M O V I N G

 

 

                                               I kiss your lips and see your eyes

                                               I will fall for you, my love

                                               and I touched your faith

                                               so I could see through your heart

                                               I will fall for you

                                                                                  — by Century

 

 

 

1 - Moving Back

 

„Wir können Buffy also nicht in eine Box sperren. Was schlägst du stattdessen vor? Immerhin treibt sie’s mit dem Immortal! Sollen wir’s einfach hinnehmen? Unsere eigenen Leben leben?“

 

Ich werf’ einen skeptischen Blick zu Angel, der noch immer auf der Kante seines Schreibtischs sitzt, mit vor der Brust gekreuzten Armen, reglos. Sein zur Seite geneigter Kopf und die hochgezogenen Brauen wirken wie ein tiefes, inneres Seufzen.

 

„Ich befürchte es...“ Er klingt frustriert, geschlagen, resigniert, hängende Schultern inklusive. Zusammen mit seinen schwarzen Klamotten könnte man glatt zu dem Schluss kommen, er muss zu ‘ner Beerdigung.

 

Wer kann’s ihm verübeln? Ich bestimmt nicht. Ehrlich gesagt, ich kann’s sogar gut nachempfinden. Fühl’ mich nämlich so beschissen, wie er aussieht. Kein Wunder. Mindestens ein Tag lang kein Schlaf, zwei Langstreckenflüge in unter 24 Stunden, lästiger Andrew, noch lästigerer Auftrag, und mein bombenzerfetzter Mantel. Ja, vielleicht nicht das Tragischste, was passiert ist. Andererseits doch, hab’ echt an dem Stück gehangen, war ein Teil von mir, wie eine zweite Haut, is’ immerhin über dreißig Jahre mit mir durch dick und dünn gegangen und hat sogar meinen Tod überlebt. Nur nicht die Italiener, verdammt!

 

Apropos dick, wir hätten den Dämonendieb bestimmt eingeholt, wär’ Angel nicht so fett. Vielleicht hätt’ ich ihn von der Vespa schubsen sollen, dann wär’ ich schneller unterwegs gewesen, hätt’ den Kopf retten und bei der Gelegenheit gleich die Ohren des Kidnappers an die richtige Stelle rücken können. Aber nein, dank Angel, Vernichter des überschüssigen Schweinebluts, sind wir immer hinterhergehinkt. Oder gerollt, in seinem Fall. Und Mister *fucking* Immortal konnte uns schön gemütlich an der Nase ‘rumführen, während er Buffy ausgeführt hat, damit wir sie nicht zu Gesicht bekommen. Ich HASSE den Kerl, da kann ich Angel nur voll und ganz zustimmen.

 

Uh... vielleicht hab’ ich mich ein bisschen in meinen Groll verloren...? Wo war ich? Ach ja, wir sehen beschissen aus und fühlen uns auch so, und dieses ganze schwarze-Klamotten-Ding ist heute nicht nur Image, sondern entspricht dem Anlass — wir begraben die Hoffnung auf Buffy.

 

„Okay. Kein Problem. Das wollte ich sowieso tun.“ Nicht wirklich. Oder doch. Aber ich konnt’s einfach nicht. Bis jetzt. Nach den letzten zwei Tagen allerdings... nun, schätze, die Zeit ist reif dafür, meine Hoffnung aufzugeben. War sowieso nicht viel übrig, um mich dran festzuklammern, wenn ich so drüber nachdenk’, sonst hätt’ ich Buffy doch längst angerufen, um ihr zu sagen, dass ich nicht mehr tot bin, isses nicht so?

 

Merkwürdig dass mir das jetzt erst klar wird. Vielleicht wusst’ ich’s aber auch schon und konnt’s mir nur nicht eingestehen. Keine Schande, verglichen mit Angel, der sich mittlerweile seit fünf Jahren damit ‘rumquält. Tja, der Wanker braucht eben immer ‘n bisschen länger. Wie mit seiner Seele. Jahrzehntelang hat er sich deswegen in Rattendreck gewälzt. Naja, Hauptsache ich bin drüber weg. Über Buffy, mein’ ich.

 

Nur schade, dass mir das Licht nicht früher aufgegangen ist, dann hätt’ ich schon vor Monaten damit anfangen können, meine zweite Chance sinnvoll zu nutzen. Halt, nein, meine dritte natürlich. Oder fünfte? Wenn ich Chip und Seele mitrechne. Anyway, jetzt kann ich jedenfalls endlich mein Leben leben.

 

„Ich auch.“

 

„Genaugenommen tu’ ich’s schon. In diesem Moment, während wir sprechen, blick’ ich nach vorn.“

 

Ich bin zuversichtlich. Angel nicht. Er wiederholt lediglich meine letzten Worte. „Nach vorn.“ Wie ein Echo, nur ohne meinen Enthusiasmus in der Stimme. Hm. Vielleicht kann ich ja seinen Kampfgeist wieder wecken...? Wenn ich ihn anfeuere...?

 

„Oh ja, sieh’ nach vorn!“ Ich klopf’ ihm bestätigend auf die Schulter, setz’ mich neben ihn, und guck’ ihn von der Seite her aufmunternd an. Es nutzt nichts. Er antwortet mir zwar, aber eher mechanisch, teilnahmslos. „Genau... jetzt...“

 

„Yep!“

 

„Nach vorn sehen. Nie zurück.“

 

Hell, kann er nicht wenigstens so tun, als würd’ er meinen, was er sagt? Wie soll er sich denn selbst überzeugen, wenn’s ihm nicht mal bei mir gelingt? Schlimmer noch, er zieht mich gleich wieder mit runter. Bollocks!

 

Ob’s an seiner Nähe liegt? Schlechtes Karma und so, wissen wir ja schon lang’. Ich spring’ also auf, geh’ auf Abstand, check’ die Lage. Nope, es hilft nicht. Im Gegenteil, ‘s lässt nur den Drang in mir aufkeimen, mich wieder zu ihm setzen zu wollen.

