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„Harmony?“ Ich steh’ im Eingang zu meiner Krypta, die Hände wütend in die Seiten gestemmt und lausche. Wo ist die dumme Pute, wenn man sie mal wirklich braucht? „Harmony!“ Ich knall’ mit Schwung die Tür zu - das muss sie einfach hören - und meine Stimme sollte ihr verraten, dass es verdammt noch mal besser wäre, sich blicken zu lassen. „Har-mo-ny!“ Mein Mantel weht gefährlich hinter mir her, als ich mich quer durch die Gruft in Richtung meines ‘Schafzimmers’ in Bewegung setze. Wo soll sie auch sonst sein? Liegt sie nicht immer in meinem Bett und liest Frauenzeitschriften? Oder lackiert ihre Nägel? Oder langweilt sich irgendwie anders? Beziehungsweise langweilt ‘mich’ mit ihrem Geschwätz. Und nervt mich den ganzen, verfluchten Tag lang mit ihrer Dummheit, die selbst für mich zu hoch ist. Kann ich da nicht erwarten, dass sie in diesem rosa Plüschding brav auf mich wartet, wenn ich müde von der ...uhm... Arbeit nach Hause komm’? Kittenpoker ist nicht so leicht, wie es vielleicht aussehen mag. Und diese Idioten von Dämonen sind auch nicht mehr so mühelos übers Ohr zu hauen wie früher. Kostet jedes Mal meine volle Konzentration und außerdem noch ein paar extra Scheine, damit sie mich überhaupt mitspielen lassen. Die wollen erst mal beschafft werden. Aber meine Finger sind flink. Ein paar Runden durchs Bronze und ein Bier an der Theke reichen meist, um das nötige Startkapital zu bekommen. Heute nicht. Der Laden war halb leer, da kann man sich nicht so an die Leute drängen, ohne dass es auffällt. Und zu allem Überfluss... Grrr. Taucht auch noch GI Joe auf. Dieser... dieser... verfluchte Bastard sitzt an der Bar und hält sich an ‘nem Whiskey fest. Starrt mich die ganze Zeit an und beobachtet mich. Bringt mich so aus dem Konzept, dass ich mich fast erwischen lasse, als ich einen ziemlich besoffenen Typen von seiner Brieftasche befreien will. Ich werf’ also einen meiner ‘Nimm-Dich-in-acht’-Blicke - aus schmalen Augen, grimmig, nur ohne Gameface - in seine Richtung und was macht er? Grinst mich frech an, anstatt vor Angst zu zittern. Pah! Dir werd’ ich’s zeigen. Ich geh’ auf ihn zu. Langsam. Mit weit ausholenden Schritten. Bis ich bei ihm ankomme. Am liebsten würde ich ihm dieses höhnische Lachen aus dem Gesicht schneiden. *seufz* Wenn ich denn könnte... Aber ich weiß ja, dass ich mich auf meine Sprüche ebenso verlassen kann. Bei GI Joe haben sie den gleichen Effekt wie meine Fäuste. Trotzdem konzentrier’ ich mich. Äußerlich bleib’ ich natürlich die Ruhe selbst, lehne lässig meinen Ellbogen auf die Theke und seh’ ihn erst mal eine Weile nur geringschätzig an. Doch ich weiß, jetzt muss jedes Wort sitzen, jeder Satz ein Schlag in den Magen werden, um ihn wieder auf seinen Platz zu verweisen. Zu meinen Füßen... „Na, Soldierboy. Oder sollte ich ‘Ex’-Soldierboy sagen?“ Ich heb’ meine linke Braue, setz’ ein zynisches Lächeln auf und mach’ eine Kunstpause. Er soll mir nicht vorwerfen können, ich würde ihm keine Gelegenheit dazu geben, sich zu verteidigen. Er wackelt nur mit ausgestrecktem Zeigefinger vor mir ‘rum und nickt. *grins* Punkt für mich. Ich zünde mir eine Zigarette an und falle in meinen Plauderton, um ihn in Sicherheit zu wiegen. Dann sind die Schläge unter die Gürtellinie doppelt so hart. „Und Du machst Dir einen gemütlichen Abend mit Jack, weil Du ja Morgen früh nicht aufstehen musst.“ Bingo! Sein Grinsen verschwindet. Zurück bleibt ein finsterer Blick. Ich muss noch einen draufsetzen. Einfach, weil es mich reizt, dass er nichts erwidert. Und weil er eben ‘er’ ist. „Deswegen brauchst Du aber nicht andere Leute von der Arbeit abzuhalten. Nur, weil Du keine hast.“ „Das ist der Unterschied zwischen uns.“, antwortet er leise und kommt mir mit seinem Gesicht so nah, dass ich fast die Menge an Alkohol riechen kann, die er intus hat. Ich halte seinem Blick problemlos stand und hab’ noch locker Zeit für einen gehässigen Gedanken über seine Augenfarbe. Die kann es nur auf dem Land geben. Schlammig wie Iowa. Ich zieh’ an meiner Zigarette, puste ihm den Rauch ins Gesicht und will einen passenden Spruch loswerden, als er seiner Rede noch ein abschließendes „Spike!“ hinzufügt. Er spuckt es mir voller Hass entgegen und mein Grinsen wird breiter. So mag ich ihn. Rasend vor Wut, aber total beherrscht. Oder mühsam beherrscht, meinetwegen. „Was?“, frage ich, bevor ich’s mir verkneifen kann. Damnit! Jetzt nimmt er wahrscheinlich noch an, es würde mich interessieren, wenn sich mal ein Gedanke in seinem Kopf halten kann. Grrr... „Ich würde nie so tief sinken wie Du.“, antwortet er mit so viel Gleichgültigkeit in der Stimme, dass ich fast beeindruckt bin, und unterstreicht es auch noch, indem er einen Schluck Whiskey trinkt. Mistkerl! *Fühl Dich nicht zu sicher.*, denk’ ich und weiche vorsorglich einen Schritt zurück, was ich mit dem Austreten der Kippe tarne, bevor ich meinen nächsten Schuss abgebe. „Musst Du gerade sagen. Sieh’ Dich doch an. Vom Soldaten zum Schoßhündchen der Jägerin.