![]() Die kleine Alice im Wunderland
oder Warum ein einziges Wort den
Tag retten kann Ein subjektiver Bericht über Freud und
Leid eines Schreiberlings ...oder wieso wir überhaupt
schreiben, obwohl es mitunter schrecklich anstrengend, furchtbar
nervenaufreibend und überhaupt nicht lustig sein kann. Überschriften für diesen
Artikel hätte ich massig – im Gegensatz dazu habe ich immer Probleme,
passendeTitel für meine „richtigen“ Geschichten zu finden. Aber das gehört in
eine andere Sparte. Wieso fängt man eigentlich
an, Fanfiktion zu schreiben? Zuerst steht da diese Frage im Raum (Nicht, daß
ich mir diese Frage jemals gestellt hätte!), die ich bestimmt auch am Ende
dieses kleinen Artikels nicht beantwortet haben werde, aber es sollte ja
wenigstens einen Sinn ergeben, wenn man übers Schreiben schreibt,
anstatt eine sinnvolle Geschichte zu fabrizieren. Tja, es fängt wohl immer
damit an, daß man selbst gern (gewaltig untertrieben!) Geschichten liest, daß
man das ganze Internet nach immer neuen, immer aufregenderen oder auch
„perfekteren“ Geschichten durchwühlt, natürlich speziell zu seinem
Lieblingsthema, Lieblingspärchen, Lieblingsfandom etcetera. Und die Auswahl ist
schier unendlich... anfangs zumindest. Das geht eine Weile so, bis man anfängt,
ungeduldig auf Fortsetzungen oder Neuerscheinungen seiner Lieblingsautorinnen
zu warten, was auch schon für sich genommen „Nerven“ kostet. (Dies ist KEINE
Beschreibung einer Sucht!) Die nächste Stufe ist, daß
die Geschichten, die man liest, plötzlich irgendwie nicht mehr so sind, wie man
sich das vorgestellt hat – Ausnahmen sind Klassiker, die man immer wieder lesen
kann, und Geschichten von Autoren, die’s einfach regelmäßig schaffen, einen
gestandenen Fanfiktionfan (tolles Wort, oder?) zu fesseln. Nicht, daß man nicht
immer wieder Perlen findet, aber irgendwann beschleicht einen das Gefühl, es
würden immer weniger. Und gleichzeitig werden die Abstände zwischen den
Veröffentlichungen immer länger. In dieser Phase (oder schon
vorher, aber man hört ja nicht auf sich!) ertappt man sich dabei, darüber
nachzudenken, was die geliebten Charaktere noch so an Abenteuern erleben
könnten. Oder welches Pärchen sich wie finden könnte. Oder warum noch niemand
auf eine bestimmte Idee gekommen ist und diese auch umgesetzt hat... War ja
klar, daß man ohne Nachschub auf dumme Gedanken kommt, wa? Immerhin hat die
„Sucht“ (Ich weise ausdrücklich auf die Anführungsstriche hin!) einen schon
unter ihre Fittiche genommen, ohne daß man das natürlich jemals zugeben würde. Und dann ist es soweit: Die
erste Szene (oder gleich mehrere), der erste tolle (so erscheint es einem
anfangs jedenfalls. Und zwar immer.) Dialog, das erste kleine Alpdrückchen
entsteht im Hinterkopf und drückt und drückt und drückt. Und will raus. Am
besten sofort. Oder zumindest so bald wie möglich! Und dann fängt man an. Es ist ja nicht so, als
hätte ich den Plot, die Geschichte, alle Dialoge, sämtliche Szenen und
Wendungen bereits im Kopf (nur in seltenen Ausnahmefällen), bevor ich anfange.
Nee, da geht’s meist erstmal um eine einzige Szene, eine klasse Dialogzeile,
einen Satz, den man cool findet und in eine Geschichte reinstellen will. Und so
beginnt man die Geschichte nur aus dem Grund, diesen einen Satz schreiben zu
können (zumindest geht’s mir oft so, daß ich genau deswegen anfange...). Oder
darum, die eine, einmalige und unwahrscheinlich tolle Szene, die man im Kopf
hat, irgendwo einzupacken, jenen Wahnsinnsdialog „logisch“ zu machen, indem man
ihn in eine Geschichte einwebt, die natürlich genau zu ihm führt. Irgendwie,
irgendwas... und irgendwann merkt man, daß es sich „entwickelt“, wie auch immer
– mit Betonung auf „wickelt“. Und schon steckt man
mittendrin, und anstatt daß die Geschichte sich nun endlich mal von selbst
ergibt und wie geschmiert abläuft, macht sie sich selbständig – und zwar nach
ihrem Willen, nicht nach meinem. Das geht so weit, daß ich manchmal das Gefühl
habe, „hinterherzuschreiben“, während die Charaktere ihr Eigenleben führen.
