Unbelievable 3

 

Warum zur Hölle kriege ich eigentlich andauernd Steine in den Weg gelegt? Kann mir das mal jemand verraten? Nein, natürlich nicht. Ist ja niemand da. Argh. Jajaja, ich habs ja so gewollt. Ich weiß. Seufz.

Wieso muss es auch eine CD sein? Hätte Lindsey den zweiten Teil nicht auch aufschreiben können – wie den ersten, und den dritten? Argh. Unberechenbarer Kerl. Ich hasse Veränderungen!

Und was mache ich jetzt bitteschön mit dem Ding? Ich besitze keinen CD-Player. Und Cordy hat ihren mitgenommen, als ich sie ...grrr... entlassen habe. Crap.

Wo soll ich denn verdammt nochmal um diese Uhrzeit einen CD-Player hernehmen? Merl? Das würde bedeuten, dass ich aus dem Haus muss... und ins Caritas... wo die Aussicht besteht, dass ich Lorne begegne. Das muss jetzt wirklich nicht sein. Angelcakes, buäh.

Fangen wir doch andersherum an. Was ist überhaupt drauf, auf der CD? Ah. Ich weiß. Bestimmt eine Word-Datei. Klar, tippen ging schneller als schreiben. Hm. Kann ihm aber nicht wirklich gefallen haben, oder warum sonst hätte er den letzten Teil wieder mit der Hand schreiben sollen? Na, wie auch immer. Jedenfalls brauche ich nur einen Computer, um endlich weiterlesen zu können.

Glücklicherweise habe ich inzwischen meinen eigenen. Cordy sei Dank! Sie hat darauf bestanden, hat eines Tages gemeint, was würde es denn auf unsere Klienten für einen Eindruck machen, wenn ich kein bisschen Technik in meinem Büro hätte. Damals habe ich bei dem Wort ‘Steinzeit’ mit den Zähnen geknirscht, heute bin ich verflucht froh über ihre Weitsicht.

Ich schnappe also die CD (und den Whiskey – man weiß ja nie), und haste durch den Flur. Auf der Treppe bremse ich allerdings abrupt ab, als ich bemerke, wie eilig ich es habe. Und alles wegen Lindsey. Argh.

Nope, das bin nicht ich. Ich gehe also betont gemächlich weiter, hinunter ins Parterre, schlendere durch die Eingangshalle des Hotels und weiter in mein Büro.

Hinsetzen und den Startknopf am PC drücken ist allerdings eine einzige, fahrige Bewegung. Soviel zu meiner Ruhe (und Beherrschung). Egal.

Die Kiste erwacht mit dem üblichen Piepton zum Leben, und ich warte, mit den Fingern auf die Schreibtischplatte trommelnd, darauf, bis sie fertig hochgefahren ist - Microsoft, seufz -, damit sich das Rom-Laufwerk öffnen lässt. Das dauert...

Ah, endlich. Ich schiebe die CD ein, schließe das Fach, und lausche irritiert dem Surren, das gleich darauf einsetzt. Hoffentlich ist nichts kaputt. Normal hört sich das jedenfalls nicht an. Hm.

Ich starre auf den Bildschirm, die Anzeige zuckt, dann passiert nichts mehr. Oder doch? Ah. Ein Programm öffnet sich... von selbst. Billyboy ist eben doch ein cleveres Kerlchen. Nanu, das ist aber nicht Word. Der MediaPlayer? Oh.

Will Lindsey mich verarschen, oder was? Das wird doch jetzt nicht seine Lieblingsmusik sein. Und wieso kann ich nichts hören... außer dem Rotieren der CD im Laufwerk? Oh, ah, verstehe. Ich sollte eventuell die Boxen anschalten. Okay. Erledigt.

Yep, schon besser. Und – keine Musik. Stattdessen Lindseys Stimme. Irgendwo mitten im Satz. Argh. Ich habe den Anfang verpasst. Also nochmal von vorn. Stop. Play.

Ich lausche...

 

 

Second: All for him

 

Pause.

Interessanter Titel. Klingt ziemlich vielversprechend – für mich. Auch wenn ich im Endeffekt nichts davon haben werde, oder hatte. Wie beim ersten Mal. Ich meine, ich war dabei, und dennoch ist es so, als wäre es nicht geschehen.

So muss es sein, wenn man wirklich alt ist und das Gedächtnis nicht mehr richtig funktioniert. Oder wenn die Kumpels nach einer durchzechten Nacht erzählen, was man Verrücktes angestellt - oder verpasst - hat. Wie seinerzeit in Irland.

Ja, ich trage Liams Erinnerungen mit mir herum. Nicht alle, aber die, die ihm wichtig waren, und natürlich die an Ereignisse, die sich oft genug wiederholt haben. Die... nun, die merkt man sich einfach.

Hm. Schätze, ich sollte nichts mehr trinken. Ich schiebe die Flasche aus meinem Sichtfeld und anschließend den Mauszeiger zurück auf den Play-Button. *klick*

 

Ich kann mich nicht erinnern, der wievielte Versuch es mittlerweile war, mit links zu schreiben, wie oft ich schon Bleistift oder Kuli quer durch mein Wohnzimmer geworfen hatte... frustriert, wütend, wenn sich meine Hand wieder so verkrampft hatte, dass sie wehtat, nur um Minuten später den nächsten Stift zu nehmen... trotzig, stur, zitternd vor Besessenheit, es zu schaffen.

