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Geisterstunde ![]() Die Patrouille war
ereignislos, hatte bis jetzt kaum erwähnenswerte Abgänge in der Dämonenwelt von
Sunnydale eingebracht. Die Bösen hatten wohl gerade andere Tummelplätze
ausgewählt als den Friedhof, auf dem sie und Spike ihren Kontrollgang
unternahmen. Buffy war froh – wenn sie
das auch nie zugegeben hätte -, daß der blonde Vampir mit ihr gekommen war, um
sich seine allabendliche Gewalt zu gönnen. So war es wenigstens nicht allzu
langweilig, wenn sie ihn zwischendurch herausfordern konnte – mit Worten *und*
kleinen Trainingseinlagen. Und sie brauchte sich keine
Sorgen um ihn zu machen, wie das bei ihren Freunden immer der Fall gewesen war
– er war ja *nur* ein seelenloser, wenn auch hilfreicher Vampir. Eigentlich konnte sie sich
eine normale Patrouille kaum noch ohne seine Gegenwart vorstellen, ohne seine
Kommentare und Bemerkungen, ohne seine Flüche und Tiraden, ohne seine Witze und
sexuellen Anspielungen... Alles in
allem war er eine Hilfe, wenn auch manchmal eine recht lästige, wenn er mal
wieder wegen seines Chips rumjammerte, aber sie hätte sich wohl nie träumen
lassen, daß sie beide mal ein Team werden würden - und dazu noch ein wirklich
gutes... Es war kurz nach
Mitternacht, und sie befanden sich mitten auf dem größten Friedhof der Stadt,
genau zwischen zwei größeren Mausoleen. Ein plötzlich aufgekommener eisiger
Windhauch ließ sei erschauern, als sie von hinten ein Geräusch hörte. Spike
mußte es wohl auch bemerkt haben; er ließ seine Zigarette fallen, dann er
drehte sich um – und blieb wie angewurzelt stehen. „Hey, was soll das – von
hinten anschleichen ist verboten, du Schlange!“, entfuhr es ihm, als er die
Gestalt da stehen sah. Auch Buffy hatte sich umgedreht und stand voller
Spannung an seiner Seite. Da stand, nicht schwer zu
erkennen, eine Frau. Dann lachte Spike plötzlich
auf. Buffy blickte ihn verständnislos an: „Was gibt es da zu lachen?
Die hat sich von hinten an uns rangeschlichen – und sie ist garantiert nicht
hier, weil sie sich auf dem Weg ins Einkaufszentrum verlaufen hat!“ Buffy war empört. Während
ihrer Rede hatte die Fremde sich nicht gerührt, sondern nur dagestanden. „Na, wenn das nicht unser
kleiner Willy ist, William der Blutige, der böseste Vampir auf Erden!“, sagte
jetzt die Fremde mit einem spöttischen Unterton. „Was hast du denn mit deinen
Haaren gemacht – oder bist du über Nacht erblondet?“ „Über Haare zu sprechen –
das ist ja echt ätzend nach wieviel Jahren –
hundert oder so, Lydia? Und dasselbe könnte ich dich auch fragen – wo
sind denn deine geblieben?“, fragte Spike, ging auf die Fremde zu, umarmte sie,
hob sie kurz hoch und schwenkte sie im Halbkreis herum. Dann strich er ihr über
ihre raspelkurzen, tiefschwarzen Haare, bevor er sie von sich weghielt, um sie
zu betrachten. Die Fremde – oder Bekannte –
war klein, fast so klein wie Buffy, aber kräftiger gebaut. Sie trug
unauffällige Kleidung – dunkelblaue Jeans, eine kurze, schwarze Lederjacke und
darunter ein graues Sweatshirt. Sie war sehr blaß, was durch die blauschwarzen,
kurzen Haare noch hervorgehoben wurde, und ihr Gesicht bestand hauptsächlich
aus riesigen, hellgrauen Augen - so hell, daß der Übergang von der Iris zum
äußeren Weiß kaum zu erkennen war - die einen bohrenden, intensiven Ausdruck
hatten. Spike lächelte jetzt, und
zum ersten Mal stellte Buffy fest, wie seine Augen strahlten und sein Gesicht
einen freudigen Ausdruck annahm – es war ihr nie zuvor aufgefallen, daß er ein
schönes Lächeln hatte. Als ob ein Sonnenstrahl in
sein Gesicht scheinen würde. Der Vampir war so mit der
Fremden beschäftigt, daß er nicht bemerkte, wie Buffy näherkam. „Was hat dich denn hierher
zum Höllenschlund getrieben, Süße? Erst verschwindest du spurlos – und dann
kommst du nach einer Ewigkeit hier vorbei und guckst, als ob du kein Wässerchen
trüben könntest...“, sagte er neckend. „Naja, ich habe gehört, daß
du hier sein sollst – und Angelus auch.“ Sie sah sich unsicher um.
