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Und es begab sich
zu der Zeit... Alright,
this is for Blaze and CML and every other Spikette or -ster from a certain
board who thinks he has to come here to make me feel better. You've been
warned. Buffy sounds weird enough when people who get paid for it translate it
into German. ;)
Just
some explanations: 'Jägerin' = 'huntress' is the expression used instead of
'Slayer' in German. 'Häppchen' ('small bite') is my personal translation for
'niblet' or 'Little Bit', as there is no 'official' term for it yet because the
episodes when Spike uses these nicknames for Dawn have not aired yet in
Germany. You'll find that I sometimes kept the English expression like
'Slayer', 'Sire' or Spike's 'Luv' and 'pet' as I was not pleased with its
German equivalent or couldn't find any. And I'm afraid I have to apologize in
advance for all the slang and some pretty old words that you will probably not
find in any dictionary... And
please remember that the German audience is pretty young (except me of course),
and this time I was at least remembering this when I wrote the story. Which
means that a) there is no 'explicity' (sorry, Blaze ;)), and b) there are some
scenes in it that will probably make you cringe (like the Angel scenes I
mentioned above). Still
want to read it? Well - we all know the board I was speaking of is home of the
insane... *** Und es begab
sich zu der Zeit... (Los Angeles) "Ehrlich
gesagt bin ich nicht sicher, ob ich das für eine gute Idee halte, Sir",
bemerkte einer der beiden jungen Anwälte, die sich gemeinsam mit dem etwas untersetzten
älteren Herrn in dem hallenden Kellerraum versammelt hatten. "So."
Der rundliche Mann mit den grauen Schläfen ging nicht weiter auf die Bemerkung
ein, viel zu beschäftigt damit, das Aufstellen der großen hölzernen Kiste auf
den exakten Koordinaten innerhalb des mit roter Farbe auf den Boden gemalten
Pentagramms zu beaufsichtigen. "Ja",
bekräftigte der Kollege des ersten Sprechers. "Sehen Sie, unsere Abteilung
hatte ja bereits Gelegenheit, gewisse Erfahrungen auf dem Sektor zu sammeln,
mit dem Sie sich gerade beschäftigen, Sir. Und ich muß zugeben, daß unsere
bisherigen Erlebnisse auf dem Gebiet der Rückführung aus dem Totenreich nicht
unbedingt von Erfolg...-" "Weil Sie
es stümperhaft und idiotisch angefangen haben", unterbrach der Ältere sachlich,
aber in eisigem Tonfall. "Die menschliche Hülle eines gepfählten Vampirs
zu beschwören, um sie anschließend wieder zum Vampir zu machen und prompt die
Kontrolle über das Produkt Ihrer Bemühungen zu verlieren. Ja, ich gebe zu,
diese erbärmlichen Anstrengungen waren in der Tat nicht unbedingt von Erfolg
gekrönt." "Nun - bei
allem Respekt, Sir..." "Bei allem
Respekt für Ihre Sorge, junger Freund - Wolfram & Hart werden gut für die
Dienste bezahlt, die ich in Anspruch nehme. Oder etwa nicht?" "Selbstverständlich,
Sir." "Dann
sollten Sie alles weitere wohl auch besser mir überlassen." Er drehte sich
nach den beiden jungen Anwälten um. "Sie sollten sich glücklich schätzen.
In wenigen Minuten werden Sie Zeuge eines Ereignisses von unvorstellbarer
Bedeutung werden, meine jungen Herrn. Ich werde, mit der geschätzten Hilfe
Ihrer Kanzlei, ein Wesen in diese Welt zurückholen, dessen Macht in eine Zeit
weit jenseits unserer Tage zurückreicht." Seine Stimme verlor sich in
düsterem Gemurmel. "Er war ein
Vampir. Mächtig, wenn auch gebannt in die Tiefen der Erde. Die Zeit seiner
Erlösung war gekommen, die Prophezeiung hatte sich erfüllt. Aber die uralte
Feindin, immer dieselbe, nur ihr Gesicht verwandelt in jeder neuen Generation,
sie traf ihn und sandte ihn fort in die ewigen Schatten." "Ein -
Vampir, Sir?" wagte einer der beiden Anwälte erneut einzuwerfen. "Ich
habe gehört, daß es nahezu unmöglich ist, ein derartiges Wesen in seiner,
nun... untoten Form zurückzurufen. Unbedingte Voraussetzung dafür ist das
Vorhandensein eines intakten Skeletts, aber da Vampire üblicherweise bei -
Erlöschen ihrer irdischen Existenz zu Staub zerfallen, ist so etwas überaus
selten..." "Narren!"
Der ältere Mann ließ jetzt jeden Anschein von Freundlichkeit fallen. "Sie
haben gehört! Verlassen Sie sich nicht auf das Hörensagen, Sie aufgeblasener
Laffe. Ich habe mehr Schriften studiert, als Sie je zu Gesicht bekommen werden,
aber, was viel wichtiger ist: Ich habe ihr Wesen begriffen. Gebt, so wird euch
gegeben. Kein Segen ohne Opfer, keine Gabe ohne Preis. Ich habe es
begriffen." Er trat nahe an die Kiste heran und musterte sie mit fiebrigen
Augen. Die gut ein
Dutzend Vampire, die mit eisernen Ketten an den Ecken der über mannshohen Truhe
befestigt waren, wichen, statt anzugreifen, entsetzt vor dem rundlichen Herrn
zurück, und zerrten verzweifelt an ihren Fesseln. "Ich habe
es begriffen", wiederholte der Mann und strich beinahe liebevoll über das
rauhe Holz. "Und ich werde dem Orden des Aurelius das kostbarste Geschenk
machen, das er je erhalten hat - mich." Aus der Tasche
seines grauen Anzugs holte er ein sorgfältig verschlossenes Fläschchen, ließ
ein paar Tropfen davon in die Fläche seiner linken Hand laufen und sprengte es
nachlässig über die Kiste. Dann begann er
in einer altertümlichen Sprache zu singen. Ein Rumpeln,
dann ein Beben durchlief das Gebäude. Risse zogen sich plötzlich durch den
Fußboden. Die an die Kiste geketteten Vampire heulten und kreischten vor Panik,
und der Mann sang noch immer. So urplötzlich,
als habe sich ein Blitz in dem Kellergewölbe gefangen, erfüllte gleißendes
Licht den Raum. Beide jungen Anwälte, die sich sicherheitshalber bis an den
Eingang zurückgezogen hatten, bedeckten die Augen mit den Armen. Als die
blendende Lichtflut allmählich verebbte, waren sowohl die Vampire wie auch der
Beschwörer verschwunden. Die Kiste allerdings war noch da. Sie rumpelte und
schien sich wie selbständig zu bewegen, als sei sie kurz vor dem Zerbersten. In
der Tat zeigten sich im scheinbar unzerbrechlichen Holz bereits gewaltige
Sprünge, aus denen Strahlen bläulichen Lichts fielen. Und aus ihrem Inneren
kamen Geräusche, die jeder Beschreibung spotteten. Die beiden
jungen Männer sahen sich an. Dann umklammerten sie wie auf Kommando ihre
Aktentaschen, drehten sich um und hasteten die Treppe hinauf, gerade noch bevor
der Raum hinter ihnen zusammenstürzte. Die Senior
Partner bei Wolfram & Hart würden nicht zufrieden sein über dieses
Ergebnis, soviel stand fest. Nur gut, daß der seltsame Mann bereits im voraus
bezahlt hatte. *** (Sunnydale, etwa
zwei Wochen später) "Das ist ja
wohl nicht dein Ernst, Slayer!" "Mein
voller Ernst. Und mach mich bloß nicht wütend!" "Du stürmst
hier rein, reißt mich aus dem Schlaf und verpaßt mir einen Kinnhaken, um mich
zu einer Weihnachtsfeier einzuladen?" "Es ist
ganz bestimmt nicht meine Idee!" fauchte die Jägerin wütend und stapfte in
der ungemütlichen Gruft auf und ab. "Und der Kinnhaken war nur dafür,
damit dir das klar ist. Mom und Dawn sind auf diesen dämlichen Einfall
gekommen." "Joyce und
das Häppchen?" Der peroxydblonde Vampir setzte sich auf seinem Sarkophag
auf. Totale Verblüffung malte sich auf seinen Zügen. "Wieso?" "Frag nicht
mich. Ich weiß es nicht." Buffy verdrehte die Augen. "Mum ist mal
wieder auf ihrem Wohltätigkeitstrip. Weihnachten, Fest der Liebe und der
Versöhnung und so weiter. Keiner sollte an Weihnachten alleine sein, blabla.
Anscheinend schließt das sogar blutsaugende Nervensägen mit ein." "Mann,
Jägerin, ich kann die vorweihnachtliche Liebe geradezu spüren hier drin",
spottete Spike, ehe er das Unvermeidliche tat und sich eine Zigarette
anzündete. "Sag den beiden einfach, daß ich nicht da bin. Sag ihnen,
ich... ich fahr über Weihnachten zu meiner Familie. Oder zu Freunden" "Du hast
weder Freunde noch Familie, Spike." "Dru",
sagte Spike etwas beleidigt. "Sie ist, vampirtechnisch gesehen, sowas wie
meine Mutter." "Igitt",
machte Buffy. "Soll heißen, du hast hundertzwanzig Jahre lang mit deiner
Mutter... - Oh Gott, bitte erspar mir die Details. - Warte mal, das heißt,
Angel wäre demnach dann dein Großvater?" "Die
verdammte Schwuchtel ist mein Grandsire, genau. Sag deiner Sippe einfach, ich
bin in L.A. und statte meinem grüblerisch veranlagten Erzeuger 'nen
Höflichkeitsbesuch ab, okay?" "Du nimmst
doch nicht ernsthaft an, daß irgendjemand das glauben würde. Das letzte Mal,
als ihr beide, du und Angel, euch begegnet seid, hast du ihn wegen dieses Rings
von Ama-was-weiß-ich gefoltert." "Ach, hat
er dir das erzählt?" "Ja, und wo
wir gerade dabei sind..." Buffy holte kurz aus und verpaßte Spike einen
sichtbar schmerzhaften Schwinger in Magenhöhe. Der Vampir sackte buchstäblich
in sich zusammen; seine Zigarette fiel zu Boden, rollte über die unsauberen
steinernen Fliesen und verschwand in einer Ritze. "Den war ich dir dafür
noch schuldig." "Das geht
dich überhaupt nichts an", hustete Spike, während er sich etwas mühsam
wieder in die Höhe kämpfte. "Was Angelus und ich miteinander auszutragen
haben, hat überhaupt nichts mit dir zu tun." "Das ist
mir gleichgültig, Spike, solange es mir einen Grund gibt, dich zu pfählen.
