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Ich weiß nicht, warum ich hier bin. Hier, im Dunkel dieses Treppenhauses, in den Schatten. Die Schatten der Nacht, der Vergangenheit, meines Herzens. Und sie alle verschmelzen zu einem Meer aus undurchdringlichem Schwarz. Sie umgeben mich, umhüllen mich, bieten mir Schutz. Seit zweihundertfünfzig Jahren. Ich weiß nicht, warum ich noch immer hier bin, in dieser Welt. Prophezeiungen, Apokalypse. Reue. Buße. Gutes tun. Und so fort... Zumindest in den letzten hundert Jahren. Aber etwas hat sich verändert. Seit Darla von den Toten auferstanden ist. Ich... ich... Ich weiß nicht, warum ich mich plötzlich wieder fühle wie ein Raubtier, das auf seine Beute wartet. Still. Lauernd. Zum Sprung bereit. Durstig. Es muss damit zu tun haben, dass sie mich bis in meine Träume verfolgt hat. Ist es die Sehnsucht nach damals? Europa... Müsste ich nicht geschockt sein? Ich bin es nicht. Ich weiß nicht, warum ich deswegen kein bisschen Schuld empfinde. Was mich wiederum quält. Und dennoch kann ich es nicht abschalten. Nachdenken. Grübeln. Selbstvorwürfe. Zweifel. Das ist mir geblieben. Auch wenn es mich nicht mehr kümmert, ob da draußen Menschen sterben. Mein Kopf ist voll Darla und gleichzeitig leer. Ich weiß nicht, warum sie mir das angetan hat. Warum sie mich gezwungen hat, sie noch einmal zu töten. Und allein zurückzubleiben. Selbst wenn ich Cordy, Wes und Gunn nicht entlassen hätte, wäre ich jetzt allein. Sie könnten nicht verstehen, was mit mir los ist. Wie auch? Ich weiß nicht einmal selbst, was mit mir geschehen ist. Eines steht jedoch fest: Ich bin nicht mehr Angel und doch weiter entfernt von Angelus als jemals zuvor. Bin nicht mal eine Mischung aus beiden. Ich glaube, ich habe jeden Halt verloren. Wenn ich nur wüsste, wohin ich drifte. Es fühlt sich an wie pure Einsamkeit in meinem Inneren. Gott. Bin ich so tief gesunken, dass ich hier nach Antworten suche? Ausgerechnet HIER! Ich kann es noch immer nicht fassen, aber genauso wenig bin ich fähig, mich von der Stelle zu rühren. Nicht wegen der Verletzungen. Oder der Schmerzen. Schließlich habe ich es von der brennenden Lagerhalle – Ruhe in Frieden, Darla! – bis hierher geschafft. Es ist wohl mehr der seelische Schmerz - Verdammte Seele! - dem ich es zu verdanken habe, dass ich hier bin und warte. Er lässt mir eindeutig zu viel Zeit zum Nachdenken. Ich trete auf der Stelle, weil ich nicht weiß, was es bringen soll, ihn zu treffen. Ob ich es wissen werde, wenn er da ist? Ist es ihretwegen? Vielleicht kann ich sie riechen - an ihm. Vielleicht kann ich sie spüren - durch ihn. Vielleicht kann ich sie sehen - in seinen Augen. Vielleicht kann ich sie schmecken - auf seiner Haut. Vielleicht kann ich einen letzten Hauch von ihr kosten - durch sein Blut. Wenn er mich lässt... *ping* Der Aufzug. Ich spähe um die Ecke, als die Türen sich öffnen und er aussteigt. Ich finde, er sieht müde aus, auch wenn ich sein Gesicht nicht richtig erkennen kann. Sein Kopf ist gesenkt und er schleicht den Gang mit hängenden Schultern entlang. Plötzlich bleibt er stehen und... Ich blinzle. Er schließt seine Augen und... Wie soll ich sagen? Es hat den Anschein, als ob er seine Sinne konzentriert und zwar sehr angestrengt. Ohoh. Ich gleite in die Schatten zurück. Lehne mich dicht an die Wand und bin froh, keinen Herzschlag zu haben, der mich eventuell verraten könnte. Aber bin ich nicht genau deswegen hier?, frage ich mich und seufze tief. Das war wohl ein Fehler, denn ich kann seine Schritte hören. Und sie kommen näher... Für einen kurzen Moment spiele ich mit dem Gedanken, zu verschwinden. Meine Augen sind schon auf die Treppe fixiert. Wenn ich mich nur von der Stelle bewegen könnte! Dann steht er vor mir, sieht mich überrascht und voller Verachtung an. Gott. Er ist einen halben Kopf kleiner als ich und trotzdem bringt er es fertig, auf mich herabzusehen! „Angel!