 

Und ich tu’s. Vielleicht muss es so sein. Vielleicht sollen wir leiden. Gemeinsam. Weil wir dasselbe durchmachen... fühlen... sind...? Allein. Verlassen. Von Buffy. Betrogen. Erniedrigt. Von Mister *tricky* Immortal. Wieder.

 

Wie damals als wir ihn kennengelernt haben. Oder vielmehr seinen sadistischen Humor. Von wegen, er ist weder gut noch böse. Die Ausgeburt Satans is’ er. Oder auch nicht. Vielleicht würd’ er den sogar noch zur Weißglut treiben. Bei Angelus und mir isses ihm jedenfalls gelungen. Oft genug, verdammt. Immer wenn er auftaucht, werd’ ich entweder zusammengeschlagen, land’ wegen Steuerhinterziehung im Knast - lange Geschichte, extrem ärgerlich und total langweilig -, oder noch schlimmer, verlier’ mein Mädel. Aber der Reihe nach.

 

Ich glaub’, das erste Mal sind wir in Frankfurt mit ihm aneinandergeraten. ‘S ging um ein verfluchtes Ei - von ‘nem Ruthruhndämon, wirklich skrupellose Bande, und sehr selten in unserer Dimension -, das Angelus *absolut-unbedingt* haben wollte... und nie gekriegt hat. Hell, ich könnt’ jetzt noch die Augen drüber rollen, wie scharf er auf das Ding war. Weiß nicht mal, warum. Vielleicht hat er gehört, ‘s wär’ ‘n Aphrodisiakum. Oder er wollt’ sich ‘n eigenen Schoßdämon züchten, keine Ahnung. N’ Pitbull hätt’s natürlich nicht getan, klar, extravagant isser ja schon immer gewesen, nicht erst seit seligen Zeiten.

 

Hat uns jedenfalls ‘ne Menge Ärger gebracht. Mag gar nicht über Einzelheiten nachdenken, sonst kocht meine Wut wieder über. Aber geendet hat’s damit, dass der Immortal es uns vor der Nase weggeschnappt - und es selbst ausgebrütet! - hat. Die Nonnen waren ihm ja so dankbar, dass er sie von ihrer Bürde befreit und ihnen sicheres Geleit zurück ins Kloster gewährt hat. Elender Bastard! Nicht mal die hat er uns gegönnt.

 

Damals hab’ ich noch gedacht, er hätt’ keinen Sinn für’s Unanständige. 1894 isser dann allerdings persönlich geworden und hat uns eines - sehr viel - besseren belehrt. Hat uns entführt, oder vielmehr entführen lassen. Der windige Mistkerl hat sich nämlich nie getraut, uns Auge in Auge gegenüberzutreten, selbst als wir in seiner Folterkammer, die er liebevoll ‘Room of Pain’ genannt hat, angekettet waren. Peinlich, peinlich — der Name und die Aktion. Oder clever, im Nachhinein betrachtet. Denn während wir damit beschäftigt waren, seinen Helferchen die Hälse zu brechen, hat er freie Bahn bei unseren Mädels gehabt. Hat sie direkt in den siebten Himmel gevögelt. Und beinah’ wär’s ihm sogar gelungen, sie für immer zu verderben. Für uns, mein’ ich.

 

Sein Glück, dass es soweit nicht gekommen ist. Sonst hätt’s den heutigen Zwischenfall mit ihm sicher nicht gegeben. Denn *Immortal* hin oder her, wir hätten einen Weg gefunden, ihn zu killen. Oder ihn unschädlich zu machen. Früher oder später.

 

Nicht dass wir’s nicht versucht hätten. Aber wir kamen nicht an ihn ‘ran. Egal was wir angestellt haben, er war uns immer einen Schritt voraus. Obwohl wir gut waren, ein echtes Team, Gefährten, Leidensgenossen, Partner, genau wie heut’. Wir hatten keine Chance, genau wie... uh... vergessen wir’s. Schätze, die Hörner, die er uns aufgesetzt hat, haben uns einfach nicht genug Antrieb verschafft.

 

Vielleicht wär’ alles anders gekommen, hätten wir weniger Energie drauf verschwendet, uns an den Mädels zu rächen. Die wollten nämlich nach ihrem gemeinsamen Erlebnis mit Mister *Bloody Fantastic* nichts mehr von uns wissen. Haben uns sogar rausgeschmissen. Aus unseren eigenen Betten!

 

Woraufhin Angelus der Kragen geplatzt ist. Hat Darla in seiner Rage geschnappt und an den Haaren zu Drusilla geschleift, sodass er und ich das große Schlafzimmer für uns hatten. ‘Wollten sie aushungern, hat auch geklappt. Nicht lange danach kratzte Dru bereits an der Tür. Wahrscheinlich hat Darla sie vorgeschickt, um ihr eigenes Gesicht zu wahren. Angelus und mir war das ziemlich egal, wir haben gefeiert. Unseren Sieg über die Weiber, und dass es uns gelungen war, den Spieß umzudrehen.

 

Wochen vergingen, in denen wir sie ignorierten, ihr Leiden genossen. Doch der anfängliche Triumph versiegte schnell. Und zurück blieb eine dumpfe Leere, die selbst die Jagd nach dem Immortal nicht verdrängen konnte. Und dennoch sehnten wir die Nächte herbei. Wenn wir rauskonnten. Die Tage waren echt die Hölle. Gefangen im eigenen Schlafzimmer. Bald schon mussten wir uns gegenseitig zurückhalten, um nicht schwach zu werden. Und innerhalb kürzester Zeit eskalierte die Sache.

 

Drusillas andauerndes Wimmern und Darlas Wutanfälle hätten wir wohl trotzdem noch ertragen können, zumindest ‘ne Weile länger, aber unsere Geilheit machte uns einen fetten Strich durch die Rechnung. Lieferte uns den Kampf des Jahrhunderts.

