tasche. „Und das hier haben wir dort gefunden.“

Giles´ Gesicht wurde noch besorgter, als er die Tasche sah. Er machte sich jetzt Vorwürfe, daß er ihre Argumente nicht beachtet hatte.

„Aber es ist nicht das, was Sie jetzt vielleicht denken, Giles. Wir haben noch das hier gefunden.“ Xander holte den Betäubungspfeil aus seiner Tasche und gab ihn Giles in die Hand. Giles sah sich das kleine Ding interessiert an.

„Und wonach sieht es dann aus?“, fragte er.

„Xander und ich denken, die beiden sind entführt worden. Wir haben auch Spikes Mantel  gefunden – hier ist er. Und ich denke nicht, daß er jemals ohne das Ding abhauen würde...“

Giles nickte. „Ja, das ergibt einen Sinn. Aber wieso sind sie entführt worden?“

Die drei schwiegen einen Moment. Dann gab sich Xander einen Ruck.

„Die Initiative...“

„... gibt´s nicht mehr, Xander.  Glücklicherweise. Aber wenn wir den Grund der Entführung rausbekommen, dann könnte uns das zu den Entführern bringen – und zu Buffy.“

„Wir könnten doch nochmal auf den Friedhof gehen und die Gegend um Spikes Krypta herum absuchen. Vielleicht finden wir Spuren oder irgend etwas, was uns weiterhilft.“, schlug Willow aufmunternd vor.

Giles nickte wieder. „Ja, Willow, ich wüßte auch gar nicht, wo ich sonst ansetzen sollte.“

Er hob ratlos die Hände. Eine entführte Jägerin, betäubt mit irgendwelchen Drogen, seine Buffy, wo war sie wohl jetzt in diesem Augenblick? Er ließ verzweifelt den Kopf sinken.

‚Nein, ich darf nicht resignieren.’, dachte er dann.

Er richtete sich auf, reckte den Hals und sagte: „Nun denn, laßt uns gehen. Je eher wir anfangen, desto wahrscheinlicher ist es, daß wir noch Spuren finden.“

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Sie trafen sich wieder in der Mitte des Kellers. Beide hatten ergebnislos alles abgesucht.

„Wie sind wir hier hereingekommen, wenn es keinen Eingang – oder Ausgang – gibt?“, fragte Buffy verzweifelt und hob den Kopf, um dem Vampir in die Augen blicken zu können.

‚Das nenne ich blaue Augen’, dachte sie schwärmerisch.

Und dann zuckte sie wieder zusammen. Was war bloß mit ihr los, daß sie dauernd diese Gedanken hatte? Schon wieder sexy Spike. Sexy Spike? Das konnte, ja durfte einfach nicht sein...

Er beantwortete ihre Frage mit Sarkasmus.

„Durch Zauberkraft? Durch die Decke? Gebeamt?“, fragte der Vampir zurück und blickte unwillkürlich nach oben. Die Holzbalken waren halb verfault und machten nicht gerade einen vertrauenerweckenden Eindruck. Früher mußte die Decke verputzt gewesen sein, denn an manchen Stellen war davon noch etwas zu sehen. Vielleicht gab es ja wirklich so eine Art Falltür oder eine kleine Lüftungsklappe.

„Wir müssen alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, Kind.“

„Komisch, daß sich unsere Entführer so gar nicht sehen lassen. Wir müssen doch schon seit Stunden hier unten sein.“

Sie zog die Augenbrauen zusammen und wischte sich mit der Hand über das Gesicht, als würde sie eine Spinnwebe entfernen wollen. Langsam meldete sich ihr Magen, aber auch Durst.

„Naja, so verflucht scharf drauf, die Typen zu sehen, bin ich nicht, Jägerin. Vielleicht haben die ja gerade was besseres zu tun, als nach uns zu sehen... Und ich will lieber schon verschwunden sein, wenn die sich an uns erinnern.“

Spike blickte immer noch nach oben, als hätte er dort etwas entdeckt. Er war sich nicht sicher, aber die eine Stelle dort sah aus, als hätte sich da erst vor kurzem ein Stück Putz abgelöst – aber darunter war es nicht zu entdecken. Vielleicht war das extra so getarnt, dachte er. Bloß – wie gelangte man dorthin? Das waren mindestens fünf Meter bis zur Decke. Zufällig streifte er mit seinem Blick die alten Fässer.

Und dann kam ihm die Idee.

