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Piratenhände
Für Caro zum Geburtstag 2004 mit lieben Wünschen von Kati Bis
der Großmast fiel, einfach gefällt von einer Bö, geknickt wie ein Streichholz
zwischen Riesenfingern, hatte ihn dieser Sturm nicht besonders beunruhigt. Als
der Wind ihm den Hut mitsamt Perücke vom Kopf gerissen hatte, hatte er noch
gelacht. Stürme gehörten dazu, wenn man auf einem Schiff fuhr, wenn man am Meer
lebte, selbst in der Karibik. Aber
dieses Geräusch war selbst im Sturmgetöse ungewöhnlich laut und mißtönend. Ein
hochaufragender Brecher begrub die „Dauntless“ für kurze Zeit unter sich, und
das Schiff schien sich zu ducken, bevor es wieder aus den Fluten auftauchte. Es
sah unbeschädigt aus, unbeeindruckt von der unbändigen Kraft, der es gerade
widerstanden hatte, und fasziniert bewunderte er die Stärke, die das Schiff der
entfesselten Wucht des Wassers und des Sturms entgegensetzte, bis er dieses
eigenartige Geräusch vernahm. Und
dann sah er auch schon die Ursache dafür: Der Großmast war von dem – im
wahrsten Sinne des Wortes – *Brecher* erfaßt und verletzt worden. Eine weitere
Sturmbö fiel über das geschwächte Holz her, das bereits splitternd knickte. „Gillette!“,
brüllte er dem Offizier zu, der unmittelbar neben dem Mast stand, aber der
hörte ihn durch das Jammern und Tosen des Sturms nicht, und so sprang er von
der Brücke aufs Hauptdeck hinunter, machte zwei, drei Schritte in Richtung
seines Untergebenen und riß den Mann beiseite. In
diesem Moment schoß ein ellenlanger Holzsplitter wie ein Pfeil aus dem direkt
an seiner Verankerung knickenden, bereits fallenden Mast, in seine Richtung –
und blieb in seinem Oberschenkel stecken. Eigenartigerweise spürte er nichts, sondern
betrachtete nur interessiert das Stück hellen Holzes, das plötzlich aus seinem
Bein ragte, ein Fremdkörper, der dort nicht hingehörte. Er
drehte sich nach Gillette um, der am Boden lag und erstaunt zu ihm aufblickte.
Der Mann schien unverletzt. „Laßt
die Seile kappen – und die anderen Masten, Gillette! Wir müssen das Schiff vorm
Kentern retten!“, brüllte er ihm zu und bekam nicht mehr als ein erschrockenes
Nicken zur Antwort, denn die Worte, die Gillettes Mund formte, wurden vom Sturm
hinweggeweht. Ein
weiterer Wellenberg rollte heran, und das Schiff legte sich auf die Seite. Der
abgebrochene Mast, der nun lose in den Tauen hing, schwenkte herum, und als er
ihm auswich, ergoß sich eine weitere Wasserladung über das Deck, riß ihn mit
sich und spülte ihn über die Reling hinaus ins tosende, aufgewühlte Meer,
mitsamt dem sich losreißenden Großmast. Es
erschien ihm wie eine Ewigkeit, bis sein Kopf aus dem Wasser auftauchte, bis er
wieder Luft bekam, die Augen öffnen und sich umblicken konnte. Vor sich sah er
nur die dunkle, aufgewühlte See, gewaltige Wogen mit weißen, flüchtigen
Schaumkronen, zerfurcht von einem unberechenbaren Gegner. Das Wasser, sonst
blau und leuchtend, hatte eine grüngraue Farbe angenommen unter einem Himmel
von derselben Farbe, über den eine tiefhängende, dichte Wolkendecke dahinjagte,
gehetzt vom wütenden Sturm. Wo
war die „Dauntless“? Er
zwang sich, ruhig zu bleiben und drehte sich im Wasser um seine eigene Achse,
aber auch hinter ihm war das Schiff nicht zu sehen. War er so lange unter
Wasser gewesen, daß es sich bereits außer Sichtweite befand? Da
berührte ihn etwas unsanft an der Schulter, und er bekam ein Tau zu fassen, das
am Großmast befestigt war. Der Mast trieb unmittelbar neben ihm in den Wogen,
auf und ab, und er erschrak bei dem Gedanken daran, wie leicht der schwere
Rundbalken ihn hätte erschlagen können. Er umfaßte das Tau noch fester und zog
ihn näher zu sich heran. Mit der anderen Hand ergriff er den Mast, und dann
wickelte er sich das Seil um den Körper, bevor er es noch einmal um das Holz
schlang und dort verknotete. Mit beiden Armen klammerte er sich an seinen
hölzernen Rettungsanker, das einzige Stück der „Dauntless“, das ihm geblieben,
mit dem er nun verbunden war... vielleicht auf ewig... und keine Ahnung hatte,
wie lange das wäre. Oder
ob er je gerettet würde. Und
plötzlich meldete sich auch der Schmerz, den seine Verletzung verursachte – und
die in der Karibik so ungewohnte Kälte, die in ihm hochkroch –, und die
Erschöpfung der letzten Tage, an denen er kaum Ruhe gefunden hatte, tat das
ihre... und ließ ihn in eine hilflose, betäubende, sehr unruhige Ohnmacht
sinken, auf- und abwogend, schaukelnd, schlingernd in der nassen, aufgewühlten
Endlosigkeit des Meeres. Entfernt
nahm er wahr, wie alles um ihn herum leiser wurde, und er dachte daran, wie es
war, bevor man vor Erschöpfung einschlief und das Unterbewußtsein alles
ausblendete – wenn alle Laute, Stimmen, Geräusche abklingen, alles abebbt und
zu einem leisen, steten Rauschen wird, das gleichmäßig bleibt, einen mauerartig
umschließt und von der Außenwelt trennt, das einen in den Schlaf wiegt und
beinahe in Schwerelosigkeit sinken läßt – und er empfand es fast als komisch,
das auch hier zu erleben, naß, frierend und verletzt, mitten im stürmischen
Meer. Einzig
die Kälte, die immer unangenehmer wurde, störte ihn, und er fragte sich, ob
dieses Meer wirklich so kalt war oder ob er es nur so empfand. Flüchtig stieg
die Erinnerung an die Kälte seiner englischen Heimat in ihm hoch, an die
Winter, die er dort erlebt hatte, die er in der Karibik nicht vermißt hatte.