 

Warum haben wir unsere Befriedigung auch nicht anderswo gesucht? Ich mein’, die Möglichkeiten, die sich geboten haben, waren nahezu grenzenlos für uns, gutaussehende Bastarde, die wir waren. Leider auch verdammt stur, und viel zu stolz, um gleiches mit gleichem heimzuzahlen. Wären schließlich nicht besser gewesen als die Mädels, hätten wir uns - wie sonst - unseren Spaß verschafft, und uns von der Dienstmagd bis zur Baronesse und wieder zurückgevögelt, isses nicht so?

 

Außerdem wollt’ ich gar keine andere als Dru, Dark Princess, durchgeknallt, aber mein. Einmal Love’s Bitch, immer Love’s Bitch, huh? Und Angelus war nicht anders. Hat Darla vergöttert, sie Sweet Death genannt — und das nicht nur, weil sie sein Sire war.

 

Hätte uns das Genick brechen können. Sturheit. Stolz. *Dummheit*. Weil Angelus mich nicht gehen lassen wollte, zurück zu Dru. Hat mir den Weg versperrt, sein Wille, Amen. Funktionierte allerdings auch in die andere Richtung, und ein paar Minuten später hielt ich ihn auf. Erfolgreich. Hab’s schließlich von ihm gelernt.

 

Genau wie das Kämpfen. Was exakt das war, was folgte. Das Zimmer war wohl einfach zu klein für zwei von unserem Kaliber. Ein Wort gab das andere, und innerhalb kürzester Zeit schlugen wir uns die Köpfe ein. Unsere Dämonen nicht mehr länger hinter menschlichen Fassaden versteckt, sondern zur Schau getragen, wütend, um die volle Stärke gegen den anderen auszunutzen. Fänge, Hiebe, Tritte, fliegende Fäuste.

 

Und währenddessen ging die halbe Einrichtung zu Bruch, ein Stuhlbein/improvisierter Pflock kam ins Spiel, und zumindest ich dachte, ‘s könnt’ sein, dass ich’s nicht überleb’. Anyway, ich kämpfte natürlich weiter, rebellisch wie immer.

 

Knochen brachen, Blut spritzte, sickerte in Klamotten, ließ den Stoff schneller reißen, was immer mehr geschundene Haut zum Vorschein brachte, grünlich-blau, zerkratzt.

Und Angelus’ Schwanz, steinhart wie mein eigener, feucht schimmernd, und pulsierend wegen all des Adrenalins, das durch seine Adern raste.

 

Mein Tritt, der genau ins Vergnügen zielte, landete leider nur auf Angelus’ Oberschenkel, wohl weil mein Grinsen mich zu früh verriet. Vielleicht war ich auch einfach nur zu langsam... fast noch ein Frischling, und lange nicht so erfahren wie er.

 

Seine Antwort folgte auf jeden Fall prompt, ein Hieb in den Magen, der mich in die Knie zwang. Und sofort danach krallte sich seine Hand in meine Haare, während seine andere sich schon zur Faust ballte, um zum nächsten Schlag auszuholen.

 

Doch diesmal war ich schneller. Hab’ seine Hüften gepackt, ihn nähergezogen und in seinen Schwanz gebissen. Reflex. Wirklich. Hat mich selbst überrascht. Aber dann... war’s zu spät. Ich konnt’ nicht mehr loslassen... mit meinen Lippen, nicht meinen Zähnen. Weil Angelus’ Geschmack auf meiner Zunge explodierte. Berauschend — Sireblut. Zusammen mit seiner Erregung — Glückseligkeit.

 

Hatte nie zuvor einen Schwanz im Mund gehabt, und dachte auch damals nicht als ‘sexuellen Akt’ darüber, während ich dran saugte und leckte. Zumindest anfangs nicht. Wollte doch nur mehr von Angelus’ kostbarem Blut trinken, seine Stärke... vielleicht auch seine Lust.

 

Und Angelus, schon lange nicht mehr unschuldig, gab mir all das. Nicht sofort, klar. Schätze auch, dass es auf seine Initiative hin nie soweit gekommen wär’. Aber da sich ihm die Gelegenheit nun schon mal bot, konnt’ er natürlich nicht widerstehen.

 

Nach den ersten Schrecksekunden traf mich sein rasend-goldener Blick, schraubstockartige Hände hielten plötzlich meinen Kopf fest und seine Hüften hämmerten in gnadenlosem Rhythmus, vielleicht als Revanche für den Biss, eher aber aus purer Geilheit. Und während er meinen Mund vögelte, konnte ich nichts weiter tun, als stillzuhalten.

 

Und mich selbst zu wankern. Hart. Schnell. Verzweifelt. Weil Angelus mich überwältigte... sein Grollen in meinen Ohren, sein Geschmack auf meiner Zunge, sein Geruch in meiner Nase. Die Luft flimmerte vor Verlangen, in meinem Schädel drehte sich alles, mein Blut erreichte seinen Siedepunkt, und ich glaub’, ich hab’ mich nie sehnlicher nach einem Orgasmus gesehnt. Nicht davor und nicht danach.

 

Doch Angelus fand seine Erlösung vor mir, ergoss’ sich so heftig, dass ich dachte, ich würd’ dran ersticken, was natürlich nicht passieren konnte. Stattdessen hab’ ich ihn verschlungen, in tiefen Schlucken getrunken, keinen einzigen Tropfen verschwendet, bevor ich endlich selbst kam.

 

Über seine Schuhe.

 

Höchstwahrscheinlich war das der Grund dafür, warum er mich Momente später mit soviel Wucht aufs Bett warf, dass ich auf- und abfederte, bis er mein Gesicht grob in die Kissen presste - wild knurrend, weil ich mich automatisch wehrte -, und seinen Schwanz wieder in mich, diesmal ins andere Ende, um mich in den nächsten Sonnenuntergang zu reiten... und noch ein bisschen weiter.

 

Vielleicht war aber auch ein Höhepunkt einfach nicht genug. Nicht für ihn, nicht für mich. Nach Wochen der Enthaltsamkeit. Und nachdem wir beide auf den Geschmack gekommen waren.