„Und wo ist Drusilla?“ „Das ist eine lange
Geschichte. Zur Hölle, sie hat mich verlassen... und Angelus ist nicht mehr
Angelus, sondern Angel – ein Vampir mit Seele, so ein Weichei. Du würdest es
nicht glauben, wenn du ihn jetzt sehen könntest, Liebes. Aber nun zu dir – wo
bist du all die Jahre gewesen – und warum hast du uns damals so sang- und
klanglos verlassen – genau wie Angelus...“ Er stutzte und sah sie
mißtrauisch an. „Du hast doch nicht auch
eine Seele bekommen, oder?“, fragte er vorsichtig. Sie lachte. „Nein, ganz
bestimmt nicht – aber ich bin ja echt baff, daß Drusilla und du... nicht mehr
zusammen seid, das war doch für die Ewigkeit. Und das von Angelus...“ Sie schluckte und schüttelte
ungläubig den Kopf. „Die Zeiten haben sich
wirklich geändert, Willi...am. Aber du bist noch der Alte, oder?“ Sie lachte ihn jetzt an:
„Oh, Mann, bin ich froh, dich wiederzusehen!“, und sie umarmte ihn erneut.
„Wenigstens ein alter Bekannter aus besseren, ach, was sag ich da – aus den
besten Zeiten - , der immer noch der alte ist...“ Sie küßte ihn zärtlich auf
den Mund. „Und ich hatte ewig keinen
guten Sex mehr...“, fügte sie leise hinzu. Buffy hatte es trotzdem
gehört. Sie hatte die beiden nicht aus den Augen gelassen und ihnen genau
zugehört – und mit jedem weiteren Wort war der Groll in ihr gewachsen. Hatten die nichts anderes zu
tun, als sich hier – in *ihrer* Gegenwart – abzuknutschen? Als ob sie, die
Jägerin, gar nicht da wäre! Wollte er sie nicht endlich vorstellen – oder
besser noch – sie diese Vampir-Frau endlich pfählen lassen? Das ging zu weit,
endgültig, sie mußte diesen schockblonden Vampir endlich mal in seine Schranken
verweisen, daß er sie so ignorierte – und sie einfach vergaß... Sie räusperte sich laut. Die beiden fuhren
auseinander, als wären sie ertappt worden. Spike drehte sich zu Buffy
um und sah sie schuldbewußt an, aber ehe er etwas sagen konnte, hatte sich die
Fremde an Buffy gewandt und sagte: „Also du bist wohl die neue
Flamme von William. Na, so neu wirst du wohl auch wieder nicht sein, wie ich
ihn kenne – seine Liebe ist immer für alle Zeiten. Ich bin übrigens Lydia, ein
Kind von Penn.“, und sie streckte Buffy die Hand hin. „Ich wußte gar nicht, daß es
unter euch Vampiren solche Höflichkeitsfloskeln gibt, Spike. Da muß ich wohl im
Unterricht bei Giles nicht richtig aufgepaßt haben.“, fauchte Buffy eisig, an
Spike gewandt, und ignorierte demonstrativ die ausgestreckte Hand. Dann wandte sie sich an
Lydia: „Um Klein-Willys neue Flamme zu sein, bin ich nicht durchgeknallt genug.
Und übrigens – ich bin Buffy, die Vampirjägerin.“ Als sie das herausbrachte,
funkelten ihre Augen vor Zorn, und ihre Stimme zitterte vor Erregung. Sie
konnte ihre Wut kaum im Zaum halten. Schweigen. Die beiden Vampire standen
wie vom Donner gerührt von dem unvermuteten Gewitterausbruch, dessen Ziel sie
geworden waren, und dann faßte sich Spike als erster: „Naja, Lydia – ich bin wohl
doch nicht mehr ganz der Alte...“, murmelte er. Er stellte sich vor Lydia,
mit dem Gesicht zu Buffy, wie um sie zu beschützen. Auch Lydia hatte sich wieder
gefangen, als sie leise sagte: „Ich hatte schon einen
Herzschlag gehört, aber ich dachte, mich getäuscht zu haben. Ich glaube, du
hattest recht mit deiner ‚langen Geschichte’ – das ist wirklich ein Ding... Du
und die Jägerin...“ Buffy hatte jetzt einen
Pflock in ihrer rechten Hand und war ein paar Schritte auf die beiden
zugegangen. Der blonde Vampir stand immer noch schützend vor der Vampirin und
sah Buffy erstaunt an. „Rühre sie nicht an,
Jägerin. Sie ist eine Freundin von mir. Ich warne dich!“ Seine Stimme hatte sich
drohend gesenkt, und er hatte beide Arme nach hinten ausgestreckt. „Ach ja? Und wie willst du
sie beschützen – mich zu Tode langweilen?“ Buffy stand jetzt direkt vor
Spike, den Pflock erhoben. Ihr Gesicht war von Zorn gerötet, und ihre Augen
sahen ihn böse an. „Geh´ mir aus dem Weg, du
impotenter Reißzahnjunge. Sonst könnte ich dich versehentlich gleich mitpfählen
– wär doch jammerschade um dich!“, sagte sie mit einer von Sarkasmus getränkten
Stimme. „Jägerin, nicht. Sie ist
nicht das, was du denkst – sie hat nie einen Menschen getötet. Und sie hat sich
