Warum Slash?

von Kati

 

Gute Frage. Warum nicht? Auch keine verkehrte Frage.

Zu diesem kleinen Beitrag hat mich die Diskussion in einem Forum inspiriert – und die sich daraus ergebende Diskussion, die ich mit Aylith-Anise und Caro darüber geführt habe, der auch einiges im folgenden Text entnommen wurde.

Ich muß vorausschicken, daß ich nicht vorhabe (und wahrscheinlich auch nicht in der Lage dazu bin...), das hier wissenschaftlich-objektiv anzugehen. Das Gegenteil wird der Fall sein, aber ich denke, daß es vielleicht auch einen gewissen Reiz hat, etwas aus einer subjektiven Sicht heraus zu beschreiben, die vielleicht dann doch wieder nicht so subjektiv ist.

Die meisten von uns Slashleserinnen (Ich nehme mir mal einfach die Frechheit heraus, davon auszugehen, daß die meisten weiblich sind... werde aber gerne auch eines Besseren belehrt und freue mich über jede Reaktion!) sind reine Konsumentinnen. Wir „konsumieren“ Slash wie anderes – und die meisten von uns hinterfragen wahrscheinlich gar nicht (oder nur am Rande), wieso das so ist (was ich okay finde!). Irgendwann stellte ich fest, daß sich meine Fanfic-Lesegewohnheiten einfach entwickelt (oder einfach nur verändert) hatten und ich plötzlich und unerwartet Slash mochte, wobei ich dazu noch entdeckte, daß mich f/f Slash so gut wie nicht interessiert, sondern ausschließlich der m/m Slash. Das liegt wohl auch daran, daß ich nicht bi bin.

Meine Theorie ist ganz einfach: Zwei gutaussehende, gutgebaute Kerle im Bett ohne gutaussehende weibliche Konkurrenz sind besser als nur ein Kerl. (Na gut, die These ist nicht direkt von mir, aber als ich sie einmal irgendwo las, fiel bei mir der Groschen: Das isses!) Und auf eine unbekümmerte Weise genügt mir diese Erklärung voll und ganz, aber dann wäre ja dieser kleine Artikel hier schon zu Ende.

Blicken wir also mal über den Tellerrand (oder den des Bettes...*g*) und gucken mal, was es weiter dazu zu sagen gibt.

Wir übernehmen beim Slash eine Beobachterrolle. Und die übernehmen wir freiwillig und sehr gerne – was übrigens wunderbar und ganz direkt in firesignwriters Jjail-Fic zum Ausdruck kommt. Die Tochter dieses Unterwelt-„Gouvernors“ – Alondra – die will doch, weil sie so ein böses Mädchen ist (wieso ist das böse, wenn man das machen will, was Männer schon immer so gerne taten?), gerne mal bei den beiden (Norrington und Sparrow *g*) zugucken – wofür die dann „üben“. Das ist dann Slash im Slash – und genauso, wie ich das empfinde. (Bemerkung von Caro: Und witzig Und Heeeeeiß.)

Und ist es nicht auch so, was diese eine Frau in dem Forum „emo-porn“ nennt, daß dann Szenen viel, viel emotionaler sind als sie’s wären, wenn sie für einen Mann/von einem Mann geschrieben wären?

Wir „beobachten“ vielleicht auch viel lieber, wenn man das vergleichen kann, diese kleinen, zärtlichen Dinge, Gesten, Blicke, kleine, versteckte Anspielungen... diese „Nebenbei“-Szenen, die Nebensätze, humorvolles, selbstironisches Bettgeflüster – all das läßt mich dann eher dahinschmelzen oder für eine Geschichte einnehmen als die wildesten Sexszenen. Und ich denke, das ist typisch weiblich. – Überhaupt eine dicke Portion Humor dabei! (Womit ich nicht unterstellen möchte, Männer hätten keinen Humor, aber vielleicht nehmen die das Ganze auch etwas ernster als Frauen? *g*) Das macht übrigens dann Charaktere wie Spike oder Jack Sparrow so unwiderstehlich für Slash, denke ich. Nicht nur, daß die so klasse aussehen, sondern daß sie auch ungeheures Humor-Potential haben...*g*

 

Angeblich soll es sich bei den Slashkonsumenten (weiß jemand ein anderes Wort dafür? Vorschlag von Caro: ObsessedSlashyFangirls. Mal sehen, ob uns noch was anderes einfällt, obwohl das hier schon ganz gut paßt...) um überwiegend weiße Mädels aus der Mittelschicht handeln, was ich merkwürdig finde... Gibt es kein schwarzes Slash-Fandom? Hm. Aber das nur nebenbei.