 

Trotzdem blieb’s ein einmaliges Erlebnis. ‘Weiß nicht warum, nur dass es definitiv nicht an mir lag, auch wenn ich danach tagelang kaum gehen konnte, geschweige denn sitzen. Keine Ahnung, was ihn abgeschreckt hat. Vielleicht dieser ganze Sirecrap. Vielleicht war auch sein Schwanz so wund wie meine Kehrseite. Oder sein Verstand. Damals schon so verdreht wie heute. Jedenfalls hat er sich in meiner Gegenwart unwohl gefühlt - ja, der gefürchtete Angelus! -, und ich mich deswegen mit ihm. Aus Kameradschaft. Oder weil ich sein Verhalten nicht verstanden hab’, Hell, bis heute nicht versteh’.

 

Merkwürdige Zeit jedenfalls. So intensiv... genau wie das, was zwischen uns passiert ist. Ich kann mich noch an alles erinnern, als ob’s gestern gewesen wär’, nicht vor über hundert Jahren.

 

Anyway. Den Immortal hat keiner von uns je wieder erwähnt. Und nach einer Weile kehrten die Mädels zu uns zurück, oder wir ließen sie, zuerst für die Jagd, dann in unsere Betten. Die ganze Sache geriet allmählich in Vergessenheit, alles normalisierte sich... zumindest oberflächlich betrachtet.

 

Doch von da an beeilte ich mich jedes Mal, Dru zu finden, sobald Angelus mit Darla in seinem Zimmer verschwand. Brauchte keine extra sensiblen Ohren, um seine Schreie zu hören, gemixt mit ihren... niemals so laut wie in dieser Zeit. ‘Is’ der Grund, warum ich die Schlampe so sehr hasse. Neid.

 

Und meine arme Dru musste drunter leiden, wann immer ich zwischen ihre seidenweißen Schenkel gesunken bin. Sie hat sich nie beschwert, mochte es rau, meine Kleine, so zerbrechlich wie sie auch war. Und untröstlich. Sie wisperte immer wieder verschwörerisch irgendwas von ‘ich sollte glücklich sein’ in mein Ohr, denn alles würde sich ändern, und eines Tages würde ich kriegen, was ich wollte.

 

Hab’ ihr nie geglaubt. Hab’s verdrängt. Und nach dem Fluch war Angelus sowieso für immer verloren. Für die Familie. Für mich. Dacht’ ich. Bis heute. Aber vielleicht haben die Sterne ja doch nicht gelogen. Warum zur Hölle sonst hätt’ ich zurückkommen sollen? Von allen möglichen Orten ausgerechnet zu W&H, um Angel direkt vor die Füße zu fallen?

 

Ja, Vorsehung, richtig. Doch das muss ja nichts mit dem Offensichtlichen zu tun haben, jedenfalls nicht in ‘ner das Gleichgewicht der Welt durcheinanderbringenden, apokalyptischen Art, Shanshu hin oder her. Könnte immerhin sein, dass Angel mich braucht, weil ich weiß, wie er sich fühlt. Weil ich bin wie er. Vampir, Seele, Champion mein’ ich, nicht den Teil mit dem Grübeln und dem fehlenden Humor.

 

Hm. Vielleicht brauch’ ich ihn ja auch, bin deshalb hier...? Bloody Hell, no! ‘S wahrscheinlich nur, um ihn - wie sagt er immer so schön? - zu stören. Yeah, VERstören trifft’s wohl eher. Und um sein geordnetes Leben durcheinanderzubringen. Auch wenn’s längst nicht mehr so geordnet is’ wie früher, im Sinne von geregeltem Hilflosenretten.

 

Ja, er geht nach wie vor jeden Tag in sein fantastisches Büro und erledigt stoisch seinen Job... woraus auch immer der besteht. Vielleicht daraus, Verräter Lindsey aus der Vorstadthölle zu ziehen. Oder Fred sterben zu lassen, und anschließend trotzdem weiterhin den Boss für W&H zu spielen. Er hält sich tapfer, keine Frage. Und ja, natürlich weiß ich, dass es so einfach nicht is’.

 

‘S alles so verdammt kompliziert geworden. Nicht nur für ihn. Könnte sein, dass es Zeit ist, das zu ändern. Wenigstens für eine kleine Weile lang. Und vielleicht haben wir ja den Ärger der letzten 24 Stunden, den wir mit dem Immortal hatten, ganz falsch interpretiert. Veränderung muss schließlich nicht zwangsläufig bedeuten, nach vorn zu schauen. Man kann ebensogut zurückblicken, oder auch nur sehen. Isses nicht so?

 

Hoffe bloß, dass er mich für das, was ich vorhab’, nicht killt. Er mochte meine Pläne ja nie, egal in welcher Inkarnation er sich grad’ befunden hat. Aber wahrscheinlich hab’ ich Glück und kann mir - wie beim letzten Mal - meine Verschonung er... uh... blasen.

 

‘Kann mir nicht helfen, aber der Gedanke bringt mein Blut in Wallung, gen Süden, und ich muss mich erstmal sortieren. Hand im Schritt, völlig unschuldige Geste beim Aufstehen, wahrscheinlich merkt er’s ohnehin nicht, so beschäftigt wie er mit Brüten ist. Trotzdem. Wir wollen schließlich nicht, dass er schon vorher weiß, was ihn trifft, richtig?

 

Die Frage is’ nur, wie stell’ ich’s an? Kann ja schlecht auf die Knie sinken und ihn in den Mund nehmen. Außerdem sind diesmal eindeutig zuviel’ Klamotten im Weg. ‘Kay, das lässt sich ändern, versaut aber garantiert den Überraschungseffekt. Also, was soll ich tun, verdammt?

 

Ich könnte das Gespräch einfach da wieder aufnehmen, wo ich mich ausgeklinkt hab’. Nah, dazu isses mittlerweile wohl etwas zu spät, huh?