echt bemüht...“, sagte er und konnte ein Grinsen kaum unterdrücken. „Sie war Penns ‚schlimmstes’
Kind – sie war ein Greuel für Angelus, und wenn ich sie auch fast ein
Jahrhundert lang nicht gesehen habe, so glaube ich nicht, daß sie jemals zu
einer Mörderin geworden ist... Bitte, vertraue mir, Süße.“ Er hatte eindringlich
gesprochen und dabei die Hände gehoben. Als er fortfuhr, drehte er
sich halb zu Lydia um. „Sie hatte am Anfang sogar
Schwierigkeiten, überhaupt von Blut zu leben – und alle in der Familie haben
sie deshalb verspottet und... gehaßt.“ Jetzt sah er Lydia an, als
wollte er sie aufmuntern, doch auch etwas zu sagen. Sie reagierte sofort:
„Will... äh... Spike hat recht. Er war immer der einzige, der sich überhaupt
mit mir abgab – vielleicht, weil er... nun ja... ähnliche Probleme hatte mit
der Eingewöhnung.“ Sie brach ab, als sie Spikes
Augenrollen sah. Dann wandte sie sich direkt
an Buffy: „Buffy – ich will nichts
weiter in deinem Revier, und ich habe nicht vor, die Stadt aufzumischen oder
sonst irgendwas. Ich war nur in der Nähe – und ich wollte einfach William
wiedersehen. Hätte ich gewußt, daß er mit der Jägerin... naja, wie auch immer,
ich werde nicht lange in Sunnydale bleiben. Versprochen.“ Buffy stand immer noch mit
erhobenem Pflock da, aber sie hatte längst nicht mehr vor, Lydia zu pfählen –
oder gar Spike. Sie hatte mit einem Blick in die Augen des blonden Vampirs
gesehen, daß er es ernst meinte – dieser Schlampe traute sie zwar immer noch
nicht über den Weg, aber merkwürdigerweise glaubte sie Spike. Mit einem Mal konnte sie
sich nicht mehr erklären, warum sie so wütend war, so überaus zornig, daß sie
sich kaum beherrschen hatte können. Langsam sank die Hand mit
dem Pflock. Spike atmete erleichtert auf
– auch wenn Atmen natürlich unnötig für ihn war. Er hatte die blinde Wut in
ihren Augen gesehen – was war nur in sie gefahren? Noch niemals zuvor hatte er
sie so zornig gesehen, so voller rigoroser Abneigung, voller Haß. Und, wirklich, in den
Jahren, die er sie kannte, hatte er sie oft wütend gesehen – vor allem wütend
auf sich. Aber das war anders gewesen. Das war ihr Job – und er hatte ihr
*immer* Knüppel zwischen die Beine geworfen und ihr Gründe gegeben, um sie vor
Wut platzen zu lassen... Zur verfluchten Hölle – und was waren das für Gründe
gewesen! Aber dieser Wutausbruch hier
gerade eben war aus einem für ihn unersichtlichen Grunde geschehen – und ein
wenig erinnerte es ihn an den Wutausbruch eines Wolfes, der sein Revier gegen
unverschämte Eindringlinge verteidigen muß. War sie etwa... Nein, das konnte nicht sein.
Warum sollte sie
eifersüchtig sein? Und auf wen? Dieser abwegige Gedanke
flackerte nur kurz in ihm auf, und er hatte keine Ambitionen, ihn jetzt weiter
zu verfolgen. Er wandte sich an Buffy und sagte in versöhnlichem Ton: „Am besten, wir fangen
nochmal von vorne an. Also, das hier ist Lydia, eine alte Freundin. Und dies
hier ist Buffy... nun ja, keine Freundin, aber so ähnlich...“ Er grinste, und die beiden
Frauen mußten jetzt auch lächeln – beide kannten ihn wohl zu gut, um nicht zu
wissen, was es ihn für Überwindung gekostet hatte, keine seiner sonst üblichen
ironischen Anspielungen loszulassen – bei einer solchen Gelegenheit. Buffy besah sich Spikes
„Freundin“, und sie konnte nicht sagen, warum sie sie nicht mochte. Aber sie
konnte sie auf Anhieb nicht ausstehen. Diese Frau hatte irgend etwas
verschlagenes, hinterhältiges in ihrem Ausdruck, auch wenn sie attraktiv war –
für einen Vampir. Ihre großen Augen blickten sie herausfordernd und
zurückhaltend zugleich an, und sie hatte so eine allzu einnehmende Art Spike
gegenüber, irgendwie so... ach, sie mochte sie einfach nicht und hoffte, sie
würde wirklich bald verschwinden. Irgend etwas an ihr
beunruhigte sie. Sie mußte unbedingt mit Giles darüber reden – vielleicht stand
etwas über diese Lydia in den Chroniken... Sie standen sich gegenüber,
und keiner sagte ein Wort. Alles schien gesagt zu sein, und niemand wollte an
irgend etwas rühren. Buffy gab sich einen Ruck. „Naja, ich denke, die
Dämonenpopulation von Sunnydale wird heute nacht nicht mehr allzu aktiv sein.