Diesmal nicht. Ich war müde, unendlich müde... und es so leid. Die Decke fiel mir auf den Kopf, ich konnte es nicht mehr ertragen, nichts als meine eigenen vier Wände anzustarren, von einer Krankenschwester, deren Namen ich mir nicht merken wollte, versorgt zu werden, tagein, tagaus Tabletten zu schlucken, um ‘gesund’ zu werden... und nicht durchzudrehen.

Vielleicht war ich an einem Punkt angelangt, wo nur noch eins möglich war... Selbstmitleid. Wie konnte es auch anders sein, wurde ich doch ununterbrochen an meinen Fehler erinnert? Zähneputzen, Rasieren, Anziehen und tausend andere alltägliche Dinge, die bis vor Kurzem noch selbstverständlich gewesen waren, stellten nun Hindernisse dar... auch wenn mir manches inzwischen leichter fiel.

Zum Beispiel Eiswürfel mit meiner ungeschickten linken Hand aus ihrem Behälter zu schütteln, sie abwesend aus der Spüle zwischen dem dreckigen Geschirr der letzten Tage herauszufischen, sie in ein Glas zu werfen... oder die Flasche JD, ohne einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, zwischen meinen Oberschenkeln einzuklemmen, um sie aufzuschrauben.

Einmal offen, machte ich mir nicht mehr die Mühe, sie wieder zu verschließen... meist bis sie leer war. Ich bin bestimmt kein Trinker, aber in letzter Zeit hatte ich dafür gesorgt, dass mein Vorrat nicht zur Neige ging. Irgendwann musste ich ja mal schlafen, und Abschalten war so einfach... mit diesem Mix aus Whiskey und Schmerztabletten.

Meine Muskeln entspannten sich, sobald genug der goldenen Flüssigkeit meine Kehle hinabgeronnen war. Mein Körper wurde bettschwer, mein Geist dafür herrlich leicht, flog davon, sodass ich vergessen konnte... wenigstens für diesen Moment... meine Sinne taub, blind und gefühllos für meine inzwischen verheilte Wunde... nicht länger ein Handgelenk, unnütz, nur noch das Ende meines rechten Arms.

 

*klick* Pause.

God-damn-it! Toller Anfang, um über unser zweites Mal zu berichten. Doch. Ja. Grrr. Jetzt ist mir auch klar, warum Lindsey es nicht ‚aufgeschrieben’ hat. Wie denn? Seufz. Das lässt meine Wut glatt verwelken und dafür mein schlechtes Gewissen aufblühen.

Vielleicht wäre es nicht so schlimm, wenn ich vorher schon darüber nachgedacht hätte. Aber welcher Grund hätte dazu bestanden? Lindsey ist mein Feind, letztlich war er es jedenfalls – oder ist es wieder. Hm. Ich bin verwirrt.

So oder so, er ist selbst dran schuld. Er hätte mir nur die Rolle geben müssen, anstatt mir damit zu drohen, sie ins Feuer zu werfen. Ich hatte keine Wahl. Wirklich. Ich brauchte sie, um Cordy zu retten. Andernfalls wäre sie verrückt geworden, beziehungsweise es geblieben, wegen der Visionen – es waren einfach zu viele. Und außerdem enthielt die Rolle die Prophezeiung über mich, die Wesley noch nicht fertig übersetzt hatte.

So – weshalb hätte ich also Mitleid mit ihm haben sollen, wo er mir, uhm, Cordy hatte schaden wollen? Eben. Er hat die Entscheidung selbst getroffen, er wollte mein Feind sein. Ende der Überlegungen. Aber – wieso hat er mir dann letzte Nacht leid getan?

Vielleicht weil ich zum ersten Mal nur Lindsey gesehen habe, und zuvor niemals damit konfrontiert worden war, zu erleben, was es heißt, nur eine Hand zu haben. Es war furchtbar. Jedoch im Vergleich zu dem, was ich jetzt fühle, während seine Stimme den Raum erfüllt wie seine Vorstellung meinen Verstand, war es nichts.

Es ist nicht so, dass er ins Stocken gerät, während er redet. Und er klingt weder traurig, noch zynisch, oder hasserfüllt. Im Gegenteil, er kommt mir viel zu gefasst vor, als würde er nicht von sich selbst erzählen, sondern von irgendjemandem, der ihm egal ist. Ganz der kühle Anwalt. Nüchtern. Aber unter der Oberfläche...

Ich kann es nicht richtig fassen. Aber da ist definitiv ‘etwas’, das ich wahrnehme. Vielleicht ein Schrei seines Unterbewusstseins - Panik? Wut? Hilflosigkeit? -, ein Vibrieren, Surren, was weiß ich. Ich kann es direkt in meinem Kopf hören, spüren. Und es erschüttert mich bis in mein Innerstes.

Das ist nicht gut. Gar nicht gut. Ich meine, halloho, er hat mit mir gespielt, meine Erinnerungen manipuliert, gelöscht. Ich sollte wieder sauer auf ihn sein. Er gehört zu W&H – zu den Bösen. Und heißt das nicht, er ist böse?

Jedenfalls ist er nicht gut... für mich. Egal was ich letzte Nacht für ihn empfunden habe, oder was ich zu ihm gesagt habe. ‘Ich liebe Dich.’ Gott, ich fasse es nicht, dass ich es wirklich ausgesprochen habe! Er ist schuld daran. Er hat mich soweit getrieben.