 

„Spike!“

 

Fuck! Muss er mich so erschrecken, dass ich fast aus meiner Haut spring’? Und warum starrt er mich jetzt nur mit großen Augen an, anstatt weiterzureden? Ich mein’, wenn er schon mal meine Aufmerksamkeit hat. Also... „Was?“

 

„Was denkst du eigentlich, was du gerade machst?“

 

Ja, was denk’ ich? Uhm, nichts...? „Wonach sieht’s denn aus, Wanker?“

 

„Nach deiner Langeweile. Und danach, sie dir zu vertreiben, indem du mich nervst, störst und ärgerst.“

 

„Nein, nein und nein, diesmal nicht. Ehrlich. Ich... uh... beweg’ mich nur ‘n bisschen.“ Yep, das hilft mir nämlich beim Denken, auch wenn’s momentan nichts bringt, was allerdings eher mit Angels Gezicke zusammenhängt.

 

Aber immerhin klingt er nicht mehr nach apathischem Echo wie vorhin, als wär’ sein Feuer erloschen, sondern wütend. Hätt’ ich gewusst, dass seine Toleranzgrenze *so* niedrig ist, hätt’ ich schon viel früher damit angefangen, ‘rumzulaufen.

 

„Ja, dauernd vor meiner Nase hin und her. So lange bis du meinen teuren Teppich völlig ruiniert hast... wenn ich es soweit kommen lasse.“ Hier stutzt er. Oder legt die kürzeste Denkpause in der Geschichte von Brooding-Angel ein, die es je gab. Ich bin echt beeindruckt, als er nach einer Minute schon weiterspricht. Wow!

 

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber im Nachhinein betrachtet, mochte ich dich als Geist lieber. Da konntest du wenigstens nichts kaputtmachen.“

 

„Als ob’s in diesem Laden drauf ankäm’. Teurer Teppich, pfff. Hat dich auch nicht belastet, als du den letzten Angestellten, dem die neuste Firmenpolitik egal war, einen Kopf kürzer gemacht hast. Aber ich will mich nicht streiten. Also, wenn’s dir nichts ausmacht, lass’ mich in Ruh’, ich bin hier grad’ mit der Bewältigung eines Problems beschäftigt.“, erklär’ ich ihm.

 

Und er winkt ab. „Was auch immer. Wenn du nur mit diesem ständigen Vor und Zurück aufzuhörst.“

 

Schätze, er hat recht. Wofür soll ich mich mit Pläneschmieden aufhalten? ‘S geht schließlich weder um die Verhinderung der nächsten Apokalypse, noch um einen anderen bevorstehenden Kampf - zumindest hoff’ ich das -, oder um irgendwas, was ich tun muss. Nope. Zur Abwechslung isses mal was, was ich will.

 

Wollen. Nehmen. Haben. Is’ lang’ her, dass ich so spontan war. Naja, so lang’ auch wieder nicht. Ich erinner’ mich noch an diesen Pokal. Keine Ahnung, wieso ich den unbedingt haben musste. Vielleicht um Angel zu ärgern. Oder um ihm zu zeigen, dass ich auch noch da bin. Wahrscheinlich aber einfach für den Spaß, mich mit ihm zu schlagen... und zu gewinnen, selbst wenn’s nur für ‘n Schluck Soda war. Und ‘n bisschen Achtung, das er mir nie zeigt.

 

Unter diesem Aspekt betrachtet — warum wollt’ ich ihn nochmal? Ach, egal, ‘s is’ eben so. Vielleicht werd’ ich’s hinterher genauer wissen. Hauptsache, alles andere is’ mir klar. Und das isses, gibt mir den nötigen Kick, endlich ‘anzugreifen’.

 

Ich dreh’ mich also in meiner gewohnt lässigen Art zu Angel um, dank meiner perfekten Körperbeherrschung in einer geschmeidigen Bewegung - und dank der Chefin von W&H in Rom, auch mit fliegenden Mantelschößen -, bis ich vor ihm zum Stehen komm’. Mitten in seinem persönlichen Freiraum. Aber das war ja der Sinn der Sache. Scheint ihn auch nicht weiter zu stören. Doch...

 

„Was ist, wenn ich mit dem Vor und Zurück nicht aufhören *will*?“, frag’ ich ihn, trotz der Tatsache, dass ich’s grad’ getan hab’, weshalb er mich verärgert anfunkelt. Klar, weil er annimmt, ich red’ vom ‘Rumlaufen, und sich natürlich sofort wieder provoziert fühlt. Is’ gar nicht meine Absicht.

 

„Ich mein’s im übertragenen Sinn, Moron. Was wär’ denn so schlimm dran, zurückzublicken? Die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen? Wenigstens für den Moment. Nach vorn und der Zukunft entgegensehen müssen wir schließlich noch früh genug, denkst du nicht?“

 

„Nein. Ich denke, dass dir entweder der Jetlag zu schaffen macht oder du nicht mehr richtig tickst... mehr als sonst.“

 

„Ja, vielleicht.“, räum’ ich schulterzuckend ein. „Aber DU denkst definitiv an die falschen Dinge.“ Denn offensichtlich macht er grad’ nochmal alles durch, was seine Seele ihm, beziehungsweise was er sich angetan hat. Jedenfalls nach seinem gequälten Gesichtsausdruck zu urteilen.

 

„’S immer das Gleiche mit dir. Leiden, Schuld, Reue. Kenn’ ich selbst, Wanker, glaub’s oder nicht. Aber im Gegensatz zu dir lass’ ich mich nicht davon auffressen, weil ich mich außerdem an die guten Zeiten erinner’. Solltest du auch mal probieren. Wie wär’s zum Beispiel mit 1894? ‘N paar Wochen nach dem Zwischenfall mit dem Immortal. Scheint mir genau der richtige Augenblick zu sein, daran zurückzudenken, findest du nicht? War ‘n besonderer Tag. Ohne Darla, ohne Dru. Nur du und ich. Und...“ Hier beug’ ich mich vor, und unterstreich’ meine nächsten Worte, indem ich sie ihm ins Ohr flüster’. „Und all die angestaute Spannung, du erinnerst dich?“

 

Oh ja, eindeutig! Denn er seufzt. So leise, dass ich’s beinah’ nicht hör’. Doch ich tu’s. Und ich kann nicht anders, reib’ mein Becken gegen seins, nur einmal, muss einfach... um den Druck deutlicher zu spüren. Von damals, von heute. Seinen, meinen. Aber da is’ lediglich mein eigener - ich kann’s nicht glauben! -, oder keine Erwiderung von ihm. Und dann is’ da nichts mehr, weil er mir ausweicht und kopfschüttelnd an mir vorbeihuscht.