Ich werde dann nach Hause gehen. Mach´s gut, Spike... und Lydia.“ Sie drehte sich zum
Friedhofsausgang und stapfte ohne ein weiters Wort davon. Die beiden Vampire sahen ihr
hinterher, dann fiel Spike ein, daß er ihr gar nicht geantwortet hatte und rief
ihr hinterher: „Bis morgen, Jägerin!“ ********************** Spike und Lydia waren
lebhaft in ihre Erinnerungen vertieft, als sie vor seiner Krypta anlangten. Er machte eine einladende
Geste und stieß die Tür auf. „Willkommen in meiner
bescheidenen Behausung, Kleines.“ Sie trat zögernd ein und sah
sich um. „Na, wenn diese Behausung
nicht wirklich sehr bescheiden ist...“ Sie blickte zu dem blonden Vampir auf
und runzelte die Stirn. „Wie bist du denn in diesem
Rattenloch gelandet? Die Zeiten haben sich ja anscheinend wirklich nicht zum
Besten gewandelt...“ Er zog die Schultern hoch.
„Naja, besser als gar kein Zuhause... Mir bleibt mit dem Chip in meinem
verdammten Kopf kaum eine Wahl – und ich habe dir ja erzählt, daß ich nur noch
gegen Scheiß-Dämonen kämpfen kann. Das bringt nicht viel ein... verdammt. Menschen
kann ich jedenfalls nicht mehr ausrauben, und eine andere Möglichkeit zum Leben
ist mir noch nicht eingefallen – deshalb auch die Zusammenarbeit mit der
Jägerin und so...“ Er seufzte frustriert. Dann
besann er sich, setzte eine fröhlichere Miene auf und sagte: „Aber genug davon – erzähl
mir lieber, was du so alles nach deinem Verschwinden gemacht hast! Und wieso
bist du nicht schon früher mal vorbeigekommen, Süße?“ Sie zuckte mit den Schultern
und hob die Hände. „Da gibt´s nicht viel zu
sagen, Willy. Wir sind alle irgendwie durchgekommen. Mehr oder weniger gut,
denke ich.“, fügte sie mit einem Grinsen hinzu. „Ja, ist ´ne Menge Zeit
vergangen – und nenne mich auf keinen Fall mehr ‚Willy’ – der ist längst tot,
ich bin jetzt Spike. Übrigens warst du immer die Einzige, die mich so genannt
hat – außer meiner Mutter.“ Er sah ihr eindringlich in ihre hellen Augen. Sie nickte. „Klar, ich werde
mich bemühen, *Spike*.“ Dann faßte sie ihn an der
Hand und zog ihn in Richtung Grabplatte. „Aber was ich da vorhin gesagt
habe, ist wahr – ich hatte wahrhaftig lange schon keinen tollen Sex mehr.
Könnten wir da was unternehmen, mein Schatz?“ Er legte seinen Arm um sie
und zog ihren Kopf zu sich heran. Dann küßte er sie auf den Mund, und seine
Hände waren gleichzeitig überall und nirgends, als er anfing, sie auszuziehen.
Ein Knurren kam aus seiner Kehle, als er ihre Erregung roch, und er zerrte an
ihren Sachen, während sie ihm mit einer Hand durch die Haare fuhr und mit der
anderen an seinem Gürtel fummelte. Plötzlich krachte es hinter
ihnen, und die beiden fuhren erschrocken auseinander. Die Tür zur Krypta war
aufgeflogen, und ein Dämon kam laut brüllend hereingeschossen und direkt auf
die beiden zu. Er sah ziemlich wütend aus, sein Maul mit den riesigen Eckzähnen
war aufgerissen, und der Kopf mit den nach vorn gebogenen Hörnern war leicht
gesenkt – wie bei einem wütenden Stier. Spike ließ sofort von Lydia
ab und holte mit dem linken Arm aus. Sein Fausthieb landete mitten in der
Visage des Dämonen, der leicht zurücktaumelte. Der Vampir nutzte dessen kurze
Benommenheit und holte zu einem Rundumtritt aus, wobei er mit dem Fuß genau den
Brustkorb seines Angreifers traf. Der taumelte und fiel auf den Rücken,
versuchte aber sofort, sich wieder zu erheben. Was ihm nur teilweise gelang,
denn Spike sprang jetzt auf ihn drauf, und mit seinem ganzen Körpergewicht
hielt er den viel größeren Dämonen am Boden fest. Während er ihn dort
festnagelte, drehte er sich zu der Vampirin um und rief: „Hinter der Gruft liegt ein
Schwert, Lydia, wirf es mir rüber – schnell!“ Sie ließ sich nicht lange
bitten und rannte um die Gruft herum, hob die Waffe auf und warf sie, mit dem
Griff voran, zu Spike hin. Der ließ einen Moment den
unter ihm liegenden Dämonen los und fing das Schwert mit der linken Hand auf.
