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Nachtstudio
Konjugation in deutscher Sprache Ich persönlich liebe du liebst irgendwie er betätigt
sich sexuell wir sind erotisch eingestellt ihr liebt mit am besten sie leiten die Abteilung: Liebe Kurt Tucholsky, 1929 ~*~*~*~*~*~*~*~
Die Uferpromenade der
kleinen Stadt war menschenleer um diese Zeit, und mit den Menschen waren auch
die Dämonen von diesem sonst so belebten Ort verschwunden. Keine Beute – keine Dämonen,
der natürliche Lauf der Dinge. Die kleinen Läden und
Boutiquen hatten nur ihre spärliche Nachtbeleuchtung an, und es war still und
friedlich. Nur die leichte Brandung war zu hören, kaum daß ein sanfter Wind das
leise Plätschern der Wellen zu ihm hinübertrug. Ein Wind, der über leere Bänke
und Natursteinmauern strich und Salzduft mit sich brachte. Halbhohe, geschwungene
Laternen, die alle paar Meter standen und aussahen wie steife, überdimensionale
Glockenblumen, strichen alles mit gelber Farbe an, die das, was sich nicht in
ihrem Lichtkegel befand, nur noch mehr ins Dunkel tauchte. Wie den Vampir, der im
Schatten an einer Mauer lehnte und aufs Meer hinaussah, von Zeit zu Zeit an
seiner Zigarette zog, deren Glut der einzige bewegliche Punkt in diesem wie von
Zauberhand angehaltenen Szenario war. Da waren nur die
Pinselstrichwolken, die langsam über den nachtschwarzen Himmel krochen, eine
silberne Mondsichel, das Meer... und Spike. Dort, wo die Strahlen des
Mondes auf die Wasseroberfläche trafen, blitzten die Wellen fahlsilbern auf, in
ständiger Bewegung, und in seiner Vorstellung verwandelte sich das sich auf den
Wellen spiegelnde Mondlicht in tausende von glänzenden Fischleibern, die
wimmelten, zappelten und ihre schuppigen Körper aneinanderrieben. Ein Bild, das, wenn man es sich nur lange
genug vorstellte, in diesem fahlen Mondlicht Konturen annahm, und für den
blonden Vampir erschien das Meer in diesem Moment wie ein Wunder. Ein wimmelndes Zauberwesen,
das ihm seinen Reichtum preisgab, nur in diesem Moment, nur ihm, nur dort, wo
die Mondstrahlen sich mit dem Wasser vereinigten. Spike blickte
selbstvergessen auf dieses visuelle Spiel, das seine Fantasie mit ihm trieb,
und er ließ sich treiben, fasziniert von diesem Augenblick, der so still war,
daß er tief in sich selbst diese Ruhe spüren konnte, die pure Zufriedenheit in
uns auslöst. Seine Lippen waren leicht geöffnet, und in seinen Augen glomm ein
entrücktes, unbewußtes Entzücken. Bis er zusammenzuckte, als
die Glut der Zigarette seine Finger erreichte. „Aua!“, entfuhr es ihm, und
er schnippte den Stein des Anstoßes wütend fort. Dann seufzte er. Die guten Augenblicke im
Leben sind wohl immer die, die uns nicht bewußt sind... oder in denen uns
unsere eigene Existenz nicht bewußt ist. Jedenfalls waren das
momentan diese kleinen Auszeiten, die er sich ab und zu nahm. Weit nach Mitternacht
kam er hierher, wenn er wußte, daß niemand sich mehr an diesem Ort aufhielt,
daß er allein sein konnte – mit sich und seinen Gedanken und dem Meer in immer
wieder anderen Variationen. Unbeabsichtigt führten ihn
seine Schritte immer häufiger hierher. Er hatte sich schon immer gefragt, warum
der Anblick des Meeres so eine Faszination auf die Menschen ausübte. Jetzt
wußte er es: Weil dieser Anblick einen selbstvergessen machte, die riesige
Fläche des Wassers führte einem – wenn auch unbewußt – vor Augen, was für ein
Wassertropfen man selbst doch war. Spike lächelte. Natürlich – das ließ selbst
sein Unleben und die Unbilden darin unwichtig erscheinen. Allerdings waren diese