Winter, in denen es so kalt war, daß die Sonne silbern schien statt golden und
der Himmel blaßblau und verwaschen aussah – und ihm weiter entfernt als sonst
erschienen war. Aber
auf eine unbestimmte Weise war ihm egal, daß es irgendwo auf dieser Welt solche
Winter gab... ob er fror oder Schmerzen hatte oder im Meer dahintrieb. Oder
alles zusammen. Er wußte, daß diese aufkeimende Gleichgültigkeit etwas
Tödliches in sich barg, aber sie bedingte auch die Ruhe, die sich in ihm
ausbreitete und mit der er sich in dieses Schicksal fügte. Dann
fiel er in einen unruhigen Schlummer. Und
so bemerkte er nicht, wie der Sturm um ihn herum allmählich immer weniger laut
toste, das Meer weniger wütend schäumte, wie sein Körper langsam immer kälter
und steifer wurde. Ebensowenig
spürte er, wie zwei Hände nach ihm griffen und das Tau, das seinen Körper mit
dem Mast der „Dauntless“ verband, lösten, wie dieselben schlanken Hände ihn an
seiner Kleidung über einen Bootsrand zerrten, wie eine angestrengte Stimme
dabei Flüche zwischen zusammengepreßten Zähnen hervorstieß. „...könntest
mir, verdammt nochmal, wenigstens helfen, anstatt hier so steif
herumzuhängen... Was wundert’s mich eigentlich? Der Kerl muß schon bei seiner
Geburt steif wie ein Brett gewesen sein!“ Und
er bemerkte nur vage, wie er von seinem schweren, vollgesogenen Uniformrock
befreit und das abgesplitterte Stück Holz aus seinem Bein gezogen wurde, hörte
kaum das ratschende Geräusch, mit dem seine Hose aufgerissen wurde, und er nahm
kaum wahr, wie jemand die Wunde mit kundigen Händen verband. Sein eigenes
Stöhnen war nur ein weiterer, unbestimmter Laut in seinem rauschenden Kopf, und
sein Körper erschien ihm wie etwas Fremdes, Kaltes, das nicht zu ihm gehörte.
Nicht wirklich. Dann
war da etwas, das Wärme ausstrahlte, und je mehr er darüber nachsann – nur
instinktiv, nicht mit dem Verstand, der verlorengegangen war, irgendwo zwischen
der „Dauntless“ und diesem Moment hier – und versuchte, *es* zu erfühlen, desto
mehr kam er zu dem Schluß, daß es ein Mensch sein mußte. Ein
Körper, warm und fest, der sich eng an ihn schmiegte und ihm von seiner Wärme
abgab, ihn aufzutauen schien... und je mehr er von dieser Wärme erhielt, desto
mehr wollte er davon haben. Mit
der letzten Kraft, die ihm geblieben war, mit dem letzten Bißchen an Willen,
das in ihm war, drängte er sich an diesen schlanken, so wärmenden Körper, der
ihn in sich einzuwickeln schien und dafür sorgte, daß er die Kälte, die so
unerbittlich in ihn hineingekrochen war, überwinden würde... In
seinem Kopf war Nebel, aber das Denken setzte langsam wieder ein, als seine
Wunde sich meldete, ein stechender Schmerz im Oberschenkel, der langsam alles
in ihm aufdämmern ließ, was passiert war. Der
erste *richtige* Gedanke, der sich in ihm formte, galt der „Dauntless“ – und er
hoffte so sehr, daß es sie noch gab. Und dann nahm er seine Umgebung wahr,
undeutlich noch, aber er spürte, wie er langgestreckt dalag, und das sanfte
Geräusch des wogenden Meeres drang an seine Ohren. Leises
Plätschern und Glucksen, friedlich und gelassen. Von entfesselter Wut keine
Spur mehr. Die Bewegungen des Bootes, in dem er sich befinden mußte – ein
Schiff bewegte sich bedächtiger und schwerer, das wußte er –, waren gleichmäßig
und ruhig, sachte schaukelnd, und unter ihm schwappte das Wasser träge an die
hölzernen Planken, aber irgendetwas paßte nicht dazu... Er
selbst? Hm. Ja,
es war dieses Zittern, das ihn heimsuchte, das ständige Beben, das aus seinem
Innern kam, das nicht unter Kontrolle zu bringen war. Zuvor war sein Körper nur
unbeweglich gewesen, steifgefroren, fast versteinert ... abwegig, der Gedanke
an einen Stein, der im Meer trieb... und jetzt schien er jede Bewegung
nachholen zu wollen, die in seiner vorherigen Starre nicht möglich gewesen war. Der
andere Körper – der, der ihn umschloß und wärmte – drückte sich fest an ihn,
und er nahm dankbar wahr, wie schlanke Arme ihn festhielten, wie eine starke
Hand die Stellen, die sie erreichen konnte, rieb, während der Rest dieses
Körpers fast schmerzhaft auf ihm lag und ihn an die harten Planken unter ihm
preßte. Etwas
kitzelte an seiner Nase, etwas, das er nicht zuordnen konnte. Er
schluckte... und bemerkte gleichzeitig, daß das nicht möglich war. Sein Hals,