“ Er spricht meinen Namen aus, als ob er mich hassen würde. Ah, richtig. Tut er ja auch. Ich schaffe es nicht, ihm zu antworten und nicke nur. „Angel?“ Er wiederholt sich. Aber dieses Mal klingt es mehr nach: Was machst Du verdammt noch mal hier? Ich zucke die Schulter. Und stöhne leise wegen der Schmerzen, die abrupt aufflammen. Meine Verletzungen heilen in letzter Zeit nicht besonders gut. Oder schnell. Oder nehme ich sie so bewusst wahr, weil ich keine Ablenkung habe? Ich sollte mich einfach umdrehen und gehen. Zurück in mein leeres Hotel. Meine Wunden lecken - oder etwas in der Art und vielleicht... ein bisschen Grübeln. Jedenfalls sollte ich nicht hier sein und mich von ihm anstarren lassen, bis ich meinen Blick abwenden muss. Ich! Scheu! Ekelhaft! Wenn Spike mich so sehen könnte, er würde auf mich spucken. Er würde mich auslachen. Und er hätte - zur Hölle - Recht. Nicht, dass er mich je respektiert hätte. Aber ER hier schon. Irgendwie... Zumindest hat er Angst vor mir, weil er genau weiß, wozu ich fähig bin. Da weiß er übrigens weit mehr als ich im Moment. Komischerweise kann ich keine Angst an ihm riechen. Wahrscheinlich sehe ich nicht gerade zum Fürchten aus, wie ich hier an der Wand lehne, zusammengesunken. – Aber er hasst mich... „Angel...“ Ja doch! Ich weiß, wie ich heiße, denke ich gereizt und registriere nur gaaanz am Rande, wie weich seine Stimme plötzlich klingt. Ich bin genervt. Über mich selbst, weil ich mir diese Blöße gebe. Vor ihm. Ausgerechnet! Aber vor allem seinetwegen. Das hat er schon immer perfekt drauf gehabt. Mich zur Weißglut bringen. Mit seiner Trotzhaltung mir gegenüber. Mit seiner Uneinsichtigkeit. Mit seinem ewigen Hin und Her, weil er sich nicht entscheiden kann, auf welcher Seite er stehen will. Vielleicht ärgert es mich auch nur, weil er sich partout nicht von mir retten lassen will... Niemand widersteht mir! Niemand. Ich straffe meine Schultern und stelle mich gerade hin. Was mich einiges an Kraft kostet. Aber so muss er wenigstens zu mir hochsehen. Ha! Seine Augen sind so blau. So strahlend. So intensiv. – So verwirrend… Und ich sacke sofort wieder in mich zusammen. Was ist nur mit mir los? Und was ist mit ihm? „Angel!“ Er schreit meinen Namen förmlich heraus. Wie eine Warnung: Pass auf! Und gleichzeitig springt er vorwärts und fängt mich auf, weil meine Beine mich nicht mehr tragen wollen. Er legt seinen Arm um meine Taille, meinen Arm um seine Schultern und hält meine Hand fest. So nah war er mir noch nie. Ich kann sein Herz hören. Und ich kann es fühlen. Es pocht hart und schnell gegen meine Brust. Musik in den Ohren eines Vampirs. In meinen Ohren. Aber es schlägt nicht so heftig, weil er Angst vor mir hat - so dicht neben mir. Oder er ist ein verdammt guter Schauspieler. Ich kann jedenfalls nach wie vor keine Angst an ihm riechen. Ich denke, es ist die Anstrengung, die seinen Puls rasen lässt. Ich bin wohl zu schwer für ihn... Was bezweckt er? Ich meine nicht das Offensichtliche. Ich habe schließlich oft genug bei anderen dasselbe getan, um genau zu wissen, dass er mich stützt, damit ich nicht zu Boden sinke. Und weiter? „Lindsey...