Ich denke, der Hauptgrund für die Vorliebe – und das passende Angebot dazu – liegt wohl darin, daß die meisten Fanfic-Produzenten und Fanfic-Konsumenten weiblich sind. (Darüber könnte man wohl auch eine Abhandlung schreiben...) Ich mag auch sehr gerne Hetero-Geschichten, natürlich, wenn sie gut geschrieben sind – was die Voraussetzung für jede Geschichte ist, die man gerne liest.

Als ich Fanfiction für mich entdeckte, habe ich zuerst ausschließlich Buffy/Spike gelesen – bis zum Umfallen – (und damals war das noch eines der „undenkbaren“ Paare), und eigentlich hat sich daran kaum etwas geändert. Ich mag mein Lieblingspärchen auch heute noch sehr, weil die beiden eine wunderbare Chemie rüberbringen.

Es ist nur noch etwas hinzugekommen: Slash.

Es hat seinen Reiz, wenn man die Interaktion zweier männlicher Charaktere unter die Lupe nimmt bis hinein ins... Bett. Ich kann nicht behaupten, daß mich da überwiegend diese Männerfreundschafts-Sache interessieren würde, sondern eher die Beziehung zweier Charaktere, die ich mag (untertrieben...*g*) zueinander, die dann auch gerne in Sex oder mehr als das – Zuneigung oder Liebe oder was auch immer – ausarten kann.

Wie die beiden sich zueinander verhalten und miteinander umgehen, wenn dieses Einanderfinden, das Entdecken der unerwarteten Liebe vorbei ist und die Fronten geklärt sind, finde ich äußerst spannend. Natürlich, solange man Männerfreundschaft nicht mit Fußball und Biertrinken gleichsetzt, sondern es um die in einem Forum beschriebene Sache mit dem „letting guards down“ geht, die bei Männern anscheinend komplizierter ist als bei Frauen. Vielleicht liegt diese Angst, sich preiszugeben, auch daran, daß Männer wohl schnell zu Schwuchteln abgestempelt werden und das aus einem männlichen Mann einen weniger männlichen Mann macht – in den Augen der Gesellschaft.

Das Typische bei mir (und nicht nur bei mir!) und Slash ist, daß die Männer, die in den Fanfictions „geslasht“ werden, für mich nicht in der Kategorie Schwule landen, sondern sie selbst bleiben, egal, welche sexuellen Praktiken sie ausführen. Sie bleiben attraktiv –  auch für mich als Frau.

Romantische Liebe ist ja sicher etwas, was wir wohl alle mögen, mehr oder

weniger – aber das Gemisch mit Freundschaft ist dann viel, viel interessanter. Bei guten Erzählungen kommt es dann nicht drauf an, ob es hier um m/m geht oder um

hetero. Ich denke aber, m/m-Slash resultiert einfach aus der Tatsache, daß wir hetero sind und uns einfach mehr für Männer interessieren als für Frauen. Und wir sind ja auch meist Fans der männlichen Charaktere (der Serien/Filme), während die Mädels darin, mehr oder weniger (Ausnahmen bestätigen die Regel, zum Beispiel bei BtVS!) Beiwerk in unseren Lieblingsserien oder –filmen sind.

Im Grunde interessiert uns ja dann auch die „normale“ Männerfreundschaft (mit Fußball, Biertrinken etc.) nur am „Rande“, während uns die Beziehung (egal, wie man die nun nennt – Liebe/Freundschaft... wahrscheinlich ein Gemisch aus allem, und genau das haben die Leute in einem Forum auch schön auf den Punkt gebracht: Warum muß das unbedingt getrennt werden?), die sich entwickelt, einfach brennend interessiert. Und ist es nicht so, daß diese „Männersachen“ dann einfach zwangsläufig dazugehören, wenn sich zwei Männer finden und lieben, gerade weil ja keine Frau dazwischenfunkt? *g* Ausgerechnet das macht ja die wunderschöne Geschichte „We are not gay. We are just friends. Who have sex“ so zauberhaft. Dort spielt das ganze Männerzeugs auch keine große Rolle… wobei ich anmerken muß: Es ist ja auch von einer Frau geschrieben. J

