![]() Zwei Wunder Als er das Zimmer betrat,
schob er hinter sich den Riegel vor. Lindsey lag bereits, nur mit
einem Handtuch um die Hüfte, auf dem Bett, und sein Haar war noch feucht vom
Duschen. „Gut, dann kann ich ja
jetzt. Sind das meine?“, fragte Spike und zeigte auf ein paar Sachen, die auf
einem der beiden Sessel lagen. Lindsey nickte nur, und
Spike verschwand ohne ein weiteres Wort im Bad. Dann steckte er noch einmal
den Kopf aus der Tür. „Meine Seite ist die linke,
Lindsey.“, sagte er, zog seinen Kopf zurück und schloß die Tür, ohne eine
Antwort abzuwarten. Einen Moment später hörte
Lindsey das Rauschen des Wassers – und einen singenden Vampir, der – nach den
Geräuschen zu urteilen – seine erste Dusche seit Tagen wohlig genoß und aus
vollem Halse sang. „That kind of lovin` Turns a man to a slave That kind of lovin` Sends a man right to his grave…” Pause. Dann: “I go crazy, crazy, baby, I go crazy You turn it on Then you´re gone Yeah you drive me Crazy, crazy, crazy for you baby What can I do, honey I feel like the color blue…” Lindsey lachte leise bei dem
Gedanken an die Vorstellung, die der nasse Dämon da unter der Dusche gab, und
er dachte daran, daß er noch ein paar Stunden zuvor gezweifelt hatte... Ob dieser Vampir nicht auch
einer von diesen durch und durch bösen Dämonen war, eine von diesen
schrecklichen Gestalten, die den Menschen Angst einflößten... ob *er* es wäre,
der bereit war, sich seinem Schicksal zu stellen, für das Gute einzustehen... Wer so singen konnte – und
das nach dieser Pein – der konnte auch sein Schicksal erfüllen. Überhaupt war ihm Spike
menschlicher vorgekommen als manch ein Vertreter seiner eigenen Art – und er
wußte es, er kannte die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele, er wußte nur
zu gut, zu welchen abscheulichen Dingen Menschen fähig sein konnten. Er seufzte. Es würde sich noch
herausstellen, ob sein Gefühl ihm das Richtige eingegeben hatte, und bald würde
er wissen, ob es ein Fehler gewesen war, Spike zu befreien. Aber vorerst mußten sie
ruhen. An die Bitte, nein, den
Befehl des Vampirs denkend, rückte der Anwalt auf die rechte Seite des Bettes
hinüber. Er zog gerade die Decke
hoch, als Spike aus dem Bad kam, ein Handtuch um die Hüften, mit strubbeligem,
nassem Haar. Lindsey staunte über die Makellosigkeit seiner so weißen Haut, die
seit über hundert Jahren keine Sonne gesehen hatte. Über die kräftigen Muskeln,
die sich darunter abzeichneten, seine leichten und fließenden Bewegungen,
während der blonde Vampir zu ihm hinüberschlenderte, sich auf die andere Seite
des Bettes setzte und seine Stirn vorsichtig dort abtastete, wo einmal der Chip
gewesen war. „Ist etwas zu sehen,
Lindsey?“, fragte er, sich zu dem Anwalt umwendend. Der blickte schnell woanders
hin, so ertappt fühlte er sich, so fasziniert hatte er den Körper des Vampirs
betrachtet, selbst erstaunt über sein Interesse. „Kaum. Fast nichts – und
nur, wenn man`s weiß.“, antwortete er lächelnd und schluckte verwirrt. Was war
das, was ihn an diesem blonden Vampir so anzog? „Gut. Wir müssen es ihnen ja nicht gleich auf die Nase binden,
oder?“ „Ich werde nichts sagen,
wenn Sie wollen...“ Aber der Vampir hörte nicht
mehr zu, denn seine Gedanken waren schon wieder abgeschweift. Unvermittelt
fragte er: „Was denken Sie – ob die
schon hinter uns her sind?“ Lindsey wußte sofort, was
Spike meinte. „Ja, sicher. Ich habe extra
einen hinteren Bungalow gemietet, damit mein Wagen nicht so offensichtlich an
der Straße steht... Das mit dem Bett war gelogen, Spike. Aber es ist sicherer
hier hinten...“, sagte Lindsey und sah den Vampir dabei verlegen an. „Naja, wenigstens sind wir
ehrlich zueinander in unserer Beziehung – wo wir doch schon zusammen
schlafen...“, erwiderte der blonde Vampir und grinste. Er hatte sich jetzt neben
ihn gelegt und sich mit der Decke zugedeckt. „Verflucht, daß diese
amerikanischen Hotels nur solche komischen Fetzen haben – noch nicht einmal
eine eigene Zudecke kann man hier kriegen!“, fluchte er und zerrte an der
gemeinsamen Bettdecke. Lindsey antwortete nicht,
ihm war wieder Darla eingefallen. Nie war er ihr so nahe
gewesen wie jetzt diesem Vampir, noch nicht einmal, als sie noch ein Mensch
gewesen war. Und nun war es zu spät – sie war wieder ein Vampir, und wie es
schien – und wenn er nach Spikes Schilderungen ging – war sie wieder die, die
sie früher gewesen war: Eine einfallsreiche Mörderin ohne Skrupel. Aber... nicht alle Vampire
waren gefühllos. Seit er mit Spike zusammen war, hatte er immer wieder
gestaunt, wie... menschlich dieser Dämon war. Er fand kein anderes Wort als
dieses – menschlich. Konnte Darla vielleicht auch
Gefühle haben? Er wollte nicht daran
denken. Erst einmal wartete da diese
Aufgabe auf sie – und dann mußte er andere Entscheidungen treffen... Aber was
würde er nun mit seinem Leben anfangen, wenn diese Sache hier durchgestanden
war? Wenn sie denn glimpflich
ausgehen würde... Was wäre, wenn nicht? Nein, er wollte nicht daran
denken. „Sagen Sie, Spike, darf ich
Ihnen noch eine Frage stellen?“, wandte er sich jetzt wieder an seinen
dämonischen Bettnachbarn. „Was denn?“, fragte der
zurück, stützte sich auf seinen Ellenbogen und neigte den Kopf zur Seite. „Wie... wie war das für Sie,
ein Vampir zu werden?“ „Wozu wollen Sie das wissen?