Der Dämon bäumte sich auf und stieß den Vampir von sich – aber Spike war
schneller. Er sprang auf die Füße. Beide Kontrahenten standen
sich jetzt gegenüber. Mit einem wohlgezielten Fausthieb schlug Spike dem
Dämonen auf den Kopf, und dann holte er mit dem Schwert aus, dieses Mal hatte
er es in seinen beiden Händen, und hieb ihm über den Oberkörper, wo das Schwert
eine klaffende Wunde hinterließ, aus der sofort grünes, dickflüssiges Blut
hervorquoll. Der Dämon brüllte auf und
hielt sich den Brustkorb. Er wollte sich gerade wieder auf Spike stürzen, als
der blonde Vampir noch einmal schwungvoll mit dem Schwert ausholte – und seinen
Körper in der Mitte durchtrennte. Der verbliebene Unterkörper des Dämonen
schwankte, und Spike gab ihm noch einen Tritt, damit er auch nach hinten fiele,
genau wie der Oberkörper, und dann krachte er auf den Boden der Krypta. Spike ließ das Schwert
sinken und sah sich nach seiner Freundin um. „Alles in Ordnung, Kleine?“ „Ja, klar. Was war denn das
eben – wolltest du mir deine Fortschritte in der Kunst, Dämonen zu töten,
vorführen? Wo kam der denn so schnell her?“ Sie sah ihn fragend an. „Naja, seit ich die Seiten
gewechselt habe – wechseln mußte – sind die Dämonen nicht gerade gut auf mich
zu sprechen...“, und er grinste sie an, als er fortfuhr: „Die können´s nicht
leiden, wenn man der Jägerin hilft...“ „Könnte ich wahrscheinlich
auch nicht, wenn ich hier leben würde. Kommt das öfter vor, daß so einer wie
unser toter Freund hier...“, sie zeigte auf die Leiche des Dämonen, um die sich
langsam eine zähflüssige Pfütze grünen Blutes bildete, „... dich auf diese
Weise besuchen kommt?“ „Eigentlich nicht. Wir
machen so etwas immer auf neutralem Boden aus, jedenfalls nicht bei irgend
jemandem zu Hause... irgendwie ungewöhnlich“, fügte er für sich murmelnd hinzu.
Er besah sich stirnrunzelnd
die Leiche, eigentlich waren es ja zwei Leichenteile. „Scheiße, jetzt macht der
hier alles voll mit seinem ganzen Zeugs. Und wie das stinkt! Wir müssen diese
Stinkbombe hier rausschaffen.“ Er legte das Schwert,
nachdem er es mit einem alten Lappen abgewischt hatte, auf die Grabplatte in
der Mitte des Raumes und ging dann zurück zur Leiche und bückte sich, um den
Oberkörper anzuheben. Er hievte ihn hoch und hielt ihn so weit wie möglich von
seinem Körper weg, um sich nicht zu beschmutzen. Lydia hatte sich nach einigem
Zögern den Unterkörper gegriffen und folgte nun Spike aus der Krypta. ************** Buffy hatte sich gleich nach
der letzten Vorlesung auf den Weg zu Giles gemacht. Sie hatte ihn noch am
vorigen Abend angerufen und ihn gebeten, vielleicht etwas über Lydia
herauszufinden. Den ganzen Tag über hatte sie sich darüber Gedanken gemacht,
was es mit ihr wohl auf sich hätte – und auch über ihre heftige Reaktion auf
diese Freundin von Spike nachgedacht. Es war einfach überzogen gewesen, und sie
konnte sich nicht erklären, warum das so war. War es, weil Spike sonst
immer ausschließlich für *sie* da war, weil er nur in seiner Krypta
saß und nichts Wichtigeres vorhatte, als mit ihr auf Patrouille zu gehen – weil
es schien, daß sein ganzes Leben nur noch nach ihr ausgerichtet war? Da störte
jedes noch so kleine Sandkörnchen im Getriebe. Und diese Lydia war mehr als
nur ein Sandkörnchen... Sie schien ein harter
Brocken zu sein, und sie hatte kein gutes Gefühl dabei. Warum störte es sie
nur, daß Spike nicht mehr allein war – und wo diese Lydia doch sowieso nicht
vorhatte, lange zu bleiben? Sie war inzwischen vor
Giles` Tür angelangt und klopfte. Sie hörte, wie er von
drinnen rief, es wäre offen und schob die Tür auf. Giles stand vor dem
Bücherschrank und hielt ein dickes, alt aussehendes Buch in der Hand. Er hatte
sich ihr zugewandt, als sie hereinkam. „Hallo, Buffy. Wie war dein
Tag?“ „Wie schon, Giles, nichts
Aufregendes. Aber haben Sie was über diese Lydia rausgefunden?“ Sie blickte ihn neugierig
an. Giles kam auf sie zu, deutete auf die Couch und setzte sich neben sie, als
sie Platz nahm. „Viel war´s nicht, was in
den Wächterchroniken stand, aber ich habe noch in ein paar anderen Büchern
nachgeschlagen und ein paar interessante Sachen herausgefunden. Anscheinend hat
Spike recht, wenn er sagt, daß sie keine... nun ja... Mörderin ist,
beziehungsweise war.“ Er nahm sich die Brille ab und rieb sich die Nasenwurzel. „Ja – und was haben Sie denn
nun herausgefunden?“, fragte Buffy nun ungeduldig. „Nun, sie war eine Hexe, als
Penn sie zur Vampirin machte. Eine ziemlich bekannte sogar, damals in der
Schweiz. In den alten Büchern ist sie als ‚Lydia die Heilerin’ verzeichnet.