„Ich glaube, da oben ist so eine Art Luke. Sieh mal, Süße. Und ich denke, wenn wir die Fässer übereinanderstellen, dann könnten wir bis dort oben hinaufkommen. Wäre einen Versuch wert, oder, Jägerin?“

Sie blickte zu der von ihm angegebenen Stelle hinauf. Ja, tatsächlich, da war etwas, was irgendwie anders aussah als der Rest der Decke. Vielleicht hatte Spike ja recht. Ein Hoffnungsschimmer machte sich in ihr breit.

Ohne viele Worte machten sich die beiden an die Arbeit und türmten die Fässer an der Stelle übereinander. Es waren bei weitem nicht genug Fässer, um das ganze sicher zu machen, aber irgendwie würde es schon gehen. Eine wacklige Angelegenheit hatten sie da hingestellt, und Buffy schwand der Mut – da sollte sie rauf?

Spike stand oben und ließ sich von ihr das letzte Faß heraufwuchten. Er hielt mit Mühe die Balance, aber mit der Kraft der Verzweiflung konnte er sich halten. Er stieg auf das oberste Faß und konnte gerade so an die Decke fassen.

Ja, das war eine Klappe. Sie war nicht scharf umrissen, mit unregelmäßigen Außenkanten und ohne erkennbaren Abschluß. Aber es war immerhin eine verdeckte Öffnung.

Er ächzte, als er mit aller Kraft seinen ausgestreckten Arm dagegendrückte. Nichts. Sie hatte sich noch nicht einmal gerührt. Er versuchte es wieder, diesmal mit einem weit ausholenden Schlag. Wieder nichts. Die Fässer unter ihm wankten gefährlich, aber er achtete nicht darauf.

Buffy sah von unten besorgt zu.

„Laß mich doch mal probieren, Spike. Vielleicht bist du ja aus der Übung...“

„NEIN.“ Mit voller Wucht schlug er seine Faust an die Klappe... die sich nicht rührte. Dafür fing jetzt der Fässerturm verdächtig an zu schwanken. Spike sah erschrocken zu Buffy herunter, die bleich wurde. Er konnte nur noch „Weg da!“ brüllen, dann fielen die Fässer wie ein Turm aus Bauklötzern zusammen, und er sprang verzweifelt zur Seite Im Fliegen bemerkte er, wie sich  - wie durch Geisterhand – auf einmal die Klappe von oben öffnete. Er fluchte, dann sah er, wie der Boden immer näher kam, und wie in Zeitlupe fiel er auf ein herabrollendes Faß und wurde von ihm mitgerissen. Er fand nirgendwo Halt, faßte mit den Händen ins Leere, als er auf dem Boden aufschlug – und eines der Fässer über ihn hinwegrollte.

Verflucht, es wurde immer schlimmer.

Aus den Augenwinkeln hatte er gesehen, wie die Jägerin sich hinter einem Pfeiler in Sicherheit brachte und aus sicherer Entfernung seinen „Stunt“ beobachtet hatte.

„Tolle Leistung, Spike. Da stimmt das also doch, was die in den Vampirfilmen immer zeigen: Daß ihr fliegen könnt.“, kicherte sie.

Spike knurrte nur und bedeutete ihr wortlos, mit dem Finger in Richtung Klappe weisend, nach oben zu schauen.

Die stand jetzt offen.

Und langsam wurde eine Leiter hindurchgeschoben, bis sie unten auf dem Boden zum Stehen kam. Ein eigenartiges Grunzen war zu hören, dann kam ein krallenbewehrtes Bein – oder zumindest sollte es wohl eines sein – zum Vorschein, und dann ein zweites Bein. Eine riesige Erscheinung kletterte erstaunlich flink die Leiter hinab, hinter ihr kamen noch mehrere andere Dämonen. Aber der erste war wirklich beeindruckend.

Weit mehr als drei Meter groß, hatten seine Arme und Beine beträchtliche Reichweiten. Er hatte keine Hörner, dafür aber riesige Krallen an Füßen und Händen – wenn man diese Gliedmaßen so nennen konnte. Und sein Kopf war einfach gewaltig, mit riesigen hervorstehenden gelben Augen, die sich unruhig bewegten wie bei einem Chamäleon. Sein gesamter Körper war mit Schuppen bedeckt und von undefinierbarer Farbe. Das Grunzen, das sie anfangs gehört hatten, war lauter geworden und hatte sich zu einem Knurren entwickelt. Es ging von ihm aus.

Die anderen Dämonen – es waren sechs – waren nur mäßig groß und bewegten sich langsam, als sie unten angekommen waren. Sie sahen relativ normal aus – für Dämonen.  Alle waren bewaffnet - mit Äxten und anderen Schlagwaffen, und einer von ihnen trug einen großen Rucksack.