Wenn man mal im Urlaub im Hotel den Fernseher einschaltet, landet man irgendwann auf einem Pornokanal (unisono-Kommentar sowohl von Aylith-Anise als auch von Caro: Wohin *du* aber auch in Urlaub fährst...*g*). Immer. Garantiert. Dort werden, zum Anheizen, kleine Filmchen eingespielt, die irgendwann abbrechen, wenn man dann zu seiner Kreditkarte greifen soll. Das nur als Nebensache – worauf ich hinaus will, ist, daß dort oft – sehr oft! – die Sexspielchen von zwei Mädels gezeigt werden. Slash für Männer, würde ich das nennen. (Bemerkung dazu von Aylith-Anise: „Altbekannt. Jeder Mann findet zwei ‚Lesben’ in Action scharf.“)

Da ja die meisten Pornos für Männer produziert werden (ich wüßte nicht, daß überhaupt welche für Frauen gemacht würden... oder zumindest habe ich mich nie dafür interessiert. (Allerdings haben mich Caro und Aylith-Anise eines besseren belehrt: Es gibt sie: Pseudo-Pornos. *g*), habe ich mal so drüber nachgedacht, ob es nicht auch bei den Männern so ist, daß, wenn sie nur zugucken, also unbeteiligte Zuschauer oder Beobachter sind (so wie wir bei Buffy, Fluch etc.) dann nicht auch gerne darauf verzichten, Männer zu sehen, zumal nackte Männer, also gerne auf ihr eigenes Geschlecht verzichten und sich einfach lieber auf die Frauen konzentrieren: Das andere Geschlecht. Diese Vorliebe haben sich doch die Produzenten der Pornos zunutzegemacht und machen dann f/f-Filme, die anscheinend bei ihrer männlichen Klientel gut ankommen.

Mir ist also der Gedanke gekommen (Hört, hört! Kati denkt! *g*), daß wir Mädels ja genauso (oder ähnlich) veranlagt sein könnten (bloß, daß das noch niemanden interessiert hat, zumindest bisher oder ich mal wieder davon nichts mitbekommen habe.). Ich gehe hier natürlich von den Heteros aus, weil ich für andere nicht sprechen kann. Bloß eben mit dem Unterschied, daß wir dann keine „fremden“ Männer sehen wollen, sondern solche, die wir mögen, die uns „vertraut“ sind durch die Charaktere, die sie in den Serien/Filmen darstellen.

Das sind dann keine Pornos für uns (auch, wenn man sie eventuell so nennen könnte), sondern eben Slash, was von außen gesehen vielleicht auf dasselbe hinausläuft. Vielleicht sehen  ja auch mehr Frauen als man denkt für Schwule produzierte Pornos – wer weiß? Würde mich aber nicht so interessieren, weil es dort wohl – vermute ich – nur auf die Fleischbeschau hinausläuft und nicht auf die Charaktere, die uns Mädels ja anscheinend noch zusätzlich interessieren, außer den Körpern natürlich. J

Vielleicht wollen wir die Jungs, die’s da treiben, einfach kennen und mögen, mitsamt Fehlern, Schwächen und Macken... und noch zusätzlich ein Universum, Geschichten erzählt bekommen und genießen...*g*

Während wir (Ich spreche da eher für mich und lasse mich auch  gerne eines besseren oder anderen belehren...) die Pornos für Männer einfach primitiv und blöd finden, gefällt uns eine Slash-Fanfiction viel besser, obwohl ja im Grunde dasselbe darin passiert. Nur eben mit Handlung und bekannten Charakteren. Selbst wenn es PWP ist, gibt es doch immer ein Vorher der Charaktere, ein Hinterher und wir kennen die Handelnden so gut, daß wir uns mit ihnen identifizieren können. Was für mich ein Beweis dafür ist, daß Slash KEIN Porno ist. *g*

Slash sind erotische Geschichten, die uns erzählt werden.

Wir erschaffen und erweitern uns die Serien-Welt (oder verändern sie...) so wie wir sie gerne hätten, indem wir Fanfics produzieren – und das Internet hat ja eine ganze Fanfic-Industrie hervorgebracht und dieses „Phänomen“ Slash gleich mit, was wiederum, wie gesagt, wohl hauptsächlich von Mädels gemacht wird.