“ Habe ich das eben laut gesagt? Ja. Damnit! Aber es hat bestimmt nur in meinen eigenen Ohren so flehend geklungen. Oder? Nein. So wie er mich ansieht, nicht. Wie peinlich. Ist das Mitleid, was da in seinen Augen aufglimmt? Sollte er mich nicht pfählen? Schließlich habe ich Darla verbrannt. Ihre Asche ist wahrscheinlich noch nicht ganz kalt. Vielleicht weiß er es aber auch noch gar nicht... Trotzdem. Da ist immer noch die Sache mit seiner Hand. Er sieht doch, wie geschwächt ich bin und müsste längst einen Pflock zücken. Ah! Er lässt meine Hand los und gräbt in seiner Jackentasche herum. Mein Körper verspannt sich automatisch. Nicht, dass ich Angst hätte. Ich mache mich nur kampfbereit. Auf alles gefasst. Er hat Mühe, mich mit sich zu ziehen. Zumindest meinen Geist, meine Füße folgen ihm ganz von selbst. Was hat er vor? Metallisches Klappern verrät es mir. Er will mich mit in seine Wohnung nehmen. Ich kann es nicht glauben, bis er aufschließt und mich offenbar einlädt, denn er zerrt mich ohne Widerstand über die Schwelle. Er sieht sich einen Moment lang unschlüssig um, bevor er weitergeht und mich mitschleift. Den Flur entlang, in Richtung einer Tür, hinter der sich sein Schlafzimmer befindet. Ich bin schockiert. Er nicht. Ich weiß nicht, was genau er ist. Irgendwie nichts. Cool? Unbekümmert? Lindsey eben. Während er mich wie selbstverständlich durchs Zimmer führt. Als er stehenbleibt, schlingt er seinen anderen Arm auch noch um mich und dreht mich mit dem Rücken zum Bett. Umständlich, weil ich nicht wirklich kooperiere. Ich höre plötzlich seine Stimme in meinem Kopf: „Komm rein, Angel.“ Und wundere mich darüber, dass das so verzögert geschieht. Wir sind doch längst nicht mehr an der Wohnungstür... Ich sehe ihn an und mein Blick ist wohl ein einziges Fragezeichen. Seine Augen weichen mir aus und er will einen Schritt zurücktreten. Aber ich habe meinen Arm noch immer um ihn geschlungen und halte ihn mit Leichtigkeit fest. Ich weiß nicht einmal, warum. Handle einfach, ohne zu überlegen. Wie in Trance. Er auch, übrigens. Doch er fängt sich rasch wieder - noch vor mir - und legt seine Hand auf meine Schulter. Drückt mich sanft hinunter und hilft mir, mich zu setzen. Dann schiebt er mich weiter, damit ich mich hinlege. „Liebevoll“ fällt mir spontan dazu ein. Und ich kann es schon wieder nicht glauben. Was ist nur in ihn gefahren? Vielleicht macht er das auch nur, weil er denkt, er könnte sich so meinem Griff entwinden. Doch ich ziehe ihn mit einem Ruck zu mir, sodass er keine Chance hat, zu entkommen. Und ich lasse ihm keine Zeit, zu realisieren, was ich vorhabe, geschweige denn, etwas dagegen zu unternehmen. Stattdessen landet er mit einem erschrockenen Keuchen auf mir. Doch kaum, dass seine Brust auf meine prallt, versucht er, sein Gewicht von mir zu nehmen und stützt sich auf seinen gesunden Arm. Wieso gefällt mir das nicht? Ich sehe zu ihm hoch, um nach einer Antwort zu forschen. Unsere Blicke treffen sich und seine Augen sind wie Spiegel. Ich kann darin meine eigene Verwirrtheit erkennen. Falscher Stolz, der mich am liebsten aufspringen und wegrennen lassen würde. Und Sturheit. Trotzdem genau HIER sein zu wollen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, er kann es auch sehen. Er weicht noch ein bisschen mehr zurück und meiner Kehle entfleucht ein unwilliges Grummeln. Was