Vielleicht sollte ich das sowieso tun. Würde immerhin bedeuten, daß du nicht
mehr bei uns zu Hause aufkreuzen kannst." "Ach ja?
Und wieso tust du's dann nicht einfach, Summers?" "Weil Mum
und Dawn offenbar fest entschlossen sind, dich zu einem funktionierenden
Mitglied der Weihnachtsgesellschaft zu machen. Deswegen." "Weißt
du", grinste Spike, "ich glaube, deine Schwester steht auf
mich." "Teenager
in ihrem Alter haben eben nun einmal weder Hirn noch Geschmack." "Warst du
nicht ungefähr genauso alt, als du dich in Angel vergafft hast? - He, steck den
Pfahl weg, Luv. War ja nur 'ne Frage." "Also, zum
letzten Mal", knirschte Buffy. "Weihnachten. Bei mir.
Scoobie-Gang-Feier. Du. Und zwar pünktlich! Es gibt Punsch und Plätzchen. Keine
dämlichen Bemerkungen, keine Sauforgien unterm Weihnachtsbaum, und wehe, du
benimmst dich sonstwie daneben!" "Geht klar,
Luv." "Und hör
auf mit diesem dämlichen 'Luv'!" Die Tür der
Gruft schlug geräuschvoll hinter Buffy ins Schloß. Spike seufzte,
steckte sich eine neue Zigarette an und holte dann aus einer Ritze des
Sarkophags, auf dem er schlief, ein abgegriffenes Foto hervor. "Siehst du,
Jägerin", erklärte er dem lächelnden Mädchenportrait, das er vor einer
Weile aus einem von Joyce' Fotoalben hatte mitgehen lassen, "du weißt es
vielleicht noch nicht. Aber du kannst ohne mich doch gar nicht leben." *** Mit
triumphierendem Lächeln legte Joyce Summers den Hörer zurück auf die Gabel und
drehte sich nach den anderen beiden um, die sich im Augenblick mit ihr in der
Küche befanden. "Sehen Sie,
Mr Giles? Ich habe es Ihnen ja gesagt." Der englische
Bibliothekar polierte die Gläser seiner Brille. "Nun, es überrascht mich
nicht, Mrs Summers, daß es offensichtlich niemandem gelingt, Ihnen etwas
abzuschlagen." Er räusperte sich vorsichtig. "Sie haben, bei allem
Respekt, ein erstaunliches Talent dafür, Leute dazu zu bringen, etwas zu tun,
das sie nicht wollen." Joyce lachte
herzlich. "Rupert, ich habe zwei Töchter wie die da." Ihre Augen
winkten kurz zu Dawn hinüber. "Glauben Sie mir, als Mutter wäre ich
verloren ohne ein Mindestmaß an Manipulationstechnik." Dawn verzog ein
wenig das Gesicht, verschränkte dann die dünnen Arme vor der Brust und lehnte
sich gegen den Küchentisch. "Soll das also heißen, der große Langweiler
kommt wirklich?" Giles setzte
seine Brille wieder auf und musterte den Teenager durch die jetzt sauberen
Gläser. "Dawn, ich habe das Gefühl, du verbringst zuviel Zeit mit
Spike." "Tu ich
nicht", widersprach das Mädchen. "Wenn ich sagen würde, was Spike
sagt, hätte ich gesagt, Angel ist eine große Schwu-..." "Dawn!"
unterbrach ihre Mutter warnend. Das Mädchen schmollte. "Er ist
trotzdem ein Langweiler. Spike ist viel cooler." "Er ist ein
für den Moment ruhiggestellter Killer, Dawn", korrigierte Giles ernst.
"Bitte vergiß das nicht, nur weil er im Augenblick niemanden angreifen
kann." "Angel
könnte er angreifen", sagte Dawn, und ihre Miene hellte sich etwas auf.
"Angel ist ein Vampir." "Ja",
nickte der Bibliothekar und drehte sich wieder nach Dawns Mutter um. "Ich
hoffe, Sie haben sich das auch gut überlegt, Joyce. Die Dinge zwischen Spike
und seinem Sire standen - nun, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade zum Besten,
als sie sich zum letzten Mal gesehen haben. Männliche Vampire neigen ohnehin zu
permanentem Rivalitätsverhalten, und da im Falle dieser beiden außerdem noch
eine, wie ich fürchte, diametral entgegengesetzte Weltanschauung
hinzukommt..." "Er meint,
sobald die zwei sich zu Gesicht kriegen, gehen sie sich an die Kehle",
übersetzte Dawn. "Ja, so
ungefähr wollte ich es allerdings ausdrücken." "Giles,
danke für Ihre Besorgnis." Joyce wandte sich wieder dem Herd zu, auf dem
in mehreren Töpfen das Abendessen für die kleine Familie brodelte. "Aber
ich denke, wir werden die beiden schon in den Griff kriegen. Sehen Sie, genau
das ist ja der Grund, warum es mir so wichtig ist, Angel dabei zu haben."
Sie sah den Engländer an und seufzte. "Alles, was in den letzten Jahren
passiert ist, hat Buffy viel mehr mitgenommen, als sie zugibt. Gott, wenn ich
mir das vorstelle... die ganze Geschichte mit Angel... und ich hatte keine
Ahnung... sie hatte niemanden, dem sie sich anvertrauen konnte..." Giles räusperte
sich etwas betreten, und Joyce legte ihm rasch die Hand auf den Arm. "Verzeihen
Sie, Rupert. Natürlich hatte sie Sie. Und Sie wissen gar nicht, wie dankbar ich
Ihnen dafür bin. Aber eigentlich hätte ich für Buffy da sein müssen. Sehen Sie
es einfach als mein mütterliches schlechtes Gewissen. Zwischen Angel und Buffy,
aber auch Angel und mir oder... - Ihnen, Rupert - da sind einfach noch zu viele
unausgesprochene Dinge. Gibt es eine bessere Gelegenheit, das alles einmal ins
Reine zu bringen, als Weihnachten?" Sie fing wieder an, in einem der Töpfe
zu rühren. "Und wenn wir nebenbei noch Frieden in einer Vampirsippe
stiften - nun ja, um so besser." "Das glaube
ich erst, wenn ich es sehe", kicherte Dawn. "Ich wette, Spike poliert
Angel die Fresse." "Dawn!"
Ein mütterlicher Zeigefinger drohte dem Teenager sehr energisch. "Kümmere
dich jetzt lieber um deine Hausaufgaben. Und noch einmal: kein Wort zu Buffy,
oder du kannst dir deine Weihnachtsgeschenke abschminken." Das Mädchen hob,
ohne die Hände aus den Jeanstaschen zu nehmen, einmal kurz die schmalen
Schultern und trollte sich. "Buffy und Spike und die große
Schwuchtel", hörten die beiden Erwachsenen sie noch vor sich hin murren,
als sie die Treppe nach oben stapfte. "An das Weihnachten werden wir alle
noch lange denken." *** In einem etwas
baufälligen Motel am Rande des Highways nach Los Angeles sah sich ein
rundlicher, an den Schläfen leicht angegrauter Herr in seinem Zimmer um. Er
legte den einzelnen kleinen Lederkoffer, den er mitgebracht hatte, auf das
schmale, mit einem vergrauten Leintuch bedeckte Bett und zog sein Sakko aus, um
es über den einzigen vorhandenen Stuhl zu hängen. Dann öffnete er das Fenster
und sah hinaus in den allmählich herabsinkenden Abend. "Sunnydale",
murmelte er. "Endlich zu Hause." *** (Zur selben
Zeit, in Los Angeles) "Angel?"
"Cordelia."
Der Vampir sah von dem Buch, in dem gelesen hatte, auf. "Mit wem hast du
denn da so eingehend telefoniert? Ein neuer Klient?" "Ähm...
nein." "Sondern?"
"Es war Mrs
Summers." Das Buch
rutschte von Angels Knien und fiel zu Boden. Es war ein Band Maupassant. "Was ist
mit Buffy?" "Nichts. Es
geht ihr gut." "Aber
warum... warum sollte Buffys Mutter bei uns anrufen?" Cordelia ließ
sich auf die Armlehne des Sofas sinken, auf dem Angel saß. "Sie hat uns
eingeladen, Angel." Der Vampir sah
sie an, als habe die Frau gerade begonnen, Maupassant im Original zu zitieren.
"Was?" "Sie hat
uns, und zwar uns alle, über die Weihnachtsfeiertage zu sich eingeladen."
Sie atmete tief ein. "Und ich habe in deinem Namen zugesagt." "Du hast
was?" Angel starrte sie an, dann sprang er unvermittelt auf, machte einen
großen Schritt über das Buch hinweg und wanderte im Zimmer auf und ab.
"Ich fahre nicht nach Sunnydale, Cordy. Bitte entschuldige mich bei
Joyce." "Den Teufel
werde ich!" gab Cordelia zurück. "Du glaubst ja wohl nicht, daß ich
Weihnachten alleine mit Dennis in meiner Wohnung verbringen werde, wenn ich die
Chance auf eine feuchtfröhliche Party bei den Summers habe. Alle werden da sein
- Willow und Xander, Giles und natürlich Buffy..." "Eben",
sagte Angel hastig. "Cordelia, ich will dir deinen Spaß nicht kaputt
machen, also fahr ruhig, aber ich bleibe hier. Ich kann ihnen nicht zumuten,
mich dort zu sehen." "Du kannst
es ihnen nicht zumuten", schnappte die Frau. "Aber dir kannst du es
sehr wohl zumuten, Weihnachten alleine und vor dich hin brütend in deinem
stockfinsteren, feuchten Zimmer zu sitzen." "Mein
Zimmer ist nicht...-" "Finster?"