“ Meine Stimme trieft vor Spott und genauso sehe ich ihn auch an. Er zeigt keine Reaktion. Weil er ‘weiß’, dass ich Recht habe. Ha! Noch ein Punkt für mich. Yeah. Ich stutze. Wo ist die Schlampe überhaupt? Ich seh’ mich gründlich um. Nicht, dass sie mir diesen miesen Abend durch ihre Anwesenheit oder das Brechen meiner Nase noch mehr versaut. Ich entdecke aber nirgends eine Spur von ihr. Umso besser, kann ich ihren Stecher also ungehindert weiterärgern. Wenigstens eine kleine Aufheiterung für mich. „Oh. Ich ahne schreckliches... Hat sie Dir etwa endlich einen Tritt verpasst? Bringst Du’s im Bett nicht mehr? Ach, was red’ ich. Hast Du ja schließlich nie.“ Er steht so schnell auf, dass der Barhocker fast umkippt und ich tatsächlich zucke. Hoffentlich hat er das jetzt nicht gesehen. Nope. Er guckt seinen Jack an. *puh* Ich hab’ genug Zeit, meine Coolness wieder überzustreifen, weil er den Whiskey auf Ex in seinen Hals kippt und das leere Glas dann auf die Theke knallt, bevor er sich mir zuwendet. Sein Blick ist eiskalt. Ich grinse voller Genugtuung. Strike. Es stimmt also. Die Jägerin hat ihn verlassen. Oh herrlich! Das eröffnet mir völlig neue Perspektiven... Ich will gerade zu einer Attacke ansetzen, die ihm glatt den Boden unter den Füßen wegreißen würde, als er mit so einem komischen Unterton flüstert: „Wir werden sehen...“ Dann dreht er sich einfach um und lässt mich stehen. Mich! Zuerst will ich hinter ihm her, überleg’s mir im letzten Moment jedoch anders. „Ja. Wir werden uns ‘wieder’sehen.“, ruf’ ich ihm nach. Er geht einfach weiter. *argh* Aber wenigstens hatte ich das letzte Wort. Mein Stolz ist gerettet. Nur das zählt. Ich bleib’ noch eine Weile im Bronze und erleichtere aus lauter Langeweile drei, vier Idioten um ihre Kohle. Für den vagen Fall, dass er vor der Tür auf mich wartet, trödle ich extra lange, bis ich den Laden verlasse und mich auf den Weg zu einer Runde gepflegtem Kittenpoker mache. Er ist nirgends zu sehen und er lauert auch nicht in einer dunklen Ecke, um aus dem Hinterhalt zuzuschlagen. Nicht, dass ihm das gelingen könnte. So leise kann er gar nicht sein. Trotzdem ist es schade, dass er sich nicht blicken lässt. Ich hätt’ noch so viele gute Sprüche auf Lager, um ihn in die Knie zu zwingen. Und außerdem: Was zur Hölle hat er mit seinem letzten Satz gemeint? ‘Was’ werden wir sehen? Ob er’s im Bett bringt? Hey! Wen interessiert’s? Wen auch immer. Ich mach’ mich auf den Weg zum Kartenspielen, besorg’ mir unterwegs noch den Einsatz, nur um dann vor verschlossenen Türen zu stehen. Für ‘mich’ verschlossenen Türen, um genau zu sein. Was ist heute nur los? Mr. ‘Sharkhead’ sagt mir herablassend, ich solle mich vom Acker machen. Während ich ihn anstarre und versuche, meine Verwirrung in Wut zu verwandeln, reißt mir einer seiner Helfer den Katzenkorb aus der Hand und lacht mich aus. Das reicht! Was glauben die eigentlich, mit wem sie’s zu tun haben? Ich bin Spike. William the Bloody. Jawohl! Mich bringt man nicht ungestraft in Rage. Ich stürme auf den Typen zu, der mir am nächsten ist und kann einen saftigen Schlag in seine hässliche Visage landen. *bang* Ha! Für Freude bleibt mir allerdings keine Zeit, denn im gleichen Moment explodiert mein Schädel. Sozusagen. Der Chip... Das Ding ist schon die Hölle, wenn ich drauf vorbereitet bin, dass es mir eine verpasst, aber so... Ich stöhne, fluche, halte meinen Kopf und warte, bis der Schmerz nachlässt. Als ich meine Augen wieder öffne, sehe ich direkt in die triumphierenden Fischaugen dieses hinterhältigen, breit grinsenden Hai-Bastards. „Was soll das?“, schrei’ ich und versuch’, meine Verwirrtheit zu verbergen. Weshalb zur Hölle meldet sich mein Chip, wenn ich einen Vampir schlage? Panik steigt in mir auf. Ich bin verloren, wenn ich mich jetzt auch nicht mehr gegen meinesgleichen zur Wehr setzen kann. Oh Gott! Um mir nichts anmerken zu lassen, mach’ ich einen drohenden Schritt auf Sharky zu und bin auf der Stelle umzingelt von seinen Jungs. – Menschen! Seit wann...?! „Alles spricht sich irgendwann herum...“, informiert mich Sharkhead vage. Huh? „Und jetzt verpiss Dich. Und lass Dich hier in Zukunft nicht mehr blicken.“ HUH? Ich rühr’ mich natürlich nicht von der Stelle. Zuerst will ich Antworten. „Was soll das? Drehst Du durch oder was?“, frag’ ich und schenk’ den Pflöcken um mich herum keine Beachtung. „Ich? Ich bin hier nicht der Verräter!“, wirft er mir schnippisch vor und gibt den Typen ein Zeichen, bevor er mir den Rücken kehrt und nach drinnen verschwindet. Um es kurz zu machen: Ich kann natürlich entkommen. Mit Kopfschmerzen zwar, aber einigen von denen geht es sicherlich auch nicht gut. Und die anderen werden sich wohl die Lungen aus dem Leib kotzen. Tja, wenn man atmen muss. Obwohl... Ich bin auch schon Menschen mit besserer Kondition begegnet. Wie auch immer. Ich hab’ jedenfalls meinen untoten Arsch retten können und nun endlich Zeit, mich zu fragen, warum ich ein Verräter sein soll. Vielleicht, weil ich der Jägerin geholfen habe, nach ihrem finalen Kampf gegen Adam? War doch nur wegen meines Hasses auf die Initiative. Wenn es nach mir gegangen wär’, hätt’ ich den verdammten Laden sowieso mitsamt allen kleinen Soldatenfreunden GI Joes in die Luft gesprengt. Aber mich fragt ja niemand. *seufz* Außerdem ist es sowieso zu spät. Und meine Rache werd’ ich auch nicht mehr bekommen. Ist ja keiner mehr da, an dem ich mich austoben könnte. Außer Soldierboy... Doch da steht der Chip meinem Glück im Weg. Ich kann ihn nicht anketten und foltern. Ich kann nicht meine Zähne in seinen Hals schlagen und den letzten Tropfen Leben aus ihm saugen. Und meine Worte treffen ihn seit neustem offensichtlich auch nicht mehr. Goddamnit! Wenn man vom Teufel spricht... Plötzlich steht er wie aus dem Nichts vor mir und grinst mich an. *Nicht jetzt.