seine Kehle, alles war zu grobem Packpapier geworden, rauh und schmerzend
trocken. Es mußte wohl doch mehr als ein Schwall Salzwasser gewesen sein, den
er geschluckt hatte. Ihm
entrang sich ein Ton, ein knarzendes Geräusch, das ihn eher an das Krächzen
eines Raben erinnerte als an eine menschliche Stimme, und wenn er sich nicht so
schlecht gefühlt hätte, hätte er sicher darüber gelacht. Sofort
spürte er, wie sich der fremde, so wohltuende Körper von ihm löste, und er hob
den Arm, um ihn festzuhalten. Seine starren Finger griffen in Hemdenstoff,
verzweifelt und verkrampft, aber eine warme Hand löste sie davon ab, einen nach
dem anderen, und der Körper richtete sich auf... als seine Finger wieder den
Stoff suchten und hineingriffen. „Na?
Kannst nicht genug von mir bekommen, was?“, fragte belustigt eine dunkle
Stimme, die ihm bekannt vorkam, die er aber nicht sofort zuordnen konnte, und
widerwillig öffnete er die Augen. „Ah
– da ist er ja wieder, mein nasser Commodore!“, stellte Jack Sparrow zufrieden
fest und grinste ihn breit an, daß die Goldzähne in seinem Mund aufblitzten. Und
jetzt kam das Lachen doch noch. Sein
geschundener Körper schüttelte sich nicht mehr nur von der Kälte – das auch –,
nein, jetzt stieg ein lautloses, hier und da durch ein Fiepen oder Krächzen
unterbrochenes Gelächter in ihm hoch, das unkontrollierbar war, fast hysterisch
und irr, und je ungläubiger ihn Sparrow anblickte, je größer und erstaunter
dessen Augen wurden, desto unbeherrschter stieg es in seine Kehle auf und
platzte aus ihm heraus. Er
selbst wurde zu einem schmerzhaften, unfreiwilligen Lachen, geschüttelt von
Eruptionen, die seine Schmerzen nur steigerten, die aber nicht zu verhindern
waren, nicht mit seinem Willen, nicht mit irgendetwas in diesem Leben. Von
allen Menschen auf diesem Planeten, von allen Lebewesen dieser Welt mußte ihn
ausgerechnet ein Jack Sparrow vor dem Tode erretten! Ihm schien es fast, als
würde dieser Pirat *ihn* verfolgen, nicht umgekehrt, und langsam hegte er den
Verdacht, daß das etwas mit dem zu tun haben könnte, was man Schicksal nennt. Jack
Sparrow, sein Lieblingspirat, die andere Seite *seiner* Medaille. Hm. Das
Durcheinander in seinem Kopf mußte wohl doch größer sein, als er dachte... Schließlich
mußte er husten, und es gelang ihm, das sinnlose Gelächter halbwegs in den
Griff zu bekommen, als er mit Mühe ein Wort hervorbrachte. „Durst.“,
formten seine Lippen fast lautlos, aber Jack verstand es sofort und reagierte.
Norringtons kalte Finger aus dem Stoff seines Hemdes lösend, stand er auf und
verschwand aus dessen Blickfeld, um sogleich mit einer bauchigen Bastflasche in
der Hand wieder aufzutauchen. Der
Pirat kniete sich neben den zitternden Körper seines Widersachers, schob eine
Hand unter dessen Kopf und hielt ihm mit einer ruhigen Bewegung die Flasche an
die Lippen. Das
Schlucken fiel ihm schwer, und ein weiterer Schmerz gesellte sich zu den
anderen, die sein Körper zu erdulden hatte, aber er genoß die Frische des
Wassers, die durch seinen Mund und in die Kehle floß, die trockene Pein sofort
mindernd, die brennende Salzkruste, die sein Inneres überzogen zu haben schien,
hinwegspülend. Nach
nur wenigen Schlucken hatte er das Gefühl, daß er genug hatte, vor allem sein
grummelnder Magen, und er drehte den Kopf zur Seite. Die Hand, die seinen Kopf
gehalten hatte, glitt darunter hinweg, und er schloß die Augen. Noch
immer war dieses Zittern in seinem Körper, zwar weniger intensiv, aber trotzdem
fühlte er sich nicht in der Lage, es unter Kontrolle zu bekommen. Insgeheim
wünschte er sich, Sparrow möge sich wieder zu ihm legen und ihn wärmen, aber
jetzt meldete sich auch schon wieder sein Stolz, und er wäre lieber erfroren,
als diesen Piraten darum zu bitten, ihm mit seinem Körper Wärme zu spenden. Seine
Lebensgeister mußten bereits erwacht sein, wiedererwacht, denn ein Gefühl wie
Stolz konnte man sich als Sterbender nicht leisten... und er grummelte über
sich und seinen Dickschädel, zitternd und bibbernd... und fast hätte er wieder
angefangen zu lachen, weil ihm einfach alles so grotesk erschien... und so
albern. Da
er sich aber – schließlich war er Commodore der königlichen Marine! – unter
Kontrolle hatte, erschien auf seinem Gesicht nur ein spöttisches Grinsen...