Möchten Sie Mitglied im Club werden? Wäre ein Leichtes für mich...“, und auf
seinem Gesicht erschien die Vampirfratze mit den gelben, grausamen Augen. Lindsey wich instinktiv
zurück. Sein Herz hämmerte ihm bis
an den Hals, aber er faßte Mut und brachte sogar ein Lächeln zustande. „Nein – es interessiert mich
nur.“, antwortete er, aber in seinem Innersten war er grenzenlos erstaunt
darüber, wie dieser Vampir es fertiggebracht hatte, seine geheimsten Gedanken
zu erraten... Die Gedanken, die er selbst nicht mit Worten auszudrücken wagte,
ja, die er sich nicht einmal eingestand... „So so – es interessiert Sie
also. Lindsey – zu sterben ist eine Erfahrung, die Ihr Leben verändert – und
als ich ein Vampir wurde, habe ich zum ersten Mal gemerkt, wie schön das Leben
sein kann. Naja, ich hatte vorher gar nicht gemerkt, wie schlecht es mir als
Mensch ging, bis ich dann meine neuen Kräfte spürte – und endlich mein
richtiges Leben begann...“, redete Spike sich in Begeisterung. Sein – jetzt wieder
menschliches – Gesicht zeigte Überschwang, war voller Leidenschaft, und er
konnte sich kaum bremsen, als er weitersprach. „Ich begann erst zu leben,
als ich tot war... Klingt komisch, nicht?“, fragte er und sah dem Anwalt in die
Augen. Der hatte interessiert zugehört, und Spike konnte anhand seiner
Herzfrequenz hören, wie auch ihn dieses Thema erregte. Oder war es etwas
anderes, was das Herz Lindseys erbeben ließ? Spike blickte in das Gesicht
seines Weggefährten, aber da war nichts außer Interesse für das, was er gerade
erzählte, Neugierde und ein Hauch von... Verlegenheit? Oder war dieses
Interesse anders geartet, als er glaubte? Dieser Anwalt begann, ihn
wirklich zu interessieren. Außerdem sah der Kerl verdammt gut aus... „Ja – das ist eigenartig...
aber jeder wird das sicher anders sehen...“, erwiderte Lindsey ruhig. Spike lächelte. Das war wirklich ein Anwalt,
der da neben ihm lag – diplomatisch selbst bei aufregenden Dingen, sachlich,
sich niemals richtig festlegend. Ob der wohl in Liebesdingen auch erst einmal
drüber nachdachte, ob es diplomatischer wäre zu vögeln oder nicht? Leidenschaftslos war er
jedenfalls nicht, denn unter dieser kühlen Oberfläche wummerte ein aufgeregtes
Herz, ein Vorschlaghammer in den empfindsamen Ohren des Vampirs. „Oh, ich denke nicht, daß das jeder anders sieht, Lindsey... Diese
Erfahrung ist einfach so göttlich... wie eine Auferstehung, bloß ohne Pauken
und Trompeten und daß man sich nicht mehr schwach fühlt, nicht mehr so...