passiert mit mir? Sehne ich mich etwa nach ihm? Nach Lindsey McDonald? Ich horche, ich lausche angestrengt in mich hinein. Sollte sich nicht alles in mir sträuben? Mein Körper teilt mir jedoch das Gegenteil mit und noch bevor ich mich bewusst entscheiden kann - ich weiß nicht mal, wofür oder wogegen -, ist meine Hand in seinem Nacken. Er wehrt sich nicht. Hat er etwa darauf gewartet, dass ich den ersten Schritt mache? Und wohin überhaupt? In welche Richtung? Und warum? Ich erinnere mich dunkel, irgendetwas gesucht zu haben. Und als seine Lippen auf meine treffen, beginne ich, es ganz allmählich zu finden. Seine Zunge, samtig, weich und warm - so warm - in meinem Mund, teilt mir mit, wie einsam er ist. Und ich verstehe, wie sehr er sich nach Nähe sehnt. Seine Hand, die sich zögernd meinen Arm hinaufbewegt, sagt mir, dass da noch immer ein Funke Gegenwehr in ihm glimmt. Und ich begreife, wie ähnlich wir uns sind. Seine Muskeln, die sich nach und nach entspannen, während ich über seinen Rücken streichle, berichten mir, dass er akzeptiert. Und ich erkenne, dass er Trost nötig hat. Noch weiß ich nicht, warum, aber meine Neugier ist geweckt. Und mein Verlangen, ihm zu geben, was er braucht. Mein erstes deutliches Gefühl in den vergangenen Tagen. Ich kann es klar definieren, weil es sich von all diesen merkwürdigen Impulsen unterscheidet, die mich letztendlich dazu getrieben haben, meinen Leuten zu kündigen. Anders hätte ich sie nicht von mir fernhalten können. Ich mag sie einfach zu sehr, um sie bewusst einer Gefahr auszusetzen. Vor allem, wenn ich selbst diese Gefahr bin. Jetzt sind sie vor mir sicher. Vor meiner Unberechenbarkeit, die sogar für mich neu ist. Ich stutze. Muss ich mir Sorgen um Lindsey machen? Nein. Ich spüre nach wie vor diesen Drang, für ihn da zu sein und ihn zu halten. Unerklärlich, aber jetzt ist wohl die Zeit zum Nachdenken endgültig vorbei, schätze ich. Schließlich will ich das Gleiche von ihm. Um ihm das zu verstehen zu geben - nur für den vagen Fall, dass er es noch nicht wissen sollte -, drücke ich ihn fester an mich. Er löst seinen Mund von mir und in meiner Kehle bildet sich reflexartig ein Ton des Protests. Als ich bemerke, dass er lediglich keine Luft mehr bekommen hat, ist es bereits zu spät, um ihn noch zurückhalten zu können. Ich kann sein Lächeln hören. Das mag vielleicht komisch klingen, aber die Sinne von Vampiren funktionieren ein bisschen anders als die der Menschen. Sekunden danach streift sein Atem meine Wange und dann ist sein Mund erneut auf meinem. Seine Zunge gleitet über meine Unterlippe und fordert sanft Einlass. Ich komme ihm entgegen und versinke in seinem Mund. Vertiefe den Kuss, noch bevor er richtig begonnen hat. Sein Herz pocht schneller gegen meine Brust und meine linke Hand auf seinem Schulterblatt. Meine Rechte knetet seinen Nacken, mein Daumen streichelt über den Puls an seinem Hals. Sein Blut rauscht laut in meinen Ohren und entfacht mein Verlangen. Ich kann nicht anders, als mich mit ihm zusammen herumzurollen, um ihn unter mir zu begraben. Kein Gedanke an meinen Fluch. Dies ist definitiv kein Moment höchsten Glücks und es wird auch sicher keiner werden. Hier geht es darum, nicht allein zu sein. Und um Trost und Nähe. Ja. Und um Sex. Läuft es nicht immer darauf hinaus? Gut. Bei mir nicht, im Normalfall... Doch was ist dieser Tage noch normal? Ich wundere mich jedenfalls über nichts mehr. Wer hätte gedacht, dass ich Darla ein zweites Mal