*, denk’ ich genervt und roll’ die Augen. „Verschwinde. Mir ist nicht nach spielen, Puppy.“ Mehr sag’ ich nicht, schenk’ ihm auch keine weitere Beachtung und geh’ einfach an ihm vorbei. Ich will nur noch eins: Einen doppelten Drink in Willys Kneipe. Als ich ihn dann jedoch hinter mir lachen höre, brodelt meine Wut wieder hoch und ich dreh’ mich blitzartig - und mit dem festen Vorsatz, meine Faust in sein Gesicht zu donnern - zu ihm um. Schmerz hin oder her. Aber er ist weg. Ich hör’ nur noch seine Stimme in einiger Entfernung. „Wir werden sehen...“ Dann wieder sein Lachen und leise Schritte, die sich rasch entfernen. Auf was für ‘nem Trip ist der eigentlich? Sein Verhalten erinnert mich stark an Angelus. Angelus... Oh nein, Soldierboy! Du bringst mich nicht dazu, Dich mit ‘ihm’ zu vergleichen. Mein Sire ist lange tot und ‘Du’ bist weit entfernt von seiner Klasse. Ich lache über diesen merkwürdigen Gedanken und über den nächsten noch mehr. Er kann nicht mal Angel erreichen. Und ich finde, das ist nun wirklich keine Kunst. Sind wir doch mal ehrlich. Was macht er schon außer grübeln und ab und zu die Welt retten? Richtig. Weitergrübeln. *grins* Meine Laune bessert sich allmählich und dieser lästige Soldat ist vergessen, als ich Willys Kneipe betrete. Ich schlendere zur Bar, setz’ mich, fisch’ lässig eine Zigarette aus meiner Tasche, steck’ sie in den Mund - klar - und zünd’ sie an. Nach einem tiefen Zug und einem gelangweilten Rundumblick bestell’ ich eine Bloody Mary. Spezialmischung. Nicht etwa Tomatensaft. *buäh* Echtes Blut. Und ordentlich Wodka. Willy mixt die Beste in der Stadt. Ich beschwer’ mich trotzdem. Aus Gewohnheit und weil ich einen - zugegeben kaum noch vorhandenen - Ruf zu verteidigen habe. „Wo ist der Tabasco?“ Zwei Sekunden, höchstens drei später, knallt unmittelbar neben mir eine Flasche von dem Zeug auf den Tresen und zerspringt in tausend Teile. Sind heute eigentlich alle irre? Ich seh’ zuerst auf die rote Splitterpfütze, dann zu Willy hinter der Theke, der äußerst geschäftig ein Glas poliert und meinem Blick ausweicht. „Wer zum Teufel...“, setz’ ich zu einer wütenden Frage an, dreh’ mich aber währenddessen auf meinem Hocker um und blick’ auf die Brust eines Riesen-Dämons. „Ein Fyarl. Hätt’ ich mir auch denken können. Ihr habt doch wirklich kein bisschen Gefühl in den Fingern.“, stell’ ich fest und mustere ihn abschätzig, wozu ich mich weit nach hinten lehnen muss, damit ich ihn überhaupt von oben bis unten ansehen kann. „Willy. Lass mal noch ‘ne Flasche rüberwachsen.“, ordere ich, mit einer Hand über meine Schulter winkend, und behalt’ den Fyarl im Auge. Ich bekomme weder eine Antwort noch den Tabasco. *grrr* Stattdessen nuschelt der Fyarl etwas von austrinken und dann verschwinden. Nicht, dass ich Probleme damit hätte, seine Sprache zu verstehen, aber erstens kann ich es nicht glauben und zweitens ‘will’ ich es nicht. Und drittens werd’ ich mit einem Fyarl locker fertig. So stark sind die nämlich gar nicht. Ich bleib’ also sitzen, nippe provokativ an Mary und wart’ ab. Es dauert nicht lange, da flieg’ ich in hohem Bogen aus der Kneipe und lande im Dreck. Bleeding Hell! - Aber der Reihe nach. Natürlich geschieht das nicht ohne meine Gegenwehr. Ich lass’ die Kippe fallen und pack’ stattdessen den Stier ...uhm... Fyarl bei den Hörnern, sobald er mich am Kragen vom Hocker zieht und knall’ meine Stirn mit voller Wucht gegen seine. Ergebnis: Mein Kopf platzt fast, er ist völlig unbeeindruckt. Klasse. Soviel zum Thema ‘Fyarls sind nicht sooo stark’. Damnit! Ich wehr’ mich trotzdem weiter und schaff’s auch schließlich, mich von ihm loszureißen. Was meine Chancen, ihm eine Lektion zu erteilen, wesentlich erhöht. Mein Fuß zischt blitzartig durch die Luft, um ihm einen Tritt in den Magen zu verpassen, kommt aber nicht an seinem Ziel an. Ich Idiot hab’ seine Reaktionsschnelligkeit unterschätzt. - Merke: Fyarl = Stark ‘und’ wendig! - Er packt mein Bein und hält es fest. Kein Problem. Ich hab’ ja noch eins. Ich spring’ sofort ab und behalt’ seine freie Hand im Auge, als drei Paar Hände gleichzeitig nach mir greifen. Was zum Teufel...?! Ich schwebe einen guten halben Meter über dem Boden und seh’ mich um. Drei weitere Dämonen, zwei davon meine ‘Freunde’, tragen mich durch die Kneipe in Richtung Ausgang. Meine Wut steigt, ich fluche, knurre, trete und zerre, und schaff’s tatsächlich, einen loszuwerden. Er landet nach meinem Kick mit einem lautem ‘uff’ an der nächsten Wand. Yes! Es nutzt mir nichts. Irgendein Ellbogen erwischt mich voll auf der Zwölf, die Tür am Kopf und dann flieg’ ich auch schon durch die Luft. Na toll! Bevor ich mich wieder aufrappeln kann, hör’ ich: „Lass Dich hier nie wieder blicken, Verräter.