Plus – er hat Darla zurückgebracht, und mich dadurch von meinem vorbestimmten Weg abgebracht. Wiedergutmachung. Verdammt, so werde ich meine Schuld nie begleichen können. Okay, jetzt bin ich sauer auf ihn. Ach was. Wütend.

*KLICK!* Play.

 

Mitten in meinem allabendlichen Ritual - irgendwo zwischen Wut und dumpfer Leere in meinem Kopf - nahm ich das Klopfen an meiner Wohnungstür wahr... und versuchte trotzig, es mit einem großen Schluck Jack in den Hintergrund zu drängen.

Ich wollte jetzt niemanden sehen, wollte nicht einmal wissen, wer mich störte... und atmete erleichtert auf, als das Hämmern abrupt verstummte. Keine Ahnung, ob er mein Seufzen gehört hat, das Klirren der schmelzenden Eiswürfel in meinem leeren Glas oder ob er lediglich den schwachen Lichtstrahl unter der Tür gesehen hatte.

Vielleicht konnte er mich auch riechen. Wahrscheinlich. Ich hatte zwar geduscht, aber ich konnte mich nicht erinnern, wann ich T-Shirt und Sweats, die ich trug, zuletzt gewechselt hatte.

Irgendetwas davon, oder alles zusammen, oder die rhetorische Frage, wo sonst ich wohl sein sollte, zu dieser Uhrzeit, beziehungsweise in meinem Zustand, brachten ihn jedenfalls dazu, die Tür aufzutreten.

Ich hatte scheinbar noch nicht genug getrunken, schlussfolgerte ich, als ich erschrocken zusammenzuckte, aufsprang und mein Glas fallenließ... und ihn klar und deutlich im Flur stehen sah.

Angel. Im ersten Moment wirkte er - trotz Gameface - irritiert... mich anzutreffen, mich zu sehen, mich ‘so’ zu sehen? Keine Ahnung. Ich wusste es in diesem Moment nicht und jetzt ebensowenig.

 

*klick* Pause.

Wann soll das gewesen sein? Uhm, ich meine natürlich, wann war das? Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, Lindsey einen Besuch abgestattet zu haben. Wirkt das Zeug, das er mir gegeben hat, etwa so gut? Oder lässt mein Gedächtnis nach? Nein. Sonst kann ich mir doch auch die kleinsten Details merken.

Ich weiß beispielsweise noch genau, was Lindsey bei unserem allerersten Treffen anhatte. Damals, als ich Russell Winters auf seinen verdienten Flug durch die Sonne geschickt habe. Einen dunkelgrauen Anzug und ein blaues Hemd – oh so passend zu seinen strahlenden Augen, die sogar mit Spikes konkurrieren könnten. Und er trug die Haltung eines abgebrühten und mit allen Wassern gewaschenen Streuners zur Schau.

Okay, das Beispiel hinkt vielleicht ein wenig. Trotzdem glaube ich in Bezug auf meine Gedächtnislücken lieber an Magie als an natürliche Ursachen. Basta und play! *klick*

 

Er sagte kein Wort, trat unruhig auf der Stelle, hielt sich am Türrahmen fest, wütend darüber, nicht einfach über die Schwelle treten zu können, und knurrte... leise, als hätte er Mühe, seinen Dämon zu bändigen. Alles nur Show, vermutlich, um mir Angst zu machen, um mir zu zeigen, wie gefährlich er war.

Lange Eckzähne blitzten weiß, golden schimmernde Wut fixierte mich. Ich blieb gelassen, innerlich und äußerlich. Vielleicht durch den Jack, vielleicht durch die Gewissheit der unsichtbaren Schranke, die sein Eintreten verhindern würde, solange ich ihn nicht einlud. „Komm rein.“

 

Stop, stop, stop. *klick* Pause.

Moment mal. Da geht mir doch glatt ein Licht auf. DAS ist also der wahre Grund, warum er mich ohne jedes Zögern in seine Wohnung gebeten hat, als ich zu ihm gegangen bin, um genaueres über Darlas Krankheit zu erfahren. Ich WUSSTE, da war was oberfaul. Ha! Und das ist die Bestätigung. Allerdings...

Beim ersten Mal hat er mich ja tatsächlich so schnell eingeladen, und damit seinen einzigen Schutz gegen mich in den Wind geschossen. Als ob es ihm egal gewesen wäre, was ich mit ihm vorhatte. Hm. Was hatte ich denn vor?

*neugieriges-klick* Play.

 

Angel schüttelte verblüfft den Kopf, wobei seine menschlichen Gesichtszüge zurückkehrten, und sah mich so verstört an, dass ich mir ein Grinsen verkneifen musste, weil ich ihm offensichtlich so abrupt den Wind aus den Segeln genommen hatte. Nicht für lange.

Er stürmte - die Tür hinter sich zuknallend - in meine Wohnung, direkt auf mich zu. Die Verkörperung eines Racheengels... ganz in schwarz, fliegende Mantelschöße, Lederhose, T-Shirt, unter dem sich das Spiel seiner Muskeln deutlich abzeichnete, als er näherkam und sich, seine Stärke demonstrierend, in seiner ganzen Größe vor mir aufbaute.