hilflos, sondern daß alles anders ist, daß man auf einmal das Gefühl hat,
endlich Herr seiner Sinne zu sein. Und *was* für Sinne das sind! Wow!“,
begeisterte sich der blonde Vampir, während er die Reaktion Lindseys aufmerksam
verfolgte. Der Anwalt konnte den Blick
nicht vom Gesicht seines Bettgenossen wenden, und er betrachtete die Züge
dieses Antlitzes mit Wohlbehagen und einem gewissen Nervenkitzel – seine blauen
Augen, die jetzt förmlich Funken sprühten vor Begeisterung, seine wie aus
Marmor gemeißelten Wangenknochen, die die glatte und makellose Haut dieses
schönen Gesichtes vor ihm noch hervorhoben, seine Lippen, die jetzt zu einem
Lächeln verzogen waren und die gerade, wohlgeformte Nase. Da war diese Narbe
über seinem linken Auge, die in ihrer Häßlichkeit die Makellosigkeit dieses
Gesichtes eher vollendete als beeinträchtigte. Alles zusammen verwirrte
ihn, vor allem die Tatsache, daß er es anziehend fand und sehr sinnlich, was er
da neben sich im Bett sah. Und daß sich zwischen seinen
Beinen etwas regte, was er nun wirklich nicht rational erklären konnte. Lindsey hatte überhaupt
nicht bemerkt, daß Spike aufgehört hatte, zu sprechen – und jetzt seinerseits
ihn betrachtete, so vertieft war er in den Anblick, der sich ihm bot... Der blonde Vampir bemerkte
lächelnd die Veränderung im Gesicht seines Gegenübers, stellte erstaunt fest,
wie in dessen Augen eine Art Verzückung trat, ein unbewußtes Verlangen, wie
sich das Interesse, das er ihm entgegengebracht hatte, in Begehren verwandelte,
ohne daß es Lindsey selbst wohl bewußt wurde. Oder daß er zuließ, daß es
ihm bewußt wurde. Die saphirblauen Augen des
Anwalts waren weit geöffnet, als wollten sie alles, was es zu sehen gab, in
sich aufnehmen, und sein sinnlicher Mund lächelte unbewußt. Spike bewunderte
das fast unschuldig wirkende Gesicht des wahrscheinlich mit allen Wassern
gewaschenen Anwalts, der jetzt beinahe naiv aussah, erwartungsvoll und
gleichzeitig zweifelnd. Er hatte diesen Anzugträger
vom ersten Moment an, als er ihm in diesem stinkenden Keller entgegengetreten
war, attraktiv gefunden, so geschmeidig wie eine Katze, mit denselben
Bewegungen, die Ruhe und Routine ausstrahlten, fast kaltblütig, wenn da nicht
ein Hauch von Unsicherheit in seinen Augen gewesen wäre. In diesen beiden, wie
es ihm schien, immerwährend traurigen Gebirgsseen, die so glasklar waren und
trotzdem etwas verbargen. Ein Geheimnis, so tief in ihm verschüttet, daß es ihm
selbst wohl verborgen blieb. Spike betrachtete die für
einen Büromenschen gut ausgebildeten Oberarmmuskeln, seinen kräftigen
Brustkorb, sein jungenhaftes Gesicht, das auch noch jugendlich wirken würde,
wenn das dunkle Haar, das es umrahmte, von grauen Strähnen durchzogen sein
würde, und dessen Augen jetzt so verheißungsvoll glänzten. Und fand ihn einfach
unwiderstehlich. Die Stille, die jetzt im
Raum herrschte, knisterte förmlich, und der Vampir war kurz davor, sich zu diesen
weichen Lippen herunterzubeugen und sie zu küssen, als Lindsey plötzlich zu
erwachen schien – und errötete. ‚Sieh mal an – ein Anwalt,
der noch rotwerden kann.’, dachte Spike, und sein Lächeln wuchs, weil er nun
genau wußte, was in Lindsey vorging. Verlegen wandte sich der
Anwalt ab und legte sich auf den Rücken, seinen Kopf in den angewinkelten, gesunden linken Arm bettend. „Was sagten Sie da eben über
Ihre Sinne, Spike?“, fragte er leicht dahin, als hätte er diese Spannung
zwischen ihnen nicht wahrgenommen. Innerlich herrschte Aufruhr
in ihm, und er konnte sich nicht erklären, wie so etwas überhaupt geschehen
konnte – wie die Anwesenheit eines anderen Mannes, dieses so unverschämt
attraktiven Vampirs, ihn so verwirren konnte, als wäre es eine begehrenswerte
Frau, die verführerisch an seiner Seite lag. Lindsey schloß die Augen. „Sinne... naja, im wahrsten
*Sinne* des Wortes – auf einmal war es, als ob ich endlich Augen im Kopf hätte,
um zu sehen, als ob meine Ohren endlich wüßten, wozu sie da wären, und als
würden meine Fähigkeiten mit jeder Minute, die ich tot war, wachsen. Und dann
der Jagdsinn, der allmählich in mir erwachte... die Beute, die ich spüren
konnte, die Angst, die von ihr ausging, die mich immer nur noch mehr reizte...