Aber es gibt auch verschiedene andere Versionen, wie... ähm... ‚Lydia die
Teufelin’ oder ‚Lydia die Kräuterhexe’. Jedenfalls scheint es sich jedes Mal um
dieselbe Lydia zu handeln. Sie soll ‚Rabenhaar bis auf die Erde und Augen weiß
wie Schnee’ gehabt haben, steht da. Und du sagtest doch, sie hätte schwarzes
Haar, oder?“ Er blickte sie fragend an,
und Buffy nickte. „Was mich nun etwas
irritiert, ist, daß hier in diesem Buch steht, sie wäre... ähm, nun ja, so
zwischen 1890 und 1900 in der Schweiz... verbrannt worden. In einem anderen
Buch steht, sie wäre vom aufgebrachten Mob in die Enge getrieben und lebendig
eingemauert worden, nachdem man sie geschoren und verflucht hat...“ Er zog die Brauen hoch. „Das würde erklären, daß sie
verschwunden ist, wie Spike sagte. Aber das erklärt nicht, wie sie dann wieder
auftauchen konnte.“ Buffy sah ihn überrascht an.
Das wurde immer rätselhafter, und sie war noch beunruhigter als vorher. Giles
hatte seine Brille wieder aufgesetzt und blätterte nun in dem alten Buch. „Ich kann nichts über diesen
Fluch finden, mit dem man sie belegt hat. Aber es wäre uns sicher mehr
geholfen, wenn wir wüßten, was das für ein Fluch war. Hat sie gesagt, was sie
von Spike will – oder warum sie gerade ihn aufgesucht hat, Buffy?“ Buffy zuckte die Schultern
und schüttelte den Kopf. „Nein, nichts Konkretes,
nur, daß sie ihn mal wiedersehen wollte – und sie hat nach Drusilla und... äh
Angelus gefragt, nach der ‚Familie’ eben... Naja, und dann hat sie noch was
davon gesagt... hmm...“ Sie brach verlegen ab, als ihr das mit dem Sex einfiel. „Was denn, Buffy? Ich
glaube, daß jedes Detail zählt – vielleicht hat sie ja etwas wichtiges
angedeutet, und wir könnten es herausfinden, indem wir...ähm dem nachgehen.“ Sie räusperte sich verlegen. „Sie sagte irgendwas davon,
daß sie schon lange keinen guten... ähm... Sex gehabt hätte.“ „Oh. Das ist interessant.
Sie muß also früher... ähm... mit Spike...“ Giles unterbrach sich,
blätterte verlegen in dem Buch und fuhr dann leise fort: „Naja, die Vampir-Familien
sind doch sowieso nicht so wie die der Menschen. Was man so gehört hat...
Danach treibt es da wohl jeder mit...
äh... jedem...“ Giles fuhr sich verlegen
übers Haar, streckte sich dann im Sitzen und fragte: „Und was ist dir sonst noch
an ihr aufgefallen?“ Buffy seufzte. Ihr fiel
wirklich nichts weiter ein, und sehr ausgedehnte Gespräche hatte sie ja auch
nicht mit dieser Lydia geführt. Im Gegenteil. „Nein, Giles, wir haben
nicht gerade Brüderschaft getrunken, wissen Sie. Sie sagte nur, daß sie bald
wieder verschwinden würde.“ Giles war aufgestanden und
zum Bücherschrank gegangen. Er suchte offensichtlich ein bestimmtes Buch. „Buffy, leider weiß ich
nicht besonders viel über Flüche, mit denen man früher Hexen gebannt hat. Aber
ich glaube, ich müßte noch ein Exemplar der ‚Hexenkunde’ haben... auch wenn ich
nicht mehr genau weiß, wo. Oder habe ich es Willow geborgt? Wir könnten sie ja
mal fragen... Nun...“ Er wandte sich wieder Buffy zu. „Es ist gut, daß du mir
alles erzählt hast, Buffy. Und ich glaube auch, daß... ähm... mit ihr irgend
etwas nicht stimmt. Jedenfalls müssen wir dem nachgehen...“ „Und was tun wir bis dahin,
Giles? Müssen wir nicht Spike informieren... oder so?“, fragte sie leise und
irgendwie beschämt. Giles hob den Kopf und
runzelte die Stirn. „Nun ja, Buffy... ähm... Es wäre wohl nur fair, wenn wir
ihn informierten... Aber andererseits könnten wir dadurch Lydia alarmieren, und
vielleicht würde sie dann ihre eventuellen Pläne etwas verfrüht in Angriff
nehmen... Tatsächlich wissen wir ja auch nicht, was sie vorhat. Und wenn wir
Spike nicht einweihen... nun ja, dann könnte sie sich in Sicherheit wiegen...
Können wir ihm trauen?“ Zögernd schüttelte Buffy den
Kopf. „Ich weiß es nicht, Giles.
Ich weiß nur, daß er uns in letzter Zeit eine Hilfe war – und ich fast das
Gefühl habe..., er wäre einer... von uns.“ Ihre Stimme war zum Ende hin immer
leiser geworden, und jetzt seufzte sie tief und sah ihm direkt in die Augen. „Vielleicht hast du ja
recht... Aber wir müssen vorsichtig vorgehen, damit sie nichts davon
mitbekommt. Nun ja, wir könnten es ihm ja irgendwie... ähm verschlüsselt sagen.
Oder ihn allein abpassen, soweit das möglich ist...“ ******************* Es war ein sonniger
Nachmittag, und der Friedof sah am Tage ganz friedlich aus, fast heimelig, und
sie spürte eine leichte Brise, die die Blätter der Bäume bewegte und zum
Rascheln brachte. Aber sie war in Gedanken
versunken und nahm es nur am Rande wahr. Wie nur sollte sie Spike warnen, wenn
er nicht allein war – und wie sollte sie ihn *nicht* warnen? Sie stand eine Weile vor
Spikes Krypta, bevor sie die Tür aufstieß – wie immer, ohne vorher anzuklopfen.