über sich selbst. Da lag er nun, unterkühlt und verletzt, und war zu stolz,
seinen Retter um die einzige Wärmequelle zu bitten, die es hier zu geben
schien. Norrington
hob den Blick und sah leichten Dunst, der über dem Wasser um sie herumwaberte –
vom Wasser selbst konnte er nichts erkennen, weil die Bootswand ihn daran
hinderte –, sah in einen immer noch wolkenverhangenen Himmel, der aber schon
wesentlich freundlicher aussah als... wann eigentlich? Gestern?
Der Sturm war am Nachmittag ausgebrochen... ja... aber wann war er über Bord
gegangen? Und war jetzt noch gestern... oder schon morgen? War er die ganze
Nacht im Wasser gewesen? Er
hatte das Gefühl für Zeit verloren... Was
war jetzt für eine Tageszeit? Morgen? Oder... „Du
solltest die nassen Sachen ausziehen, Norri. Nicht, daß es mich was angeht,
aber du mußt bestimmt fünfzehn, vielleicht zwanzig Stunden im Wasser gewesen
sein, falls du während des Sturms baden gegangen bist...“, meldete sich
Sparrow, und er blickte in braune Augen, die ihn ernst ansahen, fast besorgt. James
deutete ein Kopfschütteln an. „Comm...“,
sagte er, wurde aber sofort unterbrochen. „Aye,
*Commodore* Norri. – Soll ich dir beim Ausziehen helfen?“, fragte der Pirat
grinsend, wartete aber keine Antwort ab, sondern begann, Norringtons Hemd aus
dessen Hosenbund zu ziehen, schob es dann hinauf und streifte es über den Kopf
des ihn nach Kräften unterstützenden Commodore, der seine Arme und den
Oberkörper hob, so gut er konnte. Warme Hände streiften leicht über die Haut
seines Brustkorbes, der sich in einen Eisberg verwandelt hatte, so sah er
zumindest aus, als er ihn kurz betrachtete – blaß und kalt, fast blaugefroren. Genauso
wie er sich anfühlte. Die
Hände des Piraten ließen ihn zusammenzucken... wohlig zusammenzucken. Die leise
Berührung der Fingerspitzen war so wohltuend... und löste Gefühle bei ihm aus,
die ihn verwunderten. Aber fürs Wundern war jetzt keine Zeit. Und er hatte auch
gar keine Lust, darüber nachzudenken, warum diese Hände überhaupt Gefühle in
ihm weckten... Nun
ja... er war verletzt, schiffbrüchig, unterkühlt... und sein Verstand war wohl
etwas geschwächt... Aufgeweicht? Ja, sicher, das mußte es wohl sein. Er war
nicht er selbst... Und Jack Sparrow nutzte das schamlos aus. Was konnte man von
einem gerissenen Piraten wie ihm anderes erwarten? Bereits
als Jack das Hemd über seinen Kopf streifte, vermißte er diese wärmespendenden
Hände... Aber natürlich nur der Wärme wegen, sagte er sich, und er mußte ein
weiteres Grinsen unterdrücken... und zitterte noch mehr, als eine leichte Brise
über seine nun nackte Eisberg-Haut strich. Das
nasse Hemd, das nur ein Klumpen Stoff war, flog in hohem Bogen über Bord, und
ein leichtes Gefühl des Ärgers stieg in ihm hoch. Wieso
warf der Pirat sein Hemd weg? *Sein* Hemd! Es hätte doch trocknen können... Aber
der Gedanke verflog so schnell, wie sein Hemd hinter der Bootswand im Meer
verschwunden war, mit einem leisen Klatscher, als die warmen Hände sich nun an
den Knöpfen seiner Uniformhose zu schaffen machten, den Schlitz Knopf für Knopf
öffneten und dann den feuchtkalten Stoff von seinen Hüften schoben...
süchtigmachende Hände, sanft und fast liebkosend an seiner bloßen Haut, und es
erregte ihn, zuzusehen, mit welch ungeahnter Langsamkeit und Vorsicht Jack das
Kleidungsstück, das einmal weiß gewesen war, immer weiter hinunterzog, sachte
die zerfetzte Seite an seinem verletzten Bein weiter aufreißend, um die Wunde
nicht zu berühren, bis er die zusammengeklumpte Hose über die Strümpfe hinunter
ganz auszog – und auch diese über Bord warf, was ihn aber dieses Mal nicht mehr
so beunruhigte. Der
Mann würde schon wissen, was er tat... oder? Hm.
Jack Sparrow... und wissen, was er tat? War das nicht ein Widerspruch in sich?