“, zustimmendes Murmeln und das Zuschlagen der Tür. Ich steh’ auf und klopf’ den Dreck von meinem Mantel, als sich leise Schritte nähern. Ich blicke auf und da kommt Mr. Ich-nerv-Dich-heut’-bis-Du-freiwillig-zu-Staub-zerfällst auf mich zu. Seine Augen glitzern freudig und seine Stimme ist voller Hohn, als er mich fragt: „Und? Wie tief kannst Du noch sinken?“ „Tiefer als Du sicher nicht.“, antworte ich patzig und dreh’ mich um, damit er nicht sieht, wie beschissen ich mich gerade fühle. Und ich den Triumph in seinen Augen nicht länger ertragen muss. Sein Lachen reicht mir schon. Ich geh’ einfach los. Ist zwar nicht die Richtung zu meiner Krypta, aber das ist egal. Hauptsache weg von ihm. Ich steck’ meine Hände tief in die Manteltaschen und balle die Fäuste. Und ertappe mich tatsächlich dabei, dass ich auf seinen geheimnisvollen Satz warte. *argh* „Wir werden sehen...“ Leise Schritte. Stille. „Jaja.“, flüstere ich und versuch’, wenigstens für mich genervt zu klingen. Oder gelangweilt. Es gelingt mir nicht wirklich. Wie auch? Zuerst bekomm’ ich meine Hauptgeldquelle genommen, werd’ aus meiner Stammkneipe geworfen und sämtliche ‘Freunde’ fallen mir in den Rücken. Und zu allem Überfluss taucht auch noch dieser miese, kleine Soldat ständig auf, um mir unter die Nase zu reiben, was ich längst weiß. Niemand respektiert mich mehr. Obwohl... „Harmony!“ Im Schlafzimmer ist sie auch nicht. Verdammt! Mein letzter Lichtblick verpufft. Heute ist mir aber auch gar nichts vergönnt. Nicht mal die kleinste Genugtuung. Andererseits ist es sowieso nicht sehr befriedigend, mich an Harmony abzureagieren. An ihr geht auch noch der offensichtlichste Witz verloren. Unverstanden. Schon klar, oder? Vom feinsten, britischen - schwarzen - Humor ganz zu schweigen. Es ist einfach lästig und nervig, alles solange zu erklären, bis der Cent bei ihr endlich fällt. Das macht keinen Spaß. Umso schlimmer, dass GI Joe nicht mehr auf meine Sprüche anspringt. Neben Xander ist er der, den ich am liebsten ärgere. Geärgert habe... *seufz* Nein. Ich werd’ jetzt nicht sentimenal. Und auch nicht melancholisch. Ich doch nicht. Dazu bin ich viel zu wütend. Die können mich doch alle mal! Wofür brauch’ ich Feinde, wenn mir meine ‘Freunde’ ebensogut in den Rücken fallen, sobald sich die erste Gelegenheit bietet? Elende Heuchler! Warum töten sie mich nicht einfach? Wofür brauch’ ich Freunde, wenn ich die Scoobies haben kann? Die mich bedauern und es nicht fertigbringen, mich zu killen. Wegen des verfluchten Chips. Und wenn wir schon dabei sind: Wofür brauch’ ich Harmony, wenn ich... wenn ich... uhm... zwei gesunde Hände hab’? Ist nicht dasselbe. *seufz* Ich weiß. Aber hey! Das ist ein Grund: Sie wird es sicher eines Tages schaffen, mich mit ihrem Gelaber zu Tode zu nerven. Ich sag nur: ‘Blondiebär’. *buäh* Wofür brauch’ ich eine Stammkneipe? Trinken kann ich schließlich auch zu Hause. In der Gesellschaft von wirklichen Freunden. Jim, Jack, Johnny... Und genau dort begeb’ ich mich jetzt hin. Einer von den dreien wartet neben meinem Sessel auf mich. Dazu ‘ne Zigarette und vielleicht die Wiederholung einer Passionsfolge. Dann werden wir ja sehen, ob die Nacht noch zu retten ist. Ich steig’ die Leiter hoch und... Nope. Was schon dermaßen versaut ist, kann einfach nur noch schlimmer werden. Vielleicht hätte ich die Tür verriegeln sollen oder besser: Die Stadt verlassen. Mittelamerika soll um diese Jahreszeit sehr schön sein... „Was willst Du hier?“, frag’ ich und kann hören, wie der Zorn in meine Stimme zurückkehrt. Klar. Schließlich sitzt Soldierboy gemütlich in meinem Sessel und schaut fern. Seine Antwort besteht aus einem kurzen Blick und einem Grinsen. Nein. Es ist mehr ein Lächeln. Zu schnell vorbei, als dass ich es genau deuten kann. Traurig? Mitleidig? *grrr* Ich bleib’ hinter dem Fernseher stehen, damit ich ihn ansehen kann. Vielleicht hätt’ ich mich lieber ‘davor’stellen sollen, um ihm die Sicht zu versperren. ARGH! Was muss ich eigentlich noch tun, um die Aufmerksamkeit dieses Idioten zu erlangen, der uneingeladen in meiner Gruft auftaucht? Wenn ich ihn nur rausprügeln könnte... „Lass mich raten: Bei Buffy bist Du nicht länger erwünscht. Dein Vermieter hat Dir die Wohnung gekündigt, weil Du sie nicht mehr bezahlen kannst. Xander lässt Dich zwar aus Mitleid bei sich unterkriechen, aber die Geräusche, die er macht, während er Anya vögelt, erträgst Du nicht. Und da hast Du gedacht, Du kommst hierher, weil ich mich nicht wehren kann.“ Bitte! Hier ist der Beweis. Er ist nicht im Geringsten beeindruckt von meiner Rede und würdigt mich nicht ‘eines’ verdammten Blickes. Aaah! Stattdessen gibt er wieder seinen neuen Lieblingssatz von sich. „Wir werden sehen...“ Und starrt weiter auf den Bildschirm. Wusste gar nicht, dass er so geil auf Fernsehen ist... „Hast Du irgendwelche Pillen geschluckt oder bist Du einfach so verrückt geworden?