töten müßte? Oder, dass Lindsey innerhalb eines Wimpernschlags seine Wohnung wechselt, weil er so dumm war, mich einst in seine alte hineinzubitten? Und keine 24 Stunden später begeht er den gleichen Fehler wieder. Warum? Um seinen Schutz „vor mir“ einzutauschen gegen - ich weiß nicht – „meinen“ Schutz? Wir küssen uns übrigens noch immer, weshalb sein Seufzen in meinem Mund untergeht, als er sich gegen mein Becken presst, beziehungsweise seinen Schwanz gegen meinen. Wodurch mir so ziemlich egal wird, warum genau er nun eigentlich unter mir liegt. Stattdessen frage ich mich, weshalb so viel Stoff zwischen uns ist und beginne, etwas daran zu ändern. Mit meinen Lippen auf seinen und dermaßen eingeschränkter Bewegungsfreiheit, abwechselnd auf den einen oder anderen Arm gestützt, dauert es Ewigkeiten, bis ich nur meinen Mantel ausgezogen habe. Ich sollte geduldiger sein, ich weiß das. Aber dies ist wohl nicht der geeignete der Moment dafür. Oder einfacher ausgedrückt: Meine Sicherungen brennen durch. Also löse ich mich von ihm und während ich mich aufsetze, zieht er mir den Pulli über den Kopf. Okay, ich bin nicht der Einzige, dem es nicht schnell genug geht. Komisch. Jetzt, wo ich das weiß, bin ich wieder ein bisschen entspannter. Ich knie über ihm und öffne ganz langsam sein Hemd. Knopf für Knopf. Meine Hände streicheln seinen Oberkörper, ich lasse beide Daumen über seine Brustwarzen kreisen und er bebt unter meiner kühlen Berührung. Ich würde gerne seinen Bauch küssen, meine Zunge über die Muskeln, die sich deutlich unter seiner Haut abzeichnen, gleiten lassen. Aber ich befürchte, nicht ihn zu schmecken, sondern sie. Vorhin habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als das, doch jetzt will ich es nicht mehr. Ich will sie weder schmecken, noch riechen oder spüren. Ich will sie nur noch vergessen. Ob ich deswegen hier bin? Mit ihm, dessen Leben sich auch um sie gedreht hat. Vielleicht sollte ich es einfach wagen. In seinem Kuss lag schließlich auch nichts von ihr. Und es ist mir egal, ob er niemals dort war oder längst verflogen ist. Ich beuge mich vor und beginne, seinen Hals zu küssen. Er dreht sofort seinen Kopf ein wenig, um mir besseren Zugang zu gewähren. Und ich schmecke alles, nur nicht sie. Gott sei Dank! Lindsey. Glatte, salzige Haut. Lebendig und warm. Lust und Verlangen. Ich lecke über seine Halsschlagader und rieche sein süßes Blut und ich fühle, wie es unter meinen Lippen pulsiert. Ganz dicht unter der Haut. Ich kann nicht widerstehen, meine Zungenspitze wieder und wieder darübergleiten zu lassen. Er weiß genau, was ich will. Dennoch schreckt er nicht davor zurück, hat keine Angst. Ist es das, was er will? Soll ich von ihm trinken? Nichts lieber als das… Mein Blick verschwimmt, als ich seinen Hals fixiere. Bin ich so gierig? Vielleicht schließe ich meine Augen lieber wieder. Ah. Schon besser. Das leise Knurren, das tief aus meinem Bauch aufsteigt, kann ich trotzdem nicht unterdrücken. Aber Lindsey scheint keine Schwierigkeiten damit zu haben. Er knetet auffordernd meinen Oberschenkel. Uhm... Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass er es nicht aus Panik tut. Dann würde er wohl kaum seinen Kopf noch weiter zur Seite drehen. Eindeutig eine Einladung. Mein Gameface erscheint augenblicklich, ohne dass ich etwas dagegen tun kann, und es kostet mich einige Mühe, es zurückzukämpfen. Aber immerhin habe ich mich soweit unter Kontrolle, dass ich nicht wild fauchend meine Zähne in seinen Hals schlage. Womöglich so schmerzhaft für ihn, dass er aufspringt und wegrennt. Was er im Übrigen gar nicht kann, weil ich noch auf ihm knie. Nein. Ich ritze nur ganz leicht seine Haut an. Und Sekunden später kann ich schmecken, wie süß sein Blut wirklich ist. Zuerst lecke ich nur mit meiner Zungenspitze über die kleine Wunde. Koste ihn und halte mich zurück. Meine Seele dröhnt laut in meinem Hinterkopf. Doch irgendwie bringe ich es fertig, so lange mit ihr zu verhandeln, bis sie verstummt. Und bevor sie sich wieder melden kann, fange ich ganz leicht an zu saugen, sodass Lindsey seinen Arm um meinen Nacken schlingt und mich näherzieht. Gefällt es ihm? Sein Körper sagt Ja. Er windet sich unter mir und stöhnt leise. Ich schmecke sein Verlangen. Täusche ich mich, oder will er mehr? „Beiß mich...“, flüstert er atemlos und hält mich so überraschend fest, dass ich meinen Kopf nicht heben kann, um ihm in die Augen zu sehen. Er presst meinen Mund förmlich gegen seinen Hals, kämpft mit aller Kraft gegen mein Aufbäumen an, bis sein Herz wild schlägt und sein Blut viel zu schnell durch seine Adern jagt. Ich kann mir nicht helfen und weiß nicht, ob ich mich nicht anders wehren kann, oder einfach berauscht von ihm bin. Das nennt man wohl Affekt. Jedenfalls finden meine Zähne wie von selbst ihren Weg in seinen Hals und ehe ich realisiere, was hier gerade passiert, sprudelt sein Blut in meinen Mund und ich sauge und sauge und sauge... Und schlucke. Einmal, zweimal, dreimal. Spüre, wie sein Leben von mir Besitz ergreift, sich von meinem Magen überallhin ausdehnt und zu pulsieren beginnt. Jetzt bin ich ganz Tier, mein Verstand ist völlig ausgeblendet. Ich handle instinktiv. Halte mit einer Hand seinen Kopf und mit der anderen seine Schulter. Sein Keuchen und Stöhnen spornt mich nur noch mehr an und als er sich unter mir windet, setze ich mein ganzes Körpergewicht ein, um ihn ruhig zu halten. Er hat erstaunlich viel Kraft, krallt seine Finger schmerzhaft in meinen Unterarm und drückt seinen Nägel tief in mein Fleisch. Ich knurre. Bin noch immer völlig weggetreten, bis seine Emotionen in meinen vernebelten Geist vordringen. Und ich begreife, dass er sich überhaupt nicht wehrt, sondern genießt. Ich kehre schlagartig in die Realität zurück. Ungläubig über Lindseys Verhalten. Und fassungslos über mein eigenes. Wie habe ich mich nur so gehenlassen können? Oh Gott! Ich liege ja komplett ausgestreckt über ihm und pinne ihn regelrecht unter mir fest. Seine Brust hebt und senkt sich mit jedem Keuchen, das aus seiner Kehle dringt. Oder eher im Takt meines Saugens? Oh. Habe ich etwa noch nicht aufgehört damit? Viel kann ich nicht getrunken haben, er ist nicht geschwächt. Aber es wird Zeit. Ich verlangsame bewusst meinen Rhythmus und konzentriere mich ganz auf sein Blut. Und endlich kann ich schmecken, was ihn bewegt. Woher seine Verzweiflung rührt. Er hat Angst. Angst, nichts mehr fühlen zu können. Seine Verzweiflung ist so groß, dass er sich MIR hingibt! Lindsey, Lindsey, Lindsey. Hättest du doch gefragt. Ich hätte dir sagen können, dass du weit, weit entfernt von kalt bist. Bildlich wie wörtlich... Ich spüre, wie seine nackte Haut unter meiner glüht, rieche seine Begierde, höre seinen unregelmäßigen Atem, der meine Nackenhaare dazu bringt, sich aufzurichten und schmecke das Leben in seinem Blut. Es dauert Minuten, bis es nur noch in meinen Mund sickert. Ich löse meinen Biss und lasse meine Zunge