Stechender Blick aus dunklen Augen, der allerdings seine Gefährlichkeit verlor, sobald er vor mir stand, und plötzlich nicht mehr zu wissen schien, weshalb er hergekommen war oder was genau er von mir wollte... oder nicht ‘mehr’. Zumindest machte er diesen Eindruck auf mich... und brachte mich unwillkürlich zum Lachen.

Ich weiß nicht, ob mein Verstand doch schon so betäubt vom Alkohol war, dass ich den Ernst der Situation nicht erkannte. Er hatte zwar keine Sichel oder andere Waffen bei sich, aber wenn er mich töten wollte, bräuchte er nichts dergleichen, soviel war klar. Seine Hände würden ausreichen.

 

*klick* Pause.

Oh Mann, Lindsey ist wirklich unberechenbar. Oder sollte ich sagen, immer wieder überraschend? Beides. Und meistens verstört mich das, und/oder macht mich sauer, wütend. Und zuweilen sogar sprachlos – wie damals, als er zu mir kam, und mich in der Brewersache um Hilfe gebeten hat. Ich meine, wer hätte gedacht, dass er das tun würde?

Ich könnte auch noch ungläubig, irritiert und so weiter hinzufügen. Fakt ist, er schafft es immer wieder, mich total aus dem Konzept zu bringen – und zwar negativ. Bis, ja bis gestern – auch wenn es für ihn nichts neues war, mich zu küssen. Für mich war es das, und alles andere ebenfalls.

Nun, vielleicht nicht neu im Sinne von ‘nie erlebt’. 250 Jahre lassen vieles alt und abgenutzt erscheinen. Also eher Lindsey-neu. Und wow! Er ist erstaunlich. Einfach erstaunlich.

Ach ja, und lebensmüde. Hat es ihn denn wirklich so wenig gekümmert, was mit ihm passierte? Immerhin hätte ich ihn töten können. Oder foltern. Oder vögeln. Yeah...

*klick* Play.

 

*Seine Hände auf meinen Schultern, meinem Hals.* Wieso fiel mir ausgerechnet jetzt ein, was er noch alles damit anzufangen wusste? Sollte nicht die Szene in diesem verfluchten Mausoleum vordergründig in meinem Gedächtnis sein? Das, was er mir angetan hat? Sollte nicht Hass in mir aufsteigen, anstatt... Hitze?

Ich blickte wütend zu ihm auf. Er war schuld an der Reaktion meines Körpers. „Was willst Du hier, verdammt?“, schrie ich ihm entgegen, froh darüber, nun doch das ‘Richtige’ zu empfinden... wenn auch aus den falschen Gründen.

Mein Sarkasmus kochte über, als er nicht antwortete: „Krankenbesuch? Wo sind die Blumen? Oder willst Du mir mitteilen, dass Deine Freunde über den Berg sind und Du mir deswegen großzügig verzeihst, was ich getan habe? Nein, sicher bist Du aus Mitleid hier, um zu beenden, was Du angefangen hast... sprich, mein sinnloses Leben, huh?“

Meinen letzten Satz unterstrich ich, indem ich ihm meinen rechten Arm entgegenstreckte. Und wenn mein Blick in dem Moment hätte töten können, wäre er auf der Stelle zu Staub zerfallen.

Ich erreichte nicht ganz das, was ich beabsichtigt hatte, ihn auf die Palme zu bringen, und ihn vielleicht tatsächlich soweit zu treiben, dass er es beenden würde. Ich weiß es nicht.

 

*klick* Pause.

Sag ich doch, lebensmüde. In dem Moment als es passiert ist, war es ihm sicher nicht bewusst, aber später, als er es aufgezeichnet hat. Ich kann es an seinem geseufzten ‘ich weiß es nicht’ hören.

*klick* Play.

 

Für ein paar Sekunden hatte ich das Gefühl, Reue in seinen Augen zu erkennen, bevor er den Kopf schüttelte... langsam, irgendwo zwischen Erstaunen über meine Worte und Resignation, und annähernd seufzend feststellte: „Du hast ja keine Ahnung.“

Nein, nicht wirklich. Ich konnte nur weiterhin spekulieren: „Oh nein. Dich plagt doch nicht etwa das schlechte Gewissen und Du willst, dass ich Dir verzeihe? Vergiss es! Oder willst Du mich mal wieder retten? Jetzt sag’ mir nur noch, W&H ist schuld... oder ich. Du, DU allein bist schuld! Weil Du nicht bist, was Du sein solltest... ein Vampir, ein verdammter Vampir!“

Ich hatte mich im Kreis gedreht, was mir ganz und gar nicht gefiel. Denn meine Worte hatten mich wieder exakt zu dem Thema gebracht, zu meinem ‘anderen Problem mit Angel’, über das ich nicht nachdenken wollte.

 

*klick* Pause.

Etwas verwirrt, der Gute, huh? Und eindeutig zornig, weil er mir nicht widerstehen kann... konnte. Wieso soll es ihm auch besser gehen als mir? Seufz.

Uh, weiter. *klick* Play.

 

Noch viel weniger gefiel mir allerdings die Art, wie er mich ansah. Mitleidig. Unfähig, zu reagieren. Verlegen um die passenden Worte für mich, einen Irren mehr in LA, dem er helfen konnte. Aber ich wollte nichts davon, nichts von ihm. Außer... außer vielleicht seiner Wut. Also setzte ich nach.