 

Wahrscheinlich beeilt er sich, zum Lift zu kommen. Seit er das letzte Mal den Zugangscode geändert hat, meint er nämlich, er wär’ in seinem Apartment sicher vor mir. Armer, naiver Angel, lässt sich so leicht an der Nase ‘rumführen, weiß ja nicht, dass ich einen Generalschlüssel hab’. Jedenfalls bis jetzt nicht.

 

Und vielleicht auch noch ‘was länger nicht. Denn wie ich feststell’, als ich mich umdreh’, rennt er nicht, sondern steht in meiner unmittelbaren Reichweite, mit dem Rücken zu mir. Still. Abwartend. Hell, warum kann er nicht ein bisschen sein wie ich? Oder wie Angelus? Etwas aggressiver. Weshalb muss ich jede Reaktion mühsam aus ihm ‘rauskitzeln? Oh, ich kann’s mir denken. In einer seiner Grübelsitzungen hat er beschlossen, dass sich alle nach *ihm* zu richten haben, weil es *sein* Spiel ist. *Immer*.

 

Er will’s also auf seine Weise. Okay, kann er haben. Zumindest für den Moment. Geh’ ich eben nicht um ihn ‘rum, sondern bleib’ hinter ihm stehen. Dicht genug, dass er meine Präsenz spüren kann, aber trotzdem so weit weg, dass er sich mehr Nähe wünschen wird, zwangsläufig, vielleicht sogar den Abstand von sich aus verringert... oder doch noch zum Aufzug rennt. Hm, ‘werden sehen.

 

„Machst du dir grad’ vor, dass du nicht weißt, wovon ich red’ oder dass die Erinnerung so widerlich ist, dass du nie mehr dorthin zurückwillst? Oder überlegst du schon, welche Variante du mir eher verkaufen kannst? Irgendwas in der Art, huh? Oh bitte, Angel, du solltest mich besser kennen. So oder so wirst du mich nicht los. Entweder werd’ ich versuchen, deinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, oder dich davon zu überzeugen, dass widerlich was anderes ist.“

 

Während ich so mit ihm red’, streichel’ ich seinen Rücken ‘rauf und ‘runter, auffordernd, ‘rausfordernd, auch wenn ich ihn nie wirklich berühr’. Lass’ nur meine Fingerspitzen über sein Hemd geistern, sodass er’s zwar fühlen kann, allerdings nie mich, sondern nur Stoff gegen seine Haut. Er könnt’ sich ja weiter zurücklehnen, doch er tut’s nicht. Also mach’ ich weiter.

 

„Aber vielleicht ist dir all das ja längst klar und du hast genau diese Reaktion von mir einkalkuliert, um dein Ziel zu erreichen — sagen wir, meine Hände auf dir, vielleicht meine Lippen. Was wär’ dann, wenn ich nicht mitspiel’? Wenn ich dir all das verweiger’?“ Ist ‘ne hypothetische Frage, ich hör’ natürlich nicht auf, ihn zu necken, im Gegenteil, ich knabber’ sogar außerdem an seinem Nacken. Und das ist der Moment, in dem er mir antwortet. Schätze, um sein Keuchen zu vertuschen. „Das wagst du nicht!“

 

„Nein? Du glaubst also nicht, dass ich aufhören würd’? Nicht mal, um dir zu zeigen, dass du mich genauso sehr willst wie ich dich? Oder vielleicht nicht mich, aber *das*.“ Nämlich meine Hand in seinem Schritt. Natürlich meine Linke, weil ich mit der alles wichtige mach’. Sie kommt sofort zur Sache und lässt sich auch nicht durch seine Hose daran hindern, ihn zu voller Härte zu massieren.

 

Und meine Rechte öffnet währenddessen die obersten Knöpfe von Angels Hemd und schlüpft hinein, auf der Suche nach seinen Nippeln. Auch wenn sie sich zuerst damit beschäftigt, über seine Brust zu gleiten, und weiter, über Bauchmuskeln, Rippen und genügend Fleisch, um sich dran festzuhalten. Er war schon immer auf der ein-bisschen-zuviel-Seite des Lebens, Unlebens, whatever. Nicht nur um die Taille ‘rum, sondern überall.

 

Vielleicht isses das, was mich am meisten zu ihm hinzieht. Seine Größe... Masse? Sein Umfang? Rein optisch. Das genaue Gegenteil von mir – auch wenn ich weiß, ich steh’ ihm in nichts nach. Trotzdem. Lässt ihn so machtvoll erscheinen (nicht dass ich ihm das sagen würd’). Arme, Beine, Schultern. Sogar sein Hals ist zu breit. Und sein Hintern... ich mochte es irgendwie, ihn zu kneten, als er mich gevögelt hat, ihn anzuspornen und wieder und wieder näherzuziehen, die Kraft hinter seinen Stößen zu fühlen, mit jedem An- und Entspannen seiner Pobacken.

 

Und jetzt kann ich nicht anders als mich dagegenzupressen und meinen Schwanz so lang’ an ihm zu reiben, bis ich dazwischen bin. Glücklicherweise kein Problem, weil er auch heut’ eine seiner teuren, weiten Cashmirhosen trägt. Poof. Anyway. Macht’s auf jeden Fall leichter, und - selbst wenn meine Jeans im Weg ist - sooo viel besser.