"Feucht. -
Und finster eigentlich auch nicht. Das Hyperion hat sehr schöne und hohe
Fenster." "Die leider
überhaupt nicht auffallen, wenn jemand den ganzen Tag die Vorhänge geschlossen
hat und am liebsten den ganzen Raum schwarz tapezieren würde." "Cordelia,
ich kann nicht fahren. Du weißt, daß es mir höchst unangenehm wäre. Ich - würde
Buffy nur aufregen. Und alle anderen vermutlich mit." Er schüttelte
energisch den Kopf. "Nein, unmöglich. Bitte, Cordelia, es gab gute Gründe
für mich zu gehen. Ich habe mit dem Kapitel Sunnydale abgeschlossen." "Na
wunderbar", strahlte Cordy. "Dann gibt es ja auch gar keinen Grund,
warum du dort nicht einen kleinen Weihnachtsbesuch machen solltest. Das Kapitel
ist ja schließlich abgeschlossen. Überhaupt keine Gefahr, alte Wunden
aufzureißen und bittere Erinnerungen aufzufrischen, richtig?" Sie trat
neben Angel und legte ihm eine lange, sanft braun getönte Hand mit perfekt
manikürten Nägeln auf die Schulter. "Angel. Davonlaufen bringt gar nichts.
Sunnydale ist da, und es ist Teil deines Lebens. Teil von dir. Du wirst nie
davon loskommen, wenn du es noch nicht einmal fertig bringst, dich umzudrehen
und dir diesen Teil der Geschichte mit ein wenig Abstand noch einmal
anzuschauen." Der Vampir
drehte sich um und sah sie an. "Cordy? Wie kommt es, daß du manchmal
Anfälle von echter Weisheit hast?" "Nebenwirkung
meiner Visionen. Also wir fahren?" "Es ist mir
noch immer peinlich. Angel Investigations lädt sich vier Mann hoch bei Buffys
Mutter zum Weihnachtsessen ein." "Erstens
hat Joyce uns eingeladen, und sie wäre bestimmt zutiefst beleidigt, wenn wir
nicht kämen. Alte menschliche Sitte, das mit dem Beleidigtsein. Und außerdem
wären es sowieso nur du und ich. Gunn ist bei seinen Kumpels von der Gang und
wird nebenbei hier nach dem Rechten sehen, und Wesley wollte über die Feiertage
nach England fliegen. Schon vergessen?" "Ja,
richtig." Angel seufzte. "Er will Schnee an Weihnachten. Ehrlich
gesagt, ich auch." "Schnee? In
Kalifornien? Vergiß es. Als Kind war ich mit meinen Eltern mal über Weihnachten
zum Skilaufen in Sankt Moritz. Ich habe mir den Arm gebrochen. Schauderhafte
Weihnachten." Cordelia winkte angewidert ab. "So. Und jetzt
entspannst du dich schön, und ich gehe in der Zwischenzeit deinen Koffer
packen." "Cordelia,
ich kann meinen Koffer durchaus alleine..." "Oh,
jaja." Cordys Stimme kam schon vom Flur. "Das kenne ich. Zwei
schwarze Hosen, drei schwarze Hemden und zwei dunkelgraue Pullover. Oh, nicht
zu vergessen den schwarzen Mantel für die Auftritte als Vampir. Wollen doch mal
sehen, ob dein Kleiderschrank nichts anderes hergibt." "Äh...
Cordy!" In Angel geriet plötzlich Bewegung, als seine scharfen Vampirsinne
das Geräusch einer sich öffnenden Schranktür vernahmen. "Die Sachen, die
ganz hinten im Schrank hängen, die gehören nicht mi-..." "Was? Ein
fliederfarbenes Seidenhemd?" *** (Sunnydale, 3
Tage vor Weihnachten) Es war schon
stockfinster, als Joyce und Dawn sich auf den Weg zu ihrem Wagen machten. "Mir hätte
der andere aber besser gefallen", maulte der Teenager. "Liebling,
eine Blautanne in der Größe hätten wir nicht einmal ins Wohnzimmer
gekriegt", erläuterte Joyce geduldig, während sie ihr Portemonnaie
wegsteckte, "geschweige denn durch die Tür ins Haus. Und egal, wie warm es
ist, ich habe keine Lust, Weihnachten als Gartenparty zu feiern. Und der Baum
hier...", sie deutete nachlässig auf das grüne, stachlige Ungetüm, das
etwas zögerlich hinter den beiden Summer'schen Damen her schwankte, "...
ist doch auch ganz schön. - Übrigens vielen Dank für deine Hilfe, Xander."
"Kein
Problem", keuchte es irgendwo hinter den Zweigen des Weihnachtsbaumes
hervor. "Mach ich doch gerne... - Wo sagten Sie, steht Ihr Wagen gleich
wieder, Mrs Summers?" "Keine
Bange, es ist nicht mehr weit, gleich an der nächsten..." Joyce kam nicht
mehr dazu, den Satz zu beenden. In diesem Moment tauchten aus dem Nichts zwei
hünenhafte Gestalten vor ihr auf. Die langen Fangzähne und die zerfurchte Stirn
sprachen eine deutliche Sprache über ihr Wesen und ihre Absichten. Dawn
kreischte und klammerte sich an ihrer Mutter fest, während Xander, der hinter
dem Tannenbaum praktisch nichts erkennen konnte, mit voller Wucht auf die
beiden auflief. "Oh,
Entschuldigung." Er setzte die Tanne ab, lugte zwischen den Zweigen
hindurch und erkannte jetzt den Grund des plötzlichen Haltens. Wie ihn ein
rascher Blick über die Schulter belehrte, hatte ihnen ein dritter Vampir
außerdem den Rückweg abgeschnitten. "Na
toll", knurrte der Junge. "Sagt mal, sowas wie Feiertage gibt es wohl
für euch Untote nicht, wie?" "O
doch", gab einer der drei grinsend zurück. "Darum werden wir uns
heute auch ein Festtagsmenü gönnen." "Da habt
ihr euch aber verrechnet", spottete Xander, während Joyce und Dawn sich
vorsichtig hinter ihn und die weit ausladende Tanne zurückzogen. "Erstens:
Weihnachten ist erst in ein paar Tagen. Und zweitens: Wißt ihr eigentlich, wen
ihr hier vor euch habt? Die Mutter und die Schwester der Jägerin. Der besten
Jägerin seit Urzeiten wahrscheinlich, und ich kann euch sagen, sie wird
verdammt sauer sein, wenn sie hört, daß ihr uns bei unseren
Weihnachtsvorbereitungen gestört habt. Also nehmt mal alle eure zweieinhalb Gehirnzellen
zu Hilfe, überlegt euch die Sache und zischt ab, solange ihr noch könnt." "Ja",
piepste Dawn aus dem Hintergrund. "Vielleicht verraten wir Buffy dann
nichts." "Oh, aber
wir wollen doch, daß sie davon erfährt." Der vorherige Sprecher machte einen
drohenden Schritt auf die kleine Gruppe zu und leckte sich mit hörbarem
Schmatzen die Lippen. "Und der, der uns geschickt hat, wünscht das noch
viel mehr." "Okay."
Xander hielt die Tanne halb vor sich und ging gemächlich rückwärts, bis er
neben Joyce und Dawn mit dem Rücken gegen die Hauswand stieß. "Ihr habt
verstanden, was ich sage, oder? Wir reden von Buffy. Der Jägerin. Derjenigen,
die euch erst windelweich prügeln und eure Asche dann quer über Sunnydale
verteilen wird. Das habt ihr doch begriffen, oder?" "Tut mir
leid, mein Freund", grinste der Vampir. "Aber das einzige, was ich
verstehe, ist-..." "Offenbar
das hier!" Eine Faust kam,
schneller als irgendjemand sehen konnte, aus dem Nirgendwo und krachte gegen
das Kinn des Anführers. Der Arm, der zu der Faust gehörte, steckte im Ärmel
eines bodenlangen schwarzen Ledermantels, der majestätisch hinter seinem Träger
her schwang, als dieser sich zwischen die Angreifer und die drei Menschen
stellte. "Spike!"
riefen Dawn, Xander und einer der Vampire im Chor. Dawn hörbar begeistert,
Xander in einer Mischung aus Erleichterung und Ungeduld und der Vampir
schnaubend vor Wut. Der Platinblonde grinste breit, als er sich den drei
Angreifern zuwendete. "Wen hattet
ihr denn erwartet? - Also hört mal. Der Trottel Harris hat es euch doch
wirklich ganz einfach erklärt. Ihr verschwindet jetzt zurück in die
Kanalisation, aus der ihr kommt, und laßt die Ladies hier in Ruhe." "Spike!"
knurrte jetzt auch der Anführer der Vampire, während er vom Boden aufstand.
"Der Mörder! Der Verräter!" "Mörder hab
ich schon 'n paarmal gehört", nickte Spike etwas verwundert. "Aber
Verräter ist neu." "Wir werden
dich in die Hölle schicken - William." Der Vampir spie Spikes eigentlichen
Namen förmlich aus. "Du hast unsere Sache verraten und dich mit der
Jägerin zusammengetan. Der Orden kennt deinen Namen nicht mehr. Du und der
andere Verräter wurden aus unseren Rollen getilgt." "Orden?"
Spike schien jetzt ernsthaft verwirrt. "Ich glaube, du verwechselst da
was, Kumpel. Drusilla war diejenige, die ins Kloster gehen wollte. Nicht ich.