Darüber mußte er später nachdenken... Seine
Füße waren ohne Schuhe – er mußte sie im Meer verloren haben. Als
Jack die Strümpfe an seinen Schienbeinen hinunterschob, einen nach dem anderen,
blickte er ihm dabei in die Augen, die lächelten, zugleich spöttisch und
neugierig, als der Pirat den zitternden Körper seines Schiffbrüchigen
betrachtete. „Du
bist gar nicht so kühl, wie du immer tust, Commodore.“, sagte er, als auch die
Füße nackt waren wie der Rest von ihm, und er schien diesen Körper von oben bis
unten zu begutachten, wobei seine braunen Augen liebkosten, was sie da sahen...
zumindest hatte James das Gefühl, daß sie das taten. Es
war eigenartig, aber fast genoß er diese Blicke, und das einzige, was ihn daran
beunruhigte, war eben, daß es ihn überhaupt nicht beunruhigte, *wie* der Pirat
ihn betrachtete. „Was?
Nun... ich denke, im Moment bin ich sogar *noch* kühler, Sparrow.“, antwortete
er, und er spürte, wie sich Verlegenheit in ihm ausbreitete. ‚Verlegen!
Du? Vor *dem* da? Pah!’, schalt er sich selbst, aber er konnte nicht leugnen,
daß er gerade in diesem Moment rot wurde. Er
seufzte und ließ seinen Kopf wieder auf die Planken unter sich sinken. Ein
gestandener Commodore, der errötete... Schräg
hinter ihm war die Ruderbank des Bootes, deren grobgezimmerte Holzbretter schon
grau und rissig vom Salzwasser waren, und er fragte sich, wieso Jack Sparrow
allein in diesem Boot saß und ihn aus dem Wasser gezogen hatte... Wieso trieb
sich dieser Piratenkapitän in einem Ruderboot herum? „*Käpt’n*
Sparrow, Commodore.”, ließ Jack ihn wissen, als er sich zu seinen Füßen
hinunterbeugte und begann, diese zwischen seinen Händen zu reiben, diesen
warmen, wohltuenden Händen, die so sanft waren... und überhaupt nicht piratig.
Oder zumindest nicht so, wie James sich „piratige“ Hände vorgestellt hatte...
und die Frage nach Jacks mysteriöser Anwesenheit hier verlor sich irgendwo
zwischen den hinteren Windungen seines angestrengten Hirns und dem wohligen
Gefühl, das durch die Hände des Piraten in seinen Körper floß. „Käpt’n,
natürlich! *Käpt’n* Jack Sparrow... und ich... äh... ich danke Euch für...
meine Rettung, Käpt’n.“, antwortete er, und es war schon wieder zum Lachen
komisch, seine pflichterfüllte Stimme zu hören, die sich bei diesem Piraten
bedankte – mit gleich dreimal „Käpt’n“ in einem Satz! –, der gerade seine Füße
warmrieb. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er das sagte, und ein
Lächeln Jacks kehrte zu ihm zurück. „Gern
geschehen, Norri.“, sagte der – und ein Grinsen breitete sich auf seinem
Gesicht aus, als er das genervte Augenrollen „Norris“ bemerkte. Dann
fügte er hinzu: „So eine fette Beute konnte ich mir doch nicht entgehenlassen.“ Norrington
lachte leise. Natürlich.
Das war Jack Sparrow, der ihn gerettet hatte... und er war sich auf einmal
nicht mehr sicher, ob es eine Rettung gewesen oder er wirklich zur Beute
geworden war. Naja, immerhin war er am Leben. Und immerhin schienen sie allein
in diesem Boot zu sein, das auf den Wellen schaukelte – weit und breit keine anderen
Piraten. Das machte es zu einer weniger ungleichen Situation, wenn man davon
absah, daß er Schüttelfrost hatte, verletzt war und sich so schwach wie selten
in seinem Leben fühlte... Und
daß er nackt und Sparrow angezogen war. Na
gut, eine Breitseite mehr zu Sparrows Gunsten, aber als erfahrener Soldat wußte
er, wie schnell sich das Blatt wenden konnte. „Na,
wenigstens bin ich nicht die ‚fette Beute’ von Kannibalen geworden, die mich
aus dem Wasser gezogen und wieder in eine andere Suppe gesteckt hätten. Ihr
seid wohl das kleinere Übel, denke ich...“, sagte er lächelnd und blickte in
samtig-dunkle Augen, die immer näher kamen, als sich der Pirat jetzt neben ihn
auf den Boden des kleinen Bootes legte. „Aber
die Suppe wäre bedeutend wärmer für dich gewesen als das Meer, mein Freund!“,
sagte Jack mit einem erhobenen Zeigefinger. Dann
überlegte er einen Moment lang. „Hmmm...
Commodorefleisch. Ich habe keinen Proviant...“, sagte er leise und sah James
hungrig an – so erschien es ihm jedenfalls. „...und
keine Decke. Wenn du willst, decke ich dich mit *mir* zu. Vielleicht hörst du
dann auf zu zittern. Oder zitterst du vor Angst, Commodore Sonntagsbraten?
Vielleicht habe ich dich ja gar nicht gerettet und du bist tot... und ich bin
der Teufel, der nicht deine Seele will, sondern dein Fleisch...“, flüsterte er
mit geheimnisvoll belegter Stimme. James
blickte an sich herunter, auf seine über der Brust gekreuzten Arme, auf seinen
blassen, steifen Körper, dessen einzige „Kleidung“ das blutdurchtränkte Stück
Stoff war, das um seine Wunde gebunden war, auf die nackte Haut, die so weiß in
diesem diffusen Licht aussah... und auf den Piraten, der links neben ihm lag,
auf der Seite, den Kopf auf den angewinkelten Arm gestützt und ihn
durchdringend ansah. Bloß
weil er nackt und verletzt war, war das noch lange kein Grund, solche Dinge zu
ihm zu sagen, oder? Ein wenig Respekt dürfte doch selbst ein Pirat wie Sparrow
empfinden... „Teufel?