„Stattdessen rennst Du mit diesem Spleen durch die Gegend, mit dieser Besessenheit, Gutes zu tun. Und warum? Allein, um Dein überdimensionales Ego zu befriedigen. Um bewundert zu werden, von einem Ex-Cheerleader mit Visionen, für die das Wichtigste Designer-Schuhe sind, und von einem unfähigen Ex-Wächter, der so blöd ist, dass er eigentlich den ganzen Tag lang schreien müsste, der Dich aber trotzdem vergöttert, auch wenn er Deinetwegen von der durchgeknallten zweiten Jägerin fast zu Tode gequält worden wäre.“

Meine Rede fruchtete allmählich... seine Miene verfinsterte sich mit jedem weiteren Satz, er hatte seine Hände zu Fäusten geballt, pumpend... auf, zu, auf, zu. Und seine dunklen Augen starrten mich mit einer Intensität an, die beängstigender wirkte als es sein Gameface vermocht hätte.

 

*klick* Pause.

Das wirklich Frustrierende an der Sache ist, dass ich nicht weiß, wie ich tatsächlich gefühlt habe in dem Moment, wie oder was ich gedacht habe, und warum verdammt ich überhaupt dort war. Argh.

Dann könnte ich die Situation besser einschätzen. Ich meine, im Grunde hat Lindsey doch gar keine Ahnung von mir, und trotzdem muss ich mich auf seine Spekulationen verlassen – auf seine Interpretation meines Verhaltens. Gesagt habe ich zu allem Überfluss ja nicht gerade viel.

Allerdings lässt diese Tatsache zumindest den Schluss zu, dass Lindsey gerade dabei war, mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Rage zu bringen. Immerhin kenne ich mich lange genug, sodass ich weiß, wie ich reagiere. Und bei den miesen Sprüchen, die er von sich gegeben hat...

Ich formuliere es mal so: Meine Hände sind zwar noch nicht zu Fäusten geballt, aber ich knirsche schon beinahe mit den Zähnen.

Ob ich ihn geschlagen habe? Hm. Hat er mich in der Vergangenheit nicht immer dazu getrieben? Wieder und wieder. Ich kann mir nicht helfen, aber er fordert es geradezu heraus. Nun? *klick* Play.

 

Meine Füße wichen instinktiv zurück, mein Verstand hingegen... „Apropos Jägerin. Genauso pseudo-heroisch von Dir, Buffy zu verlassen. Um ‘ihretwillen’. Dass ich nicht lache. Ich würde eher darauf tippen, dass Du es nicht länger ertragen konntest, in ihrem Schatten zu stehen. Du magst nicht mehr Angelus sein, aber Du hast seine Eitelkeit und seinen Drang, im Mittelpunkt zu stehen, gegen den Du nicht ankommst. Du hasst ihn, willst ihn so gerne vergessen, aber es gelingt Dir nicht, weil Du ständig an ihn erinnert wirst, an all seine Charakterzüge, die ebenso Deine sind.“

 

Arrrgh! Uhm... nicht dass er Recht hätte. Aber ich hasse es, wenn er so tut, als wüsste er Bescheid. Als hätte er mich studiert oder sowas. Er weiß NICHTS! Ganz und gar nichts. Basta.

Oh Shit. *klick* Pause, verdammt. Wie spule ich denn hier zurück?

Ah. *klick*klick* Und Play.

 

Bingo! Er hatte sich nur noch mühsam unter Kontrolle und kam langsam auf mich zu. Ganz Jäger, geschmeidige, schleichende Schritte, konzentrierter Blick auf mich - seine Beute -, angespannte Muskeln, auf alles gefasst, jederzeit zum Sprung bereit.

„Sieh Dich nur an! Du genießt es, wie ich vor Dir zurückweiche. Du liebst die Macht. Akzeptiere es: Du bist er... wie ein Tier, in Ketten, die Du Dir selbst angelegt hast.“

 

*doppel...* Niemals! *...klick*

 

Inzwischen hatte er mich soweit zurückgedrängt, dass ich gegen meinen Sessel stieß... und nicht weiterkonnte... nicht mehr weiterwusste, bis dieses eine Wort über seine Lippen kam. „Niemals!“

 

Was hätte ich auch sonst sagen sollen?

 

Zischend, wütend, allein der Klang seiner Stimme eine Drohung, aber dennoch nicht wirklich überzeugend - weder für mich, noch für ihn, schätze ich -, und das Gegenteil dessen aussagend, was seine Augen mir mitteilten... und sein Körper.

„Komm schon, Angel. Wieso hältst Du Dich zurück? Es ist Deine Natur. Alles in Dir schreit danach, mir Deine Macht zu beweisen, mich zu bestrafen, mich zu beherrschen, mich zu benutzen.“, reizte ich ihn, meine Stimme lockend, verführerisch, nicht mehr als ein Flüstern.

Er lachte laut über meine Worte, doch es klang alles andere als echt... und er rückte auch keinen Millimeter von mir ab, pinnte mich weiterhin gegen die Rückenlehne meines Sessels, sein Gesicht voller Hass, weil er wusste, ich hatte Recht. Und trotzdem erwiderte er: „Das ist vielleicht, was DU Dir wünschst.“ Sein Tonfall wirkte herablassend, sein Blick schaffte es jedoch nicht... ganz.

 

*klick* Pause.