“, frag’ ich und stütz’ mich auf den Fernseher, um ihn auszuschalten. Mein Finger berührt kaum den Aus-Knopf, als er mit der Zunge schnalzt und sich zu Wort meldet. „Tststs. Das würde ich an Deiner Stelle nicht tun.“ „Was interessiert mich Deine Meinung?“, antworte ich gereizt, halt’ aber dennoch inne und seh’ ihn fragend an. Ich schieb’s mal auf einen ...uhm... natürlichen Wissensdurst, den wohl jeder hat. Ich meine, mal ehrlich. Würde er sich verständlicher ausdrücken, hätte ich das Problem nicht. Neugier gegen Stolz. Ich lehn’ mich so unauffällig wie möglich ein bisschen weiter vor und spähe hinunter, kann aber trotzdem nichts erkennen. „Du solltest Dir das wirklich genauer anschauen.“, kommentiert er trocken meinen Versuch, ihn nichts merken zu lassen. *argh* Okay. - Mein Trotz meldet sich. - Jetzt erst recht nicht! Ich schlendere zu ihm rüber und bleib’ genau vor ihm stehen. Der Fernseher ist hinter mir. Klar. Ich stütz’ mich links und rechts von ihm auf dem Sessel ab und beug’ mich langsam vor, bis mein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von seinem entfernt ist. Er rutscht tiefer und lehnt seinen Kopf in den Nacken, um Abstand zu gewinnen. Ha! *grins* Ganz so lässig, wie er tut, ist er also doch nicht. Schauspieler. Meine Überlegenheit kehrt zurück. Yeah. Ich rück’ ihm noch etwas näher auf die Pelle, fixier’ seinen Hals und leck’ mir über die Unterlippe. Nur so als Provokation. Und um ihn ein bisschen zu verunsichern. Doch ich erreiche genau das Gegenteil. Er dreht nämlich seinen Kopf weg, so, als ob er seinen Hals für mich entblößt. Huh? Für einen Moment bin ich wie hypnotisiert von seiner Hauptschlagader, die sich deutlich unter seiner Haut abzeichnet und pulsiert. Ich blinzle mehrmals, bis ich es schaffe, meinen Blick abzuwenden. Allmählich hab’ ich wirklich das Gefühl, dass er auf Drogen ist. Oder verträgt er einfach keinen Alk? Oder tut er so, als ob er will, dass ich ihn beiße, damit er mich auslachen kann, wenn sich mein Chip meldet? Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das funktioniert. Ich meine, reicht es aus, wenn ‘ich’ davon überzeugt bin, dass er es will, oder muss ‘er selbst’ es tatsächlich wollen? Checkt der Chip nur mein Hirn oder auch seins? Ich hatte noch keine Gelegenheit, Versuche in dieser Art durchzuführen. Ich bin doch nicht total irre und provoziere bewusst Kopfschmerzen. Jedenfalls... Wenn meine Vermutung zutrifft, ist er ein abartiger Bastard! Aber das läuft nicht. Ich bin doch nicht Harmony. Da muss er schon früher aufstehen, um mich übers Ohr zu hauen. „Und wenn ich das gar nicht will?“, frage ich - und meine damit seinen Hals -, während ich mir die Flasche Jack greife, die sich neben dem Sessel befindet. Als ich wieder vor ihm stehe, guckt er mich kurz an, bevor sein Blick zurück auf den Bildschirm wandert - *grrr* - und er zu einer Antwort ansetzt. Ich denke, jetzt kommt zum x-ten Mal sein Satz, roll’ prophylaktisch die Augen, stöhn’ gelangweilt und trink’ einen Schluck Whiskey, um es zu ertragen. Aber er überrascht mich. „Ich dachte, es würde Dich freuen, Dich bewundern zu können.“, meint er in unschuldigem Tonfall, kann sich jedoch eine kleine Spitze nicht verkneifen. „So arrogant wie Du bist.“ Huh? Mein Hirn versucht herauszufinden, was er damit meinen könnte, gibt jedoch lediglich ein leises ‘blub’ von sich und ich kann mich nicht länger beherrschen... Ich guck’ also hin. Und sehe. Und blinzle. Und starre, bis das Bild vor meinen Augen verschwimmt. Und kann es trotzdem nicht glauben. Was zur Hölle...?! Mein Blick fliegt zurück zu Finn und ich beiß’ mir auf die Zunge, damit kein Gestotter aus meinem Mund kommt. Ich muss mich sammeln. Oh Jack, steh mir bei! Das darf nicht wahr sein. „Was denn? Du bist sprachlos? Irgendwie hätte ich mit einer anderen Reaktion gerechnet.“, meint Soldierboy, steht auf und kommt langsam auf mich zu. „Ach? Und mit welcher? Dachtest Du, ich brech’ in Tränen aus, wenn ich das seh’?“, erwidere ich ironisch und deute mit dem Daumen vage in Richtung Bildschirm. „Oder, dass ich frag’, warum Du mir das zeigst?“ Er antwortet nicht, sondern betrachtet mich nur herablassend. - Ist er schon immer so verdammt groß gewesen? „Ah. Ich weiß. Du wolltest mir beweisen, dass ich doch tiefer sinken kann als Du. Huh?“ Ich seh’, ich komm’ der Sache näher. Sein Mund verzieht sich zu einem halben Lächeln, er zuckt die Schulter und macht mit dem Kopf eine Bewegung zum Fernseher. So nach dem Motto: Bild’ Dir Deine Meinung selbst. Okay. Ich schau’ hin, mittlerweile gefasst genug, um mir nicht anmerken zu lassen, wie schockiert ich bin. Bloody Hell! Ich kann mich einfach nicht erinnern. Wieso...?! Für einen Moment denke ich, es könnte ein Fake sein. Sonst wüsste ich das doch noch. Aber ich erkenne die grauen Wände der Initiative. Meine Finger schließen sich fester um den Flaschenhals, meine freie Hand verschwindet in der Manteltasche, ballt sich dort zur Faust. Er muss ja nicht sehen, wie wütend ich bin. Damals, in diesen Stunden, Tagen - was weiß ich - hätte alles mögliche passieren können. Inklusive ‘das da’. Irgendwann bin ich jedenfalls nackt in diesem Glaskasten aufgewacht... Damnit! *Bleib’ locker.