Spike lag immer noch benommen auf dem Boden, seine Beine unter einem Faß, aber er blickte genauso erstaunt auf den Riesen wie Buffy. Mit einem Ruck zog er die Beine unter dem Faß hervor, wobei das Faß ins Rollen kam und genau auf den Riesen zurollte.

Der streckte lässig ein Bein aus und hielt es sich vom Leib, als wäre es ein lästiger Fußball, den spielende Kinder auf ihn abgeschossen hätten.

Buffy  schluckte und mußte sich zusammenreißen, um die Erstarrung, in die sie beim Anblick des Monsters verfallen war, abzuschütteln.

Spike hatte recht gehabt, es wäre besser gewesen, wenn sie schon geflohen wären, bevor sich ihre Entführer mit ihnen befaßten...

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Willow drehte sich herum zu Giles. Sie hatten jetzt jeden Flecken mindestens dreimal abgesucht, jeden Zentimeter um die Krypta herum. Und nichts gefunden.

Es war zum Verzweifeln.

Sie war noch einmal in die Krypta hineingegangen, suchte dort zum wiederholten Male jeden Winkel ab, jedoch ohne jede Hoffnung.

Sie holte tief Luft und versuchte, den Kloß, der sich in ihrem Hals gebildet hatte, hinunterzuschlucken. Was war nur geschehen? Sie waren sich jetzt ganz sicher, daß es nur eine Entführung sein konnte, denn alle Anzeichen sprachen dafür. Aber wer sollte so etwas tun? Und warum? Waren es die aus der Anderen Welt – oder gar Menschen?

Die Methode – Betäubungspfeile – konnte durchaus von Menschen sein. Aber warum sollten Dämonen nicht auch die neuen Techniken nutzen – bloß, weil sie länger auf der Erde waren als die Menschen?

Sie war mit dem Fuß irgendwo hängengeblieben und stolperte. Diese blöde, versiffte Krypta, noch nicht mal in Ruhe nachdenken konnte man hier.

Sie runzelte die Stirn und sah auf ihren Schuh hinunter. Im Leder steckte irgend etwas scharfes, glattes, leicht gebogenes. Wie ein riesiges Gitarrenplektrum von undefinierbarer Farbe zwischen grau und grün und braun.

Sie hob das Bein an und zog das Ding heraus. Sah aus... sie war auf einmal ganz aufgeregt.

Sie hatten eine Spur! Das mußte eine Schuppe von einem Dämonen sein.

„Giles! Kommen Sie, ich habe was.“, rief sie laut aus.

Giles und Xander waren im Nu bei ihr, beiden war anzusehen, daß sie froh waren, endlich etwas gefunden zu haben, auch wenn sie noch nicht wußten, was es war.

„Hier, sehen Sie mal. Das sieht aus wie eine Schuppe, oder?“

Giles nahm ihr das Ding aus der Hand und betrachtete es.

„In der Tat, Willow. Gut gemacht. Jetzt wissen wir schon mehr – es waren keine Menschen.“, sagte er. Dann sah er sich nach Xander um.

„Vielleicht weiß Anya auch ohne große Recherche, von was für einem Dämon dieses Ding hier stammen könnte. Ist ziemlich groß, nicht wahr? Bitte sag ihr, sie soll bei mir vorbeikommen...“

„Klar, Giles, sie wollte sowieso heute abend vorbeikommen. Wir hatten... ähm... was vor.“

Xander rieb sich verlegen die Nase und wandte sich dann zum Gehen.

„Bis dann, wir sehen uns.“

„Ja, Xander. Wir werden schon sehen, was wir tun können.“

Willow hatte dabeigestanden und überlegt.

„Giles... vielleicht, wenn wir was finden, könnten Tara und ich durch einen Bestimmungszauber herausfinden, wo sich dieser Dämon aufhält. Und dort wären dann Buffy und... Spike vielleicht auch nicht mehr weit. Bitte – lassen Sie es uns versuchen...“

„Du brauchst mich nicht zu bitten. Diese Sache fordert unsere ganze gemeinsame Kraft, und ich bin froh, daß ich dich... und... Tara zur Unterstützung habe.“

Sie wurde verlegen und bekam rote Wangen. Sie würde sofort zu Tara gehen und mit ihr diesen Zauber besprechen. Was für eine Herausforderung!

Dann schoß ihr wieder durch den Kopf, weshalb das alles hier stattfand, und schulbewußt wegen ihrer Euphorie, schaute sie zu Giles auf. Aber der hing seinen Gedanken nach und hatte ihren „Fehltritt“ gar nicht bemerkt.

„Also dann, Giles, bis nachher!“

„Was...? Ach ja, Willow, beeilt euch.“

 

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