Zugegeben, es klingt so, als wäre es ihm tatsächlich gelungen... nun, sagen wir, alte Leidenschaften in mir zu wecken. Nicht wirklich verwunderlich, immerhin trage ich auch Angelus’ Erinnerungen mit mir herum. Und der stand nun mal auf genau die Dinge, die Lindsey in Worte gefasst hat.

Macht, bestrafen, beherrschen, benutzen. Oh Mann, da fallen mir auf Anhieb diverse Sessions mit Spike ein. Damals noch William, aber nerviger als Dru, sturer als Darla und so rebellisch, dass ich, uhm, Angelus als sein Sire es ihm nicht durchgehen lassen konnte – oft. Hach, gute alte Zeit, wo bist Du nur geblieben?

Uh, ich meine natürlich, schreckliche Zeit, gut dass sie vorbei ist. Es ist eine Qual, nur daran zu denken, was für unaussprechliche Dinge Angelus getan hat. Kein Wunder also, dass ich dagegen angekämpft habe, ihn an die Oberfläche dringen zu lassen.

*klick* Play.

 

„Ich kann den Hunger in Deinen Augen sehen.“ Das Spiel gefiel mir. Kein Infragestellen dessen, was ich tat, oder warum... nicht jetzt, nicht in diesem Moment... später. Keine Panik, ob ich gerade irre wurde... oder es längst war. Kein Urteil über mein Verhalten... kein Richtig oder Falsch, Schwarz oder Weiß. Grau war okay... jedenfalls in dieser Sekunde.

Ich sollte ihn hassen, ja. Und vielleicht wollte ich genau ‘das’ erreichen. Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich inzwischen bereits einen Schritt zu weit gegangen war... schon als ich ihn hereingebeten hatte. Und nun befand ich mich (wieder) weit außerhalb jeder Norm... in diesem verdrehten Bereich, in dem Licht und Schatten miteinander verschmolzen, in dem alles möglich war.

Und ich zog ihn mit mir, gleichgültig wie sehr er sich dagegen wehrte.

 

*klick* Pause.

Ha! Er sagt es selbst – ER ist schuld. Also fürs Protokoll: Auch wenn ich nicht weiß, warum ich zu ihm gegangen bin, DESWEGEN jedenfalls nicht. ER wollte es so.

Hm. Und wieso? Um mich hassen zu können. Merkwürdig. Vor allem, warum hat er mich nicht einfach aus den offensichtlichen Gründen gehasst? Wegen seiner Hand – oder dem Fehlen derselben. Oder weil er mir (trotzdem) nicht widerstehen konnte. Die Gedankengänge soll nachvollziehen, wer will. Ich kann es jedenfalls nicht. Oder... naja, vielleicht ist er ja wirklich irre geworden... uh... wegen... uhm... mir...?

Nein. Diesen Anflug von Unsicherheit schiebe ich ganz schnell wieder beiseite. Ich meine, hey, er arbeitet für W&H. Klingt für mich plausibel genug als Erklärung für seine Verrücktheit. Oder? Yep. Definitiv.

*klick* Play.

 

„Es erregt Dich.“ Er knurrte warnend, bewegte sich aber nicht von der Stelle. „Oh ja! Meine Schwäche, Deine Stärke, machen Dich so sehr an, dass Du zitterst.“, stellte ich trocken fest, bevor ich mich allmählich näher zu ihm beugte, um in sein Ohr zu flüstern: „Ich kann es ‘fühlen’, Angel.“

Ebenso leicht wie mein Atem über seinen Hals strich, glitt meine Hand über seinen Schritt, beziehungsweise über die deutlich ausgeprägte Beule, die sich dort befand, um jedes Missverständnis meine Wortwahl betreffend auszuschließen.

Er zeigte keine Reaktion. „Warum kämpfst Du dagegen an? Aus Feigheit? Angst? Befürchtest Du, dass Du nie mehr zurückfinden wirst... oder ’willst’, wenn Du einmal aus Deinem Gefängnis ausgebrochen bist?“

 

*klick* Pause.

Habe ich was verpasst? Seit wann treffen Lindseys Spekulationen ins Schwarze? Wie kann er von meinen Ängsten wissen? Ängste, die ich niemals laut aussprechen würde, über die ich nicht mal allzu genau nachdenken will.

Aber, weiß Gott, ich hasse diese ewig währende Zurückhaltung – ich vermisse die Verantwortungslosigkeit. Und was ist schon dabei, ab und zu ein bisschen über die Stränge zu schlagen? Noch dazu, wo es nicht mal auf meine eigene Initiative hin geschehen ist, wo ich dazu gedrängt wurde. Nichts.

Doch es gibt immer eine Quittung. Reue. Hinterher. Wenn ich realisiere, dass ich Mist gebaut habe, dass meinetwegen Menschen leiden mussten. Und was noch schlimmer ist, dann ist es so, als hätte ich mein Gute-Taten-Schlechte-Taten-Konto, das die Powers That Be über mich führen, direkt vor Augen – doch das Ende meiner Schuldbegleichung nicht mehr. Und wieder beginnt das Zusammenreißen.

Diesmal fällt es mir besonders schwer. Bei ihm. Kein Wunder. Ich will ihn. Vielleicht bin ich verrückt? Ja, sozusagen. Nach ihm. Denn auch wenn er mit mir spielt, und ich meine damit ‘falls’, kann ich ihm nicht widerstehen. Oder konnte ich?

*zögerndes-klick* Play.