*, bete ich mir vor und atme tief durch. Muss ich zwar nicht, aber es beruhigt mich. Eine Zigarette würde vermutlich mehr bringen. Apropos. Ich zieh’ eine aus dem zerbeulten Päckchen und schinde Zeit zum Nachdenken, bis ich sie angezündet und den ersten Zug genommen hab’. Er sagt übrigens noch immer nichts. *argh* Das macht mich wahnsinnig. Kann er nicht...? Nope. Würde nicht zu Deinem nagelneuen Image passen – huh, Soldierboy? So cool hab’ ich ihn noch nie erlebt. Steht nur da und grinst mich an. Son-of-a-bitch! Bringt mich dazu, ihm an die Kehle springen zu wollen. Schafft es, dass ich ihn so lange würgen will, bis kein bisschen Leben mehr in ihm ist. Oder nein. Vorher schlag’ ich ihn grün und blau, damit er mir endlich sagt, was er von mir will. Oder ich mach’ ihm einfach ganz subtil klar, wer hier über wem steht. In der Nahrungskette und überhaupt. *seufz* Wenn ich nur könnte, wie ich wollte... Schluss mit den Wunschvorstellungen! Zurück zu den Spekulationen. Und vielleicht gelingt es mir ja, seine verfluchte Fassade ins Wanken zu bringen. Ich kann mit den Karten spielen, die ich in die Hand bekomme. Und den Sieg davontragen. Immerhin bin ich Spike! Der Triumph gehört mir. Oder... Jedenfalls nicht ‘ihm’. Ich wende mich dem Bildschirm zu, nehm’ noch einen Zug, bevor ich die Kippe wegschnicke und dann kommentiere, was ich seh’. „Tiefer sinken als Du? Ich glaub’ nicht. Ich hab’ nicht den Eindruck, als ob ich mich gequält hätte. Aber Du wirkst irgendwie verbissen. Ich kann’s natürlich nicht beurteilen. Ich kenn’ Deine Visage beim Vögeln ja nicht. Sag’ Du mir, ob’s Dir gefallen hat.“ „Nein.“, erwidert er und es klingt wie ein tiefes Seufzen. Irgendwie nagt das an meinem Ego und ich muss nachhaken. „Ach komm schon. Du willst mir doch nicht weismachen, dass Du gezwungen wurdest, mich zu vögeln. Ich kann keine Knarre an Deinem Kopf sehen.“ Er weicht einen Schritt zurück, bevor er antwortet. „Nein. Ich will damit ausdrücken, dass ich noch nie langweiligeren Sex hatte, weil Du einfach grottenschlecht warst.“ Das hat noch niemand zu mir gesagt. In hundertdreißig Jahren nicht! Und ich wüsste garantiert, wenn ich schlecht im Bett wär’, weil Angelus kein Blatt vor den Mund genommen hat. Ich muss unter Drogen gestanden haben. Das ist es! Ich wende mich wieder dem Fernseher zu, geh’ näher ‘ran und betrachte die Szene von Neuem. Beziehungsweise mich. Ganz genau. Wie ich nackt dastehe und mich auf einem Tisch abstütze, während Finn mich mit heruntergelassenen Hosen von hinten nagelt. Meine Augen wirken glasig und es hat den Anschein, als ob ich sie kaum offenhalten könnte, während ich in die Kamera blinzle. Ha! Das ist es. „Ich war gar nicht richtig bei mir. Siehst Du?“, ruf’ ich und deute auf den Bildschirm. Merke überhaupt nicht, wie durchgeknallt ich mich benehme, bis ich ihn lachen höre. Ich weiß nicht, ob ich rot werden kann, aber wenn, dann jetzt – und zwar vor Wut. Ich dreh’ mich zu ihm um und funkel’ ihn aus zusammengekniffenen Augen an. Vielleicht schaff’ ich’s, ihn mit meinem Blick zu töten. Nope. Ich bring’ ihn nicht mal zum Verstummen. Er hält sich den Bauch vor Lachen und zeigt mit dem Finger auf mich. *ARGH!* Dann hört er ganz plötzlich auf, sieht mich spöttisch an und fragt mich breit grinsend: „Und? Ist Dir jetzt nach spielen, Puppy?“ Ich fass’ es nicht. Er schlägt mich mit meinen eigenen Waffen. In meinem Kopf macht irgendetwas ‘klick’ und ich flipp’ aus. Innerlich. Ich geh’ auf ihn zu, bleib’ in Reichweite zu ihm stehen und schau’ ihn an. Seine Augen sprühen vor Hohn und teilen mir immer wieder dieses eine Wort mit. ‘Puppy’... Ich koche. Wahrscheinlich kann er es sehen, weil ich meine Zähne so fest aufeinanderbeiß’, dass meine Wangenmuskeln zucken. Interessiert mich nicht. Genauso wenig, wie seine entspannte Haltung. Oder die Konsequenzen aus dem, was ich vorhabe. Sind ja nur Schmerzen... Vielleicht trinke ich deshalb noch einen Schluck Whiskey. Vorbeugend. Und um ihn ein bisschen länger hinzuhalten. Nope. Ich will nur die Flasche unauffällig in meine linke Hand wechseln. Dann beug’ ich mich lässig nach rechts und werf’ den Jack in einer langsamen Bewegung auf den Sessel. In die andere Richtung geht’s dafür umso schneller. Ich hol’ Schwung und treff’ mit voller Wucht Finns Kinn. Bang! Meine Faust wischt das selbstgefällige Grinsen aus seinem Gesicht und er taumelt zur Seite. Genugtuung breitet sich in mir aus und ich genieße das Gefühl. Ja! Und den Anblick, den er mir bietet, als er sich abmüht, zu seinem Gleichgewicht zurückzufinden. Als er es geschafft hat und wieder aufrecht steht - groß und breit -, ist sein ganzer Körper die pure Provokation. ‘Komm her und versuch’s noch mal!’, kann ich in seinen Augen lesen. Fehlt nur, dass er mich zu sich winkt. Okaaay. Ich schlender’ auf ihn zu und überleg’ hin und her, ob ich ihn einmal oder zweimal quer durch meine Gruft prügeln soll, bevor ich ihn rauswerfe. Ich stutze. Und plötzlich begreife ich, dass ich klar denken kann. Der Chip hat nicht angeschlagen. Und was heißt das? „Mir ‘ist’ nach spielen, Puppy!