Daß das mit dem Keuschheitsgelöbnis nichts für mich ist, war mir immer
klar." "Du magst
dich verstellen, wie du willst, Spike. Du wirst deinem Schicksal nicht
entgehen. Der Orden wird unter der Hand seines Herrn neu erstehen in altem
Glanz, und dich wird seine Rache treffen noch ehe...-" "...du mich
zu Tode gelangweilt hast?" Ein linker Haken Spikes, der seinen Gegner dem
Geräusch nach die Vorderzähne kostete, beendete die merkwürdige
Unterhaltung recht abrupt. Nun, Spike war nicht unbedingt für übermäßige
Geduld bekannt. Aufbrüllend stürzten sich nun auch die anderen beiden Vampire
auf ihn, und Xander sah sich zu seinem Leidwesen moralisch verpflichtet, dem
ungeliebten Alliierten beizustehen. Und man mußte ja
zugeben, daß die Chancen weitaus besser standen, solange dieser platinblonde
Massenmörder wenigstens auf der eigenen Seite kämpfte. Obwohl es in
Gegenwart Spikes nie ganz ohne Verluste abging. Auch heute nicht. "Unser
Baum!" schrie Dawn, als der Vampir mit einem rigorosen Tritt einen der
kräftigeren Äste von der Tanne abriß, die kürzeren Zweige notdürftig entfernte
und den improvisierten Pflock seinem ersten Gegner ins Herz rammte. Xander nahm
sich nach kurzem Zögern ein Beispiel und benutzte den Weihnachtsbaum ebenfalls
als Waffenarsenal. Ruiniert war die
Tanne ja nun ohnehin schon. Zusammen
benötigten Vampir und Jägerinnen-Gehilfe etwa dreieinhalb Minuten, um sich
ihrer Gegner zu entledigen. Sogar Joyce überwand ihren anfänglichen Schock und
hieb mit den Überresten der Tanne vehement auf den einzigen der drei Vampire
ein, dem es irgendwie gelungen war, zwischen Spike und Xander durchzuschlüpfen.
Spike tippte dem Untoten, der unter Joyce' wütender Attacke zu Boden gegangen
war, kurz auf die Schulter, nickte ihm freundlich lächelnd zu und pfählte ihn
ohne große Umstände. "'n Abend,
Joyce", strahlte er dann, während er aufstand und sich den Staub vom
Mantel klopfte. "Hallo, Häppchen." "Spike",
meinte Buffys Mutter aufatmend, "Sie haben..." "... unseren
Baum kaputt gemacht!" unterbrach ihre Tochter sie rigoros. Spike verdrehte
die Augen. "Ja, war
mir ein Vergnügen. Und Entschuldigung, daß ich nebenher eure Hintern gerettet
habe! Mann, du wirst deiner Schwester auch immer ähnlicher, Dawn." Der Teenager
verzog wütend das Gesicht. "Ist doch wahr! So einen schönen Baum finden
wir in ganz Sunnydale nicht wieder. Nur noch drei Tage bis Weihnachten, und wir
haben keinen Baum!" Joyce seufzte
leise und ließ den Blick von ihrer gekränkten Tochter zu den traurigen
Bruchstücken der stolzen Tanne gleiten, die auf einem Berg abgefallener Nadeln
wie auf ihrem verfrühten Totenbett lagen. "Wir drehen um und holen den
anderen Baum", beschloß sie. Sofort hellte Dawns Gesicht sich auf. "Den
großen?" "Ja. Und
wenn wir Weihnachten dann außerhalb des Hauses schlafen müssen, weil wir
zusammen mit der Tanne leider keinen Platz mehr drinnen haben, dann ist es
deine Schuld. - Also, nochmals vielen Dank für Ihre Hilfe, Spike. Und vergessen
Sie nicht: Übermorgen bei uns." "Vergesse
ich bestimmt nicht, Joyce." Etwas
unschlüssig sah der Vampir zu, wie sich Mutter und Tochter Summers und, nach
einem etwas verlegenen Achselzucken in Spikes Richtung, auch Xander wieder
umdrehten und zurück stapften zu dem Stand mit den Tannenbäumen, dessen
aufdringliche Beleuchtung durch die Dunkelheit bis fast in diese finstere Ecke
drang. Und gerade, als er endlich verschwinden und sich wieder seinen eigenen
Geschäften zuwenden wollte, sah Spike etwas wirklich Seltsames. Es war weiß, und
es befand sich für einen Moment fast unmittelbar vor seiner Nase, ehe es
gemächlich abwärts, hinunter in Richtung der schweren Stiefel glitt, die Spike
jahraus, jahrein trug. Der Vampir verlor es zu rasch aus den Augen und war zu
verblüfft, um wirklich sicher sein zu können, was es gewesen war. Aber er mußte
sich nicht lange wundern. Denn aus dem nachtdunklen Himmel kamen immer mehr zu
ihm herab geschwebt. Sprachlos, was
bei ihm wirklich selten genug vorkam, streckte der Untote die Hand aus und fing
eine der kristallinen Schneeflocken auf, die auf seiner leichenkalten Hand noch
nicht einmal Anstalten machte zu schmelzen. "Was zur
Hölle...?" *** (Sunnydale, am
nächsten Abend) "Dawn?
Dawn!" "Was ist
denn jetzt schon wieder?" Das Mädchen sah wütend von seinem Tagebuch auf,
als eine aufgebrachte große Schwester, ungewohnt dick vermummt, ins Zimmer
stürmte. "Wo ist
mein zweiter Handschuh?" "Was für
ein Handschuh?" "Du weißt
genau was für einer!" Buffy hielt ihrer kleinen Schwester den einzelnen
roten Lederhandschuh vor die Nase. "Das Gegenstück zu dem hier!" "Woher soll
ich das wissen?" maulte der Teenager beleidigt. "Frag doch
Spike." "Wieso
Spike?" "Mach mir
nicht weis, dir ist noch nicht aufgefallen, daß Spike deine Wäsche klaut."
Dawn verdrehte die Augen zur Zimmerdecke. "Buffy, du hängst doch mehr in
seiner Gruft rum als bei uns zu Hause. Bist du blind? Spike hat überall alte
Sachen von dir. Das Meiste stammt aus unserem Keller. Er hat übrigens auch das
grüne Top, wegen dem du meinen halben Kleiderschrank durchwühlt hast..." "Spike
klaut meine Klamotten?" Buffy verzog ungläubig das Gesicht und schüttelte
sich dann. "Naja. Spike. Wir wissen ja alle, wie er ist. Wahrscheinlich
hat Drusilla einfach auf ihn abgefärbt. Aber Handschuhe? Überhaupt nicht sein
Stil. Bei weitem nicht pervers genug für ihn. Also, hast du ihn gesehen?" "Spike?"
"Meinen
Handschuh." "Nö. Aber
ich würde bei Spike suchen. He, rotes Leder. Ich bin sicher, er steht auf
sowas." Sie grinste verschmitzt. "Okay, vermutlich nicht gerade bei
Handschuhen..." "Dawn!"
entsetzte sich Buffy. "Irgendwann werde ich Mum stecken, daß du für dein
Alter schon viel zu aufgeklärt bist." Sie schüttelte den Kopf und zog sich
die Kapuze ihres neu erworbenen Anoraks über das lange blonde Haar. "Schön.
Gehe ich eben ohne Handschuhe auf Streife." "Verrückt,
was?" Dawn war ans Fenster getreten und starrte hinaus in den dichten
Reigen tanzender Schneeflocken, die Sunnydale seit gestern abend in ein
Wintermärchen verwandelt hatten. "Schnee. In Südkalifornien." "Ich werde
mir die Finger abfrieren", meckerte Buffy. Nur, um sofort ernst
hinzuzusetzen: "Irgend etwas stimmt hier nicht, Dawn." "Du meinst,
das Weltklima spielt allmählich endgültig verrückt?" "Ich meine,
der Höllenschlund hat wieder mal was ausgespuckt." "Das wäre
aber zur Abwechslung etwas richtig Nettes", strahlte das Mädchen
verträumt. "Nicht,
wenn man nachts auf Patrouille ist", gab ihre Schwester mürrisch zurück
und blies schon mal prophylaktisch auf ihre Hände. "Na schön. Ich bin
unterwegs. Sag Mum einen schönen Gruß, und wenn ich nicht pünktlich zu Hause
bin, könnt ihr ja mal nachsehen, wo ich festgefroren bin." "Vermutlich
irgendwo bei Spikes Gruft", murmelte Dawn. Allerdings erst, nachdem die
Tür sich geschlossen hatte und sie sicher sein konnte, daß die Jägerin sie
nicht mehr hören würde. *** (Zur selben
Zeit, in L.A.) "Hast du
die Nachrichten gesehen, Angel?" Cordelia kam aufgeregt in Angels Wohnung.
Der Vampir drehte den Fernseher ab. "Hab
ich." "Es
schneit. Es schneit in Sunnydale! O mein Gott, da bin ich aufgewachsen, und
jetzt ist es die einzige Stadt in ganz Kalifornien, wo es schneit... Und hast
du den Wetterbericht gehört? Sie sagen regelrechte Schneestürme voraus, ein
ganz seltsames lokal begrenztes Tief mit..." "Cordelia?
Ich glaube nicht, daß dort alles mit rechten Dingen zugeht." Die Frau zog
einen, wie der Vampir nicht umhin konnte zu bemerken, bewunderungswürdig
reizenden Schmollmund. "Ach, sag
bloß. Wie kommst du denn auf die Idee?" "Muß wohl
daran liegen, daß ich beim letzten Mal an Ort und Stelle war, als es geschneit
hat", seufzte der Vampir, für den Moment wieder einmal versunken in
abgrundtief düsteren Erinnerungen. Dann schaute er abrupt auf. "Cordy?
Bitte ruf Joyce an. Wir fahren heute schon." *** (Sunnydale) Eisige Ruhe lag
über dem nächtlichen Friedhof. Ein ungewöhnlicher Anblick, zumindest für die
Jägerin. Buffy fröstelte.
Es war ruhig. Zu ruhig. Schnee knirschte
unter ihren Füßen. Das blendende Weiß, das sich wie ein gigantisches
Leichentuch über die Stadt gebreitet hatte, machte die Nacht bizarr hell und
klar. Viel zu klar. Alles lag offen und bloß, hilf- und schutzlos vor der
Kälte, die von einem Ort Besitz ergriffen hatte, der ihr nicht gehörte.