Sonntagsbraten? Ihr seid ein wahrhaftiger Satansbraten, Spa...“, begann er und
richtete sich mühsam auf, als ein Mund auf seinen Lippen landete, warm und
weich, über dem ein kitzelnder Bart wuchs, der sich mit seiner bereits
stoppeligen Haut im Gesicht vereinte. Ein
wahrhaft teuflischer Mund, verführerisch und fordernd, mit überraschend weichen
Lippen. Eine
sanfte Hand strich über seine rechte Schulter, so willkommen warm, daß er vor
Überraschung – nicht vor Schreck, der jedoch sicher noch kommen würde! – in
halber Höhe verharrte, ratlos, was er tun sollte. Die Hand glitt hinauf zu
seinem Hals bis in seine noch feuchten Haare, die wirr und offen auf die
Schultern hinabhingen, hielt jetzt seinen Kopf fest, während die Lippen noch
immer auf seinem Mund waren und sich daran festzusaugen schienen. Er spürte,
wie Jacks Körper sich an ihn drückte, immer näher kommend, wie er langsam
seinen eigenen Körper eroberte, bis er auf ihm lag. Jacks Haarpracht kitzelte
ihn im Gesicht und am Hals, auf den Schlüsselbeinen und Schultern, begleitet
vom Klimpern der Perlen und Münzen, die darin eingeflochten waren, aber es war
nicht unangenehm, stellte er fest. Durch
die Kleidung des Piraten hindurch konnte er dessen Wärme spüren, die sich jetzt
auch langsam auf ihn übertrug, und er hob den Arm, während er sich mit dem
anderen abstützte, um diesen Körper näher an sich heranzuziehen, so nahe, wie
es möglich war. Seine
Hand griff in Hemdenstoff, der grob war, aber darunter spürte er die Haut, die
sich ebenmäßig und verführerisch anfühlte, und ihn überkam das Verlangen, diese
Haut direkt zu berühren und den schlanken Körper, der auf ihm lag, ohne
Barriere dazwischen auf sich zu spüren. Ungeduldig zerrte er am Hemd, als Jack
seine Lippen von seinem Mund löste und ihn lächelnd anblickte. „Ich
hatte recht. Du bist wirklich nicht so kühl, wie du immer tust... du bist das Gegenteil
davon, Commi...“, flüsterte er und fuhr sich mit der Zungenspitze über die
Lippen, die braunen Augen direkt vor James’ grünen, jetzt erstaunt weit
aufgerissenen. „Hmmm.
Du schmeckst wie meine zweite Liebe, Jimmy.“, fügte der Pirat hinzu, und die ganze
Zeit über streichelten seine schlanken Finger das braune Haar des Commodore. James
stockte der Atem, und komischerweise hatte er keine passende Antwort parat,
sondern stotterte nur eine Frage... eine sehr unpassende Frage, wie er fand. „*Zweite*
Liebe?“, hakte er nach und hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen, so
blöd kam er sich vor. Aber
Jack schien das überhaupt nicht zu bemerken – weder die Verwirrung, noch die
Dummheit dieser Frage. „Aye!
Die See. Grün wie deine Augen, blau wie der Himmel... salzig wie du.“, sagte er
ernst, fast feierlich, mit einem weggetretenen Ausdruck im Gesicht. Jack Sparrow, der Poet. Das wurde ja immer
merkwürdiger… Naja,
vielleicht war ja die Frage doch nicht so dumm gewesen... nicht für Jack? James
schluckte. Wieso gefiel ihm die Nähe dieses Piraten so sehr? Und wieso
interessierte ihn überhaupt, was dieser Pirat empfand? „Was
ist denn deine *erste* Liebe?“, fragte er dann, wieder innerlich den Kopf über
sich selbst schüttelnd, was aber, wie er entfernt feststellte, eigentlich nur
der Pflicht wegen geschah – der Pflicht, diesen Mann da zu verabscheuen. Und er
stellte außerdem fest, daß er dieser Pflicht sehr ungern entsprach, was ihn
beunruhigte, aber nicht zu sehr. „Die
Pearl natürlich.“, antwortete Jack jetzt mit einem träumerischen Ausdruck in
den Augen. „Für
den Schrecken der Karibik bist du aber sehr naiv, Commodore.“, setzte Jack
nach, und ein Grinsen vertrieb das Verträumte aus seiner Miene. „Ich
dachte, das wärst *du*.“, sagte James, noch irritierter. „Was?