so wie...“, flüsterte Spike am Ende, beugte sich zu Lindsey hinüber und zog mit
einem Finger eine leichte, unsichtbare Linie von Lindseys Haaransatz über
dessen Stirn, seine Nase entlang hinunter zu seinen weichen Lippen, über sein
Kinn und weiter über seinen Hals bis auf die nackte Brust des Anwalts, der
still dalag und die Augen geschlossen hielt. Die Hand des Vampirs blieb wie
selbstverständlich auf Lindseys
Brustkorb liegen. Der Anwalt hatte den Atem
angehalten, als er Spikes kühlen Finger auf seiner Stirn gespürt hatte, als
hätte er Angst, diese so unglaublich zärtliche Geste, die so unerwartet
gekommen war, durch die kleinste Bewegung zu zerstören. Seine Augen waren noch
immer geschlossen, und er wagte es kaum, sie zu öffnen... und in das Gesicht
des Vampirs zu blicken. Nicht aus Mißtrauen, weil
der ihn vielleicht beißen könnte – unverständlicherweise hatte er volles
Vertrauen in diesen Vampir – , nicht aus Angst, sondern aus einer inneren,
unerklärlichen Scham heraus. Weil er wußte, daß, wenn er die Augen öffnete,
diese stille Übereinkunft, die es bereits zwischen ihnen gab, besiegelt wurde,
etwas endgültiges haben würde, etwas, das man nicht mehr rückgängig machen
konnte. Lindsey atmete hörbar aus,
wartete ab, was als nächstes passieren würde. Der blonde Vampir lächelte. Er hatte einfach nicht
widerstehen können, und daß Lindsey vorhin rot geworden war, hatte ihn nur in
seinem Gefühl bestätigt. Wie durch einen Zauber hatte sich seine Hand gehoben,
und sein Finger hatte dieses ebenmäßige, so männliche Profil nachgezeichnet,
langsam und mit Muße, als ob die Zeit stillstehen würde in diesem einen Moment,
der alles einleiten... und alle Grenzen zwischen ihren Welten verwischen
konnte. Ein magisches Spiel, das
zwischen ihnen begonnen hatte wie ein sommerlicher Windhauch, der die Fetzen
eines melancholischen Musikstückes zum Fenster hereinwehte. Wenigstens für diese Nacht. Oder besser: diesen Tag. Lindsey rührte sich nicht,
und noch immer lag dieser kühle, sanfte Eroberer mit den fünf Fingern auf
seiner nackten Brust. Der Druck der Hand
verstärkte sich, als Spike sich hinüberlehnte und einen kleinen Kuß auf
Lindseys Mund hauchte, so winzig, daß Lindsey dachte, er täusche sich und seine
Augen halb öffnete, um zu sehen, was da passierte. Und da waren vor ihm diese
beiden tiefblauen Ozeane, in die sein Blick versank, die zugleich
herausfordernd und fragend schauten, auf eine Antwort wartend, lächelndes
Verlangen, das bereits wußte, daß es erfüllt werden würde. „Ich... ich bin *nicht*...“,
stammelte Lindsey verlegen, wurde aber von einem weiteren Kuß unterbrochen, den
ihm kühle Lippen auf seinen Mund drückten. „...schwul.“, vollendete
Spike trocken die Feststellung des Anwalts, hob den Kopf und lächelte
spöttisch. „Ich weiß, Lin. Ich bin´s
auch nicht. Und das hier hat nichts Schwules an sich, nicht im geringsten.“,
fuhr Spike fort, noch immer dieses wissende Lächeln im Gesicht, sah er direkt
in die überraschten Augen seines Gegenübers. Was war es dann, wenn es
nichts mit Schwulsein zu tun hatte, fragten Lindseys Augen in fassungslosem
Erstaunen. „Ihr Menschen teilt immer
alles in Kategorien, packt alles in eure Schubladen, damit es seine Ordnung
hat. Aber Gefühle sind Schlampen, für die Ordnung ein Fremdwort ist. Und
Schubladendenken sowieso. Da gibt es mehr, *viel* mehr, Lin... Da gibt es diese
unerklärliche Anziehungskraft, dieses Knistern, wo es zur Nebensache wird, was
für ein Geschlecht das Objekt der Begierde hat... Oder was für einer verdammten
Spezies es angehört... ob es ein böser, böser Anwalt ist... oder einfach nur
ein attraktiver Mann. Alles unwichtig. Wichtig ist nur der Moment. Der
Augenblick, Kleiner.“, sagte der blonde Vampir, ohne seinen Blick von Lindseys
Augen zu wenden. Lindsey errötete wieder, war
so ratlos und verlegen wie seit seiner Kindheit nicht mehr, und im selben
Moment verspürte er den Drang, sich einfach fallenzulassen... in die Arme
dieses Sinnlichkeit ausstrahlenden Vampirs, dessen wissende Augen ihn unentwegt
anblickten, während er die erstaunlichsten Dinge aussprach, die aus seinem
Munde so selbstverständlich klangen... oder den Wunsch nach
Selbstverständlichkeit in ihm heraufbeschworen. Der Anwalt kam sich auf
einmal sehr lächerlich vor. Aber der Vampir sprach
weiter, bevor er eine Entscheidung treffen konnte, die aus dem Kopf kam. „Wir sind hier gestrandet,