Der Raum schien ruhig, und im ersten Moment war im dämmrigen Licht des
verdunkelten Raumes kaum etwas wahrzunehmen. Als sich ihre Augen daran
gewöhnt hatten, sah sie auf der Steinplatte in der Mitte des Raumes einen
unförmigen, von einer Decke eingehüllten „Berg“, aus dessen ihr zugewandtem
Ende ein Paar nackter Füße hervorlugten. Vorsichtig ging sie darauf
zu und um die Steinplatte herum. Am anderen Ende sah unter der Decke ein
Hinterkopf mit zersausten weißblonden Haaren hervor. Von Lydia keine Spur. Sie atmete erleichtert auf,
als sie sah, daß Spike allein war, dann zog sie die Decke von seinem Kopf weg. „Hey, Spike, aufwachen. Ich
bin´s – Buffy.“, sagte sie laut, und ihre Worte hallten in der leeren Krypta
wider. Der Vampir rührte sich leicht, murmelte irgend etwas von „... noch nicht
mal am Tage hat man seine verdammte Ruhe...“ und hob langsam den Kopf. Seine Augen waren ganz
verschlafen, und durch das zerwühlte Haar sah er fast unschuldig aus – wie ein
Kind, das man mitten in der Nacht aus dem Tiefschlaf reißt. Dann orteten seine Augen
Buffys nahe Gestalt, und sein Blick schärfte sich. Mit einer Hand den Kopf
aufstützend, sah er sie mit einem erstaunten Ausdruck im Gesicht an. „Was führt dich denn um
diese Zeit an diesen verfluchten Ort, Jägerin?“, fragte er direkt. „Spike, tut mir leid, wenn
ich dich von wichtigeren Dingen abhalte.“, und mit einem ironischen Grinsen
ließ sie ihren Blick über den von der Decke eingehüllten, verschlafenen Vampir
schweifen. „Aber da ist etwas, was ich dir sagen muß.“ Er setzte sich auf und tat
die Decke beiseite. Sein Oberkörper war nackt, aber er trug seine üblichen
schwarzen Jeans. Mit einer Hand fuhr er sich durch sein Haar, was nicht viel
brachte, nur, daß es jetzt nicht mehr in sein Gesicht fiel. Er sah sie neugierig an: „Was ist denn – kannst du
jetzt nicht mehr ohne mich über den Tag kommen?“, fragte er mit seinem
breitesten Spike-Grinsen. Sie verdrehte die Augen und
bereute schon fast, überhaupt hergekommen zu sein. Natürlich mußte er wieder
seine übliche Masche abziehen, das war so sicher wie das Amen in der Kirche.
Sie sollte ihn einfach im Ungewissen lassen – ihn und seinen Alabasterkörper,
über den jetzt ihre Augen streiften – denen gefiel, was sie da sahen... Mußte dieser Kerl auch noch
so sexy sein? Aber dann fiel ihr wieder
der Grund ein, aus dem sie hier war, und sie verkniff sich eine entsprechende
Antwort. „Du hast es erfaßt, Spike.“,
sagte sie nur und fuhr dann ernst fort: „Es geht um deine
‚Freundin’, diese Lydia. Giles hat etwas über sie herausgefunden, was uns
beunruhigt. Sie soll vor etwa hundert Jahren in der Schweiz als Hexe verbrannt
worden sein – oder vom Mob lebendig eingemauert, die Bücher widersprechen sich
da. Aber sie ist hier aufgetaucht – und das könnte mit einem Fluch
zusammenhängen, mit dem man sie damals belegt hat... Vielleicht will sie Rache
üben oder so was...“ Ihr Gesicht zeigte jetzt einen besorgten Ausdruck. Leise
fuhr sie fort: „Und vielleicht bist du ja
in Gefahr – oder wir alle, wir wissen es nicht.“ Der blonde Vampir hatte ihr
aufmerksam zugehört. Und er hatte ihren Blick gesehen, hatte bemerkt, wie sie
seinen Körper betrachtet hatte, wie ihr interessierter Blick daran haftete. Sein Ausdruck war
nachdenklich, und er nickte ihr zu: „Das erklärt so einiges...“,
stellte er fest. Sie sah ihn überrascht an.
„Was denn?“ „Naja, irgendwie habe ich
geahnt, daß etwas nicht stimmen kann, wenn sie hier nach so langer Zeit aus dem
Nichts auftaucht. Auch wenn wir alle nicht sonderlich Kontakt pflegen, so hören
wir Vampire – die Meister-Vampire jedenfalls – immer mal voneinander. Von ihr
haben wir seit damals keinen verdammten Pieps mehr gehört... Und dann ist
gestern abend noch etwas eigenartiges passiert, Süße.“ Sie sah ihn erstaunt an.