Gefrorene Äste splitterten unter der leisesten Berührung. Eine schmale bleiche
Mondsichel hatte sich in den dunklen Himmel geschwungen, und zahllose Sterne
funkelten kalt und spöttisch auf das einsame Mädchen herab. Buffy war
allein. Sie verschränkte
die Arme vor der Brust und wickelte sich enger in ihren Anorak. Nicht einmal
ein einziger Untoter hatte heute nacht ihren Weg gekreuzt. Nicht einmal Spike,
der doch sonst ständig in ihrer Nähe zu sein schien. Nichts war da als der
Schnee und die Kälte und die große Leere rund um sie. Und in ihr. Ob der gefrorene
Boden der Grund war? Kamen die Vampire einfach nicht aus ihren Gräbern? Hatten
sie nicht genügend Kraft, um sich an die Oberfläche zu kämpfen? Was geschah wohl
mit Vampiren, die es nicht aus ihrem Sarg schafften? Blieben sie auf ewig darin
gefangen, irgendwo vergraben unter zweieinhalb Metern Erde und Dreck, um in
ihrem gefrorenen Gefängnis vor sich hin zu vegetieren? Auf ewig eingesperrt in
ihrem eigenen Grab? Buffy
schauderte. Sie haßte den Schnee. Und sie haßte es, alleine mitten in der Nacht
über einen Friedhof zu laufen und dabei solche Gedanken zu wälzen. Angel, dachte
sie. Mit ihm gab es solche Gedanken nicht. Aber er war fort. Er war fort und
nun nichts mehr als die verkörperte Erinnerung an eine Zeit, als alles
einfacher gewesen war. Als Vampire nichts als Gegner waren, heute böse, morgen
Staub, als Kämpfe heimlich ausgetragen werden mußten und in ihrer Bedeutung
noch mit Hausaufgaben und Schulbällen rivalisierten. Als Gefühl einfach nur
Gefühl bedeutete, Schmerz Schmerz und Liebe Liebe. Nicht zum ersten
Mal wünschte sie sich, die Zeit zurückdrehen zu können. Die neue Zeit, die Zeit
nach Angel, war so unendlich viel komplizierter. Sie war ein mit Eis und Schnee
bedeckter Friedhof, und ihre Nächte waren unendlich frostig und klar. Und einsam. "Kommt
schon raus, verdammt... Wo seid ihr heute alle?" Ihr Atem stand als weißer
Rauch in der eisigen Luft. "Laßt mich nicht ganz allein..." "Suchst du
mich, Jägerin?" Buffy fuhr
herum. Halb und halb erwartete sie, einen peroxydblonden Haarschopf hinter dem
verschneiten Gestrüpp auftauchen zu sehen. Aber der Stimme, die gesprochen
hatte, fehlte jeder britische Akzent, und die beinahe zwei Meter hohe Gestalt,
die sich vor ihr aufbaute, hatte sie noch nie gesehen. "Nicht
wirklich", meinte sie und zückte ihren Pfahl. "Aber ich werde mich
mit dir begnügen." "Denkst
du?" Er lachte höhnisch; seine Fangzähne blitzten im fahlen Mondlicht mit
den Schneekristallen um die Wette. "Du nimmst den Mund sehr voll für
jemanden, der bald sterben wird." Buffy seufzte
ungeduldig. "Könnten wir die dummen Sprüche heute vielleicht sein lassen?
Ich bin nicht recht in Stimmung. Außerdem fallen mir gleich die Finger
ab." "Schlechter
Tag, Jägerin? Angst, daß es dein letzter sein könnte?" "Komm
schon, mach dich nicht lächerlich." Buffy näherte sich dem Untoten
lauernd. "Sei schön brav und laß dich pfählen, dann haben wir's beide
hinter uns." "Möchtest
du es hinter dir haben, Jägerin?" Die Augen des Vampirs funkelten gelb.
"Genug von diesem irdischen Jammertal, kleines Mädchen? Alt genug
geworden? Hast du endlich begriffen, daß jeder neue Tag dich wieder ein Stück
entfernen wird von denen, die um dich sind? Sie sehen aus wie du. Sie sind
nicht wie du. Nichts wird das ändern. Jeder neue Tag wird nur ein neuer Kampf
sein wird gegen das, was du wirklich bist. Jede Nacht..." "... muß
ich mich von irgendeinem Idioten deiner Sorte zu Tode langweilen lassen."
Buffy sprang überraschend nach vorne, aber der Vampir wich ihr ebenso geschickt
aus. "Verstell
dich nicht, Kind", lachte ihr Gegner höhnisch. "Du kannst deinem
Schicksal nicht entgehen. Du hast das unausweichliche Ende aufgeschoben. Aber
es wird schwerer werden mit jedem neuen Tag. Ich habe recht, nicht wahr? Immer
weniger Gründe, warum du noch bleiben solltest in einer Welt, die so kalt und
feindselig um dich ist. Aber du wirst erlöst werden, Kind. Wir sind
zurückgekehrt, und wir sind stark. Dein Ende ist nahe." "Halt die
Klappe", sagte Buffy, machte erneut einen diesmal unvorhersehbaren Satz
nach vorne und rammte ihren Pflock dem geschwätzigen Untoten ins Herz. Er
zerfiel zu einem aparten Muster aus Staub, das sich im frisch gefallenen Schnee
abzeichnete, zwischen den leeren Fußspuren, die jetzt dort waren wo sich eben
noch die Sohlen seiner Stiefel befunden hatten. "Wenn ich
etwas hasse, ist es salbungsvolles Gelaber." Gemächlicher
Applaus unterbrach ihr Murmeln. "Nette Arbeit, Luv." "Spike."
Sie drehte sich langsam nach dem Vampir um. "Hatten wir diese Szene nicht
schon mal? Ein bißchen nostalgisch heute, wie?" "Hört,
hört." Spike schmunzelte bissig. "Nostalgisch. Hätte nicht gedacht,
daß du so ein schweres Wort überhaupt kennst." Buffy verdrehte
die Augen und steckte ihren Pfahl weg. "Was willst du?" "Nichts.
Dachte nur, ich sehe mal nach dem Rechten. Hätte ja sein können, daß irgendein
großer böser Wolf unserem Rotkäppchen auflauert." "Och. Da
muß ich dich wohl enttäuschen." Buffy blies auf ihre klammen Finger, was
nicht viel half. "Der große böse Wolf hat sich gerade seinen Gnadenschuß
abgeholt." "Hab's
gesehen." Spike zuckte die Achseln. "Der Typ war ja nicht gerade eine
große Herausforderung für dich." "Da muß ich
dir leider recht geben." Buffy warf einen ärgerlichen Blick auf die kaum
sichtbaren Anzeichen dafür, daß an dieser Stelle gerade eben ein Vampir gepfählt
worden war. "Ich kann auch nichts dafür, daß sie die nicht mehr so
herstellen wie früher. - Und bevor du dir jetzt große Rosinen einbildest: Eine
sehr viel größere Herausforderung warst du auch nicht." "Oh, komm
schon, Slayer", lachte Spike ein wenig bitter. "Soviel Respekt hab
ich mir doch wohl wenigstens verdient, daß du mich nicht mit diesem halbgaren
Möchtegern-Bösewicht in einen Topf wirfst. Du und ich, wir beide spielen doch
in einer ganz anderen Liga." "Du und
ich?" Buffy stemmte eine Hand in die Hüfte. "Wir beide haben nichts
gemeinsam, Spike. Nicht einmal die Liga. Und übrigens - du hattest nie den
Hauch einer Chance gegen mich, das weißt du ganz genau." Er öffnete den
Mund, um zu widersprechen, winkte dann aber ab. "Was soll's. Ich wünschte,
ich könnte dir das Gegenteil beweisen, Buffy, aber dafür ist es wohl zu spät.
Gib wenigstens zu, daß dir unsere Kämpfe verdammten Spaß gemacht haben." "Spaß?
Spike, ich glaube, du kapierst es immer noch nicht. Die Jägerin zu sein hat mit
Spaß überhaupt nichts zu tun, es ist...-" "...
heilige Pflicht, hehre Berufung, blablabla." Diesmal war die Reihe an
Spike, die Augen zu rollen. "Hör mal, pet, ich stehe ungefähr genauso auf
diesen Schwulst wie du. Das mag sich ja in den Büchern deines Wächters ganz hübsch
machen, aber wir reden hier von dir, Luv. Also gib's schon zu. Du hattest Spaß
daran, mir die Suppe zu versalzen." "Spaß
daran, dir deine fiesen Pläne zu durchkreuzen, dir in den Hintern zu treten und
deine Visage zu Brei zu schlagen? - Ja. Doch. Das unterschreibe ich
gerne." "Na
also." Spike langte in die Tasche und zog eine Packung Zigaretten heraus. "Na also,
was?" fragte Buffy zurück. "Was soll das jetzt wieder heißen?" "Nichts."
Ein Feuerzeug schnippte, und das Flämmchen tauchte für einen langen Moment
Spikes markante Gesichtszüge in rötliches Licht, als der Vampir seine Zigarette
anzündete. "Nur daß du vielleicht in letzter Zeit nicht genug Spaß
hast." Buffy starrte
ihn einen Moment fassungslos an, ehe sie verständnislos den Kopf schüttelte. "Äh
- Spike? Fragst du mich gerade, ob ich dich verprügeln will, damit es mir
besser geht?" Spike hob
grinsend die Hände. "Ich könnte dich ja wohl kaum daran hindern, oder? -
Nein, pet. Ich frage mich nur, warum du einsam und verlassen über diesen
eiskalten Friedhof stapfst, dich an dir selber festhältst und Unterhaltungen
mit Vampiren führst, die so dämlich sind, daß ich mich schäme, zur selben Art
zu gehören." "Das habe
ich dir gerade versucht zu erklären. Es ist mein Job." Buffy hatte genug.