und vielleicht ist morgen einer von uns schon tot – oder wir beide werden dran
glauben müssen. Wie auch immer. Das hier könnten die letzten Stunden sein, die
wir in dieser Welt verbringen, bevor wir zur Hölle fahren...“, flüsterte er
eindringlich, fast bettelnd und strich zärtlich über Lindseys Oberkörper. Und er konnte spüren, unter
welcher Anspannung Lindsey da neben ihm lag, er konnte die widerstrebenden
Gefühle im Gesicht des Anwalts lesen, das Verlangen, das mit der Scham kämpfte,
wie seine rationale Seite mit seiner emotionalen um Fassung rang. Aber der blonde Vampir hatte
kein Erbarmen. „Wir haben diesen
Augenblick. Die Chance, einen Zipfel vom verdammten, löchrigen Flatterhemd des
Glücks zu erhaschen, ohne Reue, ohne Scham... für eine schöne Erinnerung, eine
kleine Glückssekunde, die wir uns nehmen, mein Anwältchen.“, schob Spike nach,
aber er wußte, daß das nicht mehr nötig war, denn Lindsey lachte jetzt leise. Gegen seinen Willen, denn
selbst in so einem scheinbar schicksalhaften Moment erfaßte er die Ironie, die
in Spikes Worten lag, den Witz, den er gerade gemacht hatte. Und dieses Lachen öffnete
sein verschlossenes Herz, ließ seine erkaltete Seele aufatmen, und er hieß
alles willkommen, was da folgen sollte. Der blonde Vampir senkte langsam
seine Lippen auf Lindseys Mund, der sich öffnete und ihn einließ, und dieser
Kuß eröffnete ein Festival von Leidenschaft, das Spike dem Anwalt fast nicht
zugetraut hätte, und ein leises Stöhnen kam aus Lindseys Kehle, während ihre
Zungen miteinander Bekanntschaft schlossen. Wieder blickten sich die
beiden in die Augen, als sich ihre Lippen voneinander gelöst hatten. Und sie
lächelten sich an, wissend und in überbordender Vorfreude. Die Hand des blonden Vampirs
wanderte von Lindseys Brustkorb hinunter in südlichere Gefilde, wobei sie die
Bettdecke einfach mit sich wegschob, und umschloß sanft den festen Penis, der
sich ihm entgegenstreckte, angespannt und erwartungsvoll, heiß angeschwollen,
daß Spike das Gefühl hatte, sich daran zu verbrennen. Als die Finger des Vampirs
sein Glied umschlossen, stöhnte Lindsey wieder auf, hob seine Hand zum Kopf
seines Liebhabers und strich fast schüchtern über dieses wohlgeformte Gesicht,
dessen Augen ihn lächelnd ansahen. Augen, in denen
Siegesgewißheit lag, triumphierend wie die eines Feldherrn, der die Schlacht
bereits gewonnen hatte. Welche Schlacht? Lindsey
wußte nicht mehr, was ihn noch einen Moment zuvor bewogen hatte, sich von
diesem Gesicht abzuwenden. Und es war genauso schön, es
zu berühren, wie er es sich vorgestellt hatte: fest und kühl. Er fuhr über die Narbe, die
sich durch die Augenbraue zog, strich mit dem Finger darüber, als würde er sie
nachziehen. Seine Finger faßten ins blondierte Haar, und er wunderte sich, wie
weich die noch feuchten Strähnen waren. Und er zog den Kopf des Vampirs an
dessen Haar zu sich hinunter, um ihn wieder zu küssen, dieses Mal selbst die
Initiative ergreifend, fast grob. Diese plötzlich so
selbstbewußte Geste erregte den Vampir umso mehr, und sein Dämon gab ein
lautes, ungeduldiges Knurren von sich, als sie sich wieder leidenschaftlich
küßten. Lindsey ließ von Spikes
Haar, und seine neugierige Hand wanderte weiter über den Rücken hinunter zum Po
des Vampirs, der sich so fest und rund und sexy anfühlte, daß er fast
hineinkniff, als er ihn jetzt umfaßte. Lindsey löste seine Lippen
von Spikes Mund und hob den Kopf, um zu sehen, was er da berührte, um diesen
Adoniskörper zu betrachten, und der Anblick ließ ihm den Atem stocken. Der
Körper, der hier halb über ihm lag, war einfach makellos, so fest und muskulös,
so weiße, schimmernde Haut, die ihn umschloß, daß es ihm fast wie in einem
Traum erschien. Aber er hatte nicht lange
Zeit, sich in seiner Betrachtung zu verlieren, denn der Vampir setzte sich
jetzt, ohne Lindseys Penis loszulassen, auf seine Knie und drehte sich so, daß
sein Kopf jetzt auf dem festen Bauch des Anwalts lag, der sofort aufstöhnte,
als das Haar des Vampirs seine empfindlichste Stelle streifte. Lindsey atmete tief ein, als
Spike ihn in den Mund nahm, als er sein erigiertes Glied mit seinen Lippen
umschloß und in sich aufsog, begann daran zu saugen, es mit seiner Zunge zu
umkreisen und es langsam mit seinen starken, erfahrenen Fingern zu bearbeiten. Lindsey schwebte im siebten
Himmel vor Lust, die das Kribbeln in seinem Bauch auslöste, die ein heißer
Strahl war, der durch seinen Körper schoß, als der Vampir ihn in sich aufnahm,