„Ich dachte, dieses... Miststück hat dich um den kleinen Finger gewickelt...“ Er hatte sich jetzt an den
Rand der Grabplatte gesetzt und ließ die Beine baumeln. Seine nackten Füße
hatten Buffys Schulter leicht gestreift, als er sie angehoben und über den Rand
geschwungen hatte. Sie wich schnell aus und lehnte sich neben ihn an die Gruft. „Zur Hölle, Jägerin! Für wie
naiv hältst du mich eigentlich? Falls du es vergessen hast – das Baby hier bist
du, Blondie. Ich bin mehr als fünfmal so alt wie du, könnte dir nie erzählen,
was ich für Erfahrungen habe, weil das Jahre dauern würde... Und du kleines
Superhirn nimmst an, ich ließe mich von so einer ‚Freundin’ blenden?“ Er lachte jetzt. „Ich dachte nur, daß sie ein
guter Fick wäre, nichts sonst – und eine kleine Abwechslung in meinem
täglichen... nächtlichen Einerlei.“ Er rollte mit den Augen. „Naja, ich dachte nur...“,
sagte sie kleinlaut mit rotem Kopf. Sie blickte verlegen auf seine nackten Füße
und wunderte sich, wie feingliedrig sie aussahen. „Wieso sind deine Fußnägel
nicht auch schwarz lackiert, Spike?“, fragte sie abwesend. „Weil man die nicht sieht.
Aber wenn du als Jägerin so einen Wert drauflegst, öfter mal meine nackten Füße
zu sehen, könnte ich das für dich tun, Süße.“, antwortete er grinsend. Hatte sie das wirklich
gefragt? Das wurde immer eigenartiger mit ihr, und sie wunderte sich über sich
selbst. Sie hatte wohl die Antwort erhalten, die sie verdiente. Schnell das Thema wechselnd,
fragte sie: „Was ist denn gestern abend
so Außergewöhnliches passiert, Spike?“ „Ein Dämon kam hier
reingestürmt und wollte mich töten.“, sagte er und blickte ihr jetzt direkt in
die Augen. Sie sah ihn verdutzt an: „Ja, und? Ist das so
außergewöhnlich? Die sind alle sauer auf dich – das weißt du doch.“ Er schüttelte den Kopf und
rollte wieder mit den Augen. „Klar, aber es ist ein
ungeschriebenes Gesetz unter Dämonen, daß wir niemals jemanden bei sich zu
Hause überfallen und töten – überall, bloß nicht hier! Das ist noch nie
passiert – und es hat mich schon gestern abend gewundert, was in diesen
verfluchten Dämonen gefahren ist, daß er hierherkommt... Und dann noch, als
Lydia hier reingeschneit ist und wir gerade dabei waren...“ Er brach ab und
grinste, als er sah, wie Buffy sich verlegen abwandte. Sie sah heute wieder
verdammt sexy aus. Zu ihrem hellen, ärmellosen Top trug sie einen schwarzen
Minirock, und er hätte nur die Hand ausstrecken müssen, um sie an sich ziehen
zu können. Aber diesen Wunsch mußte er, wie so häufig in letzter Zeit,
unterdrücken... Wenn sie herausfände, daß er sich in sie verliebt hatte, wäre
er vollends eine Witzfigur für sie und ihre Scoobies... Er blickte schnell auf
seine Hände. Sie hatte nicht geantwortet.
Schon wieder war dieser Groll in ihr hochgestiegen, den sie kaum beherrschen
konnte. Sie haßte diese Lydia, warum auch immer, sie haßte sie einfach! „Wo ist sie eigentlich
jetzt? Ich hatte angenommen, sie wäre bei dir geblieben...“, sagte sie so ruhig
und unaffällig, wie es ihr möglich war. Ein grollender Unterton war trotzdem
auszumachen, jedenfalls für Spike mit seinem Spürsinn für Zwischentöne. „Nach dem Zwischenfall hatte
sie es plötzlich eilig, hier wegzukommen. Sie sagte was von einem Motel hier in
der Nähe – jedenfalls ist sie *leider* nicht hiergeblieben, noch nicht mal, um
das zu vollenden, was wir gerade angefangen hatten...“, fügte er mit einem
bedauernden Lächeln hinzu. Buffy rollte genervt mit den
Augen. Sie wandte sich jetzt wieder
zum Ausgang. Ihre Aufgabe hatte sie erledigt, und sie hielt jetzt nichts mehr
in Spikes Krypta, jedenfalls kein offizieller Grund. „Naja, dann weißt du ja
Bescheid, Spike. Laß dir aber nichts anmerken, wenn du sie wiedersiehst... Ich
gehe dann jetzt. Bis heute abend. Wir treffen uns bei Giles.“ Er sah sie überrascht an.
Hatten sie sich etwa Sorgen um ihn gemacht? Um ihn, den bösen, seelenlosen
Vampir? Oh, Mann, das mußte er ihnen lassen – sie konnten sogar ihn noch
überraschen. Natürlich durfte er sich das nicht anmerken lassen. „Was denn – das war´s schon?
Deshalb hast du mich geweckt, Jägerin? Ich dachte, wir könnten die Zeit noch
ein wenig nutzen und Verteidigungspläne gegen den Weltuntergang schmieden...
Oder Waffen schärfen...“, rief er ihr hinterher, aber sie war schon
verschwunden, und die Tür war hinter ihr zugefallen. Leise fügte er hinzu: „Oder
in die Horizontale gehen...“ und lächelte verträumt. ~*~*~*~*~*~*~*~ |