 

Yeah, Angel hat recht, ich würd’s nicht wagen, aufzuhören. Zumindest nicht länger, als ich dafür brauch’, um ihn ‘rumzugehen, ihn auszupacken und auf die Knie zu sinken. Vielleicht sollt’ ich genau das tun. Jetzt. Weil ich’s wirklich nicht länger aushalt’. Oder vielleicht auch nicht. Noch nicht. Ich könnt’ warten, bis ER’s nicht mehr aushält. Kein Problem. Ich mein’, ich hab’ ihn über hundert Jahre lang nicht geschmeckt, da kommt’s auf ein paar Minuten mehr oder weniger echt nicht mehr an, isses nicht so?

 

Doch was, wenn er mich nicht lässt? Vielleicht weil er Angst hat, ich könnt’ wieder in sein bestes Stück beißen. Nicht meine oberste Priorität, aber garantieren, dass es nicht passiert, könnt’ ich nicht. Klar. Oder er lässt mich nicht, einfach weil er weiß, dass ich’s will. Ihn schmecken, mein’ ich. Würd’ ihm ähnlich sehen. Sich selbst den Spaß verwehren, nur damit ich keinen krieg’. Verdammt, stur genug isser.

 

Aber ich bin sturer! Und schneller. Weil ich nicht so ein Schrank bin wie er. Und schlauer. Viel wendiger. Ganz offensichtlich besser in Form als er. Er hat nicht EINmal mit Blue trainiert, richtig? Und überhaupt, er tut doch nichts anderes, als hinter seinem Schreibtisch zu sitzen.

 

Oder auch nicht.

 

Ich komm’ nicht mal dazu, mich von ihm zu lösen, geschweige denn... yeah, keine Chance. Aber das is’ völlig okay für mich. Wirklich. Weil’s uns endlich zu dem Punkt bringt, wo’s aufhört, sich merkwürdig anzufühlen. Die Situation. Ich. Selbst die Luft um uns herum scheint sich zu verändern. Und Angel? Sein Verhalten wechselt plötzlich von nehmend nach wollend, fordernd. Yep, er reagiert endlich. Oder vielmehr agiert.

 

Seine Hände suchen meine. Über Kreuz. Seine Rechte meine Linke, in seinem Schritt, verlangt dortzubleiben, weiterzumachen. Seine Linke schält meine Rechte aus seinem Hemd, um es zu öffnen. Und ich helf’ ihm, abwärts, tiefer, bis wir seinen Hosenbund erreichen. Er muss mich nicht dirigieren, und ich ihn nicht antreiben. Wir wissen beide, was als nächstes dran ist, tun’s miteinander, arbeiten zusammen dran, die letzten Hindernisse aus dem Weg zu schaffen, Gürtel, Knopf, Reißverschluss, seine Hand genauso begierig wie meine, aber trotzdem nicht fummelnd, sondern effizient.

 

Und sooo erregend.

 

Normalerweise zieht man sich ja selbst aus, oder der andere tut’s für einen. Auf diese Art... hm, passiert’s eher selten, würd’ ich sagen. Oder vielleicht doch öfter, und ich weiß es nur nicht, weil ich’s sonst nicht mit Männern treib’. Möglich is’ alles. Jedenfalls isses total heiß, ‘s gemeinsam zu tun — Cashmir über seine Hüften zu ziehen, synchron, direkt danach seine Boxer, und die Seide gegen seine Haut wispern zu hören.

 

Eigentlich sollte ich jetzt einen Spruch bringen. Ich mein’, was ist verkehrt an Baumwolle? Nicht schick genug für den Poof, huh?

 

Doch es ist zu spät. Sein Schwanz is’ plötzlich frei und wir keuchen beide gleichzeitig auf, überrascht, erwartungsvoll. Und ich will nur noch danach greifen, aber er lässt mich nicht, verdammt, verhakt stattdessen die Finger seiner rechten Hand mit denen meiner linken, damit wir ihn zusammen umfassen können. Oh, verstehe. Nicht dass ich’s nicht allein schaffen würd’, ihn zu wankern. So groß isser nun auch wieder nicht.

 

Okayokay, er is’.

 

Trotzdem. So macht’s irgendwie mehr Spaß. Nicht nur ihm. Mehr Reibung, genügend Druck mit seinem Daumen, sodass ich meinen über die Spitze kreisen lassen kann, um seine Lust zu steigern und sie in seine Haut zu massieren... mit jeder Runde klebriger, mit jedem gemeinsamen Auf und Ab flüssiger.

 

Allein das Gefühl lässt mich immer wieder schlucken, weil mir das Wasser im Mund zusammenläuft. Doch außerdem kann ich ihn riechen — sein Aroma, salzig-süß wie sein Blut, verführerisch, delikat. Und es wär’ völlig okay für mich, wenn er jetzt käm’. Ehrlich, am liebsten würd’ ich ihn sogar anfeuern - Lass’ los, Angel, komm für mich! -, doch ich tu’s nicht.

 

Weil ich sein verlangendes Stöhnen zu sehr genieß’. Und seine freie Hand, die sich fast schmerzhaft in meine Hüfte krallt, mich verzweifelt näherzieht, während er sich gleichzeitig an mich drückt, bis ich mich einfach an ihm reiben *muss*. Weil mein Schwanz endlich wieder zwischen seinen Pobacken ist. Und diesmal sind sie nackt. Verflucht sei meine Jeans! ‘Will nicht drin kommen, verdammt. Lieber in *ihm*.

 

Sehr unrealistischer Gedanke, huh? Als ob das je passieren würd’.

 

Ich press’ mich trotzdem gegen ihn, schling’ meinen freien Arm fester um seine Taille, klammer’ mich an ihn, weil meine Knie ‘n bisschen weich werden, uhm, ich mein’ natürlich, um ihn ruhigzuhalten. Auch wenn’s nicht funktioniert. Er bewegt sich weiter, erwidert zwar den Druck meines Beckens, aber hauptsächlich stößt er sich vorwärts.