*Unbilden* momentan wirklich eine Ablenkung wert. Nur widerwillig dachte er an
die letzte Nacht zurück, und er haßte diesen Pappkameraden seitdem noch viel
mehr als vorher. Nicht nur, daß sein Heim zerstört war, dann war auch noch
Buffy gekommen und hatte Schluß mit ihm gemacht. Naja, Schluß kann man ja nur
machen, wenn es etwas gab, womit man Schluß machen konnte – hier war es nur ein
*Hobby* gewesen, mit dem die Jägerin abgeschlossen hatte. Nein, er wollte nicht daran
denken! Nicht an dieses Mitleid in
ihren Augen, nicht an dieses völlig überflüssige „William“, das sie an ihren Schlußstrich
angehängt hatte, als ob ein „William“ es nur halb so schlimm gemacht hätte. Nicht an ihren Abgang durch
die Trümmer seiner Krypta, nein, er wollte nicht daran denken, wie er da
gestanden hatte. Allein, verlassen, benutzt
und weggeworfen, entsorgt, ein Ding, das man nicht mehr braucht. Ein böses, abscheuliches
Ding. Und sie hatte es
umweltgerecht entsorgt. Spike schüttelte den Kopf. Der Wind frischte auf, und
die Wellen brachten jetzt Gischt mit sich, die hell auf dem dunklen Wasser
leuchtete. Wie immer, wenn er Gischt sah, fiel ihm dieses wunderschöne, so
herzzereißend traurige Märchen ein von dieser kleinen Meejungfrau, die für ihre
so tiefe und unerwiderte Liebe ihr ewigwährendes Leben geopfert hatte, um für
immer zu Gischt zu werden. Zu Meeresschaum, von niemandem beachtet. Ob wohl daher der Spruch
„Träume sind Schäume“ kam? Träume von Liebe, die zu
Schäumen wurden... Eigentlich hatte er mit
diesem Abstecher zur Uferpromenade diese Melancholie, die ihn heimgesucht
hatte, abschütteln wollen. Aber die Gischt hatte seine Gedanken wieder in
ungewollte Bahnen gelenkt. Spike schüttelte den Kopf,
als ihm einfiel, was die Hollywood-Industrie aus diesem so unsagbar
romantischen Märchen gemacht hatte. Ein zuckersüßes Etwas mit
Happy End. Singende Krabben, blubbernde Fische, witzige Einlagen, die die
Melancholie Andersens vollkommen zerstört hatten. Wußten die denn nicht, daß
unerfüllte Liebe die Menschen so viel mehr faszinierte als zwei, die sich am
Ende bekommen? Wer würde sich für Romeo und Julia interessieren, wenn sie sich
gekriegt hätten? Wäre „Sturmhöhe“ jemals ein Klassiker geworden, wenn er am
Ende die beiden Unglücklichen zusammengebracht hätte? Was war mit Faust und
Gretchen? Bestand nicht gerade die
Romantik darin, daß eine unglückliche oder unerfüllte Liebe etwas an sich
hatte, was die Fantasie anregte... und die Herzen höher schlagen ließ? Wenn man denn ein
schlagendes Herz sein eigen nannte... Und wenn es sich nicht ums
*richtige* Leben drehte, und schon gar nicht, wenn es um die eigene Existenz
ging, um die eigene unerfüllte, unsterbliche Liebe. War es das, über was Mister
Haargel immer grübelte? Dann war er wohl gerade auf dem besten Weg dahin, auch
so zu werden... Er schüttelte sich voller
Unbehagen. Nein, niemals! Der blonde Vampir streckte
sich, seufzte tief und strich sich mit der Hand übers Haar. Und dabei fiel ihm etwas
ein. Schnell wandte er sich vom
eben noch so bewunderten Meer ab, ohne noch einen einzigen Gedanken daran zu
verschwenden, und lief zielstrebig in Richtung der Industrieanlagen, die hinter
dem Hafenviertel angesiedelt waren. Seine Schritte führten ihn
in eine dunkle Gasse, deren beide Seiten von Lagerhallen, Schuppen und
kleineren Bürogebäuden gesäumt war, grauen, zweistöckigen Häusern die schon
bessere Tage gesehen hatten, meist leerstehend, manche mit zerbrochenen
Scheiben in ihren dunklen Fenstern. Der Vampir blieb vor einer
eisernen Tür stehen, deren bräunliche Farbe in großen Flatschen abblätterte.