 

Ich machte eine Pause, sah ihn nachdenklich an, und änderte plötzlich meine Taktik... instinktiv: „Weißt Du was? Ich will es gar nicht wissen. Vergiss es einfach.“

Ich winkte ab, schob ihn beiseite... genervt, aufgebend, drehte mich um und griff nach der Flasche JD, die noch immer auf meinem Couchtisch stand.

Ich erreichte mein Ziel allerdings nicht... jedenfalls nicht das. Dafür aber endlich das andere: Angel pur... entfesselt.

 

*klick* Pause.

Ob das so gut war? Was hat er denn von mir erwartet? Ungezügelte Leidenschaft? Den Jahrhundertfick? Fakt ist, er hat mit dem Feuer gespielt, ohne zu wissen, worauf er sich da einlässt. Klar, er ist Angelus schließlich nie begegnet.

Ich sage bewusst Angelus, auch wenn sich meine Seele nicht verabschiedet hat. Aber wenn man mich genügend in Rage bringt, kann ich sie schon mal vergessen. Und das ist nicht gut, gar nicht gut – zumindest für Normalsterbliche. Dann sollte ich nämlich besser GEfesselt als entfesselt sein.

Andererseits kann ich es in dem Fall nicht wirklich beurteilen, schließlich bin ich (Angel) noch nie sexuell gereizt worden – im Sinne von provoziert. Nur einmal, von Lorne, aber der ist ein Dämon, also zählt es nicht.

Der Punkt ist, dass Lindseys Taktik mein Untergang ist. Auch wenn ‘er’ es nicht so empfindet, ‘ich’ hasse es, meine Kontrolle zu verlieren, denn es wird von Mal zu Mal schwerer, sie wiederzuerlangen, beziehungsweise sie zu behalten. Damn-him!

*klick* Play.

 

Er riss mich so plötzlich zurück, dass ich überrumpelt gegen ihn taumelte... und mich widerstandslos von ihm lenken ließ, wieder zum Sessel, an dem ich mich festhielt, so gut es mir möglich war, während er gleichzeitig mein T-Shirt hoch- und meine Hose runterzog. Grollend. Und ungeduldig wie ein Kind, das es nicht erwarten kann, das ersehnte Geschenk auszupacken.

Und genauso fühlte ich mich - verzweifelt gewollt -, als er mit einer Hand über meinen Po strich und mich mit seiner anderen grob im Nacken packte und weiter vorbeugte, um besser sehen zu können, was er begehrte... meinen Hintern.

Seine Finger streichelnd, neckend, verblüffend sanft... bewundernd, genießerisch wie der Klang seiner Stimme, wie dieses ‘Mhmm’, das mich zu umgeben schien und lauter wurde, drängender, sobald er sich an mich presste und dadurch mein Verlangen schürte.

 

*klick* Pause.

Auch wenn seine Stimme nach wie vor nüchtern klingt, während er erzählt - es ist übrigens unbegreiflich für mich, wie er es geschafft hat, so unbeteiligt zu bleiben -, kann ich ganz deutlich sein leises Seufzen hören. Oder bilde ich mir das nur ein? Hm.

Dass ich seine Erregung riechen und das Leuchten in seinen Augen sehen kann, würde diese Vermutung bestätigen. Uh, egal, für mich gilt jedenfalls dasselbe. Er MACHT mich verrückt, bringt mich um meine Kontrolle. Warum tut er mir das an? Wie kann er nur!

*verärgertes-klick* Play.

 

Sein Körper war nun nicht länger eine Ahnung für mich, irgendwo hinter mir, sondern Wirklichkeit. Sein Tun keine Spielerei mehr, sondern Ernst. Seine Kraft so deutlich, in jeder Geste, in seiner Umarmung. Seine Macht so präsent wie das raue Leder seiner Hose auf meiner nackten Haut.

Seine Absichten so unmissverständlich wie das leise Geräusch, das sein Mantel beim Zubodengleiten verursachte... oder die metallene Gürtelschnalle, Hosenknopf, Zipper. Seine Lust unverkennbar wie die Härte seines Schwanzes, der zwischen meinen Beinen entlangstrich, feucht über meine Hoden gleitend.

Ich denke, nichts lag ihm ferner, als mich zu erregen, und dennoch zitterte und stöhnte ich, lehnte mich weiter vor, um ihm besseren Zugang zu verschaffen... oder mich ihm anzubieten. Wie auch immer. Ich wollte mehr von ihm... alles, und am liebsten sofort. Meine Fantasie angeregt durch die Erinnerung an das letzte Mal.

 

*klick* Pause.

Jajaja. Klingt wie eine Entschuldigung vor sich selbst. Ich stutze.

Moment mal. Ist das etwa der Schlüssel? Sein Geheimnis? Unterbewusstsein und Bewusstsein im Widerspruch? Will Lindsey - oder ein Teil von ihm - etwa beherrscht werden? Bestraft? Wofür? Und warum ausgerechnet von mir?

Die haben schließlich bei W&H für alles ihre Leute. Spezialisten. Und selbst wenn nicht, könnte er sich jemanden kaufen, einen Profi. Aber er will mich. Nicht dass ich kein Profi wäre, meine Vergangenheit spricht wohl für sich. Uh...

*klick* Play, verdammt!