Dann ist es natürlich schwer, die Figuren einzufangen und in die Handlung
einzufügen... und vor allem logisch zu bleiben, was folgerichtig dazu
führt, daß ich immer mal wieder den Anfang ändern muß, einzelne Szenen
umzuschreiben, also an den weiteren (oder vorherigen) Handlungsverlauf
„anzupassen“ habe und mir dementsprechend viele, viele Gedanken machen muß, um
das Ding in den Griff zu kriegen und ihm eine Handlung zu geben, die man
nachvollziehen kann. Nebenbei: Deswegen
veröffentliche ich auch keine angefangene Geschichte, sondern erst, wenn alles
fertig ist... Ich bewundere jeden, der so nach und nach schreibt, jeden Teil
seiner Geschichte einzeln veröffentlicht – und am Ende dann logisch und stet
bei seiner Geschichte geblieben ist. Wenn ich das könnte, würde ich mich selbst
bewundern... Also gut (oder nicht so
gut), man ist dann bereits mitten im Seufzen und Sich-Sorgenmachen um die
Geschichte, um die Charaktere... und hat manchmal keinen blassen Schimmer, wie
man da wieder herauskommen soll, ohne daß die Spannung flötengeht und vor allem
der Handlungsverlauf nicht einfach ins Leere läuft. Ich werde also am Ende von
der Geschichte dazu gezwungen, mir Gedanken zu machen... und was dabei
herauskommt, ist an manchen Tagen nur ein Wort oder eine kleine Szene (im
Kopf), und an anderen Tagen breitet sich dann alles vor einem aus wie auf einem
Silbertablett und man fragt sich, wieso man nicht schon eher draufgekommen ist.
Die meiste Zeit jedoch verbringt man damit, sich ins Gedächtnis zu rufen, was
nun die Geschichte weiterbringt... Seufz. (Hm. Hier klingt’s irgendwie nicht
mehr nach Sucht, sondern nach Verfolgungswahn, oder?) Bis hierher klingt es, als
wäre Schreiben Folter. Von einzelnen Momenten abgesehen, das kann ich
versichern, ist es das nicht! Denn da gibt es auch immer
wieder die Momente, die man um alles in der Welt nicht missen möchte. Die
Momente, die das Schreiben zum reinen Vergnügen werden lassen, die einen tragen
und in den Himmel schweben lassen, die einen einfach selig grinsend durch den
Tag begleiten, summend und lächelnd Höhenflüge erleben lassen – und für die man
am Ende dann alles andere einfach vergißt. Die Momente, die einen für alles
entschädigen und nicht nur das: die einen wirklich „erleuchten“ – so empfinde
ich das zumindest oft. Das nennt man dann wohl den Musenkuß – und glaubt mir,
dieses Mädel kann küssen (auch wenn ich zugeben muß, daß mir eine
männliche Muse lieber wäre... Aber ich will nicht meckern – das Gefühl ist
trotzdem unbeschreiblich...)! Zwischenbemerkung: Übrigens
hat sich Caro hier am Ausdruck „Momente“ gestört, weil es doch so ist, daß
Fanfiktionschreiben einfach überwiegend Spaß macht und nicht nur während
einiger „Momente“, aber ich empfinde es oft so während des Schreibens… und
Momente können ja auch andauern, sich ausdehnen und aneinanderreihen. :-) Aber
vielleicht habe ich auch ein bißchen was von einem Masochisten an mir, daß ich
das Schreiben überwiegend als vorangetriebene Pein empfinde? Nee, ich glaube,
bei allem Gefluche und Gequängele in diesem kleinen Artikel hier überwiegt doch
der Spaß. Und der kann wirklich gewaltig sein! Zwischenbemerkung – Ende. Wenn einem zum Beispiel eine
besonders schöne Metapher einfällt. Oder ein sagenhafter Vergleich (wie der mit
dem eingestaubten Theatervorhang aus Samt in „Ins Schwarze“ – Juchhu!). Oder
ein einziges Wort (Vielleicht wurde ja „Zwei Wunder“ nur geschrieben, um Spike
das Wort „Anwältchen“ sagen zu lassen? Was wäre „Mandy Piepmatz“ ohne Spikes
Mandy Piepmatz? Was wäre „Amnesien“ ohne „Mr. und Mrs. Idol“?), das ein
Charakter sagt, das einmalig ist und so typisch für diesen einen Charakter, daß
man sich bald selbst wie seine Lieblingsfigur fühlt. Eine Szene (Könnte es
sein, daß ich „Rückkehr“ nur geschrieben habe, um Spike mal auf ein Fahrrad zu
setzen? Nee, das wohl nicht, aber die gesamte Verfolgungsszene existiert nur
aus diesem einen Grund... auch wenn das wohl ein merkwürdiges Licht auf die
Autorin wirft...), die man im Kopf hat. Dann kommen die glücklichen
Momente, die mich alle anderen vergessen lassen – und die’s einfach wert sind,
daß man sich bis dahin mit Dingen herumgeschlagen hat, die einem mehr als nur