und im selben Moment erstaunte ihn die Tatsache, daß er überhaupt fähig war,
solche Leidenschaft zu empfinden. Er hatte sich innerlich für tot gehalten, für
erkaltet – und jetzt brach dieser Vulkan in ihm aus, ausgelöst durch einen
Vampir. Ein seelenloses Geschöpf der
Nacht, ein Untoter erweckte ihn zum Leben. Spike spürte, wie Lindsey
ihm entgegenkam, und er selbst hielt den Druck, den ihm sein eigener Penis
verursachte, kaum noch aus, aber Lindseys Körper war ein Paradies, ein
göttliches Geschenk, das hier vor ihm ausgebreitet lag, bereitwillig, Hitze
ausstrahlend, so lebendig, so leidenschaftlich, und er hatte das Gefühl, daß
diese Hitze als Strom in ihn hineinfloß und auch ihn erwärmte, mit sich riß,
und er fuhr zwischen die Beine seines Bettgenossen und umschloß mit einer Hand
dessen Hoden, strich mit dem Daumen darüber. Ein leidenschaftliches Stöhnen war
die Antwort, und Lindseys Körper bäumte sich auf, als er sich in den Mund des
Vampirs ergoß. Spike bahnte sich jetzt mit
kleinen Küssen den Weg von Lindseys Schoß hinauf zu dessen Hals, langsam jeden Zentimeter dieses wunderbaren
Körpers erobernd, ein Satellit, der jede Unebenheit einer wilden Landschaft
fotografierte, und er sog dabei den Duft ein, diesen wilden Geruch, der sich
entwickelt hatte, während Lindsey gekommen war. Der Vampir küßte die
pulsierende Ader am Hals des Anwalts, und der Gedanke, daß er fähig war, diese
jetzt zu öffnen und den roten Saft des Lebens in sich aufzunehmen, erregte ihn
fast bis an die Grenze der Unerträglichkeit. Sein Dämon flüsterte ihm zu,
es einfach zu tun, einfach das zu tun, wofür er lebte – zu töten, zu quälen,
Macht auszuüben über diese hilflosen Wesen, die sich Menschen nannten. Aber da
war auch die Macht seines Willens, die ihn über seinen Dämonen triumphieren
ließ, die ihn sich selbst besiegen half, seinen ungehorsamen Dämon im Zaum zu
halten und seine Mordlust in Sinnlichkeit umzuwandeln. Seine Zunge leckte die
Stelle, an der die Vene pulsierte, und das Rauschen des Blutes, das so schnell
durch Lindseys Körper gepumpt wurde, ließ ihn erzittern vor Begehren. Jetzt hob Lindsey den Kopf
und zog den Körper des Vampirs an sich, küßte ihn aufs Haar, bevor er sich zu
ihm hinüberbeugte, zärtlich über seinen Brustkorb strich und seinen Mund auf
diese weiße, kühle Haut senkte, um ihn zu küssen, seinen Geruch in sich
aufnehmend, so zärtlich, als wäre Spikes Körper aus Glas und er befürchtete, er
würde zerspringen. Lindseys Herz pochte laut,
und sein Atem ging so schnell, als wäre nicht genug Luft in diesem Raum für
ihn. Spike reckte sich ihm
entgegen, und er spürte, wie eine warme Hand seinen lechzenden, schmerzenden
Penis umfaßte, wie sich Lindsey unter ihn schob, sich auf den Bauch drehte und
seinen Penis zwischen seine Pobacken nahm, abwartend, was weiter geschehen
würde. Wieder kam da dieses Knurren
aus ihm, erregt, unwillig, ungeduldig, und wie ein Raubtier seine sich ihm
ergebende Beute, umfaßte Spike den Körper, der sich ihm darbot, stellte sich
auf seine Knie und ließ seinen Penis mehrmals in dieser so bereitwilligen
Spalte zwischen diesen wohlgeformten Pobacken hin und hergleiten, bevor er ihn
erstaunlich vorsichtig in die Öffnung schob. Und flüchtig, nur wie ein
Blitz, der für den Bruchteil einer Sekunde eine Landschaft erhellt und mit
seinem Erlöschen wieder alles im Dunkel zurückläßt, kam die Erinnerung an die
Nacht, als Angelus ihn „eingeritten“ hatte. Die Erinnerung an den Schmerz, an
den Geruch seines eigenen Blutes, an die Brutalität, den Haß und die
Verachtung, mit der ihn der ältere Vampir gedemütigt hatte vor den beiden
Frauen, die – kichernd Drusilla, kalt lächelnd Darla – zugesehen hatten, wie
aus ihm der Rest seiner Menschlichkeit gevögelt wurde. Und er dachte daran, wie er
innerlich triumphiert hatte, weil es ihm gelungen war, sich nichts anmerken zu
lassen. Aber die Erinnerung war nur
ein vorbeihuschender Schatten, und Spikes Gedanken wandten sich wieder dem
Körper zu, der unter ihm vor Lust bebte. Lindsey verspürte ein
Brennen, einen Schmerz, der ihm fast den Atem nahm, und gleichzeitig wollte er
mehr haben von dieser herrlichen, unbekannten Marter, mehr von diesem Vampir,
mehr in sich aufnehmen von ihm, mehr, mehr, mehr! Ungeduldig hob er sich Spike
entgegen, aber der wich zugleich zurück, und Lindsey stöhnte auf, weil er nicht
abwarten konnte, diese Folter zugleich nicht mehr länger ertragen konnte und