Sie drehte sich auf dem Absatz um und stapfte davon. Es dauerte nicht lange,
ehe er neben ihr auftauchte und in denselben Schritt fiel. "Ist noch
was?" fragte sie, ohne ihn anzusehen. "Ich wollte
wissen, ob ihr schon was rausgefunden habt." Er deutete auf die kalte
glitzernde Pracht ringsum. "Was all das zu bedeuten hat." "Giles und
Willow arbeiten daran." Sie blieb abrupt stehen. "Es macht mir
Angst." "Was?"
Als Buffy Spike ansah, hatte er den Kopf leicht schief gelegt und musterte sie
mit einem Ausdruck, in dem sich Verblüffung mit Unglauben und einem dritten
Gefühl mischte, das beinahe an Schock erinnerte. Sie wußte nicht,
wieso sie es wiederholte. Aber die Worte waren ihr beim ersten Mal entschlüpft,
wieso sie da ein zweites Mal zurückhalten? "Ich habe
Angst, Spike." "Angst? Vor
Schnee?" "Das ist
nicht komisch." "Nein, ist
es nicht." Er hielt sie auf, als sie hastig weitermarschieren wollte, und
packte ihre Schulter. "Buffy, es gibt eine Menge Dinge, für die ich dich
am liebsten dreimal täglich umbringen würde. Aber Ängstlichkeit - du warst nie
ängstlich, Buffy. Du hattest immer Mut für zwei. Es ist etwas, wofür ich dich
immer bewundert habe. Verdammt, du bist die Jägerin!" "Ja, für
dich und Deinesgleichen." Buffy spürte plötzlich, wie Tränen in ihr aufsteigen
wollten. Sie kämpfte sie nieder. Oh nein, nicht vor Spike! - "Aber ich bin
nicht nur die Jägerin, verstanden? Ich bin auch Buffy. Buffy Summers. Kapierst
du das? Geht das hinein in deinen dicken Schädel? Ich will leben, verstehst du?
Ich habe genug davon, ein lebender Prellbock gegen die Abgründe der Hölle zu
sein. Ich will verdammt noch mal mehr, als kämpfen und kämpfen und kämpfen,
solange bis ich irgendwann verliere und ein weiteres Kapitel werde im großen
Buch 'Die Jägerinnen - Berufen, Gekämpft und Tot'. Ich habe genug davon. Ich
bin Buffy, nicht einfach die Jägerin!" Spike ließ ihre
Schulter los und sah sie an. "Ich weiß, Buffy." "Schön.
Dann hätten wir das ja geklärt." Sie wollte sich erneut abwenden, aber er
trat ihr in den Weg. "Nein, wir
haben gar nichts geklärt. Du liegst nämlich falsch, Schätzchen. Du bist nun
einmal die Jägerin, und alles Weinen und Wehklagen wird dir dabei nicht
weiterhelfen. Also hör auf mit der Mitleidstour. Du kämpfst gegen
Meinesgleichen. Schön. Du hast von der Natur alles mitbekommen, was du dafür
brauchst. Du bist außerdem verdammt gut bei dem, was du tust, und das sagt dir
jemand, der schon zwei Jägerinnen in ihr Grab gebracht hat. Die Jägerin ist ein
Teil von dir. Sie ist du. Und wenn du ehrlich bist - du würdest es doch gar
nicht anders wollen. Du hast Spaß daran, du liebst die Jagd, und du willst
anderen helfen - was übrigens genau der Teil an der Sache ist, den ich nicht
verstehe." Spike zuckte die Achseln. "Aber es ist so. Mach mir nicht
weis, du würdest deine Kräfte und deine Berufung wirklich aufgeben und jemand
anderem überlassen wollen, wenn du die Wahl hättest. Plötzlich nur noch ein
normaler Mensch sein und zusehen, wie vielleicht deine Freunde der Reihe nach
abgeschlachtet werden. Nein, Luv. Ich kenne dich besser. Ich weiß, daß viel
mehr in dir steckt. Also laß den Blödsinn. Du bist Buffy Summers, und Buffy
Summers ist die Jägerin, zur Hölle. Akzeptier' das endlich und hör auf mit der
Jammerei!" Buffy öffnete
wütend den Mund, aber was auch immer sie sagen wollte, es blieb ihr in der
Kehle stecken. Er schaute sie immer noch an, strich ihr dann, sehr linkisch,
eine einzelne blonde Haarsträhne, die sich aus Buffys strengem Nackenzopf
gelöst hatte, aus der Stirn. "Du bist
ein sehr besonderer Mensch, Buffy Summers. Ich bin nicht sicher, was eine
Jägerin ausmacht, aber ich weiß, daß keine, die ich bisher getroffen habe, so
stark war wie du. Und ich rede nicht von Muskeln, pet." "Spike?"
fragte sie. Er ließ keinen Blick von ihr. "Ja?" "Was machst
du gerade?" "Was meinst
du?" "Du
versuchst mich aufzumuntern." "Ja.
Stimmt. Klingt zumindest so. Funktionert's?" "So halb
und halb." Sie machte einen Schritt rückwärts, um sich aus seiner
unmittelbaren Reichweite zu bringen. "In erster Linie ist es
verwirrend." "Sorry."
Er wendete sich ab. "Wollte nur nicht noch länger deine Leidensbittermiene
vor Augen haben. - Hör mal, Jägerin, wieso gehst du nicht einfach nach Hause?
Hier geht irgend etwas verdammt Unheimliches vor. Anscheinend so unheimlich,
daß sogar unsere einheimischen Dämonen sich nicht aus ihren Löchern wagen. Laß
es gut sein für diese Nacht und versuch lieber am Tag herauszufinden, was
eigentlich los ist." "Hört sich
vernünftig an", gab Buffy zu. "Erstaunlich vernünftig für etwas, was
aus deinem Mund kommt." Sie sah ihn an, unterdrückte aber den Impuls, ihm
die Hand hinzuhalten, und zuckte stattdessen die Achseln. "Gute Nacht,
Spike." "Soll ich
dich noch nach Hause bringen?" fragte er hastig. "Was?"
Sie starrte ihn an. "Du. Ich.
Nebeneinander. Gehen bis zu deinem Haus." "Das
Konzept ist mir klar, Spike. Sag mir bloß bitte wieso." "Vier Augen
sehen mehr als zwei. Vier Fäuste... also das solltest du wirklich selber
kapieren." Spike sah sich besorgt um. "Ich mache keine Witze, Slayer.
Wer auch immer für all das hier verantwortlich ist, muß ganz hübsch was in der
Hinterhand haben. Und ich werde das Gefühl nicht los, daß er es auf dich
abgesehen hat." "Und das
kümmert dich aus exakt welchem Grund?" "Sehr
einfach." Er vergrub die Hände in den Taschen seines schwarzen Mantels und
trottete neben dem Mädchen her. "Du gehörst mir, Jägerin. Ich kann nicht
riskieren, daß irgendjemand schneller ist als ich und dich umbringt, bevor ich
eine Chance hatte, diesen verdammten Chip aus meinem Kopf zu kriegen." "Och. Ist
ja rührend, Spike." Der Schnee knirschte rhythmisch, als die doppelten
Schritte des seltsamen Pärchens sich entfernten. *** Die Tür zur
Veranda öffnete sich, noch bevor die beiden die unterste Stufe betreten hatten.
"Buffy!
Spike! Da seid ihr ja endlich", rief Joyce ihnen entgegen. Goldene Wärme
strahlte an ihr vorbei aus dem Inneren des Hauses in die eisige Winternacht.
"Ihr müßt ja halb erfroren sein. Wie wäre es mit einer Tasse heiße
Schokolade?" Spike warf Buffy
einen unsicheren Blick zu, aber als die nicht reagierte, nickte er. "Würde
nicht nein sagen, Joyce." Er schob sich an der Frau vorbei in die Küche.
"Haben Sie Marshmallows dazu?" "Vielfraß",
knurrte Buffy halblaut, als sie sich ihm gegenüber am Tisch niederließ. "Du hast ja
nur Angst, daß du selber keine mehr erwischst", sagte eine Stimme vom Flur
her. "Dawn!"
Buffy drehte sich nach ihrer Mutter um. "Wieso ist sie noch auf?" "Buffy."
Joyce lächelte, während sie die Milchtüte wieder in den Kühlschrank stellte.
"Es sind Weihnachtsferien." "Na
und?" Buffy warf ihrer triumphierend grinsenden kleinen Schwester einen
scharfen Blick zu. "Trotzdem sollte dieser Zwerg längst im Bett sein.
Anstatt anderen hier auf die Nerven zu gehen." "Zwerg? Ich
werde bald größer sein als du!" "Nur, falls
du deinen nächsten Geburtstag noch erlebst." "Dich
ärgert doch nur, daß ich auf Spikes Seite bin." Der Teenager lehnte sich
zur Verdeutlichung auf Spikes Schulter, und für einen Moment zuckte der Vampir
unter dieser ungewohnt vertraulichen Berührung buchstäblich zusammen. "Ja, das
kommt allerdings erschwerend hinzu." Buffy musterte den seltsam still und
verlegen wirkenden peroxydblonden Untoten etwas mißtrauisch. Irgendwie sah das
gar nicht nach dem Spike aus, den sie kannte. "Seid
friedlich", unterbrach Joyce unterdessen den sich anbahnenden
Geschwisterzank, während sie drei Tassen mit dem dampfendem Getränk auf dem
Tisch abstellte. "Es gibt genug für alle. - Oh, Buffy, kurz nachdem du
weggegangen warst, hat jemand nach dir gefragt." Zwei blonde
Köpfe ruckten nach oben. "Wer?" fragten Spike und Buffy gleichzeitig.
Etwas erstaunt
über die mißtrauische Reaktion der beiden sah Joyce von einem zum anderen.
"Ich weiß nicht. Er hat keinen Namen genannt. Ein älterer Herr. Recht
unscheinbar. Ich hatte das Gefühl, er wäre ein Versicherungsvertreter oder ein
Zeitschriftenwerber oder sowas Ähnliches. - Du hast doch nicht wieder irgend
etwas unterschrieben, Buffy, oder?" "Nein,
Mom." "Du weißt,
was für ein Zinnober das ist, so einen Vertrag wieder aufzulösen..." "Ja, Mom."