“ Kein Gedanke an das Warum. Ich nutz’ einfach die Gelegenheit, pack’ ihn am Kragen, dreh’ mich um mich selbst und zerre ihn dabei mit mir. Und in einem günstigen Moment lass’ ich los. Nicht, ohne ihm noch ein bisschen extra Schwung mit auf den Weg zu geben. Yeah! Er fliegt in annähernd perfektem Bogen über den Sarkophag und knallt dahinter gegen die Wand. „Hat’s wehgetan, Puppy? Zeig’ mal her.“, frag’ ich in meinem mitleidvollsten Tonfall und ‘helfe’ ihm wieder auf die Füße. Füße? Oh. Er baumelt in der Luft, bemerke ich. Na sowas... Und wieso röchelt er plötzlich? Meine Hand krallt sich wohl etwas zu fest um seinen Hals. Ups. Ich lass’ los und er rutscht an der Wand abwärts. Ich seh’ genüßlich zu. Die paar - dreißig - Zentimeter, bis seine Turnschuhe wieder Bodenkontakt haben, sind leider viel zu schnell vorüber. *seufz* Er gönnt mir keine Pause, um zu entscheiden, was ich als Nächstes mit ihm anstellen soll. Tststs. Stattdessen kippt er abrupt nach vorn, sodass ich ihn auch noch auffangen muss. Ich tu’ mal genervt, halt’ ihn aber trotzdem fest und bin sogar so gnädig, zu warten, bis er wieder atmen kann, bevor ich ihn von mir wegdrücke. Aber sein Kopf hat auf meiner Schulter nun wirklich nichts verloren. „Nur nicht schmusig werden, Puppy!“, warne ich ihn grinsend und tätschle seine Wange. Er erwidert nur meinen Blick, ausdruckslos. Dabei würde ich zu gern wissen, was in seinem Kopf vor sich geht. – Huh? Wieso eigentlich? Ist doch völlig egal. Wahrscheinlich, weil das Tier in mir am liebsten die abwegigste oder gegensätzlichste Reaktion wählen will auf das, was er fühlt, denkt, oder worauf er spekuliert. Warum? Natürlich, um die Oberhand zu behalten. Da er aber keine Regung zeigt, nichts sagt und ich keine Begabung für Telepathie hab’, bleibt mir nur eins. Mich in ihn hineinversetzen. Womit würde ich rechnen, wenn ich Stroh im Kopf hätte? Hm? So allgemein mit dem nächsten Schlag oder dem nächsten Flug, schätz’ ich. Keine Ahnung, wie viel Fantasie er hat. Vielleicht kann er sich ja Ketten an seinen Handgelenken vorstellen. Und Nägel, wenn er meine Vergangenheit kennt. Bah. *abwink* Viel zu langweilig. Das hat doch alles schon vor annähernd hundert Jahren seinen Reiz verloren. *seufz* Ich muss mich wohl am Offensichtlichen orientieren. Mal sehen... Seine rechte Schläfe ist aufgeschürft von seiner Begegnung mit der Wand. Sein Kinn ist leicht blau, dank meiner Faust. Ah! Seine Lippe blutet. ‘Das’ inspiriert mich! Und was ist nun meine undenkbarste Reaktion? Ich könnte mit meinem Finger drüberwischen, ihn ablecken, spucken und behaupten, noch nie ekligeres Blut probiert zu haben. Aber wär’ das wirklich so weit hergeholt? Nein. Ich könnte ihn rauswerfen. Nein. Das wär’ irre. Außerdem steigt mir das Aroma seines Blutes immer mehr in die Nase. Und dann macht er etwas, das Instinkte in mir weckt, die ich lange unterdrücken musste. Er leckt über die blutende Stelle. Nur kurz, doch es reicht, um meinen Dämon zum Knurren zu bringen und den Drang zu schüren, das zu tun, was selbst für mich total abwegig ist. – In Bezug auf GI Joe natürlich. Ich beug’ mich vor und mach’s ihm nach. Lass’ meine Zunge vorsichtig über seine Unterlippe gleiten, während er völlig reglos verharrt. Er versucht flach und lautlos zu atmen. Ich kann’s trotzdem hören. Und spüren. Der Luftzug an meiner Wange, das Heben und Senken seiner Brust gegen meine. Ich verschieb’ meine Verwirrtheit über sein Verhalten auf später. Über mein eigenes will ich gar nicht nachdenken. Weder jetzt, noch irgendwann. Ich heiß’ ja nicht Angel. Stattdessen beschäftige ich mich mit der augenblicklichen Situation und frag’ mich, warum ich ihn eigentlich noch festhalte. Wo er sich doch überhaupt nicht gegen mich wehrt... Sinnlos. Also lass’ ich ihn los und weiß für einen Moment nicht, wohin mit meinen Händen. Umarmen wär’ wirklich zuviel. Stütz’ ich mich eben links und rechts von seinem Kopf an der Wand ab. Und wenn ich schon dabei bin, es mir bequem zu machen, schieb’ ich noch mein Knie zwischen seine Beine und geb’ ihm zu verstehen, dass er sie weiter spreizen soll. Damit er nicht mehr so groß ist und ich besser an ihn ‘rankomme. Er folgt meiner Bitte - Braves Puppy! - und ich beginne, an seiner Unterlippe zu nippen. Während ich mich über knabbern langsam dazu steigere, sie in meinen Mund zu saugen, pinne ich ihn mit meinem Becken immer fester gegen die Wand. Und als ich seine Unterlippe durch meine Zähne gleiten lasse, um es zu beenden und mich vielleicht seinem Hals zu widmen, ist seine Hand plötzlich in meinem Nacken und hält mich fest. Seine Zunge sucht meinen Mund und ich beiß’ zu. Zugegebenermaßen unabsichtlich, auch wenn mir das Gegenteil lieber wäre. Schließlich habe ‘ich’ in diesem Spiel das Sagen und ich könnte locker behaupten, das wär’ die Strafe für sein Handeln. Doch es ist schlicht der Schock, weil er Initivative gezeigt hat. Initiative. Verdammt ironisch – huh, Soldierboy? Es läuft immer wieder darauf hinaus. Das Tape. Der Chip. Dein Wissen darüber, wie man ihn austrickst. Dein Wahnsinn, sonst wärst Du nicht hier. Apropos. Wir küssen uns natürlich ‘nicht’, selbst wenn’s auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Jaja. Er lässt seine Zunge um meine kreisen. Schon