 

Mein Empfinden halb in der Vergangenheit, als er sanft und vorsichtig in mich eingedrungen war und ganz allmählich dieses unglaubliche Gefühl in mir ausgelöst, meine Lust entfacht hatte. Küsse und Blickkontakt... fehlten nun gänzlich, und holten mich in die Gegenwart zurück.

Ich nahm seine Wut wieder deutlicher wahr - die ich wohl selbst geschürt hatte... durch mein Verhalten -, genoß seine Überlegenheit, oder meine Schwäche. Und ich fieberte ohne Zögern seinem Hass entgegen, seiner Stärke, Überlegenheit... allem, was er mir zu geben hatte.

 

*klick* Pause.

Er, er, er. Heißt der Bericht nicht ‘All for him’, also für mich? Ich bemerke nichts davon. Es sei denn, er bezieht sich auf Schuld und Reue, weil ich kurzzeitig meine Kontrolle verloren habe. Weil er mich dazu gebracht hat, meine ich natürlich.

*klick* Play.

 

Heiß, lodernd, ungezügelt. So stellte ich es mir jedenfalls vor. Ich hatte ja keine Ahnung. Bis ich seine Hände grob auf meinem Hintern spürte, sich weit gespreizte Finger in mein Fleisch drückten, seine Daumen meine Pobacken teilten, und sein Schwanz sich unbeirrt auf den Weg zum Ziel machte, die Spitze sich dagegen presste, bereit, das letzte Hindernis zu durchbrechen.

 

*klick* Pause.

Oh Gott, ich will das nicht hören! Ich habe ihn doch nicht so...? Ich meine, ohne...?

Nein! Ich bin nicht das Tier, für das er mich hält. Schon lange nicht mehr. Auch wenn das Zittern in seiner Stimme das Gegenteil ahnen lässt, ich glaube ihm nicht. Basta.

Niemand zwingt mich schließlich dazu, oder? Ich kann denken, was ich will. Lindseys magischem Pulver sei dank. Und außerdem muss auch nicht weiterhören. Richtig?

God-damn-it! Ich wünschte, ich könnte widerstehen, und verhindern, den Mauszeiger zurück auf den Playbutton zu schieben. Aaahrgh... *widerwilliges-klick*

 

Ich war nicht wirklich darauf gefasst. Weder auf die plötzliche Panik, die in mir aufstieg, als ich realisierte, dass er mich ohne jegliches Gleitmittel vögeln wollte, noch auf seine Rücksichtslosigkeit, als er sich mit einem einzigen, gnadenlosen Stoß in mir versenkte, und am allerwenigsten auf den Schmerz, der so ganz anders war als beim ersten Mal... unerträglich, scharf, sodass mir schwarz vor Augen wurde.

Stöhnen allein reichte nicht, um mir Luft zu verschaffen. Ich schrie, bäumte mich auf, streckte reflexartig meinen Oberkörper, drückte meinen Rücken durch, stellte mich auf die Zehenspitzen.

Den schweren Sessel verfluchend, der mir kein bisschen Spielraum ließ, lehnte ich mich schließlich gegen Angel, schlang meinen linken Arm nach hinten um seine Taille, verhedderte mich in seinem T-Shirt und krallte meine Finger in den dünnen Stoff.

Doch all das nutzte mir rein gar nichts. Ich konnte weder seine Bewegungsfreiheit hemmen, noch meinem Schmerz entkommen... oder ihm. Er hielt mich in festem Griff, presste mich an sich... und sich in mich. Und offensichtlich scherte es ihn nicht im geringsten, ob er mich dabei zerreißen würde.

 

*klick* Fassungslose Pause.

Ich habe meine Kontrolle also nicht wiedererlangt – Angelus war frei. Er, ich, wir, verdammt... *verwirrtes-klick*

 

Vielleicht bemerkte er es aber auch gar nicht. Für mich fühlte es sich jedenfalls so an. Ich konnte nur wimmern... verkrampft, zitternd, bis er sich ganz langsam aus mir zurückzog, Zentimeter für quälenden Zentimeter den Schmerz mit sich nahm und dabei fast sanft das Brennen linderte... unabsichtlich.

 

...was zählt das im Endeffekt?

 

Ich dachte, ich hätte das Schlimmste überstanden, oder hoffte, er würde einfach aufhören. Doch er verharrte, sobald sich nur noch die Spitze seines Schwanzes in mir befand, und flüsterte mir ins Ohr: „Du hast es so gewollt. Jetzt deal mit den Konsequenzen.“

 

Angelus/ich haben...

 

Kein Atemhauch zu spüren, nur seine Worte, kalt und ohne jegliches Mitleid ausgesprochen, sickerten in meinen Verstand... halb Erinnerung, halb Drohung, und ließen mich reflexartig tief Luft holen. Genau im richtigen Moment, weil er sich Sekunden später wieder in mich rammte, sodass ich genug Sauerstoff in meinen Lungen hatte, den er aus mir herauspressen konnte.

 

...Lindsey tatsächlich...

 

Es fühlte sich an, als ob er mich aufspießen würde - mit jedem weiteren Stoß... hart, gnadenlos, ohne Aussicht auf einen Sinneswandel -, wurde mir klar, als er mit einer Hand meinen linken Oberschenkel umfasste und seitlich auf die Lehne des Sessels zerrte, mich weiter für sich öffnete, was durchaus erleichternd war, allerdings auch den Nachteil hatte, dass er nun noch tiefer in mich dringen konnte... und es auch tat.

...vergewaltigt

 

Teil 2