Ich bin doch nicht naiv!“, erwiderte Jack verwundert. „Ich
meinte, *du* bist der ‚Schrecken der Karibik’, nicht *ich*!“ Jack
richtete sich auf, und James spürte mit Bedauern, wie kühle Luft über seine
Haut strich, wo gerade noch der Körper des Piraten auf ihm gelegen hatte. Jack
schüttelte den Kopf. „Du
hast keine Ahnung, Jimmy. Du solltest mal hören, wie die Welt über dich und
deine Taten spricht.“ Die
Welt? Über ihn? Und seine *Taten*? War
das hier eine verkehrte Welt? Sprach die Welt nicht über Jack Sparrow – Käpt’n
Jack Sparrow –, den Piraten, den Kapitän der berüchtigten „Black Pearl“, den
Schrecken der Karibik? James
lehnte sich zurück, vorsichtig den Kopf einziehend, um nicht an die Ruderbank
zu stoßen, weiter weg von Jack, denn er hatte entschieden das Gefühl, daß er
jetzt Abstand brauchte, auch wenn es nur ein paar Zentimeter waren. Seine
Schulter schmerzte, und als er den Kopf drehte, bemerkte er den großen blauen
Fleck, der sich von der Schulter über den Oberarm zog. Das
war der Mast gewesen, sein Retter... der, der ihn gerettet hatte, *bevor* Jack
ihn aus dem Wasser gezogen hatte und zu seinem zweiten Retter geworden war. Ihm
entging nicht die Ironie der Situation, in der er von Jack als seinem Retter
dachte, und wieder glitt ein leises Lächeln über sein Gesicht, trotz der
Empörung, die in ihm hochstieg. Wie kam der Mann dazu, ihn mit unverhohlener
Bewunderung einen Schrecken zu nennen? Ihn, James Norrington, den Beschützer
Port Royals? „Du
kannst nicht Menschen jagen, ohne daß man dich dafür haßt. Du kannst nicht
massenweise Leute hängen, ohne dafür ins Gerede zu kommen, mein Freund.“, sagte
Jack und blickte ihm gerade in die Augen. James
schluckte. Nie hatte er das, was er tat, infragegestellt – und nie daran
gezweifelt, daß er auf der richtigen Seite stand... mit einer einzigen
Ausnahme, vor ein paar Monaten, als er Jack Sparrow hängen hatte wollen.
Müssen. Damals
waren auch ihm Zweifel darüber gekommen. Aber nur, was Sparrow betraf, nicht,
was das Gesetz anging, dem er diente... „Ich
habe Verpflichtungen, ich bin...“, versuchte er sich zu rechtfertigen, wurde
aber von Jack unterbrochen, der ihm den Finger auf die Lippen legte. „...ein
verdammt gutgebauter Commodore Norri.“, sagte er, wischte alle Argumente mit
einer Handbewegung beiseite und beugte sich wieder zu ihm hinunter. Seine
Lippen berührten James’ Ohrläppchen und streiften auf dem Weg zum Mund sein
Auge, das erwartungsvoll geschlossene Lid, die langen, dichten Wimpern, die
zitterten, die stoppelige Wange... bis sie auf James’ Lippen trafen, die leicht
geöffnet waren vor Erwartung und Erstaunen. Der
Kuß war ungleich intensiver als der erste, tiefer und gefühlvoller, leicht und
sacht, rauh und fordernd zugleich. Ebbe und Flut. Und
gegenseitig. James
stöhnte auf, als Jacks Hand über seine Schulter glitt, aber es waren nicht die
Schmerzen, die ihn stöhnen ließen, sondern dieses aufregende Prickeln, das
diese Hand in ihm auslöste, das ihn plötzlich lebendig werden ließ, und er
bemerkte, wie das Beben, das die Kälte in ihm verursacht hatte, allmählich
nachließ und Ruhe in ihn einkehrte... Ruhe, die von einem Gefühl der
Geborgenheit herrührte. Und
sich allmählich in Erregung und Wärme... Herzklopfen... verwandelte, und jede
Faser seines Körpers drängte sich an den schlanken, festen Leib, der jetzt
wieder auf ihm lag. Seine Hände suchten nach einem Weg, unter die Kleidung, die
überflüssigen Sachen zu gelangen, die den Körper des Piraten vor ihm verbargen,
und ungeduldig zerrte er das Hemd aus dessen Hose, schob es Jacks Rücken hinauf
und genoß jedes Stück nackter, glatter Haut, die seine Hand eroberte. Als
ihre Zungen sich berührten, durchfuhr ihn ein Schauer, und er bemerkte, daß es
Jack ebenso ging, als dessen Körper über ihm leicht erbebte. Jack ließ sich zur
Seite rollen, zog ihn jedoch mit sich, so daß sie nun beide auf der Seite
lagen, engumschlungen, sich noch immer küssend... und er schmeckte, was er in
dem Piraten gesehen hatte: Wärme, Dunkelheit, Ironie, Verrücktheit, Rum... und
all das schmeckte soooo guuuut! Nach
„Sich-Fallenlassen“, einfach nach Jack. Wieso
fiel ihm das hier alles so leicht – wieso *versuchte* er nicht einmal,
„Widerstand“ zu leisten? Warum empfand er das alles als so normal? Er
wußte es nicht, und im Moment war es ihm vollkommen egal, er wunderte sich nur
darüber, daß ausgerechnet jetzt so eine Frage in ihm aufkeimte, wenn auch nur
schwach – er wollte nur eins: Jack Sparrow. Und
der war so nahe, so aufregend, so gefährlich, überhaupt nicht beunruhigend,
sondern einfach nur da... Jack-Sparrow-Hände,
die über seinen Po strichen, über seinen Rücken, die ihn an sich zogen, noch
näher, die diesen festen Jack-Sparrow-Körper an seinen drückten. Einen Körper,
der warm war, an dem er sich rieb und dem er das Hemd über den Kopf ziehen
wollte... aber dessen Lippen er auch nicht für eine Sekunde von seinem Mund
gelöst haben wollte... Hmmmmm. Rauhes
Stöhnen aus einem Jack-Sparrow-Mund, der sich von seinem löste, verschleierte,
dunkle Augen, halbgeschlossen, die in seine eigenen blickten, ernst und
erwartungsvoll, ein Geschenk, das direkt vor seinem Gesicht glänzte, das er
sich nur noch zu nehmen brauchte. Schnell
schob er das Hemd über Jacks Kopf, der bereitwillig die Arme hob – ein Bedauern
erfaßte ihn, als er diese Hände nicht mehr auf sich spürte – und schon trafen
sich die Lippen wieder, schlossen sich die Augen, berührten sich ihre Zungen. Seine
Hände erkundeten fremdes Terrain, als sie über Jacks Rücken hinauf zum Nacken
glitten, sich in den wirren, herrlich vielen Haaren verfingen, und plötzlich
wußte er, daß es genau das war, was er schon immer gewollt hatte, seit er ihn
zum ersten Mal gesehen hatte: in Jack Sparrows Haaren wühlen, in dieser so
verschwenderischen Fülle dunklen, so überraschend weichen Haares... Er
stöhnte erneut auf, als er eine Hand spürte, die über seine Hüfte glitt,
langsam hinunter gen Süden, in die Gegend, in der bisher nur seine eigenen und
wenige Frauenhände gewesen waren, und seine Lippen lösten sich von Jacks Mund. „Jack...“,
flüsterte er, und seine halbgeöffneten Augen sahen genau das, was sie sehen
wollten – mitten hinein in wissende, jetzt verträumte und zugleich hellwache,
alles aufsaugende Piraten-Augen. „Hmmmm.