richtig. Selbstverständlich würde ich es auch abstreiten, ‘wenn’ wir uns küssen würden. Aber es fühlt sich wirklich nicht so an. Es ist anders. So, als ob er mich mit seinem Blut berauschen wollte. Und es gelingt ihm. Es ist süß und warm in meinem Mund, rinnt dickflüssig wie Honig meine Kehle hinab, jedes Mal, wenn ich schlucke, um mehr davon zu schmecken. Blut. ‘Menschliches’ Blut. Schon nach wenigen Tropfen süchtig machend wegen der unvergleichlichen Wirkung. Symbol für Kraft. Stärke. Energie. Leben. Und er hat viel von allem. Seine Zunge versiegt als Quelle allerdings allmählich. Die Wunde schließt sich bereits und es hilft auch nichts, stärker zu saugen. Jedenfalls nicht, um meinen Durst zu stillen. Seine Erwiderung auf mein Tun - er stöhnt unwillig in meinen Mund und hält mich wieder im Nacken fest - wirft allerdings eine Frage auf, die ich bis eben völlig vergessen hatte. Ich löse den Kuss - oder was auch immer es war - und seh’ ihn an. Das mach’ ich eine ganze Weile lang und genieße sein wortloses Betteln. – Wonach, Soldierboy? Um das herauszufinden, beobachte ich genau seine Reaktion auf mein Nichtstun. Und es läuft alles auf eins hinaus: Verlangen. Ich hab’s oft genug gesehen. Eine letzte Probe... Ich verlagere mein Gewicht etwas und presse wie zufällig mein Becken fester gegen seins. Yep. Er schafft es nur mit Müh’ und Not, die Hüften stillzuhalten. Ich lache leise über diesen sinnlosen Versuch. Schließlich kann ich fühlen, wie sein Schwanz immer härter wird. Dabei mach’ ich überhaupt nichts. Bis jetzt... Allerdings bleibt mein bestes Stück auch nicht unbeteiligt. Hey! Ich bin schließlich nur ein Mann. Und ein Vampir. Blut hat mich schon immer geil gemacht. Und Unterwerfung. Davon hatte ich ja leider in letzter Zeit nicht viel. - Nein, Harmony zählt nicht! - Und außerdem drängt alles in mir, meinen Ruf zu verteidigen. Flehen sollst Du, Soldierboy! Ich beginne, meinen Schwanz fordernd an seinem zu reiben und er – tut nichts. So haben wir nicht gewettet! Meine Hände umfassen umgehend seinen Hintern, sodass ich ihn mit jeder Bewegung meiner Hüften zu mir ziehen kann. Wieder und wieder. So lange, bis ich merke, dass sich die Muskeln in seinen Pobacken zusammenziehen und entspannen, während er sein Becken gegen mich drückt. Das und die Art, wie er mich ansieht, irgendwie scheu, ohne jedoch das Feuer in seinen Augen verbergen zu können, sagt mir, dass er genau da ist, wo ich ihn haben will. Wenn ich jetzt aufhören würde, würde er wahrscheinlich auf die Knie sinken und betteln. Allein der Gedanke erregt mich, aber ich schaff’s einfach nicht, mich von ihm zu lösen. Stattdessen stütz’ ich mich wieder mit einer Hand an der Wand ab, während meine andere damit beschäftigt ist, seinen Hintern zu kneten. Ich beug’ mich vor, bis mein Mund dicht an seinem Ohr ist und sein Atem meine Wange streift. Bis ich nur noch sein leises Stöhnen und das umso lautere Hämmern seines Herzens höre. „Was willst Du?“, frag’ ich und unterstreich’ jedes Wort mit einem fordernen Stoß meiner Hüften. Das lässt wohl nur eine Antwort zu... „Trink von mir.“ Huh? Das hab’ ich jetzt nicht erwartet. Wäre nicht ‘Fick mich.’ viel passender? Ich blinzle verwirrt, lehn’ mich zurück und rechne fast mit einem Grinsen. Aber seine Miene ist ernst, sein Blick direkt und seine Stimme fest. „Beiß mich!“, befiehlt er und ich hab’ zum ersten Mal das Gefühl, dass wir uns ebenbürtig sind. Sehr merkwürdiger Moment... Ich kann nicht mal erklären, wieso ich so empfinde. Vielleicht, weil er doch nicht so willenlos ist wie ich dachte. Und mehr noch. Er verschafft sich Macht über mich, indem er seinen Kopf zur Seite dreht und seinen Hals für mich entblößt, mir sein Blut anbietet und ich nicht widerstehen kann. Damnit! Ich hasse das. Allerdings kann ich mich ebensowenig abwenden. Ich knurre gereizt, als mein Dämon erscheint und zerre mit einer Hand am Ausschnitt seines T-Shirts. Meine andere gleitet seinen Rücken hinauf. Man könnte das jetzt Umarmung nennen, aber das ist es nicht. Ich halte lediglich seinen Nacken fest. Und kurz bevor ich ihn beiße, seh’ ich ihn an. Ein Vampir-Impuls, oder vielleicht nur eine uralte Angewohnheit von mir - was weiß ich -, um die Gefühle meiner Opfer zu ergründen. – Klar, ich kann sie riechen. Verlangen, oft vermischt mit dem betörenden Duft der Angst. Doch es war schon immer so, dass die Augen Emotionen wesentlich deutlicher widergespiegelt haben. Und es ist bei allen dasselbe. Sie wollen es. Mich. Genau wie er jetzt. Furcht kann ich in seinem Blick allerdings nicht erkennen. Eher so etwas wie Neugier. Erwartung. Und den goldenen Schimmer meiner eigenen Augen. Es ist Zeit. Ich senke meinen Kopf, bis meine Lippen seinen Hals berühren und folge mit meiner Zunge dem Verlauf seiner Hauptschlagader. Gleite langsam daran entlang, um die beste Stelle zu finden und um ihn zu reizen. Sein Blut wird schneller fließen, sobald er vor Erregung unkontrolliert zu zittern beginnt. Es kann nicht mehr lange dauern, denn er wimmert schon leise. Eine Bewegung meines Beckens reicht aus, um ihn zum Beben zu bringen. Yeah.
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