 

Zuerst isses wie ein Kampf. Wir grollen beide, jeder versucht, seinen Willen durchzusetzen. Doch dann finden wir einen Rhythmus, der uns beiden gefällt - vor, zurück, und wieder vor -, und es fühlt sich mehr wie ein Tanz an. Vampirtanz. Rau. Grob. Pur. Vor allem, als Angel seinen Kopf zur Seite wirft und seinen Hals für mich entblößt.

 

Oh wow! Wen interessiert’s da noch, dass ich ihn nicht vögel’? Oder dass ich mich auf die Zehenspitzen stellen muss, um ihn zu erreichen?

 

Mich nicht. Jedenfalls momentan nicht. Vielleicht später wieder.

 

Jetzt bin ich zu sehr damit beschäftigt, die perfekte Stelle zu finden. Auf keinen Fall dort, wo Darla ihn gebissen hat, um ihn zu erschaffen, aber trotzdem direkt über seiner Hauptschlagader. Und während ich mich leckend und knabbernd auf die Suche danach mach’, wart’ ich auf den perfekten Augenblick. Wenn Angel sich nicht länger zurückhalten kann.

 

Muss wirklich jeden Moment soweit sein. Denn kein Ton kommt mehr über seine Lippen und er hält die Luft an, die er nicht braucht. Ich kenn’ das Gefühl, yep, wenn alles zuviel wird.

 

Unsere Hände rasen über seinen Schwanz, höchstwahrscheinlich so schnell, dass ich nur ‘ne verschwommene Bewegung sehen würd’, könnt’ ich über seine Schulter gucken. Und dann wird er plötzlich langsamer, und ich zwangläufig mit ihm, sodass ich bereits deutlich das Pulsieren spüren kann, das kurz davor is’, überzuschäumen.

 

Jeder Muskel in seinem Körper ist angespannt. Von seinen Oberschenkeln angefangen, über seinen Hintern und Rücken, bis hinauf in seinen Nacken.

 

Er wartet. Auf den letzten Kick. Auf mich.

 

Muss er nicht. Ich will ihn mindestens genauso sehr wie er mich. Beißen. Doch vorher lass’ ich meine Zunge noch ein letztes Mal über seinen Hals gleiten, bring’ ihn zum Beben, kaum wahrnehmbar, aber überall. Der Zeitpunkt könnte nicht perfekter sein. Und davon ab’, kann ich mich wirklich, *wirklich* nicht länger zurückhalten. Auch wenn mir bis eben nicht mal klar war, dass ich ins Gameface gewechselt hab’.

 

Aber jetzt. Exakt in dem Moment, in dem meine Zähne seine Haut durchbrechen... und die Vene darunter, ganz leicht, widerstandslos, einfach dafür geschaffen.

 

Dafür is’ mir der Augenblick, in dem er anfängt zu kommen, umso klarer. Hoffe nur, dass er nicht so schnell wieder damit aufhört. ‘Schätze nämlich, er lässt mich bloß so lang’ von sich trinken wie er auf Wolke Sieben schwebt.

 

Egoistisch? Hell, ja! ‘S geht eben nichts über Sireblut. Vor allem jetzt, wo’s noch besser schmeckt. Durch seinen Höhepunkt. Perlt über meine Zunge, kitzelt meinen Gaumen, rinnt berauschend meine Kehle hinab, bizzelt in meinem Magen, und breitet sich von dort überallhin aus. Wie teurer Champagner. Fühlt sich sogar ähnlich an. Als würd’ die Kohlensäure durch meine Adern prickeln.

 

Aber die isses nicht. Es is’ Angel, der mir so zu Kopf gestiegen ist, wie’s kein Alkohol der Welt schaffen würd’. Der mich zum Schnurren gebracht hat, wie ich’s immer tu’, wenn ich total zufrieden bin.

 

Und der jetzt warnend grollt, wie bei seltenen früheren Gelegenheiten, weil er will, dass ich aufhör’ von ihm zu trinken, obwohl ich noch lange nicht genug von ihm hab’.

 

Die paar Schlucke haben grad’ so gereicht, um mich schwindelig zu machen, meinen Dämon halbwegs zu beruhigen und mich nach mehr zu sehnen. Aber ich bin noch nicht gekommen, verdammt!

 

Wahrscheinlich dauert’s deswegen ‘n bisschen länger, bis ich reagier’. Außerdem kann ich ja nicht einfach loslassen, richtig? Weil er sein Hemd danach nämlich wegwerfen könnt’. Und wie ich ihn kenn’, würd’ er mir die Schuld dafür geben. Nope, so haben wir nicht gewettet.

 

Er weiß doch selbst, dass man langsam aufhören muss, selbst wenn er schon lang’ keine Übung mehr darin hat. Yeah, genau wie ich. Trotzdem. Sowas verlernt man nicht. Wenn’s einmal in Fleisch und Blut übergegangen ist, vergisst man’s nie wieder.

 

Ich mach’s also wie sich’s gehört. Und er hält tatsächlich still. Oh Wunder! Bis ich nicht mehr trinke, meine Zähne von ihm löse, meine menschlichen Züge zurückkehren und ich nochmal genüsslich über die Wunden lecke, damit sie sich schließen.

 

Und plötzlich isser weg. Nicht wirklich. Aber er reißt sich von mir los, stolpert einen Schritt nach vorn. Und obwohl er sich umdreht und mir gegenübersteht, nicht mal einen Meter entfernt, ist er *dort* und ich *hier*. Weil ich ihn nicht mehr fühlen kann... nicht an meiner Brust, nicht in meinem Mund, nicht unter meinen Händen.

 

Und, Shit, er sieht fertig aus. Ich mein’ ausgelaugt — Schwanz soft, bereit schlafenzugehen, verdammt! Wahrscheinlich wird er das als nächstes tun. Seine Hose hochziehen - die merkwürdigerweise nur bis zu seinen Knien gerutscht ist, keine Ahnung wie er das hingekriegt hat -, sein Hemd zuknöpfen und mit soviel Würde wie er nach der Nummer von eben aufbringen kann - bestimmt ohne ein Wort zu sagen -, zum Lift gehen, in sein Apartment. Allein.

 

Teil 2a