Buffy tauschte, hinter dem Rücken ihrer Mutter, einen augenrollenden Blick mit
Dawn und Spike, die sich beide mit knapper Not das Grinsen verkniffen. "Na
schön." Joyce ließ sich mit ihrer eigenen Tasse ebenfalls am Tisch nieder.
"Spike, was sagen Sie zu unserem Baum?" Der Vampir
blickte über die Schulter auf das dichte grüne Nadelkleid der riesigen Tanne,
die mit ihren weit ausladenden Zweigen beinahe den kompletten Flur auszufüllen
schien. "Riesiges Teil, Joyce." "Ich hab
ihn ausgesucht", verkündete Dawn stolz. "Wir werden
ihn um einen ganzen Meter kürzen müssen, um ihn im Wohnzimmer
aufzustellen", ergänzte Buffy trocken. In diesem Moment
hörte man draußen einen Wagen vorfahren. Eine Tür wurde geöffnet und schloß
sich mit dumpfem Schlag wieder, fast gleichzeitig eine weitere. "Oh",
sagte Joyce aufblickend. "Das könnte schon meine erste
Weihnachtsüberraschung sein." "Überraschung?
Mom, ich glaube, ich habe allmählich beschlossen, daß ich Überraschungen
überhaupt nicht gut...-"" Buffy brach ab.
Schritte näherten sich an der Hintertür. Schritte von zwei Personen, einmal von
einem Paar offensichtlich recht hochhackiger Stöckelschuhe (und wer in aller
Welt trug bei diesem Wetter solches Schuhwerk?), und einmal... Das Mädchen
stand auf. Sie kannte diese Schritte, sie hätte diesen kaum hörbaren Klang aus
tausend anderen heraus erkannt. Die Tür öffnete sich, und zwei dick vermummte
und mit schmelzenden Schneeflocken bedeckte Figuren stapften ins Innere. "Angel!"
*** Sie hatten
länger für die Fahrt benötigt als vorgesehen. Nun ja, Angel hatte offen
gestanden auch weder Winterreifen noch Schneeketten an seinem Wagen -
eigentlich ein bodenloser Leichtsinn bei den bekanntermaßen arktisch kalten
kalifornischen Wintern. Und die Tatsache, daß sie sich an der Ortseinfahrt von
Sunnydale durch meterhohe Schneeverwehungen hatten einen Weg suchen müssen,
hatte daher die Sache nicht eben erleichtert. Sie wären wohl
beide gleichermaßen froh gewesen, als Angel endlich die Tür zur Summer'schen
Küche aufstieß. Hätten sich nicht unmittelbar darauf die Ereignisse
überschlagen. Der
breitschultrige Vampir, zögerlich schmelzende Flocken im dunklen Haar, blieb
auf der Schwelle stehen wie angewurzelt, noch ehe Cordelia auch nur eine Chance
hatte, an seiner massigen Statur vorbei ins Innere des Hauses zu spähen. "Spike!"
"Angelus!"
Das Geräusch von hastig verrutschten Stühlen auf dem Linoleum des
Küchenfußbodens, dann schnellte Angel plötzlich nach vorne und quer durch den
Raum wie von der Tarantel gestochen. "Ich wußte,
etwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu!" "Zur Hölle,
Angelus...-" "Was hast
du mit Buffy vor?" "Angel!"
Das war Buffys Stimme, dazwischen kreischte Dawn einmal kurz auf und stammelte
Joyce unzusammenhängende Wortfetzen. Als Cordelia es endlich bis in die Küche
schaffte, sah sie gerade noch zwei ineinander verkeilte und wild fluchende
Vampire durch die jenseitige Tür in den Flur verschwinden. Kurz danach krachte,
knackte und splitterte etwas, als zwei Untote gemeinsam zu Boden gingen. "Oh Gott,
der Baum!" Joyce hatte beide Hände vors Gesicht geschlagen. Das Getöse auf
dem Flur ging mit unverminderter Lautstärke weiter. "Wir müssen
sie stoppen!" rief Buffy und stürzte ebenfalls aus dem Raum. "Ja, bevor
sie die ganze Wohnung demolieren, bitte!" Joyce schüttelte nur noch den
Kopf und warf einen hilflosen Blick auf Cordelia. "Hat denn niemand eine
Idee, wie man sie aufhalten kann?" "Kaltes
Wasser!" riet Dawn von der anderen Seite der Küche. Aus dem Flur hörte man
Buffys Stimme wütende Kommandos geben, die in dem Getöse aus knackenden Ästen,
stampfenden Füßen und wüsten Beschimpfungen leider ungehört verhallten. Dann
prallte eine jetzt sichtlich aufgebrachte Jägerin, nachdem sie sich offenbar
von einem der Kontrahenten einen Treffer eingefangen hatte, rückwärts wieder in
die Küche. "Au! Wollt
ihr wohl aufhören! Ihr Volltrottel seid beide so gut wie tot!" "Kaltes
Wasser!" wiederholte Dawn hartnäckig, um, als alles sie ansah,
hinzuzusetzen: "Bei Hunden funktioniert das..." "Da stehen
noch zwei leere Eimer auf der Veranda", sagte Joyce unschlüssig. Buffy grummelte.
"Schön. Nehmen wir Schnee. Davon haben wir ja genug." Sie schob sich
an Cordelia vorbei nach draußen und drückte ihr, als sie zurückkam, den Henkel
eines der beiden jetzt proppenvollen Eimer in die Hand. "Du nimmst Angel,
ich Spike. Hallo übrigens. Nette Jacke. Hast du 'ne neue Frisur?" Energischen
Schritts, die schneegefüllten Eimer einsatzbereit, marschierten sie in den
Flur. Ein doppeltes Aufbrüllen, dann kam der Lärm abrupt zur Ruhe. Es war so
still, daß man deutlich das Klatschen der Ohrfeigen hören konnte, bevor erst
Spike, dann Angel (beide noch in voller Vampirmaske) unsanft wieder in die
Küche geschubst wurden. "Hinsetzen!"
kommandierte Buffy. "Alle beide." "Buffy",
fing Angel an, während er sich mit beiden Händen Schnee aus dem Mantelkragen
schaufelte, aber eine rigorose Handbewegung schnitt ihm das Wort ab. "Nicht eine
Silbe!" "Verdammt,
Slayer, ich hab überhaupt nichts...-" "Ruhe oder
du bist eine Staubwolke! Und geht gefälligst vor die Tür, um euch
abzuputzen!" Die versammelte
Damenriege wartete in angespanntem Schweigen in der Küche, bis die beiden
Vampire sich notdürftig von der Ladung Schnee gesäubert hatten, mit der man sie
überschüttet hatte. Buffys Fußspitze tappte während der gesamten Zeit
ungeduldig auf dem Linoleum auf und ab. Als die beiden (die sich übrigens auf
der Veranda hartnäckig anschwiegen) endlich wieder zurückkehrten, ließ Angel
sich sichtlich verlegen auf einen Stuhl sinken. Spike dagegen stapfte mit
wütendem Gesicht an Buffy vorbei und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen
den Kühlschrank. "Ist
was?" erkundigte die Jägerin sich scharf. "Du hast
mich viel kräftiger geschlagen als ihn!" Er rieb sich mit der linken Hand
das Kinn und deutete mit der rechten auf den Dunkelhaarigen der Vampire. Buffy
stöhnte und verdrehte die Augen. "Du hast
jetzt ja auch schon zum zweiten Mal unseren Weihnachtsbaum ruiniert",
maulte Dawn. "Ich? Er
stürmt hier rein wie der angeschossene Ochse, der er ist, und ich bin mal wieder
an allem schuld?" "Halt
einfach nur die Klappe, Spike", knurrte Angel aus seiner Ecke. Buffy fuhr
herum. "Das gilt
auch für dich! Was denkst du dir eigentlich? Und vor allem - was willst du
hier?" "Ähm, also,
ich denke, ich kann das erklären...", meldete sich Joyce reichlich
kleinlaut. "Ja, aber
vielleicht könnte jemand mir vorher noch etwas erklären", warf Cordelia
dazwischen. Ihr Zeigefinger deutete sehr entschieden auf Spike. "Was tut
ER hier?" Der
wasserstoffblonde Vampir warf einen mürrischen Blick auf die Jägerin, die als
Antwort ein langgezogenes Seufzen hören ließ. "Ich
glaube, das wird eine längere Geschichte", meinte Joyce aus dem
Hintergrund. "Will noch jemand Kakao?" *** "Also Sie
möchten ganz bestimmt keine heiße Schokolade?" erkundigte Joyce sich etwa
eine Dreiviertelstunde später. Angel schüttelte, zum dritten oder vierten Mal,
den Kopf. "Nein,
danke, Joyce. Ich... trinke Blut, verstehen Sie?" "Idiot",
murmelte Spike über seiner Tasse und strahlte dann Buffys Mutter an. "Kann
ich noch was haben, Joyce?" "Natürlich.
Ich mache noch rasch eine Kanne." "Vielfraß",
kommentierte Buffy erneut. Angel warf einen verständnislosen Blick auf seinen
peroxydblonden Ex-Kumpanen. "Du
erinnerst dich doch, daß du ein Vampir bist, Spike, oder?" "Lustig,
daß ausgerechnet du mich daran erinnerst, Kumpel. Ich bin immerhin nicht
derjenige, der diesen ganzen 'Ich habe eine Seele - hoppla, ich hab doch keine
- na sowas, ich hab sie wieder'-Käse abgezogen hat. Ich hab 'nen Chip. Und 'ne
Menge Kopfschmerzen. So einfach, so klar." Der fassungslose
Blick wanderte weiter zu Buffy. "Und du läßt ihn tatsächlich in dein
Haus?" "Ha! Im
Gegensatz zu einem gewissen Jemand hier war ich noch nie aus diesem Haus
ausgeladen." "Ich würde
den Mund nicht zu voll nehmen", warnte Buffy. Und an Angel gewendet:
"Ich sage doch. Er hilft uns. Er läßt sich dafür bezahlen und geht uns
allen auf die Nerven, aber er hilft uns." "Außerdem
ist das immer noch mein Haus", bemerkte ihre Mutter aus dem Hintergrund.