nicht genug davon bekam. „Sachte, Süßer, sachte.“,
flüsterte Spike, und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Er strich über den
Rücken, umfaßte die Schultern und griff ins Haar des Mannes, der ihn so
leidenschaftlich begehrte. Langsam, ganz langsam schob
sich Spike tiefer und tiefer in ihn hinein, vorsichtig und bedacht und
erstaunlich beherrscht. Er wollte ihm nur so viel wehtun, wie es erträglich
war, wie die Leidenschaft es zuließ und so viel, wie die Schmerzen Freude
bereiteten. Spikes Hände streichelten
über Lindseys Hüften, die sich ihm entgegenhoben, und er zog seinen Penis fast
vollständig heraus, bevor er ihn wieder in Lindsey hineinstieß, dieses Mal
fester und tiefer, und ein leises Stöhnen aus der Kehle Lindseys sagte dem
Vampir, daß die Schmerzen noch immer lustvoll waren. Mehr noch: Daß sie seine
Lust steigerten. Erneut zog er sich aus
Lindsey heraus und wartete einen kurzen Moment, bevor er wieder in ihn
eindrang, und der Vampir knurrte laut und animalisch, als er spürte, wie sich
die Muskeln um sein Glied schlossen, wie bei jedem weiteren Stoß ein Zittern
durch Lindseys schwitzenden, erregten Körper ging. Die Hitze, die von diesem
Körper ausging, war schier unerträglich, und er hatte das Gefühl, sein Penis
würde jedes Mal von einem brodelnden Flammenmeer verschlungen, was ihn nur noch
mehr erregte, ihn in immer kürzeren Abständen zustoßen ließ. Schneller und schneller
wurde der Rhythmus, in den Spike verfiel, und mit jeder Bewegung wurde Lindseys
lustvolles Stöhnen lauter und ungeduldiger. Auf Spikes Gesicht erschien
sein Dämon, lustvoll verzerrt, und die gelben Augen blitzten auf. Er umfaßte
Lindseys Hüften fester, und seine kräftigen Hände griffen in dieses heiße
Fleisch, das jetzt ihm gehörte, ihm allein, und er beugte sich zu Lindseys
Rücken hinunter und leckte einmal über diese so glatte Haut, wobei einer seiner
Reißzähne sie einritzte, nur leicht, aber so, daß Blut hervortrat, und der
blutige Salzgeschmack, den er verspürte, dieses Zittern des Körpers unter ihm
ließen ihn laut und wütend knurren. Und dann kam auch er, und
ein Stromstoß schoß durch seinen Körper, ließ ihn erbeben, ein Strahl aus
Schmerzen, Glück, Befriedigung, unglaublicher Hitze... und am Ende
Zufriedenheit, als er bemerkte, daß Lindsey im selben Moment noch einmal gekommen war, und sein Dämon verschwand
wieder. Spike ließ sich langsam von
Lindseys Körper gleiten, als er sein Glied herauszog, blieb aber dicht neben
ihm liegen, ihn fest mit beiden Armen umfassend. Der Anwalt drehte sich halb
auf die Seite und genoß diesen Moment des Abklingens, und sein Atem begann sich
zu normalisieren, während er sich eng an Spikes Körper schmiegte. Noch immer klopfte sein Herz
bis an den Hals, aber er war innerlich so zufrieden, so unbeschreiblich ruhig,
daß er das Gefühl hatte, nichts mehr zu wollen als nur so dazuliegen mit diesem
Vampir, wortlos und in inniger Übereinstimmung mit dem Wesen, das ihm hier so
nahe war. Es war ein Gefühl, als würde er dahinschweben durch Raum und Zeit,
als wäre seine Seele endlich in einem Zustand angekommen, der alle Pein
beiseiteschob und alle Erinnerungen daran gleich mit. Der blonde Vampir lächelte,
als er spürte, wie Lindsey sich an ihn schmiegte, und er drehte sich langsam
auf den Rücken, legte vorsichtig einen Arm um ihn und bettete dessen Kopf
zärtlich auf seine Schulter. Er hätte für den Rest seines
Lebens so daliegen können. Lindsey hatte die Augen
geschlossen, und er horchte in seinen Körper hinein, der gerade zur Ruhe kam,
hörte sein Herz ruhig schlagen, das eben noch gerast war. Ein kleiner Schrecken
erfaßte ihn, als er daran dachte, daß er der einzige in diesem Raum war, der
einen Herzschlag besaß und atmete. Aber dieser kleine Schreck war mehr ein
freudiges, aufregendes Indiz dafür, daß Gefahr so einen unglaublichen Spaß
machen konnte... Er drehte den Kopf und
öffnete die Augen, um Spike anzusehen und begegnete seinem lächelnden Blick,
diesem für Spike so typischen Augurenlächeln, das ihn gleichzeitig liebkoste
und verspottete. „Was ist? Bist du über dich selbst erstaunt, Anwältchen?“, fragte
der Vampir. Wieder mußte Lindsey lachen
– über dieses Wort, das es eigentlich nicht gab, über den Erfindungsreichtum,
mit dem der Vampir es kreiert hatte, ein so zärtliches Wort, in dem so viel
Witz lag, so dahingesprochen, als wäre es keine Sensation, sondern ein
alltäglicher Begriff. „Irgendwie schon, Spike.