sanft über die Wunden gleiten, damit sie sich schneller schließen. Lindsey ist keine große Hilfe. Er hält mich fest und will offensichtlich noch immer nicht, dass ich aufhöre. Erst mein warnendes Knurren bringt ihn dazu, seinen Griff zu lockern. Mehr noch. Er stößt mich von sich, drängt mich so plötzlich weg, dass ich von ihm herunterrolle und neben ihm lande. Und auch jetzt lässt er mir keine Zeit zu reagieren, kaum zu begreifen. Schon kniet er breitbeinig über mir und nestelt einhändig an meiner Gürtelschnalle herum. Ich bleibe ruhig liegen, bewege mich nicht, beobachte ihn nur und übe mich in Geduld, die ich nicht im Mindesten verspüre. Meine Hand zuckt schon in Richtung seiner, um ihm zu helfen und gleichzeitig bildet sich eine Frage in meinem Kopf: Wieso benutzt er nicht...? Oh. Verdammt. Ich ziehe meine Hand zurück und bete, dass er es nicht bemerkt hat. Gewissensbisse. Wie konnte ich das vergessen? Es tut mir zum ersten Mal wirklich Leid, ihm das angetan zu haben. Nicht, weil er meine Hose nur so langsam aufbekommt. Nein. Es ist, weil... Ich weiß nicht. Ich denke, man kann einem Menschen nicht so nah sein und nichts dabei empfinden. Bei mir ist das jedenfalls so. Könnte ich die Zeit zurückdrehen... Mein Gedanke wird jäh unterbrochen, als ich das Geräusch meines Reißverschlusses höre, als Lindsey ihn aufzieht. Oder vielleicht, weil seine Hand dabei mein bestes Stück streift. Ich versuche dennoch, in meine Grübelei zurückzufinden, aber er sieht mich so intensiv an, dass es mir nicht gelingt. Also erwidere ich seinen Blick und runzle die Stirn. Was will er? Er rutscht ein Stück zurück und zerrt an meinem Hosenbund. Okay. Ich hebe meine Hüften und helfe nun doch mit einer Hand ein bisschen nach. Der Einfachheit halber befreit er mich von meiner Boxer auch gleich, zumindest bis zu meinen Knien und setzt sich wieder auf meine Oberschenkel. Bewegungsfreiheit ade. Sekunden später stört mich das herzlich wenig, als seine Hand sich um meinen Schwanz legt und zögerlich beginnt, an ihm auf und ab zu gleiten. Dabei sieht er mir auch noch in die Augen und wirkt so konzentriert, als ob er direkt in meinen Kopf gucken könnte. Irgendwie fühle ich mich verdammt entblößt. Ob der Drang, ihn zu küssen, daher rührt? Vielleicht. Es könnte aber auch eine ganz gewöhnliche Reaktion meines Körpers sein. Ich erinnere mich dunkel, dass Küssen zum Sex dazugehört. Ist ja schon eine Weile her. Meine Hand wandert jedenfalls automatisch in seinen Nacken. Mehr Aufforderung braucht er nicht, er beugt sich sofort zu mir, stützt sich auf seinen Ellenbogen und haucht mir einen dieser Küsse, die eigentlich gar keine sind, auf den Mund. Was tut er? Neckt er mich etwa? Sieht ganz danach aus. Seine Zunge leckt leicht über meine Unterlippe. Habe ich das nicht vorhin bei ihm gemacht? Oder er bei mir? Ich kann mich sehr schlecht konzentrieren, während seine Brustwarzen meine streifen, sodass ich unweigerlich zittere, und seine Hand meinen Schwanz massiert. Er gönnt mir nur den Hauch eines Kusses, bevor er sich leckend und knabbernd meinem Ohr widmet. Und wieder kann ich seinen Atem auf meiner Haut spüren. Schnurre ich? Irgendein Geräusch in der Art ist es tatsächlich, aber es geht Sekunden später in Lindseys Mund unter, als er mich endlich küsst. Tief. Leidenschaftlich. Kurz. Vielleicht hätte ich irgendwas trinken sollen, damit er nicht sein eigenes Blut schmecken muss... Nein. Er hat nur keine Geduld mehr, stelle ich fest. Er rutscht