Das Gebäude selbst war mit rotbraunen Steinplatten verkleidet, die jedoch
teilweise bereits abgefallen waren und schmutziggraue Teile eines Puzzles aus
Beton und Steinplatten hinterlassen hatten. Selbst bei Tage mußte es ein
trostloser Anblick sein, aber bei Nacht boten die Wand mit ihren Wunden, die
blinden Fenster und die Kehrichthaufen vor der Tür einen düsteren Anblick. Die Tür leise öffnend,
schlüpfte Spike lautlos in das Gebäude, vorher noch einen verstohlenen Blick
hinter sich werfend. Sofort verschloß er die Tür wieder hinter sich und stand
nun in einem schmalen, stickigen Korridor, in dem kein Licht anzeigte, wohin er
führte. Aber seine Vampirinstinkte brauchten kein Licht, und so schlich er bis
zum Ende des Ganges und öffnete eine weitere Tür. Und stand plötzlich
blinzelnd in grellem Neonlicht. ~*~*~*~*~*~*~*~ Buffy hatte die ganze Zeit
das Gefühl, als wäre da etwas, eine unbekannte Energie, ein Wesen, das immer in
ihrer Nähe blieb, seit sie auf Patrouille war, aber die Straßen waren leer
gewesen, fast wie ausgestorben, und der Friedhof, über den sie jetzt langsamen
Schrittes ging, war ebenfalls ruhig und friedlich, wie es schien. Trotzdem konnte sie etwas
spüren, eine unbestimmte Existenz, und unruhig blickte sie sich um. Aber da
waren nur die Grabsteine, die stumm trauernden Engel und die Bäume, die sich leicht
im Wind bewegten. Und nichts war zu hören. Das Geräusch ihrer leichten
Schritte wurde vom nachtfeuchten Gras verschluckt, und ihr Atem war nicht zu
hören, so angestrengt lauschte sie in die Nacht hinaus. Aber da war *nichts*. Sie seufzte. Vielleicht bildete sie sich
das nur ein? Fast wünschte sie sich einen
Kampf herbei, eine Ablenkung von ihren abschweifenden Gedanken, die wieder und
wieder den gestrigen Tag durchgingen, und
dieselbe Frage tauchte jedesmal darin auf, die sie nicht beantworten
konnte, nicht beantworten wollte, die bohrend in ihr gährte, die sie am
liebsten bekämpfen wollte, als wäre sie ein Monster, das man töten konnte,
ausmerzen, tilgen, vernichten – ein für alle Mal. Aber es war nur eine Frage. Ein quälender Gedanke, der
ihr Zweifel aufnötigte, von denen sie nichts wissen wollte. Was hatte Tara gesagt? Daß
es in Ordnung war? Daß Spike gute Dinge getan
hatte und... Sie schluckte. Daß er sie liebte. Wenn sie es vorher auch
bezweifelt hatte, aber gestern hatte sie es gesehen. Diese Verzweiflung in seinen
Augen, dieses traurige Erkennen, das sich in seinem Gesicht ausbreitete, als er
begriff, daß sie es wirklich ernstgemeint hatte. Der Schrecken, der sich in
seiner Miene abzeichnete, als sie dieses „William“ aussprach, mit dem sie ihren
Entschluß besiegelt hatte. Und sogar noch im Umdrehen
hatte sie gesehen, wie eine Träne in seinem Augenwinkel erschienen war, und es
hatte ihr fast das Herz gebrochen, als sie ihn da so stehen sah, inmitten der
Trümmer seines Heims, einsam... und von ihr erst benutzt und dann verlassen. Und sie dachte daran zurück,
wie sie ihn ein „Ding“ genannt hatte, ein böses, abscheuliches Ding... Aber das war nicht einmal
das Schlimmste. Es war ihr am wichtigsten
gewesen, daß ihre Freunde nichts davon erfuhren. Sie hatte mehr Angst vor ihren
Freunden, vor ihren Blicken, wenn sie es erfahren hätten... als sie jemals vor
all den Wesen der Nacht gehabt hatte. Sie hatte sich so geschämt
vor Tara, so furchtbar geschämt... Auf eine eigenartige Weise
fühlte sie Erleichterung darüber, daß sie einen Schlußstrich gezogen hatte –
all die Heimlichkeiten waren zu Ende, dieses ewige schlechte Gewissen, das sie
fast umgebracht hatte – vorbei. Aber war es das wirklich?