Woher wußtest du, daß ich...?“, fragte er. Der blonde Vampir lachte. „Oh, ich kenne dich. Du bist
zerfressen von Ehrgeiz, du liebst das Geld und die Macht, und du würdest ums
Verrecken gerne richtig und mit aller Konsequenz böse sein, Lin. Du hast
schlimme Dinge getan, *wirklich* schlimme Dinge. Du hast viel geopfert – nicht
nur deine Hand. Aber du hast nie dazugehört, egal, was du getan hast, du bist
immer der geblieben, der du warst. Und du wußtest, daß sie es wissen – und für
sich nutzen, so pfiffig wie sie sind, aber du hast trotzdem weitergemacht,
nicht wahr? Und in letzter Konsequenz hast du alles sausen lassen – deinen
tollen Job, die Allmacht, die du genießen durftest, das Geld, alles, um mit mir
die Welt zu retten. Und dabei weißt du noch nicht einmal, ob wir es schaffen –
und vor allem, ob du´s überleben *willst*oder lieber nicht, denn danach kommt
der große Katzenjammer, weil dein Leben im Eimer ist, wie es scheint.“, gab
Spike ruhig von sich, während Lindseys Augen immer größer wurden vor Erstaunen.
Wie konnte dieser Vampir das
alles wissen – sie kannten sich doch kaum ein paar Stunden? Aber Spike beantwortete die
ungestellte Frage in Lindseys Augen nicht, sondern fuhr fort: „Wahrscheinlich kommst du
aus schrecklichen Verhältnissen und hast dich mühselig davon befreit, tust
alles dafür, um dich von diesem Makel reinzuwaschen, nicht wahr? Und außerdem
bist du unglücklich verliebt. Da sind wir übrigens schon zwei, Blauäuglein.“ Lindsey schluckte
erschrocken. Woher wußte Spike von seiner Liebe? Woher wußte er, wer er war? Wie
konnte er das alles wissen? „Spike... wie... Kannst du
hellsehen?“, fragte er atemlos. Der lachte wieder. Und kam
sich vor, als wäre er der liebe Gott, der diesem Kind hier Nachhilfe in
Lebenskunde gab. Kopfschüttelnd drückte er Lindsey einen klitzekleinen Kuß aufs
Haar. „Nein. Du hast es mir
erzählt, Lin. Jeder Blick aus deinen traurigen Augen, jede Geste, dein Körper,
deine Seele erzählen mir, wer du bist. Und du bist ein Wunder.“, erwiderte er. Lindsey stockte der Atem. Was war das mit diesem
Vampir? Wie war es möglich, daß er mit ein paar Blicken erkannte, wofür er
selbst sein ganzes Leben gebraucht hatte... und immer noch nicht begriff, was
es damit auf sich hatte! „Das Wunder... bist *du*,
Spike.“, entfuhr es ihm, und er kuschelte sich noch enger an den Vampir. „Naja, wenn man´s so
nimmt. Ich bin tot, laufe in der Gegend herum, habe Superkräfte und gerade eben
verdammt schönen Sex mit einem verdammt schönen Anwalt gehabt... Hmmm. Ja, das
könnte man schon ein Wunder nennen. Aber ist es nicht auch ein Wunder, daß wir
das hier hatten? Gemessen an der Länge unseres Lebens sind diese glücklichen
Momente nur Sekunden. Und wir sammeln sie unser Leben lang, wir leben für diese
Sekunden, nur für diese kleine Handvoll Glück, Lin, das morgen schon wieder vorbei
ist. Und es wäre doch verdammt schade gewesen, wenn wir das nicht eingefangen
hätten, oder?“ Der Anwalt lächelte in sich
hinein. Da war hier so nahe bei ihm
dieser Vampir, der ihm die Welt erklärte, und es war so wunderbar
selbstverständlich, als wäre es von Anfang an nur auf dieses Abenteuer hier
hinausgelaufen. Ihm wurde fast schwindlig
davon, mit welcher Leichtigkeit dieser Vampir alles durcheinandergewirbelt und
zurechtgerückt hatte, aber dieses Schwindelgefühl war wie der Rausch, den eine
Achterbahnfahrt auslöst, dieses ekstatische Gefühl, zusammengesetzt aus
Entzücken und Angst, das einen überfällt, wenn der Wagen durch die höchste
Kurve rollt und die Erkenntnis kommt, daß es kein Zurück mehr gibt. Lindsey atmete tief ein, und als er diesen Atemzug wieder aus
seiner Lunge herauspreßte, wich auch alles von ihm, was ihn bis dahin so
bedrückt hatte. Seine Unsicherheit, seine Beklommenheit, die Verachtung seiner
selbst, und auf einmal erschien ihm seine Zukunft gar nicht mehr so düster wie
noch vierundzwanzig Stunden zuvor. Er hob den Kopf und sah in die beiden so blauen Verheißungen, die
ihn aus Spikes Gesicht anblickten und fragte: „Gönnen wir uns noch ein
Sekündchen, Spike?“ ~*~ Ende ~*~
Geschichten |