"Bisher hat Spike sich hier immer anständig benommen." "Ja",
nickte Buffy trocken. "Darum liegt unser Weihnachtsbaum jetzt auch in
Trümmern im Flur." Spike stöhnte.
"Himmel, ich besorg' dir einen neuen, Jägerin, wenn das so wichtig
ist." "Wichtig?
Hmmmm, laß mich überlegen. Morgen ist Heiligabend, und wir haben keinen
Weihnachtsbaum. Ja, ich würde sagen, es ist sowas wie wichtig, du Pfeife!"
"Ich werd'
dich unter deinem Tannenbaum begraben, Slayer!" "Gib lieber
acht, daß du nicht was Tannenholziges vorne in die Brust kriegst!" "Sind die
zwei immer so oder ziehen sie für uns hier eigens eine Show ab?"
erkundigte Cordelia sich bei Joyce und Dawn. Die beiden verdrehten nur
vielsagend die Augen. "Um noch
mal auf das Thema Hilfe zurückzukommen", setzte Angel noch einmal an. Spike
und Buffy stöhnten unisono. "Verdammt,
Angelus, du bist mit Seele genauso begriffsstutzig wie ohne." "Angel,
glaub mir einfach. Er ist vollkommen harmlos." "Hey!"
"Er kann
keiner Fliege was zu Leide tun." "Kann sein,
daß ich gleich Lust kriege, rauszufinden, wieviel Kopfschmerzen ich
aushalte..." "Buffy, nur
weil er nicht mehr beißen kann, heißt das doch nicht, daß du ihm vertrauen
kannst." "Halt du
dich da doch mal raus, Angelus!" "Angel, das
weiß ich. Ich kann ihn unter Kontrolle halten." "Ach ja?
Das möchte ich sehen, Slayer." "Du siehst
gleich Mr. Pointy, und zwar zum letzten Mal! - Angel, glaub mir einfach. Er ist
die größte Nervensäge auf Gottes weiter Erde, aber ein paar Mal war er wirklich
nützlich." "Und du
würdest ihm tatsächlich das Leben deiner Familie oder deiner Freunde
anvertrauen? Buffy, ich kenne ihn ein bißchen länger und besser als du. Sobald
es hart auf hart kommt, wird er dich hohnlachend im Stich lassen!" "Hey,
schließ nicht immer von dir auf andere! Ich bin ja nicht du, Angelus!" Ein mörderischer
Blick flog von einem Vampir zum anderen. "Was soll das jetzt wieder
heißen?" "Naja. Ich
habe die Jägerin nicht sitzengelassen, um in L.A. 'ne Vampirdetektei
aufzubauen!" Angels Gesicht
schien zu versteinern. "Wenn du auch nur die geringste Ahnung
hättest...-" "Ruhe
jetzt!" donnerte Buffy dazwischen. "Das war allmählich mehr als genug
Testosteron für einen Abend!" Sie schubste Spike, der bereits wieder
wütend aufgesprungen war, zurück auf seinen Sitz und sah Angel ernst an.
"Dies ist diesmal meine Stadt, Angel. Und deshalb werden wir dir Dinge so
handhaben, wie ich es sage. Und wenn ich sage, daß Spike dazugehört, gehört er
dazu. Keine Diskussionen!" Spike grinste bei diesen Worten von Ohr zu Ohr,
aber seine Heiterkeit verschwand schnell, als Buffy jetzt ihn ansah. "Und
wenn du peroxydgebleichte Trauerweide auch nur eine einzige Bewegung in Angels
Richtung machst, die mir nicht gefällt, dann wirst du unsere Weihnachtsfeier
vom Aschenbecher aus miterleben. Ich weiß sehr gut, daß dein Chip gegen Vampire
nicht wirkt. Ich werd's nicht vergessen!" "Alles
klar, Jägerin!" Er sprang auf und gab seinem Stuhl einen wütenden Kick, um
ihn wieder an den Tisch zu schieben. "Weißt du was? Vergiß deine dämliche
Weihnachtsfeier! Du hast ja jetzt dein Schmusevampir-Engelchen zurück. Häng's
dir doch von mir aus in den Weihnachtsbaum, vielleicht singt es ja 'O du
fröhliche' für dich. Viel mehr wird mit ihm bloß leider nicht laufen!" Er
riß seinen Mantel vom Haken und stürmte zur Tür. "Spike!"
rief Buffy ihm hinterher, aber der peroxydblonde Haarschopf war schon aus dem
Raum verschwunden. "Na schön, dann eben nicht! Wir werden es alle
verschmerzen, wenn du weg bleibst!" Sie war ebenfalls aufgesprungen, jetzt
ließ sie sich schwer wieder auf ihren Stuhl fallen. "Soll er doch
hingehen, wo der Pfeffer wächst. Mimose!" Ihre Schwester
stieß einen halb wütenden, halb verzweifelten Schrei aus und stampfte mit dem
Fuß auf. "Echt, Buffy, manchmal bist du sowas von dämlich!" Sie
verdrehte die Augen und lief hinter Spike her. Schweigen füllte
den Raum. Schließlich stieß Joyce ein leises Seufzen aus. "Ich bin
ziemlich sicher, wenn irgendjemand mal daran denken würde, die Verandatür
wieder zuzumachen, könnten wir eine Menge Heizkosten sparen." *** "Spike!
Spike, warte doch!" Er war noch
nicht weit gekommen. Natürlich nicht. Als ob er sich nachts jemals weit von
Buffy entfernen würde. Von Dawns Zimmer aus hatte man einen ziemlich guten
Blick auf den Baum vor dem Haus, unter dem morgens immer diese vielen Zigarettenkippen
lagen... "Laß mich
in Ruhe, Dawn!" "Spike, du
benimmst dich wie ein Baby!" "Wenigstens
bin ich keins mehr. Im Gegensatz zu anderen Leuten." "Autsch,
das hat mich jetzt aber ehrlich schwer getroffen. Komm schon. Du bist jetzt wie
alt? Hundertzwanzig? Laß dich doch von Buffy nicht immer so ärgern." Er seufzte und
drehte sich zu dem Mädchen um. "Tut mir leid, Kleines. Die Jägerin hat
irgendwie eine Art... Sie geht mir einfach unter die Haut." "Na, darauf
würde ich wetten", grinste das Mädchen. Er funkelte sie an. "Was willst
du damit wieder sagen, du Dreikäsehoch?" "Nichts
natürlich." Dawn grinste weiter. "Ich will bloß, daß du morgen zu
unserer Weihnachtsfeier kommst." "Tut mir
leid, Häppchen. Nicht, wenn diese Tunte von meinem Sire dabei ist. Ich hab
wirklich keine Lust, ihm und der Jägerin beim Knutschen unterm Mistelzweig
zuzusehen. Ganz ehrlich, auf sowas steh ich nicht." Das Mädchen
verschränkte die dünnen Arme vor der Brust. "Also, das hätte ich ehrlich
nicht gedacht. Daß Spike, William der Blutige, der zwei Jägerinnen erledigt
hat, Angst hat vor seinem eigenen Sire." "Angst? Wer
hat hier Angst? Und vor Angelus, diesem Weichei? Diesem Warmduscher, diesem
Beckenrandschwimmer, diesem Frauenversteher..." "Spike!"
"Tschuldige,
Häppchen, aber wenn ich vor dir echte Schimpfwörter in den Mund nehme, gibt
deine Mum mir Hausverbot." Dawn seufzte.
"Manchmal habe ich es echt satt, mich von allen behandeln zu lassen, als
würde ich noch in den Kindergarten gehen. - Also, kommst du morgen? Schau mal.
Erstens hat dich nicht Buffy eingeladen, sondern Mum. Zweitens bin ich ziemlich
sicher, daß Buffy dir ein Geschenk besorgt hat. Und drittens kannst du
niemanden ärgern, wenn du nicht da bist." Spike verzog
nachdenklich das Gesicht. "Meinst du, es würde die Scoobies ärgern, wenn
ich komme?" "Was denkst
du denn?" Dawn grinste. "Stell dir doch bloß Xanders Gesicht vor,
wenn er herausfindet, daß du zur Weihnachtsfeier kommst. O Mann. Du UND
Angel!" "Harris
dreht durch", nickte Spike mit genüßlichem Schmunzeln. "Also schön.
Der Anblick ist einen Abend in Gesellschaft von Angelus wert." Er musterte
das Mädchen vor ihm plötzlich mit besorgter Miene. "Und du siehst jetzt
zu, daß du wieder ins Warme kommst, Häppchen. Du zitterst ja. Wie können sie
dich denn ohne Jacke rausgehen lassen? Mal ganz abgesehen davon, daß dich hier
draußen jederzeit irgendwas verspeisen könnte. Ich glaube, es ist höchste Zeit,
daß ich deiner Schwester mal wieder in den Hintern trete." "Spike..."
"Keine
Diskussionen, du gehst jetzt sofort zum Haus. Willst du meinen Mantel?" "Spike, wir
stehen dreißig Meter von meinem Haus entfernt, und dein Mantel ist mir um
mindestens drei Nummern zu groß." "Trotzdem
solltest du jetzt reingehen, wenn du nicht willst, daß ich ernstlich sauer
werde. Ich werde hier so lange stehen bleiben, bis du wieder im Haus bist. Also
gute Nacht, Dawn!" Das Mädchen
seufzte. "Naja. Hauptsache, du kommst. Gute Nacht, Spike." Sie drehte
sich um und stapfte fröstelnd durch den Schnee zurück zur Veranda, als er ihr
noch etwas nachrief. "Äh...
Häppchen?" "Ja?" "Hat Buffy
wirklich ein Geschenk für mich?" Das Mädchen
kicherte. "Bist du bescheuert? Das habe ich doch nur gesagt, um dir die
Zähne lang zu machen." Ein leises
Seufzen. "Hab ich mir's doch gedacht. Na schön. Bis morgen." (Ende Teil 1) |