Hatte sie jetzt nicht auch ein schlechtes Gewissen – nur aus anderen Gründen?
Und... konnte sie denn Spike wirklich nicht lieben? Sie seufzte wieder. Verzweifelt schüttelte sie
den Kopf, hoffend, daß die Bewegung die unangenehmen Dinge aus ihm
herauskatapultieren oder wenigstens an eine andere Stelle rücken würde. Aber
natürlich geschah das nicht, und sie seufzte resigniert auf. Alles drehte sich nur noch
um ihn. Spike, Spike, Spike. Warum nur war der Kerl je
nach Sunnydale gekommen? Und warum konnte sie ihn
jetzt nicht einfach aus ihren Gedanken verbannen? Noch gestern abend war sie
so entschlossen gewesen, so sicher, daß sie das Richtige getan hatte, wenn es
ihr auch nicht leichtgefallen war. Und sie war sich noch immer sicher, daß es
richtig gewesen war, mit ihm schlußzumachen... wenn auch nicht mehr ganz so fest
und entschlossen wie gestern abend. Sie schluckte, als sie
wieder an den Blick aus seinen Augen dachte, der sie bis ins Innerste getroffen
hatte – Unglauben, Verzweiflung, leise Hoffnung, daß es nur ein Scherz war...
und dann die Erkenntnis, die darin aufgeglommen war, als er erkannte, wie ernst
sie es meinte. Daß Schluß war. Daß sie nie wieder zu ihm
kommen würde, daß sie niemals mehr... Und... fast war sie
enttäuscht gewesen, daß er sie nicht zurückgehalten hatte, als sie dann
gegangen war. Und *wieder* war sie an
derselben Stelle angelangt. Sie konnte es nicht glauben! Wenn das so weiterging... Sie stampfte mit dem Fuß
auf. Spike war ein Vampir, ein Dämon... Ein Monster! Basta! Etwas riß sie aus ihren
Gedanken. Sie spürte, wie etwas sie am
Handrücken streifte, ganz deutlich, ein Hauch, der nicht vom Wind kam. Wie die
sanfte Berührung einer Hand, nur einen Moment lang, und sie blickte sich um. Aber da war nichts. Sie war stehengeblieben, und
instinktiv hatte sie ihre Verteidigungshaltung eingenommen. Aber gegen was
sollte sie sich verteidigen? Gegen den Wind? Zögernd setzte sie sich
wieder in Bewegung, und sie hatte ihre Augen fast überall, als sie jetzt
weiterging, ihre Sinne waren angespannt, und ihr ganzer Körper horchte,
tastete, roch. Ein paar Schritte vor ihr
bewegten sich die Zweige eines Strauches, und sie konnte sehen, wie sie
weggebogen wurden und dann wieder zurückschnellten, als hätte sie jemand im
Gehen gestreift. „He – was soll das? Zeig´
dich, wenn du einen fairen Kampf willst!“, rief sie in die Richtung, in der sie
diese unsichtbare Existenz vermutete – es *mußte* einfach etwas sein, denn sie
hatte es doch die ganze Zeit gespürt! Aber die Nacht antwortete
nicht. ~*~*~*~*~*~*~*~ |