ein Stück tiefer und schließt seine Lippen um meine linke Brustwarze, saugt sich für Sekunden daran fest und lässt gleichzeitig seine Zunge kreisen. Hmmm. Hört abrupt auf, sodass ich protestierend aufstöhne. Und unmittelbar darauf seufze, als er das Gleiche mit meiner rechten Brustwarze macht. Sein nächster Halt ist übergangslos mein Bauchnabel. Keine Küsse. Keine feuchte Spur, die langsam abwärts driftet. Aber ehrlich gesagt, es ist mir egal. Solange seine Hand nur nicht aufhört, sich so unglaublich ... gekonnt zu bewegen. Oh neiiiiiin! Hätte ich das bloß nicht gedacht! Oh. Oh! Jaaa. Seine Lippen. Rund um meinen Schwanz. Hmmm. Ich keuche. Dabei lässt er lediglich seine Zunge kreisen. Sonst nichts. Wie soll ich mehr aushalten? Mein Rücken ist jetzt schon durchgedrückt, mein Kopf weit nach hinten gelehnt, meine Hände in die Laken gekrallt, meine Augen fest geschlossen. Alles ist vergessen. Ich bin nur noch dazu fähig, zu fühlen. Er saugt mich ganz langsam tiefer in seinen Mund, die volle Länge, bis seine Nasenspitze meinen Bauch antippt. Und genauso quälend langsam wieder zurück. Seine samtige Zunge gleitet an der Unterseite entlang - zart, viel zu zart -, bis er wieder nur die Spitze umkreist. Dafür ist seine Hand zurück, bewegt sich einmal, zweimal auf und ab, bevor er mich erneut in seinen Mund saugt. Mich zwischen Gaumen und Zunge festhält. Und wieder zurück. Vor. Zurück. Vor. Zurück. Mit seiner Hand. Folter. Fest. Zu langsam. Schrecklich. Schneller! Ja. Ja. Guuut... Meine Haut ist plötzlich ein einziges Vibrieren, das von überall her direkt in meinen Unterleib fließt, sich dort sammelt und pulsiert. Ich spüre, dass ich komme und bringe mit Müh und Not ein atemloses „Lindsey!“ heraus, um ihn zu warnen, bevor ich mich wieder ganz auf meinen nahenden Orgasmus konzentriere. Doch der bleibt aus und das Gefühl flaut ab, OHNE dass ich komme! Ich stöhne unbefriedigt auf und versuche zu begreifen, was hier passiert. Oder vielmehr: Warum nichts passiert. Mein Verstand ist viel zu vernebelt, um klar zu denken, weshalb ich meine Augen öffne und als ich die weißen Lichtpunkte weggeblinzelt habe, an mir runterblicke. Minutenlang bin ich nicht fähig, zu realisieren, was Lindsey da tut. Ich kann es wohl sehen, doch es braucht ewig, um in mein Hirn zu sickern. Lindsey ist schuld. Soviel ist klar. Aber warum wirkt er kein bisschen so? Er sitzt wieder aufrecht auf meinen Oberschenkeln und beobachtet mich. Während... während... Sehe ich richtig? Er presst meinen Schwanz an der Wurzel mit Daumen und Zeigefinger zusammen. Kein Wunder... Ich kann es trotzdem nicht glauben. Und muss ihn wohl sehr wütend anstarren, denn er lässt ganz langsam los und ich merke, dass er aufstehen will. Als meine Hand vorschnellt, ist er bereits außerhalb meiner Reichweite. Meine Reaktion war auch schon mal besser. Ärger steigt in mir auf. Auf mich. Auf ihn. Was hat er jetzt wieder vor? Und zum - verdammt - wievielten Mal frage ich mich das heute eigentlich? Er geht nicht weg. Sein Glück! Weit würde er auch nicht kommen. Ich will ihn, ist ihm das nicht mittlerweile klar? Wie deutlich muss ich noch werden? Okay. Er scheint es zu wissen. Zumindest zieht er sich aus. Gutes Zeichen. Sehr geeignet, um meinen Ärger zum Abflauen zu bringen. Nein, er legt keinen Strip für mich hin. Naja, wenn man’s genau nimmt, schon. Und es wirkt durchaus hypnotisierend auf mich, wie er da so steht...
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