Und nochmal: Ich empfinde Slash ganz und gar nicht als schwul. Das ist etwas anderes – für mich sind die geslashten Jungs einfach „normale“ Typen, die aber nicht generell vom anderen Ufer sind, sondern es eben nur in dieser Fanfic-Geschichte miteinander treiben, in meiner Fantasie oder eben im Kopf der Autorin, die das geschrieben hat. Ansonsten haben die überhaupt keine schwulen Attitüden oder Neigungen, sondern sind – für mich – absolut männlich und hetero. (Bemerkung von Aylith-Anise: „Wobei gay männlich nicht ausschließt, Kati.“ Antwort: Klar, aber gay ist dann nicht mehr relevant für die Mädels, weil ein Schwuler keinerlei Interesse an einer Frau hat – an uns also – und damit für den Teil der Welt verloren ist, der weiblich ist...)

Und ich finde überhaupt nicht, daß sich das widerspricht. *g*

Vielleicht ist es auch nur ein Zeichen dafür, wie sich Klischees von „männlich“ und „weiblich“ aufzulösen beginnen, sagt Caro. Und ich antworte: Oder dafür, daß wir Mädels einfach unseren Geschmack daran entdecken, Männern zuzugucken – überhaupt zuzugucken, Voyeure zu sein...

Warum dann Slash oft so eigenartig aufgenommen wird, ist mir irgendwie auch (ich nehm’s an *g*) klar – das ist einfach ein „Schmuddelthema“, weil Porno in unserer Gesellschaft zwielichtig ist, zum Rotlichtmilieu gehört, zu „anderen“ – aber nicht zu den „normalen“ Menschen, die auf sich halten. Das betrifft auch Leute, die ansonsten überhaupt nicht spießig sind oder gar prüde – es ist wohl einfach nur so negativ belegt, daß es den meisten lieber ist, mit allen anderen die Nase darüber zu rümpfen, als sich vielleicht mal damit zu beschäftigen. Ich merke das ja auch an mir selbst – nicht, weil ich auch Slash schreibe, sondern weil nicht nur „Porno“, sondern eben auch alles, was Fansein betrifft – und damit auch Fanfiction – mit einem Ruf behaftet ist, der nicht eben schmeichelhaft ist, auch wenn das nur so von Vorurteilen strotzt. (Bemerkung von Caro dazu: Ob das an dem „Fic“, das wie „Fick“ klingt, liegt...?! Mein Kommentar: *g*)

Wenn man (ich...*g*) das „offen“ zugeben würde, wäre man (ich...*g*) gezwungen, ewig zu erklären, zu argumentieren und müßte Blicke oder Naserümpfen aushalten, und dazu bin ich irgendwie nicht bereit, weshalb eben in meinem realen Leben niemand weiß, was ich im Internet so mache, daß ich schreibe oder sonstwelche Hobbies habe, die etwas anders sind. (Vielleicht sind sie ja gar nicht so anders, weil es alle anderen auch machen. Bloß dann heimlich wie Kati. *g*)

Vielleicht ist es meine natürliche Faulheit, die mich das alles „heimlich“ tun läßt, vielleicht auch gemischt mit einer gewissen Scheu, worüber man vielleicht noch einen weiteren Essay verfassen könnte...*g*

Vielleicht will ich aber die Zeit, die ich dann mit Diskussionen und Argumentieren „verschwenden“ würde, einfach mit Slashlesen verbringen? Ich muß zugeben, daß ich es wohl einfach nur „bequem“ finde, Geheimnisse zu haben, und manchmal kann es auch überaus amüsant sein. *g*

Hoppla... jetzt habe ich den Slash aus den Augen verloren und bin bei Fanfiction allgemein gelandet. Hm. Ich denke, es ist wohl alles soweit gesagt. Falls jemand noch andere Argumente hat, dann würde ich mich freuen, wenn er/sie es mich wissen läßt.

Es könnte sein, daß ich von Zeit zu Zeit noch hier oder dort etwas ergänze, aber eigentlich ist das erstmal alles, was ich unwissenschaftlich dazu zu sagen habe.

Ach ja – und es macht Spaß!

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