Comminorrijimmylieb...“, murmelte Jack, nein, er sang es in einer aufregenden,
sorglosen Melodie, und er hob lächelnd den Kopf, glänzende Augen sahen ihn an,
genauso glänzend wie das entblößte Gold seiner Zähne. Auch
James mußte lächeln. „Das
ist zu schön, um wahr zu sein...“, entfuhr es ihm, und es wunderte ihn dann
doch etwas, wie einverstanden er mit allem war, was hier geschah. Daß sein
Schüttelfrost verschwunden war, daß er anscheinend wieder zu Kräften kam, nahm
er nur nebenbei wahr. Und daß es ihn so gar nicht kümmerte, welche Konsequenzen
das hier alles haben konnte... „Ah.
Norri-Schatz... wenn du nur die Augen offenhältst, die Nase in den Wind, dann
siehst du sie überall, die Schönheit der Welt. Und hören kannst du sie
natürlich auch, bloß daß Sehen viel mehr Spaß macht. Aber du weißt das, nicht
wahr? – du bist ja selbst ein Teil davon.“ War
er das? Egal.
Er faßte mit der Hand eine dicke Strähne von Jacks Haar und zog den Kopf, zu
dem dieses prächtige Haar gehörte, wieder zu sich herunter. Mehr! Mehr
Piratengeschmack, mehr Piratenwärme, mehr Piratenküsse! Und
Piratenhände! Hmmmmmm. Jaaaa...
eine Hand war gerade dabei, seine südlichen Gefilde auszukundschaften, und als
sie seine vor Erregung bereits schmerzende Härte berührte, stöhnte James wieder
auf, sich der Hand entgegenschiebend, während seine eigene über den festen,
kleinen Po des Piraten glitt, der leider noch immer in dessen Hose steckte. Das
mußte sich sofort ändern! James’
Hand umschiffte die Hüfte, tastete sich über eine ausgeprägte Beule hinauf zum
Bund der Hose und zerrte an den Knöpfen, die sich jedoch zu wehren schienen.
Ohne auf das zu achten, was der Pirat machte, schob er seinen Kopf hinunter zu
dessen flachem Bauch, um seine Zähne zu Hilfe zu nehmen, weil er seine andere
Hand nicht aus Jacks Haaren bekam. Jack
schüttelte den Kopf. „Nicht
so ungeduldig, Jimmylieb. Warte, ich...“ In
diesem Moment faßten James’ Zähne den Stoff des Hosenbundes, zerrten daran...
und der oberste Knopf sprang ab und prallte mit einem überraschenden,
klickenden Laut von der Bootswand ab, um dann irgendwo auf den Planken
auszurollen. Und als ob das einen Damm gebrochen hätte, konnte er nun, wiederum
mit den Zähnen und der einen Hand, die ihm zur Verfügung stand, den
Hosenschlitz aufziehen. Die Verbindung der Knöpfe löste sich fast von selbst,
und Jacks brennendes Verlangen sprang heraus, befreit vom Gefängnis der Hose,
und berührte James heiß im Gesicht. „Ah...
du hast meinen Enterhaken entfesselt, Norri... Jetzt muß ich dich kapern!“,
entfuhr es Jack, der fast zusammenzuckte vor Überraschung und der Erotik des
Moments, als James seinen „Enterhaken“ umfaßte, langsam daran entlangstrich und
dann seine Hand um seine Hoden schloß. „Siehst
du nicht die weiße Flagge? Worauf wartest du noch, Pirat...?“, erwiderte James
leise, und seine Stimme hörte sich kehlig an, ungeduldig, während sein heißer
Atem auf die empfindliche Haut von Jacks Unterleib hauchte. Der
Commodore hob den Kopf und sah in die erstaunten Augen, die auf ihn
hinunterblickten, und erst da wurde ihm richtig bewußt, was er gerade gesagt
hatte. ~*~*~*~*~*~*~*~ |