Kopfzerbrechen bereitet haben (... was für jemanden wie mich, der nicht
besonders fleißig oder gar ehrgeizig ist, eine Bombenleistung ist! Mußte mal
gesagt werden.). Oh, Mann, das ist dann wie ein Rausch, der sogar einen ganzen
Tag (oder mehrere) anhalten kann, eine Hochstimmung, die einen auf Wolke Sieben
katapultiert – und manchmal nur wegen eines einzigen Wortes. Und jeder, dem es schon
einmal so ging, wird süchtig danach. Garantiert. Das ist der Grund, warum man
immer wieder neue Geschichten anfängt, sich durcharbeitet, sich seinen Kopf
zerbricht, seine natürliche Faulheit unter Qualen überwindet und am Ende dann
sagt: Ja, das war’s wert. :-) Zwischenbemerkung: Wiederum
Caro hat hier bemerkt, daß es ja nicht sein kann, daß Schreiben bei mir so
anstrengend sein soll. Naja, so ist es wohl nicht, aber es hat schon etwas
Anstrengendes, wenn es über Wochen nur um diese Geschichte geht, die man
*perfekt* beenden möchte. Trotzdem möchte ich nicht, daß es so rüberkommt, daß
Schreiben an sich einfach nur schrecklich ist oder Arbeit macht. Immerhin gibt
es ein Wohlgefühl dabei, das man kaum mit Worten beschreiben kann, eine Art
Befriedigung, die einem Sicherheit gibt und einen stolz macht auf das, was man
damit geschaffen hat – und ein Schaffensprozeß ist Schreiben wirklich. Und ein
aufregender dazu… der aber bei aller Freude eben auch schrecklich anstrengend
sein kann, wenn man sein strengster Kritiker ist. *g* Zwischenbemerkung – Ende. Dann gibt es aber noch
Lorbeeren anderer Art, die einem weiterhelfen. Die Resonanz der Leser, kleine
und große Beifallsmitteilungen, die man sammelt wie Schätze und sich hervorholt
wie Schokolade, wenn man mal nicht gut drauf ist. Meine Güte, das ist soooo
klasse, wenn dir jemand schreibt, er hätte nach dem Lesen deiner Geschichte den
ganzen Tag gegrinst oder auch, wenn dir jemand in nur einem Wort mitteilt, was
er von deinen Ergüssen hält, da kann ein einfaches „geil“ schon Wunder bewirken
für die nächste Geschichte. Und für die Autorin allemal! Anerkennung ist der schönste
„Lohn“ für eine Geschichte – außer der eigenen Zufriedenheit natürlich (aber
ich bin, wie gesagt, meine schlimmste Kritikerin). Und der beste Antrieb zum
Weitermachen... außer der Muse natürlich. An dieser Stelle also noch
ein General-Dankeschön an alle Feedbackschreiber. Leute, ihr könnt euch nicht
vorstellen, was das für Freude macht, wenn man so eine Mail erhält oder einen
Kommentar! So, wie war noch gleich die
Frage vom Anfang? Warum man Fanfiktion schreibt? Hm. Beim Fanfiktionschreiben
hat man ein Bild vom Charakter, über den man schreibt, man kennt die
Hintergründe und die Fakten, den Werdegang und die alltäglichen Dinge, die ihn
umgeben und beschäftigen. Und genau das ist es eben, was einen zum Fan macht –
und daß diese Geschichten niemals enden, eingeflochten in eine große
Geschichte, die etwas Besonderes ist. Eine konkrete Antwort – die
eine, die’s ist! – auf die Frage werde ich wohl nie geben können… Hm. Ich
glaube, ich habe die Übersicht verloren in all dem Antwortenwirrwarr – wenn
darin das Wort „Antwort“ überhaupt vorkommen sollte. Dann reduziere ich das mal
eben auf eine kleine Zusammenfassung, denn Formeln gibt’s dafür nicht: Spaß am
Selbermachen, Musenküsse und Freude an der Sprache, der Druck der Charaktere
und der Geschichten, die einfach rauswollen... und am Ende dann die Belohnung
in Form von Zufriedenheit, (manchmal) Feedback (zumindest die Hoffnung
darauf... Ich sehe jedes Feedback als unverhofftes Geschenk.) und... einfach
nur Spaß, Freude, Hochgefühle. Dazwischen vereinzelt (Äh. Sind wir jetzt beim
Wetterbericht?) Alpträume, Streßmomente (Warum tust du dir das bloß an?!) und
schreckliche Zweifel – die sich aber am Ende alle in Wohlgefallen auflösen.
Meistens zumindest. Und dann fühlt man sich einfach wunderbar… und nimmt
Abschied von der Geschichte, von den Abenteuern, die man mit „seinen“
Charakteren durchlebt hat, von den Höhenflügen zwischendurch – und fast ist man
traurig, wenn man eine Geschichte zu Ende geschrieben hat. Man wird sie
vermissen… aber die nächste wartet ja vielleicht schon. Irgendwo im
Hinterstübchen, irgendwie, irgendwas. Alles löst sich eben in Wohlgefallen auf. Wie dieser kleine Aufsatz
hier. ~*~*~*~*~*~*~*~ |